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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-12-29 · Heft 52 (29.12.1893) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 52 (29.12.1893)
Date
1893-12-29
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 Mehr als 3i> Jahre laug war derselbe im Vorstände des israelitischen Armen - Hilfsvereines Ihätig und gehörte auch längere Zeit dein Vorstände des israelitischen Holzvertheilungsvereines und der Verwaltung der S. B. Latz'schen Krankenanstalt an. Ehre seinem Andenken! — Seit einiger Zeit suchen die Antisemiten auch in der Stadt Posen Boden zu gewinnen. An mehrere Saalbesitzer wurde die Anfrage gerichtet, ob sie ihre Räumlichkeiten für eine antisemitiche Versammlung - hergeben wiirden. Die Herren Antisemiten haben jedoch überall einen - ablehnenden Bescheid erhalten. Dieselben wollen nun ein Flugblatt ver-! breiten, in dem besonders die Stadtverwaltung als „verjudet" augegriffe:! werden soll. Als Haupturgument muß der Umstand herhalten, daß die z Stadtverordneten-Versannnluug sich bis jetzt gegen die Einführung einer! Geflügelsteuer gesträubt habe, während die endlosen Erhöhungen der; Einkommensteuer in jedem Jahre gegenstandslos bewilligt werden. Nach der Meinung des Verfassers des Flugblattes würden hauptsächlich nur die Juden von der Einführung einer Geflügelstener betroffen werden. : Demgegenüber sei jedoch nur erwähnt, daß sich, wie bekannt, mehrere j Stadtverordnete jüdischer Konfession ausdrücklich für die Einführung der genannten Steuer ausgesprochen haben. 1'. Posen, 14. Dezember. Im israelitischen Schlachthause j fand am 0. d. Mts., Nachmittags in Gegenwart des Departemeutslhierj arztes Heyne und des jüdischen Korporatiousvorstandes das Schächten j von Rindern statt, um festznstelleu, ob damit eine Thierguülerei verbunden sei. Herr Heyne erklärte, daß seiner Meinung nach eine Thier- , quälerei uanientlieh auch beim Werfen der Thiere ausgeschlossen sei. | Vom Schnitt bis zur letzten Muskelznckuug vergingen 3 Minuten. —; 'Am 11. d. Mts. Abends fand im Keiler'scheu Gesellschaftssaale, welcher; vom Besitzer uneigennützig zur Verfügung gestellt war, die zweite Generalversammlung des Jsraelitischen Vereins „Frauenwvhl" unter großer Betheiligung seiner Mitglieder statt. Der vor 2l/4 Jahren zur Pflege kranker Frauen und Kinder begründete Verein ist in erfreulichem Wachsthum begriffen. Tie Mitgliederschaft beträgt jetzt nahezu an 400 Personen, und der Rechenschaftsbericht weist eine Ausgabe von 1500 Mark nach; diese wurden fast ausschließlich für Naturalverpfleguug der hilfsbedürftigen Giranten verwendet. Nachdem der Versammlung hierüber Bericht erstattet worden war, hat diese auf Grund eines Berichts einer früher ernannten Revisionskommission dem Vorstande Decharge ertheilt und daraus die Neuwahl einer Vorsitzenden und einer Stellvertreterin dem Statute entsprechend vollzogen. Beinahe mit Einstimmigkeit wurden die Damen Frau P h i l i p p i n e R o senberg und Frau H el en e Eobliner iviedergewählt. Zum Schluffe gaben die Versammelten dem Vorstände für dessen bisherige Verwaltung ihren Tank kund. Nach einer halbstündigen Pause wurde um 6 Uhr die eigentliche Stiftungsfeier statutengeinäß begangen, zu deren Gelingen eine Anzahl Damell und Herren mit ebenso vieler Kunstfertigkeit wie Hingebung zusammen wirkten. 0a. Alls Schlesien, 23. Dezember. Der an der Synagoge in 1 Myslowitz seit einer Reihe von 40 Jahren anitirende Kantor Lew in! beging am 3. d. Alts, in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag, wozu! ihln vom Vorstande und Repräsentantm-Kollegium Gliickwiinsche über-! bracht wurden. — Ebenda wurde am gleichen Tage im Grunwald'schen j Saale zur dt euwahl der Vorstandsdamen vom israelitis chen Frauen- , verein eine Versammlung abgehalten, zu welcher der Vorstand der j Synagogen-Gemeinde eingeladen war. Gewählt wurden Frau Rabbiner; Dr. Iaff6, Frau Tr. Breit und Frau Partikulier Silbermann. Hierauf fand ein Mahl statt, bei welchem Rechtsanwalt Dr. M a t ter s d o r f die Festrede hielt. Den Schluß bildete ein gemüthliches Tanzkränzchen. — In einer der jüngsten Stadtverordneteusitzungen in Kattowitz war die vom Magistrat vorgenommene Wahl des Rektors Dr. Fischer, von der ich Ihnen berichtet, Gegenstand einer Debatte. Stadtv. Gerdes, der bei den jüngsten Wahlen nicht wiedergewählt wurde und dem seiner Zeit vorgeworfen wurde, gegen obige Wahl agitirt zu haben, erklärte, daß er bereits in der betreffenden Sitzung gegen die Wahl gewesen wäre, aber nicht aus antisemitischen Gefühlen, sondern weil er es nicht i für angebracht halte, daß in einer Stadt, wo 17,000 Christen und 1400 Juden lebten, der Rektor der höheren städtischen, wenn auch : simultanen Mädchenschule jüdisch und dazu unverheirathet sei. Er sei i nicht dagegen, daß Dr. Fischer an der Anstalt Unterricht ertheile, sondern halte ihn nur zum Leiter für ungeeignet, und er habe deshalb die Petition; an den Regierungspräsidenten unterschrieben. Den Vorwurf des Antii semitismus weise er zurück, Als Urheber der Petition wurden die Stadtverordneten Gebhardt und Tomalla bezeichnet. — Am Dienstag den 7. d. Mts. feierte der israelitische Frauenverein in Kattowitz sein Stiftungsfest im Hotel de Prusse. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Dr I. Kohn. Nach Beendigung der Festtafel gelangte ein Theaterstück zur Aufführung Alle Theilnehmer waren in fröhlichster Stimmung. Dell Schluß bildete der Tanz. — Bei der Anfang d Mts. in Gleiwitz stattgehabten Repräsentantenwahl der dortigen Spnagogen- Gemeinde, deren Leitung Oberbürgermeister Kreidel hatte, wurden zu Repräsentanten gewählt: die Rechsanwälte Lustig und Schüller, Fabrikbesitzer Josef Kleczewski, Kaufleute A. Danziger, Hugo Langer, Gustav Steiner, Baukdirektor I. Fränkl und Destillateur I. Blmuenthal, als Stellvertreter Dr. med. Bermann und die KaufleuteS. Tropplowitz, L. Löwensteiu, I. Grünberger und Gustav Hahn. — Anläßlich der am 1. d. Mts. gefeierten silbernen Hochzeit spendete Herr Synagogen- Vorsteher M. Schaal in Pleß den Ortsarmen ohne Unterschied der Konfession 75 Mark, der jüdischen Gemeinde 50 Mark. — Als Rep riif ent einten der israelitischen Gemeinde in Zabrze wurden gewählt die Herren Max Böhm, Rechtsanwalt Sachs, I. Grünwald, W. Borinski, Mar Maudowsky, als Stellvertreter Eugen Händler und Bernhard Ucko. Für Herrn Oppler, der nach Dortmund verzogen ist, wurde Herr I. H. Lewin gewählt. — Nach längerem Leiden starb in Rybnik in seinem 70. Lebensjahre der frühere Besitzer der dortigen Lederfabrik, der eigentliche Begründer des oberschlesischeu jüdischen Waisenhauses, Herr Ferdinand Haase. Durch eisernen Fleiß, Intelligenz und Sparsamkeit wußte der Verstorbene die seit mehr als 100 Jahren tut Besitz der Familie befindliche Gerberei zu einer der bedeutendsten Fabriken dieser Gattung umzugestalten. Er hatte ein warmes Herz für seine Arbeiter, für die er viele Jahre vor Erlaß des bezüglichen Gesetzes eine Krankenkasse gegründet hatte. Daß sich der Verstorbene früher auch am Gemeindeleben betheiligte, braucht kann: erwähnt zu werden. Er gehörte eine lauge Reihe von Jahren dem Vorstands- resp. Reprasentanten- Kollegium der Gemeinde Rybnik an und bewies auch im israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungsverein sein Interesse. Am 8. d. Mts wurde der Verblichene von einem überaus großen Trauergefolge zur letzten Ruhe geleitet. Tie Trauerfeier selbst hielt Herr Rabbiner Dr. Münz ans Gleiwitz ab. — In der Synagoge in Hirschberg wurde beim Gottesdienste am jüngsten Sonnabend in einem Dankgebete, welches Herr Rabbiner Dr. Biram im Anschluß an oas allgemeine Gebet für Kaiser und Reich auf der Kanzel sprach, der gnädigen Bewahrung Sr. Majestät vor dem geplanten Attentate gedacht. Auch in anderen Synagogen- Gemeinden war ein Gleiches der Fall. — Von einend noch unbekannt gebliebenen Bürger ist der Stadt G log au eine Stiftung von 100,000 Mark zugewendet worden. Diese Stiftung ist zu Ehren eines alten Glogauer Bürgers, des daselbst verstorbenen Kaufmanns Josef Lazarus und dessen Frau bestimmt. Die Zinsen dieses Kapitals sollen zur Unterstützung verschämter hilfsbedürftiger Einwohner der Stadt ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses verwendet werden. Das Kuratorium dieser Stiftung besteht aus dem jeweiligen Oberbürgermeister und Stadtverordneteuvorsteher und den: Justizrath Friedländer bezw. dessen Nachfolger. — Aus Anlaß ihrer am 0. d. Mts. stattgehabten goldenen H o chz eits f ei er übermittelte Frau Bankier I ar isl o w sky, geb. Sachs, in Berlin, dem Bürgermeister Heucinski in Gutt entag zur Bertheilung an die in ihrem Geburtsorte Guttentag lebenden jüdischen und christlichen Armen je 100 Mark. — Der Magistrat in Friedland (Oberschlesien) macht durch Inserat bekannt: „Die baldigste Niederlassung eines christlichen Rechtsanwaltes an Stelle des verstorbenen Rechtsanwaltes und kgl. Notars Herrn Johannes Richter Hierselbst ist dringendes Bedürfniß. Nähere Auskunft ertheilt bereitwilligst der Unterzeichnete." Dieser Unterzeichnete ist der wohllöbliche Magistrat Man sollte meinen, die Konfession eines Rechtsanwaltes geht den Magistrat als solchen gar nichts an. T. Breslau, 26. Dezember. Nebst der offiziellen von der hiesigen Synagogengemeinde unterhaltenen Waisenanstalt sorgt für die Erziehung schutzloser jüdischer Kinder noch der vor vier Jahren gegründete, unter Vorsitz des Professor Dr. B. Badt stehende „Verband zur Erziehung hilfsbedürftiger israel. Kinder." Der Verein zählt 725 Mitglieder, von denen 534 in Breslau, 63 in Ostrowo, 50 in Zarbze und 78 in 39 anderen Städten leben. Die Kinder werden nicht in einem besonderen Waisenhause, sondern einzeln bei anständigen jüdischen Familien für ein

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