Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1893)
- Date
- 1893-12-22
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
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2 Bürgerstande an gehörend, ihren jüdischen Mitbürgern durch die Veröffentlichung eines Aufrufs gegeben, welcher in eindringlichster Form zur Erhaltung des Friedens auffordert. Es ist auch zu hoffen, daß der gesunde Sinn der hiesigen Bevölkerung das antisemitische Treiben mit Ernst von sich weisen wird. 8. Schivelbein, 14. Tezember. Auf Jljre Anregung koustituirte sich hier am 22. v. M. unter Vorsitz des Herrn Kaufmann Gustav Engel ein jüdischer Litteraturverein. Am 3. d M. hielt derselbe seinen ersten Lese- und Tiskutirabend. Zur eigentlichen Eröffmmgsfeier hatte sich Herr Rabbiner Tr. Vogelstein aus Stettin in dankenswerthester Weise bereit erklärt, einen Vortrag zu halten. Infolge Erkrankung des genannten Herrn an Influenza wurde jene Feier bis zu seiner Wiedergenesuug hinausgeschoben und fand nunmehr erst am 12. d. M. statt. Um 8 Uhr Abends hatte sich eine Versammlung von ungefähr 120 Personen, unter denen sich Herr Viirgermeister Palleske befand, im Saale des Iben'schen Hotels ein.gefnnden. Ter Schriftführer des Vereins begrüßte die Versammlung und legte in kurzen Zügen die Tendenzen des Vereins dar. Hierauf hielt Herr Tr. Vogel stein seinen Vortrag über die Glanzperiode der jüdischen Litteratur auf der pyrenäischen Halbinsel im 11 und 12. Jahrhundert. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschte die Versannnlung den Inständigen Ausführungen des gelehrten Redners, den sie am Schlüsse seines Vortrages mit lebhaftem Beifall begrüßte. Möge der gelungene Verlauf dieses erstell Vortragsabends eine gute Vorbedeutulig für das Gedeihen des Vereins sein. Derselbe zählt gegenwärtig bereits 42» Mitglieder. in. Gelsenkircyen, 17. Tezember. Am Molitag, beii 4. d Mts., am z)veiteli Tag Ehanukah, feierte der Israelitische Unterstützungs- Verein ..Eiievru G emillas Gliesed“ sein 29. Stiftungsfest. Die Theitnahme der Mitglieder war eine allgemeine. Die Leitung der Feier lag in den bewährten Händen des Vorstehers des Vereins, I. Mandelbaum, der auch die Festrede hielt, worin derselbe die Thätigkeit des Vereills schilderte: tiefen Eindruck in achte eine warm empfundene Rede des Herrn I Israel. 'Am Mittwoch Nachmittag wurde eine Ehannkahbescheerung nebst Ehanukahfeier durch die Gelneiudemitglieder veranstaltet. 81. Alzey, 12 Tezember. Anläßlich seines 0< »jährigen Jubiläums, welches der hiesige israelitische Frau e ll v e re i n ain verflossenen Sabbath Ehanukah begilig, nistete derselbe auf Initiative unseres Rabbiners Herrn Tr. Levi ein kostbares Proches nebst drei dazu passenden Thoralnäutelu lliit herrlicher reicher Goldstickerei, hervorgegangen aus der Fabrik des Herrn Rnpp in Frankfurt a. M. Dieselben wurden gleichzeitig an diesem Tage ihrer Bestimmung übergeben und feierlich eingeweiht. Des Nachmittags wurde auch die Jugend im Jugendgottesdienste auf die Bedeutung des Tages aufuierksam gemacht. Diese Jllgendgottesdienste finden scholl seit diesen! Frühjahre statt. Tie hiesigen jüdischen Seminaristen sungiren als Vorbeter; Gesang der Kinder und eine passende 'Ansprache des Herrn Rabbiners verleihen dern Gottesdienste die nöthige Weihe, so daß sich zu der stattlichen Zahl der andächtigen Schüler und Schülerinnen auch immer noch Erwachsene gesellen. — Leider hat unsere Gemeinde in den letzten Tagen durch den Tod des Herrn Simon Baum 11 einen Verlust erlitten. Welche Liebe und Achtung sich derselbe zu erringen gewußt hatte, davon zeugte die enorme Betheiligung bei seiner Beerdigilng. Seine Verdienste wurden deshalb auch voll den Herren Rabbiner Tr. Levi und Reallehrer Tr. Storch, deln Vorstände der hiesigen Loge, gebührend gewürdigt, während der Gesangverein Sängerkranz durch Gesang die Feierlichkeit erhöhte. - Friede seiner Asche! * Attsbnch, 14. Tezember. Am 0. d. Mls. verschied nach kurzer Krankheit Herr Tistriktsrabbiller A. B. Grün bäum im 82 Lebensjahre. Ter Verstorbene war im Jahre 1*11 zu Gunzen hausen geboren, besuchte nach dem frühen Verluste seiner Eltern das hiesige Gymnasium und kam nach dem Besuche der Universität München als Kandioat nach Alisbach, wo er ullter dem dalnaligell Tberrabbiner hier wirkte, bis er nach dessen 'Ableben auf die Stelle seines Vorgängers berufen und am 12 Juli 1841 durch Bürgermeister Stirl feierlich installirt wurde. Seit mehr als 02 Jahren versah er die hiesige Seelsorge lliit seltener Treue und nnerillüdlichcll! Eifer zum Besten seiner Klittusgelllcinde; selbst in seinerli hohen Filter oblag er seiner Pflicht in einer Weise, die neben der Bewunderung für den greifen Rabbiner oft das Gefühl der Rührllllg her-! vorrufen mußte. Weit iu den bayerischen Landen wurde sein Name mii | Achtung genannt; denn er war bekannt als einer der besten Kanzelredner.! Jll hiesiger Stadt war er bekannt und beliebt als ein edler, duldsamer. ruhiger Charakter, der blos seiner Pflicht zu genügen suchte und in! andere Streife nie störend ein griff: auch seine nichtjüdischen Mitbürger ' verehrten lind schätzten ihn hoch. Selten noch dürfte hier eillem Manne das j ehrende Geleite zum Grabe zu Theil geworden sein, wie der Leiche Grünbaums. : Kein Unterschied in der Konfession hielt den Schmerz um den tfjeureu; Tobten zurück; die protestantische wie die katholische Geistlichkeit sah! man an dem Sarge des Ehrenmannes. Auch die Stadtgemeinde,! Magistrat wie Kollegium, schloffen sich dem langen, langen Trauerzugc; an. All! Grabe angekommen, hielt Herr Rabbiner Dr. Nenbürger von i Fürth die Leichenrede und gab in von Herzen komlnenden und zu Herzen; gehenden Worten ein Bild von dem edler! Wirken des Dahingeschiebenen als Seelsorger und von der Bescheidenheit und Menschenfreundlichkeit, die > ihn als Menschen zierte. Herr Rabbiner Dr. Bamberger von Würzbnrg drückte im Namen der übrigcn Rabbiner Bayerns dem Verblichenen seinen Dank für das kollegiale Wirken und die erwiesene kollegiale Freundschaft aus. Nach ihm ergriff der Vorstand der hiesigen israelitischen; Stultusgemeinde Herr Kaufmann Selling das Wort, als Kultusvorstaud und als Vertreter der Distrittsgemeinde kern thenren Heimgegangenen für die große väterliche Liebe und Fürsorge, welche er seiner hiesigen : wie der Distrikts - Gemeinde während seines 02jährigen ersprießlichen Wirkens zu Theil hat werden lassen, iu warmen Worten zu danken. Herrn Selling folgte Herr Justizrath Josephthal, der in meisterhafter Rede verschiedener freudiger und trauriger Episoden aus dein Leben des verstorbenen Herrn Rabbiners gedachte und am Schluffe als einer der ällesten Schüler im Namen der früheren Schüler des Heimgegangenen diesem für den von ihm in ihre jungen Herzen gelegten guten Samen wärmsten Nachruf widmete. Zum Schluß folgten noch als weitere Redner der II. Knltnsvorstand von Günzenhausen Herr Blumenthal, in welcher Stadt Grüubaums Wiege stano, und ein Lehrer aus dem Distrikte. Möge dem Manne, der als Seelsorger wie als Bürger sich die höchste Achtung errang, die Erde leicht und sein Andenken ein gesegnetes sein! H. Fürth, 17. Dezember. Der Kantor au der Hauptsynagoge und Religiouslehrer an der kgl. Realschule, Herr Abraham Ebert hier,! beging am Montag den 11. Dezember in voller Frische des Geistes und | Rüstigkeit des Körpers die Feier des 70. Geburtstages. Zahlreiche Beglückwünschungen trafen von nah und fern, und selbst durch das Kabel des Weltmeeres ein. Von den den! Jubilar behändigten Werthsachen : sind die von der Kultusgemeinde übergebenen zwei, etwa 60 Centimeter hohen, fünfarmigen Silbergirandolen hervorzuheben. Deputationen der! Stultusgemeinde, der Realschule u. s. w. erschienen unter Führung der j betr. Vorstände. — Der vor einem Jahre dahier gegründete „Verein! der Freunde" hat beschlossen, neben Geselligkeit auch die Pflege der; jüdischen Geschichte nnb Litteratur durch Abhaltung geeigneter Vorträge! in die Hand zu nehmen. Den Neigen der Vorträge er öffnete Herr i Rabbiner Dr. P. Stöhn am 11. ds. über: „Der Streit um den Talmud,! ein Vorläufer der Reformation". Redner entledigte sich der übernommenen! Aufgabe iu einem '», 4 ständigen interessanten Vortrage unter großem Beifall der zahlreich Erschienenen. Wir begrüßen die von dem „Verein der Freunde" bethätigte Neueinrichtung der Veranstaltung öffentlicher Vorträge mit freudiger Genugthuung und erblicken in ihr die Garantie : für ein regeres religiöses Leben in hiesiger Gemeinde. Oesterreich - Ungarn. LI Wien, 18. Dezember. Diese Woche gab's einen vergnügten Tag 1 für die Wieucr Antisemiten, die an zwei verschiedenen Stellen einen unleugbaren Erfolg erzielten. Der Jmnmnitätsansschuß des Abgeordnetenhauses hatte sich mit ber berüchtigten Aeußerung des Ernst Schneider zu befassen, die er im September d I in einer Versammlung beim : „Weißen Hahn" in Strems vorgebracht und bezüglich deren das Strafgericht das Verlangen gestellt hat, gegen diesen Menschen die strafgerichtliche : Untersuchung einleilen zu dürfen Unsere Leser erinnern sich wohl noch \ an den Bericht über jene in Strems stattgefundene Versammlung und : an den ''Artikel, in welchem wir die Rede des Ernst Schneider besprachen. - Dieser Mann hatte daran erinnert, daß ja einst, als die Mongolen in; Europa hausten, eine 'Schußprämie für die Vertilgung derselben ausgesetzt . wurde, und empfahl, analog diesen! Vorgänge, auch die Einführung