Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1893)
- Date
- 1893-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Saljr«. #r. 1. «eilm, r, 3tammr!893 WeiLcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. ££$ Berlin, 3. Januar. Durch die Tagesblätter sind in letzter -"jeit vielfach irrige Mittheilungen über Vorgänge innerhalb der hiesigen indischen Gemeindekollegien verbreitet worden. Wir begnügen uns für heute, dies zu konstatiren und erwähnen nur noch, daß der Vorstand der indischen Gemeinde die Beschlußfassung über die vielfach besprochene Abj iendung einer Adresse an Se. Majestät den Kaiser vertagt hat.! chp Berlin, 4 Januar. Herr Justizrath Mako wer hat sein Amt! als Vorsitzender der Repräsentantenversamnllung, das er Jahrzehnte lang j mit so großem Erfolg bekleidet hat, niedergelegt. Wer da weiß, mit j welchem Eifer Herr Mako wer seinem Amte obgelegen, welches Geschick | er in der Leitung der Debatten, in der Ausgleichung von Differenzen j entwickelte, welch innige Liebe er für die heilige Sache des Judenthums! üets gefühlt und welch regen Antheil er an allen Schicksalen der Ge-! meinde genommen, der wird sicher mit uns diesen Entschluß dieses allver- - hrten Mannes auf das Lebhafteste beklagen und auch mit \\n§ den Wunsch theilen, daß es den Bemühungen einflußreicher Männer gelingen möge, Herrn Justizrath Makower zu bewegen, daß er seine Demission zurückziehe! Berlin, 3. Januar. Am 29. v. M. fand die erste ordentliche! Generalversammlung des „Vereins für jüdische Geschichte und j Wtteratur" im Architektenhause statt. Nachdem der Vorsitzende, der | Rendant und die Revisoren ihren Bericht abgestattet und Decharge ertheilt! worden war, erfolgte die Vorstandswahl. Es wurden gewählt die! Herren Dr. G. Karpeles, Julius Jsaac, Rabbiner Dr. A. Rosenzweig,! Prediger Dr. M. Levin, Dr. H. Hildesheimer, A. Katz, Dr. Heinrich! Meyer-Cohn, Dr. I. Ginsberg, Gymnasialoberlehrer Dr. M. Schäfer,! Professor Dr. M. Philippson, W. Bambus. Die Berathnng verschiedener! ueueingelaufener Anträge füllte den Rest des Sitzungsabends aus, an welchem auch die erste Publikation des Vereins, der „Divan des Jehuda Halevi", zur Vertheidlung gelangte. Diejenigen Mitglieder, welche in der Generalversammlung nicht anwesend waren, erhalten das Buch in den nächsten Tagen durch die Post zugeschickt. - Der „Verein für jüdische Oieschichte und Litteratur" hat jetzt über 250 Mitglieder. § Berlin, 2. Januar. An Stelle des in den Ruhestand tretenden Professor L Lewandowski ist Herr Kapellmeister Keller mann, bisher in München, zum Chordirigenten an der neuen Synagoge gewählt worden. * Berlin, 1. Januar. Gestern ist hier der Geheime Sanitätsrath Dr. Lion Hollstein gestorben. Derselbe hat von den 81 Jahren, auf j die er es gebracht hat, 60 in Berlin verlebt. 1811 zu Lissa in der! Provinz Posen geboren, kam Hollstein, auf den: Gymnasium feiner! Vaterstadt vorgebildet, 1832 nach Berlin, um hier bis zum Herbst 1830 z Medizin zu studiren. In seinem letzten Studienjahre gewann Hollstein! für eine Untersuchung über die Geschichte der Lehre von den entzündungsj hemmenden Mitteln und von der Bekämpfung der Entzündung im! "Allgemeinen bei der Berliner Universität einen Preis. Den ersten Theil! dieser Preisarbeit benutzte er zur Doktorschrift, müderer im Herbst 1836 j hier promovirte. Im Jahre darauf legte er die ärztliche Staats- | Prüfung ab und begann alsbald die Praxis. In Anerkennung seines ärztlichen Schaffens erhielt Hollstein zu Anfang der sechziger Jahre den; Sanitätsrathtitel und etwa ein Jahrzehnt später den als Geheimer; Sanitätsrath. In der medizinischen Wissenschaft hat sich Hollstein durch sein „Handbuch der Anatomie" ein Andenken gesichert. Er begann mit; dessen Ausarbeitung 1840 und stellte die erste Ausgabe 1845 fertig -Reu daran war für Deutschland die von England entlehnte Vereinigung j von Text und Abbildungen. Hollsteins Anatomie hat fünf Auflagen erlebt und ist bis zu den siebziger Jahren bei den Medizinstudirenden : sehr beliebt geblieben. Sie wurde auch mehrfach in fremde Sprachen , übertragen. ££$ Berlin, 3. Januar. Der Vorstand der Hilfskasse für israelitische Kultus beamte, deren Wittwen und Waisen inDeutsch- , land veranstaltet am 7. Januar in der Philharmonie zum Besten der j Kasse ein Wohlthätigkeüskonzert. Die mitwirkenden Kräfte sind: Könige liche Kammersängerin Frau Rosa Sucher, Königlicher Hofopernsänger Her Nikolaus Rothmühl, Herr Jos. Kainz, Fräulein Elsa Lehmann und Hoscellist Herr Heinrich Grünfeld. Billets sind bei dem Rendanten des Vereins Herrn Göttinger, Kronprinzen-Ufer 20, bei den Kantoren der jüdischen Gemeinde den Herren Marksohn, Lothringerstraße 02, Rosenthal, Weißenburgerstraße 23, Friedmann, Elsasserstraße 50, und in der Friedländerschen Weinhandluna, Burgstraße 28, zu haben Berlin, 20. Dezember. Zum ersten Male sah sich der „E sr a" (Verein zur Unterhaltung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien) genöthigt, seine alljährliche Chanukah-Feier, um der durch das Anwachsen seiner Mitgliederzahl varaussichtlichen Ueberfüllung vorzubeugeu, an zwei Abendeil abzuhalten So fand denn Dienstag, den 13. Dezember, eine von den Vereinsmitgliedern aus dem Stadttheil Norden veranstaltete gut besuchte Feier in Hensels Sälen, Jnvalidenstr. 10 statt. Am Mittwoch, 14. Dezember, folgte dann für die Mitglieder aus den übrigen Stadttheilen das große Fest in den Festsälen des „Vereins junger Kaufleute", das einen nach jeder Richtung hin erfolgreichen Verlauf nahm. Die Festrede der Frau Nahida Remy fand lebhafteil Beifall und in Folge des starken Besuches wurde ein Ueberschuß von ca. 500 Mark erzielt, der den wohlthätigen Zwecken des Vereins zu Gute kommt. Außerdem gewann eine bei der Kaffeetafel gehaltene "Ansprache des Dr. H. Hildesheimer dem „Esra" 40 neue Mitglieder. * Berlin, 1. Januar. Wie bekannt, hat die Judenschaft der Vereinigten Staaten Nordamerikas beschlossen, sich an der am 1. Mai 1893 anläßlich der vierhundertsten Jahreswende der Entdeckung Amerikas in Chicago zu eröffnenden Weltausstellung mit einem Werke zu betheiligen, welches auf historischer Basis ilachweisen soll, welchen Antheil seiner Zeit die Judellschaft an der Entdeckung Amerikas genommell hat. Mit der Ausarbeitung dieses Werkes wurde der auf diestnn Gebiete der jüdischen Geschichtsschreibullg als Kapazität ersten Ranges anerkannte Prediger der Budapester israelitischen Gemeinde, Dr. M. Kayserling, betraut. Dieser hat behufs Durchführung des ihm gewordenen ehrenvollen Auftrages eine Studienreise gemacht. Dr. Kayserling, der bereits in: Sommer in der Wiener kaiserlichen und in der Grazer Statt Halterei - Bibliothek Studien gemacht hat, trat am 8. v. Mts, mit von hoher Stelle kommenden Empfehlungsschreiben versehen, die Reise nach Spanien an, um dort in den verschiedenen Bibliotheken unb Archiven diese Studien fortzusetzen. Den ersten Aufenthalt nahm Dr Kayserling auf italienischem Boden in Mailand, wo er in der Ambrosiana reichliche Daten fand. In der Stadtbibliothek zu Genua verbrachte Dr. Kayserling drei Tage, da hier die reichste Sammlung der Columbus Litteratur aufgestapelt ist. Von Genua aus reiste er dann nach Barcelona, wo er in der Handschristensammlun'g Arcüivo della Corona cT Aragon reiche Schätze für sein Werk fand. Der Gelehrte brachte hier neun Tage zu, worauf er sich am 24. November nach Madrid begab. Hier suchte Dr. Kayserling den österreichischen Botschafter, Grafen Dubsky, aus, dem er ein Empfehlungsschreiben des Ministers des Aeußern, Grafen Katnoky, überreichte, und der ihn auf das Freundlichste empfing und sofort in die ständige Columbus-Ausstellung geleitete. Hier empfing den Prediger, der Mitglied der tönigllchen Akademie in Madrid ist, der Präsident der Ausstellung, Don Füel Fita, als Kollegen in der herzlichsten 'Weise. "Am dritten Tage der "Anwesenheit Kayserlings hielt die Akademie eine Sitzung, zu welcher derselbe eine besondere Einladung erhielt. Der Vizepräsident der Akademie, Saavedra, begrüßte Dr. .Kayserling, nach dessen Dankesworten der spanische Historiker Cejareo Dnro in einstündigem Vortrag die wissenschaftliche Thätigkeit Kayserlings würdigte. Hierauf behandelte Don Fernandez y Gonzales einzeln die Werke des Tr. Kayserling, welche sich mit der Geschichte Spaniens