Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1893)
- Date
- 1893-12-15
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Im „Verein für jüdische Geschichte ii;.ib Litteratur" hielt am letzten Neferat-Abend, statt des erkrankten form Dr. Dembo, Herr Benas Levy einen sehr interessanten Vortrag i.er die „Geschichte der Juden in Worms", der von dem zahlreich |i rsammelten Publikum mit allgemeinem Beifall ausgenommen wurde. er Vortrag wird in einer der nächsten Nummer unseres Blattes zum lbdruck gelangen. — Gestern Abend hielt in demselben Verein Herr rof. Dr. Hartmann, vom orientalischen Seminar, seinen Vortrag ier „Mohammed und die Juden", der durch die Fülle neuen Materials i id die sehr anregende Darstellung den wohlverdienten Beifall der uhörer fand und auch durch den Druck weiteren Kreisen zugänglich macht werden wird. B. T. Berlin, 12. Dezember. Es ist nicht gerade nothwendig, über's 'leer zu gehen, um jüdische Landleute in der Urväter Weise den öden bestellen zu sehen. Vor einem Jahre war an dieser Stelle von?r jüdischen Bauernkolonie in Ostpreußen die Rede. Dieselbe steht deß nicht vereinzelt da in unserem großen Vaterlande. Freilich haben die Antisemiten leichter, Berlin und Breslau mit großer jüdischer evölkerung herauszugrcifen, als die in irgend welchen weltvergessenen Kinkel hingestreuten jüdischen kleinen Ackerkolonien aufzusuchen. Es ürfte interessant sein, zu erfahren, daß es Land- und Dorfgemeinden nt überwiegender jüdischer Bevölkerung in Deutschland giebt. An er Spitze dieser jüdischen Landgemeinden marschirt die Gemeinde ihina in Hessen, denn sie besteht zur größeren Hälfte aus Juden, ämlich in dem Verhältniß von 567 zu 600 anderer Konfessionen, solcher Gemeinden giebt es noch eine ganze Zahl, wie denn überhaupt in nicht unbeträchtlicher Theil jüdischer Bauernwirthschasten nach den '-rhebungen von 1890 ermittelt wurde. S££ Berlin, 11. Dezember. Das vom Berliner Zweigverein des Esra", Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina md Syrien, veranstaltete Chanukahfest nahm einen schönen Verlauf. 2chon vor Beginn war der Saal int Verein junger Kaufleute bis auf ien letzten Platz gefüllt, und wer nicht pünktlich kam, mußte sich mit inem Stehplatz begnügen. Zur Aufführung gelangten lebende Bilder, ne ein Stück aus der Thätigkeit des „Esra" dem Publikum vorührten, nämlich die Umwandlung einer russischen Kaufmannsfamilie in nne Bauernfamilie in Palästina. Das erste Bild, in dem die russischüdische Familie gerade während der Festfeier den Ausweisungsbefehl nhält, das dritte Bild, indem die Fliehenden bei ihrer Ankunft in Palästina von einem Delegirten empfangen werden, und besonders das fünfte Bild bildeten die Höhenpunkte der Darstellung. In dem letzteren werden dieselben Auswanderer voraeführt, sechs Jahr später dasselbe Chanukahfest feiernd, schon als behäbige Bauern im heiligen Lande aus eigenem Grund und Boden. Die originelle Idee und die vorzügliche Regie, wie der begleitende Text fanden gleichmäßig reichen Beifall, und nach einer findenden Rede des Herrn Dr. H. Hildesheimer traten dem Verein eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder bei. Auch sonst lieferte das Fest einen hübschen Ueberschuß für die wohlthätigen Zwecke des Vereins. 0a. Aus Schlesien, 3. Dezember. Der Neubau einer Synagoge in Myslowitz scheint noch etwas in die Ferne gerückt zu sein, weil die in den umliegenden Ortschaften wohnhaften Mitglieder der dortigen Synagogengemeinde, welche sich von letzterer abzweigen und für Schoppinitz- Nosdzin eine besondere Gemeinde begründen wollten, wozu jedoch die Negierung die Genehmigung versagt, nun verlangen, daß ihnen mit Nücksicht auf die Entfernung von Myslowitz die dortige Gemeinde einen Betsaal in der Nähe ihres Wohnsitzes errichten und unterhalten und cinen Schächter und Kantor anstellen soll. Da dieses Verlangen kein unbilliges ist, weil die Landbewohner zu den Synagogenbeiträgen nach Myslowitz in gleichem Maße beisteuern müssen, wie die im Hauptorte selbst ansässigen Gemeindemitglieder, ohne daß cs ihnen vergönnt ist, dieselben Bequemlichkeiten mit ihnen zu theileu, so soll, bevor der Neubau begonnen wird, erst eine Einigung zwischen dem Vorstande der Synagogengemeinde und den Gemeindemitgliederu aus Schoppinitz, Rosdzin, Klein- Dombrowka und Burowitz herbeigeführt werden. — Vom Repräsentanteu- Kollegium gen Synagogengemeinde ist der Etat für 1894 mit 12,400 Mark festgesetzt worden. Es dürste sonach bei dem bisherigen Satz von 60 Prozent der Staatssteuer sein Bewenden haben. — Ebenda fand kürzlich unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Odirsky die Nepräsentantenwahl statt, an der sich 30 Mitglieder der dortigen Synagogengemeiude betheiligten. Gewählt wurden die Herren Schneidermeister Roher, Ttschlermeister Simmenauer, Rentier Miedzivinsky, sowie die Kaufleute Lazarus Plonsker und Paul Bänder auf 6 Jahre, Rechtsanwalt Richter auf 3 Jahre, und zu Stellvertretern die Kaufleute A Kuhn, S. Freund, Rosenbund und Spediteur Schindler — Nach der „Neißer Zeitung" soll der Regierungspräsident der Mahl des Dr. Fischer zum Rektor der höheren Mädchenschule in Kattowitz seine Genehmigung versagt haben; doch bleibt eine Bestätigung dieser Nachricht abzuwarten. — Wie aus Kattowitz berichtet wird, finden daselbst zur Zeit gerichtliche Vernehmungen über einige dortige Polizeibeamte statt. Der Grund hierfür soll in den Aussagen mehrerer jüdischer Auswanderer zu suchen sein, welche behaupten, bei ihrem Aufenthalte im dortigen Polizeigefängniß, wohin sie zum Zwecke ihrer Weiterbeförderung über die Grenze gebracht wurden, mißhandelt worden zu sein Die angestellte Untersuchung wird hoffentlich volle Klarheit in diese Angelegenheit bringen. — Vor einigen Tagen feierte das Hotelier S. Sachs'sche Ehepaar, Besitzer des „Hotel Prinz von Preußen" in Kattowitz, das Fest der silbernen Hochzeit. — In den Vorstand des israelitischen Krankenpflegevereins zu Antonienhütte wurden gewählt Hotelbesitzer Koplowitz, Kaufmann L. Jacobowitz und S. Freund. — Am 10. d. Mts. feierte der frühere Rathsmann, Herr Bankier Wolfs Cohn in Pleß seinen 80. Geburtstag Bis aus Berlin kamen Enkel und Urenkel, um dem hochbejahrten Geburtstagskinde ihre Glückwünsche darzubringen. Magistrat und Stadtverordnete, der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogengemeinde ließen durch Deputationen gratuliren. — Am 10. d. Mts. feierte ebenda Frau Gasthausbesitzerin Simon in voller Rüstigkeit ihren 70. Geburtstag. — Am 16. d. Mts. hielt der dortige „Mendelssohn-Verein" im kleinen Saale des „weißen Schwan" eine zahlreich besuchte Generalversammlung ab Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Rau einen Vortrag über „das jüdische Weib". — Die israelitische Kinderheilstätte im Soolbad Königsdorf-Jastrze mb, die unter dem Vorsitze des Herrn Rabbiner Dr. Münz in Gleiwitz seit 4 Jahren eine überaus segensreiche Wirksamkeit entfaltet, richtet auch in diesem Jahre an edle Menschenfreunde die Bitte, der armen jüdischen Kinder der Anstalt zu gedenken. Wer seine Mildthätigkeit beweisen will, sende Gaben an den Schatzmeister der Anstalt, Herrn Bankdirektor Jacob Fränkel in Gleiwitz. K. Myslowitz, 9. Dezember. Am letzten Sonnabend feierte Herr- Ob er kan tor Gabriel Lewin von hier seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar, welcher sich hier allgemeiner Hochachtung und Verehrung erfreut, waltet noch rüstig seines Amtes, ist bei vorzüglicher Stimme und steht dem Synagogenchor in bewährtester Weise vor. Aus Anlaß seines 70. Geburtstages gingen ihm von Nah und Fern zahlreiche Glückwünsche zu, die Synagogen-Gemeinde ließ durch den Vorstand unddieReprüsentanten- Versammlung in corpore ihre Glückwünsche und Gratulationen dem bewährten Beamten, welcher fast 40 Jahre zum Wohle der Gemeinde wirkt, aussprechen und ein Paar prachtvolle silberne Leuchter mit entsprechender Widmung überreichen. Mögen dem verehrten Jubilar noch recht viele glückliche Lebenstage beschieden sein. X Rybnik (Oberschlesien), 15. Dezember. D-r Groß-Industrielle Herr- Ferdinand Haase, durch die hochherzige Stiftung des oberschlestschen Waisenhauses als Philanthrop in weiten Kreisen unserer Provinz bekannt, ist im Alter von 76 Jahren gestorben und am 8. Dezember von einem