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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-12-15 · Heft 50 (15.12.1893) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 50 (15.12.1893)
Date
1893-12-15
Page
Seite 600 (sequence 14)
Language
German
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Ich finde soeben zu meiner großen Freude auch in „Berliner, Einleitung zum Targum Onkelos" pag. 148 die Ansicht vertreten, „daß'ln einer gewissen Zeit das Kamez im babylonischen Targum den H.- Laut nicht gehabt hat". Vielleicht ist übrigens auf diese Eigenthümlichkeit auch der Umstand zurückzuführen, daß im cod. Vat. 440 des Fragmententargum dessen Herausgabe ich beabsichtige, die Präposition 2^1^ säst regelmäßig geschrieben wird. Die genaue Bezeichnung des 0-Lautes wurde eben nolhwendig, als der Unterschied zwischen Kamez und Patach in der Aussprache verwischt war. Vergl. übrigens auch hierzu Berliner a. a. O. pag. 142. Sulz (Ob.-Elf.), 26. November. Dr. M. Ginsburger. Sehr verehrter Herr Doktor! Es gereicht mir zur Freude, daß zu meiner grammatischen Anregung „VA oder EV" von geschätzter Seite bereits Stellung genommen worden ist. Herr Dr. M. Ginsburger ist der Meinung (Allgemeine Zeitung des Judenthums Nr. 48>, daß eine einheitliche Durchführung der Aussprache des Hebräischen undenkbar sei, weil es unmöglich wäre, allgemeingiltige Regeln über die Aussprache aufzustellen. Da er aber, unter Berufung auf die Professoren Dr. Noeldeke und Dr. Euting, als unzweifelhaft hinstellt, daß „Zere" wie e und nicht ai zu sprechen sei, sind wir um ein beträchtliches Stück vorwärts gekommen und können wenigstens den weiteren Antrag stellen, daß in den Schulen und Synagogen Deutschlands das Hebräische einheitlich gelesen werde. Vielleicht empfiehlt sich folgende Anordnung: i. Die Vokale. 1>) Tie langen Kamez (chatuph) . . . oli Zere.ee, eh Gliirek (godaul) . . . . ie Gh ölem.au Schürek.uh Schwa noh wie ein halbes dunkles e (wie in dem französischen Io), doch nicht wegzulassen, also £££7 nicht schrna, sondern Schema, nicht j wie in Hessen lewophcho, sondern lewöwecliö. j 2. Die K onsonanten. I 8 Aleph und Ajin lautlos mit) als Dehnungsze chen nicht! ssowoito, sondern ssowohto); 2 Peth wie w und nicht ph, ^21 nicht i uphne, sondern üwene; nicht wie in Baiern nphtuphau, sondern! üwetüwäu; | Sajin wie ein weiches, norddeutsches s, s, wie z. B. in dem z Worte Sonne; 2 Ssamech, Ssin und ]■) Tavv wie ss, ß. j Da in allen Provinzen Deutschlands die übrigen Konsonanten einheitlich gesprochen werden, ist es ja nicht schwierig, in dieser Frage Einheit zu erzielen. Auch die berechtigte Forderung nach korrekter Betonung kann ohne große Mühe erfüllt werden. Im Mainzer (Rödelheimer) Gebetbuche ist jedes Wort, das den Ton mite!, penultirna hat, durch einen Strich, dem Metheg gleich, kenntlich gemacht, also nicht auf diese Weise bezeichnete Wörter haben den Ton milra, ultima. j Im Pentateuch lehren die Accente die Betonung. j Sowohl aus pädagogischen, wie aus taktischen Gründen sollte es I nicht Vorkommen, daß in den verschiedenen Klassen einer Schule verschieden gelesen werde, und ebenso müßte in der Synagoge vom Vorbeter, bezw Lehrer nicht anders als in der Schule des Ortes gesprochen werden. Es ist sehr zu wünschen, daß endlich in allen Schulen und Synagogen! Deutschlands auf diesem Gebiete Einheit angetroffen werde. j Gar mancher Zweifel an dem Wissen des Lehrers hat sich in Schülern, j die in die Fremde gezogen sind, eingestellt, wenn sie bei dem Besuche des! Gotteshauses e wie ai oder äi, u wie ii, au wie äu, wie ng oder i,! 8 wie an, 2 wie ph u. s. w. zu hören bekamen. Diese Zweifel könnten nun auf immer verabschiedet werden. In aufrichtiger Werthschätzung Ratibor, 23. November. Leopold Katz. U Sehr geehrter Herr Redakteur! In Nr. 49 Ihrer geschätzten Zeitung hält Herr Traubenberg die Behauptung aufrecht, daß „die relative Verminderung auf einen Rückgang der Geburten zurückzuführen sei" und daß die „Uebertritte und die Auswanderung keinen Einfluß auf diese relative Verminderung habe". a) Die kurzen Päthach.a Segöl.e, am Ende und vor Schwa nach ä: nieläch, <‘häphzi Ghirek (kotaun).i Kömez.o Kibuz.u Ich habe diese Behauptung in einem längeren Artikel in Nr. üi widerlegt und will mich nicht wiederholen, nur dies eine möchte ich hei le anführen: Die relative Verminderung der jüdischen Seelenzahl betrügt 1881 90 rund . .. 41,400 Seelen, die relative Verminderung des Geburtenüberschusses 10,700 „ es bleibt also auf diesem Wege unerklärt ein Manco von. 30,700 Seelen. Daher bleibt trotz aller Artikel diese Thatsache stehen: nur ein Viertel der Verminderung erklärt sich durch Rückgang der Geburten, dagegen beinahe drei Viertel entfallen auf die Auswanderung. Wi.l Herr Traubenberg dies bestreiten, so muß er erst die obigen Zahlen aic fechten, und das dürste ihm doch schwer fallen. Damit wird dieser Gegenstand wohl erledigt sein, um aber übe: Haupt die Zuverlässigkeit jener Tabellen zu kennzeichnen, will ich au 5 dem Artikel in Nr. 49 Einiges noch anführen. 1. Die Tabelle über die Geburten ist ganz falsch, weil sämmtlich Kinder aus christlich-jüdischen Mischehen den Juden zugerechnet ftni. Herr Tr. mußte wissen, daß von den Kindern aus Mischehen jede Konfession nur die Hälfte zugezählt werden darf und selbst dies? Schätzung speziell bei den Juden noch zu hoch ist. 2. Tabelle 2 über die Ehestatistik ist falsch, weil hier nur die rei jüdischen Ehen gezählt sind, während noch die Mischehen mit der halbe? Zahl zur Berechnung kommen müßten. 3. In derselben Tabelle sind die Sollzahlen der jüdischen Ehe? großentheils falsch ausgerechnet, z. B. Jahrgang 1890 sind 244,557 Ehe überhaupt, also sollten, da die Juden 12,42 pro Mille der Bevölkeruu ausmachen, 3037 jüdische Ehen geschlossen sein. Herr Tr. har fiat 3037 ausgerechnet 2900. Ebenso im Jahrgang 1891 ist statt 3067 be Tr. 2900 zu lesen re. 4. Herr Tr. sagt von dem Jahrzehnt 3881,90 „die jüdischen Ehe: haben nicht abgenommen, aber auch nicht zugenommen". In seine: eigenen Tabelle steht 1881: 2276 jüdische Ehen, 1890: 2513 jüdisch Ehen, d. h. eine Steigerung von 237, also 10 V2 Prozent, während dü Seelenzahl rund um 2l/4 Prozent stieg Das ist nach Herrn Traubenberg „nicht zugenommen". Diese Beispiele könnten noch sehr vermehrt werden, aber ich glaube Sie, sehr geehrter Herr Redakteur und Ihre geschätzten Leser werden es nach diesen Proben begreiflich finden, wenn ich auf eine weitere Polemik für die Zukunft Verzicht leiste. Hochachtungsvoll und ergebenst W. Bambus. Sehr geehrter Herr Redakteur! Betreffend die Tapferkeit der Juden im Kriege, erlaube ich mir ergebenst. Ihnen Nachfolgendes mitzutheilen und hoffe, demnächst weiteres Material zu diesem Kapitel liefern zu können. In dem am 28. Juni 1866 stattgehabten Gefecht bei Alt-Roggenitz und Rüdersdorf handelte es sich um eine schwierige Position, zu welcher Freiwillige aufgefordert wurden. Zu diesen Freiwilligen, welche der Lieutenant von Sydow gegen die Kirche führte, zählte auch der Grenadier Samuel, welcher bei der Gelegenheil den Heldentod fand. Bezüglich darauf ließ sich der Bataillonskommandeur in Betreff der jüdischen Soldaten, die unter seinem Kommando standen, wie folgt, aus: „Das Beispiel des Gefreiten Samuel steht nicht allein da. Vielfach zeichneten sich seine Glaubensgenossen während des Feldzuges aus. Es war, als ob sie sich das Wort gegeben hätten, der alten Vorstellung von ihrer Kriegs-Unlust und Untüchtigkeit ein Ende zu machen." Und weiter heißt es: „Beim I. Bataillon des Leibregiments waren drei Juden als Reservisten eingezogen worden. Einer, nicht mehr jung und korpulent, litt entsetzlich. Seine Füße waren wund. Dennoch machte er das Gefecht bei Gitschin im heißesten Sonnenbrände von Anfang bis zu Ende mit. Er war nicht zu bewegen gewesen, vorher ins Lazareth zu gehen." So zu lesen in dem Werk: „Der Deutsche Feldzug von 1866" von Theodor Fontane. 1. Band. „Der Feldzug in Böhmen und Mähren." S. 413. Mit vorzüglicher Hochachtung ganz ergebenst Berlin, 8. Dezember. N. I. Anders. Druck und Verlag von Rudolf Messe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion. Max Bauchwitz in Berlin.

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