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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-12-15 · Heft 50 (15.12.1893) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 50 (15.12.1893)
Date
1893-12-15
Page
Seite 599 (sequence 13)
Language
German
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599 -sM- Juda. •*&— Eine Legende nach dem Midrasch-Rabbah zum Wochenabschnitte Wajigasch (I. Buch Mose itap. 44, Vers 18 u. 19). Frei bearbeitet von A. Levy. f rinnen, vor dem strengen Herrscher Steht beschämt der Brüder Schaar, Tief gebeugt, gesenkten Hauptes, Doch den Zorn im Herzen gar —. Ach, der Schein, er mag wohl zeugen Gegen sie, und doch fürwahr Sind sie schuldlos Nur Verleumdung Jener Allklag' Mutter war. (Mochten sie mit Seherblicken Schauen in der Zukunft Schooß? Mochten sie wohl damals ahnen Ihrer spätern Enkel Loos? Was der Eine hat gesündigt. Wirklich oder scheinbar blos. Allen wird es angerechnet, Ihnen Allen, Klein und Groß.) Und den Becher, schwer von Silber, Jener hält in seiner Hand, Und sein Antlitz streng und finster Hot er ihnen zugewandt: Saget mir, ihr fremden Männer Aus der Kananiter Land, Warum habet ihr das Gute So ms Böse umgewandt? Warum habet ihr den Becher, Der zu zaubern giebt die Kraft, Treulos frech mit Diebeskünsten Heimlich mir hinweggerafft. Freilich wohl, Aegyptertreue Kennt nicht die Hebräerschaft; Ehrlichkeit, uns angeboren, Ihr als Wunderding begafft. Doch nicht will ich strenge richten Eure so verruchte That. - Was der Eine hat verbrochen Wohl auf euer aller Rath, Er nur büß' es. Doch ihr Andern Ziehet heimwärts euren Pfad. Preiset froh Aegyptergroßmuth Und des Königs große Gnad'. Also sprach er, doch nicht weiter - Denn schon mit gerechtem Zorn Der im Auge ihm erglühet Stehet Juda bei ihm vorn: Glaubst du, weil bei den Aegyptern Du giltst als der Weisheit Born, Dem die Wahrheit ist gewesen In dem Auge stets ein Dorn. — Glaubst du ungestraft zu schmähen. Du, ein Pharaonenknecht, Jakobs Samen. Keine Gnade — Nein — wir wollen nur das Recht. Fort mit Bitten und mit Betteln! Wir sind Abrahams Geschlecht. Weh' dem Manne, der zu lästern Unsre Abkunft sich erfrecht. Nennst du das Aegyptertreue? Eure Tugend nennst du dies; Trügerisch zu brechen heute. Was man gestern wohl verhieß? Feierlich geschwor'ne Eide, Auf die Jeder sich verließ, Umzustoßen, zu umgehen. Ist Aegyptens Art gewiß. Weil du meinst, in deinen Händen Sei zu allem Thun die Macht, Hast mit gleißnerischen Reden Unfern Bruder hergebracht. Doch du irrst in deinen: Denken — Gieb auf meine Worte acht — Heute sollst du kennen lernen Jakobs Zorn, den du entfacht. Deine Gnade wir verschmähen. Auf das Recht wir pochen heut. Den du feierlich geschworen. Jetzt nun halte deinen Eid. Nicht zum Reden, nicht zum Bitten, Nein, zum Handeln ist jetzt Zeit. Und vergißt du dein Versprechen, Thun wir, was die Noth gebeut. So sprach Juda. Und das Funkeln Heil'gen Zorns in seinem Blick Scheuchet des Tyrannen Höhnen, Scheucht den Uebermuth zurück. Denn in ihren eig'nen Händen Halten jetzo ihr Geschick Jakobs Söhne, Haupt erhoben Und den Feind fest angeblickt Recht so Juda! Sei bescheiden. Voller Demuth und Gemüth! Doch wo immer dir das Unrecht Drohet oder gar geschieht. Zeige, daß noch wie vor Zeiten Judas heil'ger Zorn erglüht, Und das Schwert zu der Vertheid'gung Juda aus der Scheide zieht! Doch dein Wehr' und deine Waffen, Die du führst für dein Geschlecht, Seien nicht aus Stahl und Eijen. Ueberzeugung nur und Recht! Kämpfe brav als freier Bürger, Sei kein Diener und kein Knecht, Sieger bleibst du dann im Kampfe, Bleibest Sieger im Gefecht. ' Kpverhfaat. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir zu meinem Artikel: „Das Lesen des Hebräischen"! - och Folgendes nachzutragen: Der hebräische Name wird in der ,! XX durch DIwraijc wiedergegeben und analog jy, durch 'iwvar resp. j •nur (Gen. 10, 2 und I. Ehr. 1, 5), welch' letztere Transskription sich! wahrscheinlich nur aus dem Umstande erklären läßt, daß die LXX nicht j sondern j*p lasen. Es unterliegt nun keinem Zweifel, daß in ’/wiw das j wie Digarnma ausgesprochen, dieses Wort demnach Iovan gelesen i urde. Man dürste daher nicht fehl gehen, wenn man auch das v in WötJc als Diagamma auffaßte und demnach Movses läse, wir hätten! l - so mit anderen Worten hier eine Aussprache des langen Gholem gleich ut des o im englischen no; warum aber nur in diesen beiden Worten l as Gholem so transskribirt wird (ob es auch noch anderswo vorkommt, r eiß ich nicht), das dürfte wahrscheinlich mit etymologischen Gründen -ffamrnenhängen, wenn nicht in Iovan der darauffolgende Vokal allein '. aßgebend gewesen ist. Was nun den Namen MwvaJ^ betrifft, so zeigt schon die lateinische ransskription Moyses, daß in späterer Zeit aus dem ov (englisch no) l.-r Diphtong oi geworden ist, wodurch man sich zu der Annahme verl iten lassen könnte, daß schon in alter Zeit das Cholem wie heute noch ron den Polen oi gelesen wurde, was jedoch ein Jrrthum wäre; denn, vemt die Griechen oi gelesen hätten, so würden sie sicherlich Moiafjq i transskribirt haben. Das lateinische Noyses rührt also nur von einer falschen Auffassung des Ipsilon im griechischen her. Nun findet sich aber diese lateinische Lesart auch im babylonischen Talmud. Graetz bemerkt nämlich in seiner „Geschichte der Juden", Bd. IV Note 19, daß nach R. Chananel und Zacuto in Erubin 136 eine in unseren Ausgaben verstümmelte Nachricht enthalten gewesen sei, wonach R. Meir eigentlich geheißen habe. Nun ist aber dieses Wort unzweifelhaft Mo’yse zu sprechen und entspricht demnach viel eher der lateinischen als der griechischen Forn: dieses Namens. Wie dem nun aber auch sei, soviel ist jedenfalls sicher, daß die erste Silbe des Wortes Mo 3U sprechen ist. Nun fragt es sich aber, wie haben wir uns denn dieses Wort vokalisirt zu denken? also Gholem ohne Wav in der ersten Silbe läßt sich nicht gut annehmen, da man hier doch sicherlich die Pleneschreibung erwarten würde. Dann bleibt aber nur die Form ntT’Ntt also mit Karne? übrig, und es wäre somit die sehr interessante Thatsache festgestellt, daß schon zur Abfassungszeit des Talmud das Kamez wie o ausgesprochen wurde. Selbstverständlich lege ich auf diese Beweisführung, die sich nur auf ein einzelnes Wort stützt, kein allzugroßes Gewicht. Auch fehlt uns immer noch eine kritische Ausgabe des Talmud, so daß es sehr schwierig ist. Sicheres auf diesem Gebiete zu ermitteln. Bis zur Herstellung einer solchen wird es also jedenfalls in suspenso bleiben müssen, ob das Gesagte richtig ist oder nicht.

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