Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1893)
- Date
- 1893-12-08
- Page
- Seite 581 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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581 iermehruna iben haben. behauptet wniehrung, mso waren der Jude» ti» Versuch cht anders ig der nahes Herrn en zugebe» wch. in einer enorme intet* sich l gesucht, zerfließt, düng von gar nicht Zunahme während t klar und l. Oktober ^gebenen nach Pole- Sache als leine das n Malen ie größere terbefäüe'' kgang der dann die : von der rner, daß ichen Abrmehruiig >zent, bei Rückgang rfdieimmg erblichteit;erc Ber- Man sollte meine», ein nur einigerniaßen geübtes Auge sollte ohne Schwierigkeiten erkennen, daß die geringere Sterblichkeit der ^uden nur Schein ist und lediglich von der geringeren Geburtenzahl bedingt wird. 1891 ist die allgemeine Geburtenzahl um IV2 Prozent größer als die jüdische. Da etwa die Hälfte aller Kinder im ersten Lebensjahre stirbt, so ist sofort ersichtlich, woher das Plus von ''4 Prozent an Todesfällen kommt. Jüdische Kinder wurden 1*2 Prozent weniger geboren, folglich ünd auch ^.4 Prozent weniger gestorben; 1»an sieht, die Sterbestatistik, wollen wir nicht gerade Hundertstel Prozentunterschiede geltend machen, steht bei Juden in ziemlich demselben Verhältniß wie bei Christen, ivenn man nur die viel geringeren Geburten nicht außer Acht läßt. Die günstigere' Sterbestatistik rührt, mit einem Worte, nur von der luigünstigeren Geburtenstatistik her. Da 14 2 Prozent weniger geboren werden, so ist es nur normal, aber durchaus nicht günstiger, wenn '.'4 Prozent weniger sterben. Aus demselben Grunde schreibt sich aber auch das % Prozent Minus der jährlichen Vermehrung her, das mit geringen Schtvankungen in den letzten Jahren — immer relativ — beobachtet wurde. Was die Eheschließungen anbetrifft, so neigte ich selber zu der Annahme, dieselben hätten gegen früher abgenommen. Das statistische Jahrbuch für Preußen 1893 Band 2 und 3 enthält indeß eine diesbezügliche Tabelle, die, bis ins Kleinste konfessionell gegliedert, diese Ansicht als falsch darthut. Die Ehen sind danach nicht zurückgegangen, sondern sind vielmehr seit 1880 konstant geblieben. Damit fällt jene Hypothese, lvonach besonders das jüngere Element bei den Juden über's große Wasser geht, in sich zusammen. Das vom Direktor des preußischen statistischen Bureaus, Geheimrath Blenck, herausgegebene Statistische Jahrbuch von 1893 enthält die einzelnen konfessionellen Summen der Ehestatistik zwischen 1880—1891, die ich, um nicht einen ungebührlich großen Raum des Blattes in Anspruch zu tiehmen, addirt habe, was umsomehr geschehen konnte, als das unter 16 Rubriken gebrachte Zahlenmaterial außer dem hier wiedergegebenen die Leser nicht weiter interesstrt. i!!i überhaupt Ehen | rein jüdische nach dein Prozentsatz müßten jüdisch sein 1881 207,160 2276 2700 1882 : 217,229 2350 2800 1883 ' 220,738 2448 2800 1884 1 225,939 2342 2900 1885 ij 230,710 2256 2950 1886 231,598 2397 2900 1887 230,059 2281 2900 1888 225,371 2356 2750 1889 ., 241,018 2503 2900 1890 244,557 2518 2900 1891 i 246,906 2482 2900 Die jüdischen Ehen haben nicht abgenommen, aber auch nicht zugenommen, die christlichen Ehen sind nicht unwesentlich gestiegen. Auch 1881. wurden verhältnißmäßig weit weniger jüdische Ehen geschlossen, als normaler Weise erwartet werden sollte. Durchweg bleiben sie hinter dem Durchschnitt zurück. Die Zahl der Trauungen belief sich nur auf */« ober % soviel, als bei gleichen Verhältnissen auf die Juden käme. Ich habe lieber die Sollzahl als den Prozentsatz berechnet, weil das Bild so viel deutlicher und anschaulicher ist. In den ersten Jahren des Jahrzehnts bildeten die Juden '/7z, in den letzten nur noch Vs« der Gesammtbevölkerung Preußens. Im Anfang der achtziger Jahre waren die Ehen überhaupt daher durch 75, später durch 80 zu dividiren. Um möglichst genau zu fein, wurden bei den Sollzahlen 100—150 weniger als V75 oder '/so als normal angenommen, da die Mischehen nicht unbeachtet bleiben durften. Da bei gleichem Stande der ehelichen Verbindungen die Geburten abgenoinmen haben, so ist mathematisch sicher, daß der Kinderreichthum der Juden überhaupt Einbuße gelitten hat. Also von der Auswanderung abgesehen, die hier gar nicht initsprechen soll, weil wir alle Auswanderer, jüdische und christliche, als auf deutschem Boden befindlich betrachten, hat die Judenheit einen relativen Rückgang von einigen Prozenten erfahren, welchen das Zurückgehen der Geburten verschuldet hat. Diese Ausführungen mögen wie folgt zusammeiigefaßt werden: 1. Die Juden in Preußen (ebenso in Deutschland) haben sich um einige Prozente relativ vermindert. 2. Diese Verniinderung ist auf einen Rückgang der Geburten zurückzuführeu. 3. Die Uebertritte und die Auswanderung haben — sie mögen so hoch genommen werden wie man will — keinen Einfluß auf diese relative Verminderung, weil beim Verharren Aller im Jlldenthuiu und Deutschen Reiche immer noch ein relativer Fehlbetrag vorhanden ist. ,■ P Aus Bulgarien. Von Dr. R. Vierer. Sofia, 27. November. Vor mehreren Wochen schon berichteten wir über die Alternative,! welche der Vorsteher der hiesigen spaguolischen Gemeinde der bulgarischen . Regierung gestellt hat, entweder die jüdischen Schulen mit dem Betrag von 8000 Frcs. zu subventioniren, oder aber den Unterricht! der Kinder selbst zu besorgen. ' Allein die Regierung dürfte die 8000 Frcs. Subvention nicht bewilligen, da sie an den Beschluß der Sobranje gebunden ist, demzufolge keine andere Nationalität den Anspruch hat auf eine Subvention ihrer nationalen Schulen. Bon diesem Gesichtspunkte; aus beschloß die Regierung die Uebernahme der Schulen auf ihr Budget, und so geschah es auch, daß dieselben vor etwa 14 Tagen bulgarisirt wurden — der jüdische Schulplan derselben in den landesüblichen umgearbeitet, das Französische und Hebräische climinirt, bulgarische Kinder ausgenommen — und so das ganze Erziehungswesen mit einem Schlage umgewandelt. Die kleinen Kinder, welche nur spagnolisch verstehen, verbleiben noch einige Jahre unter der Leitung spagnolischer Lehrer — die älteren hingegen werden in den „odolenie“ Klasse» initerrichtet. Für das Hebräische ist indessen die Zeit der Ferialtage ausersehen. So z. B. Samstag Nachmittag, Sonntag und Mittwoch. Wir wollen es unterlassen, die aufregenden Szenen in der Gemeinde (spagn.) ob dieser Wandlung zu schildern. , Dieses wäre unnütz. Hier gilt der Wille des Machthabers. —! Alle die Tausende von Kindern, welche regelmäßig jeden Samstag j an dem Gottesdienste theilnahme», sind nun aus den Gottesi Häusern weggefegt; ob diese Jugend je loieder in diese einziehen ' wird, mag die Zeit lehren. Dieser folgenschwere Schritt dürfte aber auch Nachahmung in allen jüdischen Gemeinden finden, und so steht man vor einer tiefgehenden Wandlung im ganzen jüdischen Leben. Aber auch die Alliance Jsraelite Universelle, welche so viel Geld für die Erziehung der Spagnolen verausgabte, sieht sich nun vor die; Thür gesetzt — und wir fürchten, daß diese ihre Mission mit jenem! Tage einstellen wird, da die Sofiaer spagnolische Gemeinde sich ihrer! Führung so brüsk entwand. In dieser Beziehung möchte ich daran i erinnern, daß diese so sehr segensreiche, einzig dastehende Körper-