Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-12-08 · Heft 49 (8.12.1893) · p. Seite 579

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 49 (8.12.1893)
Date
1893-12-08
Page
Seite 579 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3228036--50408-3272020
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

579 Witz, der iv at mich bet t verstanden. Mgen konnü nitischen Be onlichen Be- Zeiterkeit.) skanzler ha: rsicht seine rmals schon nten auf bit zum zweiten er freimüthio llverein über tls schon du g, die mid Abgeordneten eit hat Heri hen. Wenn aterlaud" in :gung von , sagt - die llte man fid) liich schämen. n Dezember, nder Stell: [(eil der rein si. lbstverstärrd- Zeurtheilunn s Blatt erbte Sozial oenbet habe )nnte, mußte niten richten. Nund erklärt, m, während mtschlossenste ernacht, das Sozialdemoen St aa die dar den haben be dahin zn issenanti rifft. Fremden tehen gern, nservativen. man dock tzentwnrfes betreffend die Einwanderung ausländischer Juden, den Abgeordneter Leuß (deutschsoz.) mit Unterstützung anderer Antisemiten eingebracht, lautet klipp und klar: 8 1. Die Einwanderung von Juden, die nicht staatsangehörig sind, ist untersagt. § 2. Ausländischen Juden, die sich bei Inkrafttreten dieses Gesetzes aufhalten, um sich dauernd niederzulassen, ohne bisher in einem deutschen Bundesstaate die Staatszugehörigkeit erworben zn haben und nicht schon vor dem 1. August 1893 ein selbstständiges Gewerbe oder Geschäft in Deutschland betreiben, sollen alsbald aus dem Gebiete des deutschen Reiches ausgewiesen werden. § 3. Die Gewährung der Staatsangehörigkeit in einem deutschen Btmdesstaate an ausländische Juden ist untersagt. $ 4. Die Begünstigung der Einwanderung frernder Juden ivird mit Geldstrafe von 500 bis 1000 Mark oder ntit Gefängniß bestraft. 5. Der Bundesrath erläßt die zur Sicherstellung dieses Gesetzes erforderlicher: Anordnungen. $ 6. Dieses Gesetz tritt mit dem Tage seiner Verkündigung in Kraft. Bon demselben Antragsteller wird auch ein Gesetz, betreffend Betäubung d.er Schlachtthiere, beantragt. Danach soll beim Schlachten aller Thiere, mit Ausnahme des Federviehes, der Blutentziehung die Betäubung vorausgehen. Ausgetlommen bleiben Nothschlachtungen. Beiin Rinde soll die Betäubung mit der Schlachtmaske erfolgen. Schlachter: soll nur von kundigen Persorten irr geschlosserrerr Räumer: ausgeführt werden. Die schlesische Provinz!alsynode ist der uckermürkischen rasch gefolgt. Kürzlich berieth sie die Maßregel:: zur Bekämpfung der Eidesrwth und nahm mit großer Majorität einer: Antrag an, wonach ein Christ nur von einem christlicher: Richter vereidigt werden dürfe, und daß das Konsistorium Schlesiens auf eine Aendernng der betreffenden gesetzlicher: Bestirnnrung hirrwirken solle. In der sehr eingehenden Debatte sprach der Oberbürgermeister Bertder-Breslau scharf gegen der: Antrag. Amtsgerichtsrath Guttmanrt-Schweidnitz meinte, durch der: Antrag würden, falls er zum Gesetz erhoben mürbe, die jüdischen Richter zu Richtern zweiter Klasse degradirt werden. Aber das war es ja gerade, was die frommen Herren zu der Annahme des Antrages veranlaßte, der natürlich rricht die Eidesrwth heben, sondern ausschließlich der: Juderrhaß spiegeln soll, vor: den: die frommer: Vertreter der Nächstenliebe erfüllt sind. Gegenüber all diesen Anträgen ur:d Angriffen auf Juden und Judenthnm ist es erfreulich zu konstatirer:, daß der Gedanke der Humanität und der Gleichberechtigurtg doch noch nicht ganz verloren gegangen. Frankreich hat jetzt einen Inder: als Minister des Innern und Niemand — außer vielleicht die Herren Drumont und Rochefort — haben an seinem jüdischen Bekenntniß Anstartd gerwrnmer:. Aengstliche Seelen Haber: allerdings besorgt, daß den: Zar ein jüdischer Minister in Frarrkreich nicht angenehm sei:: würde, aber selbst diese Besorgniß hat es nicht verhindert, daß herrte David Raynal, der Führer der Regierungs-Republikaner in der Kammer. Minister des Innern irr Frankreich ist. Ueber das Vorleben des nerren Ministers wird gemeldet: David Raynal, der neuernannte Minister des Innern, entstammt einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Bordeaux, woselbst er am 23. Februar 1840 geboren wurde. Nachdem er am 30. April 1876 in dem durch die Option Gambettas erledigten ersten Wahlkreise von Bordeaux durchgefallen war, wurde er am 16. April 1879 im dritten an Stelle des zum Senator ernannten Dupouy gewählt und schloß sich der republikanischen Linken an. Eine seiner ersten Thaten war der Sturz des Kriegsministers General Gresley durch eine Anfrage wegen der Beibehaltung eines monarchistischen Oberstlieutenants in der Territorialarmee. Am 24. September 1880 zum Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ernannt und 1881 widerstandslos neu gewählt, übernahm er im Kabinet Gambetta das Portefeuille der Arbeiten. Beim Rücktritt Gambettas zog auch er sich zurück, trat dann aber in das Kabinet Jules Ferry als Arbeitsminister ein und blieb es bis zum Sturz des Ministeriums im März 1885. Seine hervorragendste Leistung in diesem Amte war der Abschluß der vielbekämpften Verträge mit den großen Eisenbahngesellschaften. 1885 und 1889 wurde er wiedergewählt, ebenso bei den letzten Wahlen. Er steht an der Spitze der Regierungslinken. Noch ein Wort über die relative Verminderung der Inden in Preußen. Bon Bernhard Traubenberg. Nur »och einmal sei mir das Wort in dieser wichtigen statistischen Frage gestattet. Ich inöchte selber so >venig sprechen als möglich, sondern mehr die Zahle» sprechen und wirken lassen. Dazu ist aber eine übersichtliche und klare Gruppirung des Zahlenmaterials vor Allem erforderlich, eine Gruppirung, die einerseits das Bild durch die vielen Zahlenatome, die mit der erörterten Frage selbst nichts zu thrrn haben, nicht verschleiert, und andererseits durch Gegenüberstellung der allgemeinen Daten erst ihren rechten Werth erhält Ohne solche Gegenüberstellung können relative Ergebnisse nicht gewonnen werde». Außerdem fehlt in der vor vierzehn Tagen wiedergegebenen Tabelle jede prozentuale Berechnung. Das ist doch das Mindeste, was man bei zahlenvergleichenden Arbeiten verlangen muß. Das prozentuale Verhältnis; ist das allein in Betracht kommende. Wenn inan findet, daß das prozentuale Geburtsverhältniß gegen früher rnrd gegen die allgemeinen Zahlen ein geringeres ist, so ist die relative Bernrindcrnng der Juden die unerbittliche Logik dieser Thatsache, vorausgesetzt, daß die Sterbestatistik nicht in demselben Grade gefallen ist. Zunächst sei die Tabelle ohne die den Ueberblick erschwerenden Angaben mit den jährlichen Neberschüssen wiederholt: jüdische it e b e r s ch ü s s e Geburten Todesfälle der jüdischen Bevölkerung 1881 112251) 6184 5141 1,43 Prozent 1682 10759 6375 4324 - 1,20 „ 1883 10370 6379 3991 =- 1,11 1884 10327 6127 4100 - IM „ 1885 10184! 6163 4021 — 1,12 1886 9420 6191 3235 — 0,90 1887 »467 i 5901 3566 — 0,99 1688 »344 | 573s 3606 — i,oo 1889 »188 i 5840 3348 - 0,90 1890 9125 | 5993 3132 - <',84 „ Man sehe sich doch nur die Geburtstabelle der Länge nach Die erste unwillkürliche Wahrnehmung ist ein allmäliges, aber festes Sinken der Ziffern. Man hätte bei oberflächlicher Betrachtung meinen müssen, die jüdische Bevölkerung wäre in demselben Maße herabgesnnken, dann könnte man die Auswanderung dafür verantwortlich machen, aber nein, die Bevölkerung hat noch etwas zugenommen, aber trotzdem die fortwährende Verminderung der jüdischen Geburten. Wir hatten 1881 an jüdischen Geburten 11,225, nun ist bis 1890 die jüdische Bevölkerung sogar noch größer geworden, trotzdem sind bei dieser vermehrten Volksmasse 1890 nur 9125 Geburten zu verzeichnen. Das ist doch eine Verminderung von 2000 Geburten für das eine Jahr allein. Schriebe sich dieses Heruntergehen der si Hier sind schon die Kinder aus gemischten Ehen und unehelicher Herkunft enthalten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.