Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1893)
- Date
- 1893-12-01
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Zurückhaltung zeige, da der Ort im Mitelpunkt liege und von allen Theilen der Provinz leicht erreichbar sei. Bis zur Regelung der Ferienfrage sei der Bußtag als der für die Versammlungen geeignetste Tag festzuhalten. Die Versammlung stimmt dem bei. Die Berathungen erreichen um 21j2 Uhr ihr Ende und die Kollegen begaben sich zu Tische, wo sie in traulicher Unterhaltung noch einige Stunden beisammen blieben. Gern wäre mancher noch länger geblieben, allein er muß am andern Morgen um 8 Uhr seinen Dienst antreten. So trennt man sich mit dem Bewußtsein, einen schönen, lehr- und genußreichen Tag verlebt zu haben, und mit dem Wunsche: Auf fröhliches Wiedersehen im nächsten Jahre! h. Lissa, 26. November. Infolge der Anregung von Ihrer Seite fand sich eine kleine Anzahl Herren, unfern Rabbiner Dr. Bäck an der Spitze, zusammen und erließ einen Aufruf zur Bildung eines Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur. Der Erfolg war ein sehr günstiger. Die geräumige Aula unserer Schule war am Abend des 18. d. M. dicht gefüllt; Herr Dr. Bäck hielt einen sehr schönen Vortrag über den Zweck und die Ziele des Vereins, und darauf zeichneten sich von den Anwesenden 40 Herren in die ausgelegte Liste als Mitglieder des neuen Vereins ein. Gestern fand abermals eine Versammlung in unserer Aula statt, in welcher der Verein sich konstituirte, den Vorstand wählte und die Statuten berieth. Der Verein zählt bereits 42 Mitglieder und dürfte bald auf 60 bis 70 Theilnehmer anwachsen. Heute in 14 Tagen soll der erste Diskussionsabend stattfinden. Oa. Aus Schlesien, 19. November. Am 29. v. Mts. fand in Beuthen (Oberschlesien) unter zahlreicher Betheiligung auswärtiger Logenbrüder die Einweihung des neuen Lokals der Mamrehloge statt- Die Räumlichkeiten befinden sich in einem Seitenbau des Krebsschen Grundstücks, sind von Herrn Krebs in reicher und schöner Ausstattung hergestellt und auf zehn Jahre vermiethet worden. Am Festessen nahmen 210, Personen Theil. Die Aufführung von lebenden Bildern rc. fanden allgemeinen Beifall. — Der seit dem 1. April d. I. in So rau begründete „Generalanzeiger" soll durch Kauf in die Hände der „Deutsch- Sozialen" übergegangen sein. — Ich berichtete Ihnen jüngst, daß in Kattowitz Herr Dr. Fischer, einer unserer Glaubensgenossen, zum Rektor der dortigen höheren Töchterschule gewählt worden sei. Ein schlesisches Blatt, das, obgleich es unparteiisch sein will, bisweilen antisemitische Anwandlungen zeigt, läßt sich aus K. melden: „Die hiesige städtische Schuldeputation, deren Mehrzahl aus Christen besteht, hat vor einiger Zeit den Herrn Dr. einen Juden, zum Rektor der simultanen höheren Töchterschule Hierselbst gewählt. Die hiesigen Bürger, Katholiken und Protestanten, sind über das befremdende Vorgehen der Schuldeputation sehr aufgebracht und willens, ihre Kinder aus der genannten Anstalt fortzunehmen, falls die königliche Behörde die Wahl des genannten Herrn bestätigen sollte." Es ist unglaublich, daß, von allem Anderen abgesehen, nicht einmal die zum größten Theil aus christlichen Mitgliedern bestehende Schuldeputation das Vertrauerl genießt, unparteiisch, lediglich mit Rücksicht auf seine Tüchtigkeit, den Rektor gewählt zu haben. Die ganze Notiz scheint nur zum Zwecke der Hetze von einem Antisemiten geschrieben zu sein. In dem bisher friedlichen Orte regt sich allerdings bedauerlicher Weise seit einiger Zeit eine schnöde antisemitische Bewegung. Nun hat in der heutigen Stadtverordneten-Versammlung die Wahl des genannten Herrn zum Rektor der Töchterschule stattgefunden, nachdem auch der Magistrat dem Vorschläge des Schulausschusses beigetreten war. Der Vorsteher der Versammlung (ein Christ) bat die Versammlung um einhellige Zustimmung, da eine gewisse Partei bedauerlicher Weise gegen Dr. F. agitire, ohne gegen seine Person etwas Vorbringen zu können. Es läge im Interesse der Stadt, sich die Kraft des Gewählten zu erhalten." Einwendungen gegen die Wahl wurden nicht erhoben; die Abstimmung ergab große Majorität. — Zu Repräsentanten der Synagogen-Gemeinde Tarnowitz sind die Kaufleute Adolf Schlesinger, Adolf Breit, Fedor Pinkuß, Emanuel Fischer und David Kamm, zu Stellvertretern die Kaufleute Abraham Behnsch, Emanuel Preuß, Moritz Lachs und Albert Schäfer, zu Mitgliedern der Verwaltungsdeputation der Filialgemeinde Georgenberg die Kaufleute Eugen Siegheim und S. Lewkowitz zu Georgenberg und I. Brauer in Groß-Zyglin, zum Deputirten-Stellvertreter auf die gleiche Amtsdauer der Schankwirth Julius Ring zu Georgenberg gewählt worden. — In Leobschütz wurde in der letzten Stadtverordnetensitzung der kürzlich zum Stadtrath erwählte praktische Arzt Herr Dr. Neumann in sein Amt eingesührt. — In der vom israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungsverein zu M y s l o w i tz jüngst abgehaltenen Ausschuß-Sitzung wurden die Herren Moritz Simmenauer und Rosenau in den Vorstand gewählt. — Seitens des Regierungsbaumeisters Frankel, Sohn des Rathsherrn Fränkel in Ziegenhals, wurde der dortigen städtischen Verwaltungsbehörde eine werthvolle aus 2500 Bänden bestehende Bibliothek als Geschenk angeboten, deren Annahme aber seitens der Stadt deshalb abgelehnt wurde, weil Verwaltungskosten entstehen würden und eine geeignete Person zur Verwaltung der Bibliothek nicht vorhanden ist. — Bei der Ersatzwahl für das Repräsentanten-Kollegium der Synagogen-Gemeinde zu Oppeln wurden gewählt die Herren A. Goldfeld, Dr. Schlesinger, Samuel Gurasse, Rechtsanwalt Cohn und Herrm. Proskauer, zu Stellvertretern die Herren Adolf Wittner und Fedor Heymann, Ersterer ans eine sechs-. Letzterer auf eine dreijährige Amtsdauer. — Im „Deutsch-sozialen Verein" in Breslau wurde in der jüngst abgehaltenen diesjährigen Hauptversammlung u. A. bekannt gegeben, daß der bisherige Verleger des Parteiorgans „Deutsche Ostwacht" das Blatt nur noch bis zum 1. Januar k. I. fortführen wolle und das Eingehen desselben bevorstehe, falls nicht genügende Geldmittel aufgebracht würden. Erwähnt sei ferner, daß der Verein seinen! früheren Vorsitzenden, der nach Frankenstein „versetzt" wurde, dem Postassistenten Schulze, die Ehrenmitgliedschaft votirte. Im Uebrigen gab es recht stürmische Debatten, mit denen ein Breslauer Deutsch-konservatives Blatt, das ehemalige Leiborgan von Schulze und Genossen, sehr wenig zufrieden ist. Es schimpft wie ein Rohrspatz auf seine ehemaligen Schützlinge und thut ihnen, da es an ihnen „demokratische" Gesinnungen wittert, das Aergste an, indem es ihnen die Bethätigung jüdischer Grundsätze vorwirft. So muß es kommen! — Die landesherrliche Genehmigung wurde zur Annahme der Zuwendungen ertheilt, welche der verstorbene Rentier Herr H e y m a n n (Henry) Schaps der Gesellschaft der Brüder mit 5000 Mark, der israelitischen Krankenverpflegungsanstalt und Beerdigungs-Gesellschaft mit 10,000 Mark und der israelitischen Waisenverpflegungsanstalt mit 30,000 Mark, sämmtlich in Breslau, letztwillig vermacht hat. — Am vorgestrigen Tage feierte Herr Holzhändler Bodländer in Breslau, (Friedrichstraße 69) mit seiner Ehefrau, im Kreise seiner Kinder und Enkel, das Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar wurde durch Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal eingesegnet, welcher ihm die vom König verliehene goldene Ehejubiläums-Medaille überreichte. a. Breslau, 24. November. Am 15. d. Mts. starb nach langem Leiden der in den weitesten Kreisen auf das Beste bekannte Königl. Reichsbanktaxator und Waarenmakler, Herr Ferdinand Ehrmann. Wer den Verstorbenen kannte, weiß, wie sich derselbe für alles Gute und Edle interessirte und besonders der Uebung wohlthätiger Werke seine Thätigkeit widmete. Dafür spricht auch des Verstorbenen Zugehörigkeit zu verschiedenen Wohlthätigkeitsvereinen, die jedoch nicht sein ganzes Wirken einschließt. Der Verstorbene war Mitbegründer und Vorsteher des Vereins Ahabath Jeruschalajim seit dessen 27jährigem Bestehen. Seit 1872 war er Mitglied der zweiten und seit einer Reihe von Jahren auch der dritten Brüdergesellschaft. — Wie alljährlich veranstaltet der „Verein zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder" morgen im großen Saale des Konzerthauses eine musikalische Soiree, zu welcher eine Reihe hervorragender Mitglieder der hiesigen Oper im Verein mit einigen hiesigen namhaften Gesangskräften bereits ihre Mitwirkung zugesagt haben. Ein besonderer Reiz soll dem Konzert durch die Vorführung lebender Bilder verliehen werden. Der verbindende Text ist von Karl Biberfeld verfaßt und wird von Fräulein Grunert (Stadttheater) und Herrn Regisseur Max Löwe (Lobetheater) gesprochen werden. Der Letztere hat auch das Arrangement der Bilder übernommen. Die Reichhaltigkeit des Programms und der wohlthätige Zweck lassen wohl auch diesmal den stetsgewohnten zahlreichen Besuch erwarten. Da auch die Damen Salter, Dima, Weiner und Samosch, die Herren Mühlmann, Dr. Erich Freund, Dr. Banasch und Konzertmeister Sobotka ihre Mitwirkung zugesagt haben — Herr Th. Freyhan hat den Klavierpart übernommen — so hat sich das Programm so reichhaltig gestaltet, daß der Beginn des Konzerts um 71/2 Uhr — eine halbe Stunde vor der geplanten Zeit — erfolgen muß. A Dortmund, 27. November. Auch in der hiesigen Gemeinde hat sich auf Anregung des Gemeinde-Borstehers Freund und des Pre-