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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-12-01 · Heft 48 (1.12.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 48 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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57. Jahrgang. Ar. 48. Berlin, I. Dezember 1893. Der Gemeindebote. WeiLage zuv „Attgemernen Zeitung öes JuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten.! Deutschland. ■A. Berlin, 28. November. Im Alter von 71 Jahren ist am 25. d. Mts. der in weitesten Kreisen bekannte Geh. Kommerzienrath; Salomon Lachmann nach längerem Leiden gestorben. In ihm hat! die jüdische Gemeinde ein ebenso angesehenes wie wohlthätiges Mitglied, uub das Judenthum einen seiner treuesten Bekenner verloren. In zahlreichen Vereinen hat der Verstorbene Jahrzehnte lang Ehrenämter mit! Fleiß und Eifer verwaltet. Sein Andenken wird ein gesegnetes bleiben. j g/»J Berlin, 27. November. Nulla dies sine linea. Keine Woche | ohne neue Litteraturvereine. In der abgelanfenen Woche sind „Vereine! für jüdische Geschichte und Litleratur" begründet worden in > Dortmund und Lissa (s. die Korr.). Ferner sind solche in Aussicht j genommen in Danzig, Thorn, Jnowraelaw, Rogasen, Schivel-! dein, Werl, Militsch. Vivant seguentes! 9tochmals machen wir! bei dieser Gelegenheit auf den populären Cyklus über jüdische Geschichte! für junge Kaufleute und Gewerbetreibende aufmerksam, den der hiesige j Verein allsonntäglich von 11—12 Uhr im blauen Saale des Grand j Hotel Alexanderplatz abhalten läßt. Den nächsten Vortrag hält Herr! Gymnasialoberlehrer Dr. Schäfer. Wir machen alle Prinzipale darauf! aufmerksam, daß sie ihre jungen Leute zum Besuche dieser Vorlesungen : dringend anhalten möchten. 3g Berlin, 28. November. Das Kuratorium der Zunz-! Stiftung hat Subventionen bewilligt an die Herren Tr. S. Fuchs, für! dessen hebräische Monatsschrift „Hachoker"; Dr. S. Back, für dessen Arbeit i über Meir von Rothenburg und G. Dalmann, für dessen galiläischz aramäische Grammatik. Auch beabsichtigt dasselbe anläßlich des hundertsten " Geburtstages von Zunz, im Jahre 1894 einen Aufruf um größere Geldmittel für die Stiftung zu erlassen.! vss> Berlin, 29. November. Die Neligionsschule der Ge-! mein de B'ne B'rith zu Berlin, welche in der 49. städtischen Gej meindeschule, Blumen-Straße 63 a, sich befindet, entwickelt sich in gedeih-; licher Weise unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Ph. Krön er, , der auch auf dem Gebiete der fortgeschrittenen modernen Pädagogik als tüchtig bekannt ist. Es wirken an der Schule nur staatlich geprüfte, I bewährte Lehrer; Unberufene, die weder Befähigung noch Befugniß zum Lehramt besitzen, beschäftigt dieselbe grundsätzlich nicht. Die! Schule bietet Knaben und Mädchen einen gediegenen Religionsunterricht in allen bezüglichen Fächern, namentlich auch in der jüdischen Ethik und j im Hebräischen. Zudem wird in gewissenhafter Weise Bar-mizwah-,! sowie für Knaben und Mädchen Konfirmationsunterricht ertheilt; letzterer j beginnt Anfangs Dezember. Anmeldungen für die Schule, den Bar- , mizwah- und den Konfirmationsunterricht nimmt wochentäglich von - 12—2 Herr Dr. Kroner, Kaiserstraße 41,1. entgegen. Kinder unbemittelter! Eltern erhalten jeglichen Unterricht gratis. ■ Berlin, 27. November. Wie die Alten sungen, so zwitschern! auch die Jungen! Noch ist jedes antisemitische Herz schmerzlich berührt j durch den traurigen Ausfall der Stadtverordneteuwahlen, da ertönt die j frohe Botschaft, daß noch nicht Alles in Berlin verloren sei und in der; Berliner Jugend sich „die sittliche Wiedergeburt des germanischen Stammes" : vorderere. Irr der Quarta des Dorotheenstädtischen Real-; gymnasiums hat sich ein „Deutsch-antisemitischer Schüler-! Verein" gebildet, der die „Arroganz" der jüdischen Mitschüler, welche : die besten Plätze in der Klaffe einnehmen, bekämpft, sie nicht an den! Spielen theilnehmeu läßt und sonstige bahnbrechende Reformen plant! i Man munkelt bereits, daß der Verein gegen die Anstellung jüdischer > Lehrer vorstellig werden wolle, und auch solche Lehrer, welche der über-! zeugungstreue Antisemit mit „Judengenoffen" bezeichnet, von der Schule fernhalten möchte. Unter diesen Umständen scheint die Stellung des Direktors Schwalbe ziemlich erschüttert, obwohl der Ordinarius der Quarta in gänzlicher Verkennung der Absichten der ahlwardtisch inspirirten Jugend inzwischen ein Strafgericht über die germanischen Zöglinge verhängt hat. h. Posen, 28. November. Die dritte ordentliche Jahresversammlung des Vereins jüdischer Lehrer der O stpro vinzen am 22. November er. war von 39 Mitgliedern besucht. Die Ausgebliebenen hatten sich entweder mit Krankheit oder anderer dringender Abhaltung entschuldigt. Der herrliche Lewandowskische Psalm 23 bildete die Einleitung zu der um 10 Uhr beginnenden Versammlung. Der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Herbst-Lissa, eröffnete hierauf die Verhandlungen mit einem begeistert ausgenonnnenen Hoch auf den Kaiser und König und gab alsdann seiner Freude über das fast vollzählige Erscheinen der Vereinsangehörigen Ausdruck. Kollege Dingfelder-Rawitsch überreichte ein Begrüßungsschreiben vom israelitischen Lehrerverein für Bayern, ebenso Kollege Becker-Wollstein ein Schreiben des Vereins israelitischer Lehrer des Landrabbinatsbezirks Emden. Die Versammlung nimmt von denselben mit Dank Kenntniß. Den in dem letzteren Schreiben ausgesprochenen Wünschen kann aus verschiedenen Gründen keine Folge gegeben werden, doch sollen sie für die nächstjährige Versammlung als Material verwendet werden. Nach Erledigung von Personalien und der Mittheilung, daß Jacobsohn & Co. in Breslau eine Anzahl Bücher zur Ansicht übersandt haben, erhielt Hauptlehrer Cohn-Rogasen das Wort zu seinem Referat: „Der jüdische Lehrer und seine Gemeinde". Die hier vorgeführten Bilder erweckten das hohe Interesse der Zuhörer und der Vortrag fand die lebhafteste Zustimmung der Anwesenden. Eine sehr lebhafte Debatte entspann sich über den Vortrag, dem vier Leitsätze beigefügt waren. Diese wurden von der Versammlung auf zwei Sätze eingeschränkt, welche lauten: 1. Der Lehrer sei vorsichtig im Familienverkehr und halte sich mehr an ältere Kollegen. 2. Es ist wünschenswert!), daß der Lehrer so gestellt werde, daß er auf Nebenerwerb nicht angewiesen sei. — Air der Debatte betheiligten sich die Kollegen Grünfeld, Stern, Becker, Dingfelder, Destler, Jaroczynski, Katz, Hopp, der Referent und der Vorsitzende, der unter allseitiger Zustimmung bei dieser Gelegenheit auch die Frage über die Ferien erörterte. Nach 2 ^ständiger Verhandlung wurde eine Pause von y4 Stunde gemacht, worauf Kollege Becker-Wollstein über sein Thema: „Ein deutsch - israelitischer Lehrerbund und seine Aufgaben" sprach. Redner betonte die Nothwendigkeit einer Vereinigung aller bestehenden Einzelvereine und schlägt folgende Resolution vor, die auch einstimmig angenommen wird: „Der jüdische Lehrer in den Ostprovinzen hält die Vereinigung aller bestehenden jüdischen Lehrervereine im beutfcljen Reich für nothwendig. Er beauftragt seinen Vorstand, mit den übrigen jüdischen Lehrervereinen des deutschen Reichs behufs Gründung eines deutsch-israelitischen Lehrerbundes in Verbindung zu treten rc." Kollege Dingfelder, der im bayerischen Lehrerverein über denselben Gegenstand gesprochen, liefert noch ein Korreferat, das sich im Sinne des Vorredners ausspricht, und theckt mit, daß die Brüdervereine von Hannover, Breslau, Rheinland, Westfalen, Bayern, Thüringen und Hessen den gleichen Beschluß gefaßt haben. — In der hierauf folgenden Vorstandswahl werden die HerrenHerbst-Liffa,Cohn-Rogasen und Auerbach- Tremessen wiedergewählt. Als Beisitzer werden Spiewkowski-Wongrowitz und Becker-Wollstein ebenfalls einstimmig gewühlt. — Der Vorsitzende stellt nun die Frage über Tag und Ort der nächstjährigen Versammlung zur Erörterung. Dabei zeigt sich, wie nothwendig ein Vorgehen des Vereins wegen der Festsetzung der Ferien auch der jüdischen Schulen ist. Es sei merkwürdig, daß, obwohl die Regierung beider posenschen Bezirke „unter Aufhebung aller bisherigen Anordnungen" für alle Volksschulen ihrer Bezirke die Ferien gleichmäßig bekannt gegeben hat, ein^ Anzahl Ortsschulinspektoren, darunter auch die jüdischen, sich bemühen, die alten einschränkenden Bestimmungen für die jüdischen Schulen aufrecht zu erhalten. Es habe bis jetzt mit der Anberaumung der Sitzung immer große Schwierigkeiten gegeben, da ein Tag, an welchem alle jüdischen Lehrer der Provinz erscheinen konnten, schwer ausfindig zu machen war. Posen sei als Ort der Versammlung festzuhalten, obwohl die jüdische Lehrerschaft dieses Ortes dem Vereine gegenüber eine so befremdende

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