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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-12-01 · Heft 48 (1.12.1893) · p. Seite 575

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 48 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 575 (sequence 13)
Language
German
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575 für uns er wie neben n zu leben, erhält, wie ch?" hman», die Kleine, die!s Denkens dimensional e» muß es t als eine §, um nicht ■ sagt, daß. bmefsungen angebracht :n." einen Zug seinen Zudas Weite i, ich selbst i)reschmaun kannte des soeben das ist ja über ib die vier mit König oß lind zu ch von der — er rieb das Tische Minute. :r Leichtige so handlich." tzen?" und aber alle :e andere." as werden nicht mitin diesen der dafür üe Heiden 8uchstabeu sebel aller llterthums s verdankt es wahr- : Idee gebekannt? Viel mehr Wahrscheinlichkeit hat die Annahme, daß es kein Anderer gewesen ist, als das originellste Genie der Erde, Moses, der, durch sie ägyptische Zeichenschrift angeregt, in den langen Jahren seines .infamen Wüstenlebens diese wunderbare Entdeckung machte. Er , tand, daß die menschlichen Laute sich nach den Organen sondern! mssen, und daß es weit einfacher ist, das gesprochene Wort in diese Laute zu zerlegen und sie durch die sogenannten Buchstaben zu j fixiren, als nach der alten direkten Methode, Dinge und Begriffe j durch Zeichen sinnlich darzustellen. Ihr habt ja noch heute zwei; jüdische Namen Alepli und Beth als Bezeichnung dieser Symbole;! und für das Alphabeth allein, das alle Nationen von uns in alter j Reihenfolge überkommen haben, sollten wir den Dank und die Huldij gung der ganzen Welt erhalten. Das Alphabet allein hat schon die! Verheißung Abrahams erfüllt, es ist sür alle Geschlechter der Erde ein Segen geworden." j „Ja, Ihr seid ein Segen, Olmütz," sagte Dreschmann feierlich, i „für die Elbstraße und den Groß - Neumarkt, für den Alten Wall und die Admiralitätsstraße — und das Alles, weil Ihr von Alters her so deutlich Debet und Kredit schreiben gelernt habt." „Ganz richtig, Dreschmann, das haben wir gelernt und nicht gefunden, und das ist ohne Zweifel die nächst der Buchstabenschrift für die Menschheit wichtigste Entdeckung." „Und die wäre?" „Die doppelte italienische Buchführung." „Sie sind heute lustig, Olmütz!"! „Ganz und gar nicht. Ich könnte das deutlich beweisen, aber; erstens mag ich nicht expliziren, was mich am Sabbath in geschäftliche Auseinandersetzungen verwickeln könnte, und zweitens habe ich keine Zeit." Damit stand er auf. „Warten Sie, Olmütz," sagte ich, „ich gehe mit." „Und ich auch," sagte Dreschmann. Wir gingen zusammen. III. Es war mir recht unangenehni, daß ich mit Olmütz nicht allein! war. Ich hatte ihn um etwas zu fragen, wobei ich einen Dritten! nicht gebrauchen konnte. Seit drei Tagen erwartete ich von Olmütz : Antwort auf einen wichtigen Brief und wartete vergebens. Ich war 1 in großer Geldverlegenheit und hatte Olmütz um ein kleines Anlehen! gebeten. Sollte er mein Schreiben nicht erhalten haben? Es blieb? mir nichts übrig, als ihn zu fragen, so unangenehm es mir auch war.! Ich wußte, daß er als Geschäftsführer eines großen Hauses ein ansehnliches Einkommen bezog — mehr, viel mehr, als er zu seinem und seines alten Vaters Unterhalt bedurfte, ich kannte ihn als großmüthig und über Knickerei erhaben. Es war das erste Mal, daß ich seine Hilfe in Anspruch nahm, und meine Zuversicht war trotz seiiles befremdlichen Schweigens noch nicht erschüttert. Ich ging still nebenher, ohne auf Dreschmanns Geschwätz zu achten. Endlich empfahl er sich an der Ecke der Adolfstraße. — Mir fiel ein Stein vom Herzen. „Machen wir einen Spaziergang?" sagte ich zu Olmütz, „das Wetter ist so schön." „Thut mir leid," erwiederte er, „ich habe einen Gang nach der Neustadt zu machen." „Wie Sie wollen," sagte ich gleichgiltig, aber in mir murmelte es: „Nach der Neustadt? schon wieder nach der Neustadt? das ist doch sonderbar." Diese mysteriösen Gänge, die mir den Freund gewöhnlich um die beste Stunde entführten, waren mir schon lange unangenehm ausgefallen. Sollte es wahr sein, wie man munkelte, daß Olmütz, der brave, der fromme Olmütz, ein unlauteres Verhältniß unterhielt? Ich beschloß, der Sache auf den Grund zu kommen. „Ich werde Sie begleiten," sagte ich möglichst unschuldig, „ich habe ja heut nichts zu thun." Er warf mir einen prüfenden Blick zu und setzte ohne ein Wort zu erwiedern seineil Weg fort. Ich hatte nach meiner Gewohnheit an meine eigenen Angelegenheiten gänzlich vergessen und brannte darauf, das Geheimniß meines Freundes zu ergründen. Wir gingen eine Weile schweigend neben einander, endlich sagte er: „Wollen Sie eine Tasse Kaffee bei mir trinken, Jacobsohn?" „Bei Ihnen? Wo wollen Sie am Sabbath Kaffee herbekommen?" „Nicht bei meinem Vater, in meiner anderen Wohnung." „Haben Sie denn noch eine Wohnung? Das ist mir neu." Er nickte, ohne ein Wort zu erwiedern. Wir durchschritten eine abgelegene Gaffe. Als er vor einem unscheinbaren Häuschen Halt machte, nickte ihm ein altes Weib, das vor dem Nebenhause stand, vertraulich zu und sagte: „Guten Tag, Herr Schmidt." „Guten Tag, Mutter Möller," entgegnete er, indem er nach der eisernen Klinke faßte. (Schluß folgt.) -&&& Du Ohanukah. „Es war in jenen Tagen, Es ist um diese Zeit." ufrechl ragen noch Ghettomauern Finster in unsrer Tage Licht — Juda, du Löwin, schau es mit Trauern, Wie die Schatten im Sonnenglanz dauern, Schau es, Volk Juda, doch zage nicht! Schlag' mit dem Hammer die Mauern entzwei, Juda Makkabi, mache dich frei! Nun wollen die Zwietracht sie uns bringen! Weil jüdischer Geist dem deutschen verwandt. Wir deutsche Juden nach Freiheit ringen; Drum soll es den finsteren Feinden gelingen. Das fremd wir werden im Vaterland? Just weil wir Deutsche, dem Glauben treu. Sind in GlaubenundDenkenwir: treu und frei! Juda! hat dir nicht der Ew'ge verliehen Verstand und Gemüth und Herz und Geist? Nimm diese Waffen, in Kampf zu ziehen; Schlage darein, daß die Funken ersprühen. Ein Löwe, der seine Klaue weist: Schwing deinen Hammer, zeig deine Wehr, Hoch deine Thora, den Schild deiner Ehr'! Deutsch unsre Sprache, deutsch unsre Sitten; Deutsch unser Herz und unser Gemüth: Deutschlands Siege wir miterstritten; Freudig den Tod unsre Söhne erlitten. Im Kampfe ums Vaterland heiß erglüht! Wir düngten mit Blute die heilige Saat, Wir, freie Bürger im freien Staat. Nun wollen sie kürzen uns Recht und Ehren: Schauet die Feinde! mit Mörtel und Stein Wollen dem Licht sie den Eingang wehren, Vermauern die Fenster: der Wissenschaft Lehren, Nicht frei mehr dem Freien sollen sie sein! Rauh ist der Pfad, den der Herr uns erwählt, Doch ward in Wettern die Kraft uns gestählt! Und wie es gewesen in jenen Tagen, Jst's heute wieder, um diese Zeit: Sie wollen den Geist in Banden uns schlagen! Weil unseres Glaubens Farben wir tragen, Ghettomauern man uns erneut — Schlag' mit dem Hannner die Mauern entzwei, Juda Makkabi, mache dich frei! Henriette Hirschberg.

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