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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-12-01 · Heft 48 (1.12.1893) · p. Seite 568

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 48 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 568 (sequence 6)
Language
German
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568 judäischen Großen, Reichen »nd Vornehmen in überwiegend großer Anzahl, sondern auch zumeist die Priesteruristokratie ans schnöder Ehrsucht zu diesen innern Feinden gehörten. — Der äußern Feinde hat sich Inda glücklich in siegreichen Schlachten erwehrt. Nachdem er die Feldherren Apvllonius und Seron besiegt, brachte er dem mächtigen syrischen Heere unter Gorgias im Jahre 166 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung und im folgenden Jahre unter Lysias eine völlige Niederlage bei. Und der Sieg Judas war ein glänzender und durchgreifender. Er hielt mit seinem kleinen Heere seinen Einzug in Jerusalem, reinigte den Tempel vom Gräuel des Götzenthllms und weihete denselben unter heiligen Gesängen zum Dienste des einzigen, unsichtbaren Gottes ein. Diese Weihe fand ihre entsprechendste Darstellung, ihr schönstes Symbol im Anzünden der Lichter ans dem goldenen Armleuchter des Heiligthums. Das fast dem Erlöschen nahe gewesene Licht und Leben der Nation flammte durch die Hilfe Gottes von Neuem in heiligem Strahlenfeuer, wie auf dem goldenen Leuchter, so in den frommen Gemiithern wieder ans. Wie Juda seine große Heldenkraft ans den Urquellen seiner Nation geschöpft, aus der geistigen Rückschau auf die Glaubensgröße der alten Patriarchen, indem er so oft vor dem Beginn der Schlachten seine Getreuen bald durch sein inniges Gebet zu Gott, bald durch den Hinweis auf die Tugenden der verstärkten Ahnen zur Tapferkeit ailgeeifert, so hat er bei der Veranstaltung seines Tempelweihefestes den Geist des Voltes zuin hehren Alterthum der Religion zurückgelenkt. Er feierte, vom 25. Tage des Monates Kislev angefangen, das Tempelweihefest acht Tage lang, und zwar, wie die Geschichtsquellen melden, wie zum Ersatz für die durch die Verfolgungen unter- . lassene Feier des achttägigen Laubhüttenfestes. Deswegen wurden auch bei dieser Tempelweihe die an jenem Feste üblichen Umzüge mit Palmen und grünem Gezweig gehalten. Der achttägigen Tempellveihe liegt zugleich noch eine andere Beziehung zu Grunde. Israels nationaler Priesterberuf: „Und ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk" —Israels nationaler Priesterberuf ward zur Zeit der Verfolgung entweiht, viele waren von ihrem Judenihnm abgefallen, und die Frommen konnten manche religiöse Gebote nicht ausüben, ja, sie mußten der Noth gehorchend manche Gebote, wie die heilige Sabbathruhe, verletzen, um sich gegen den tückischen Feind zu schützen und mit den Waffen in der Hand zu wehren. Wie nun der Priester nach religiöser Vorschrift vorerst eine von jeder unreinen Berührung sich fern haltende siebentägige Weihe eiuhalten mußte, ehe er am achten Tage seine volle priesterliche Dienstfähigkeit erlangt hatte, so sollte auch das damalige Israel seine Weihe bis zur vollen Wiederherstellung seines ursprünglichen heiligen Priestercharakters durchmachen. Das treffendste Wahrzeichen dafür war das zur priesterlichen Funktion gehörende Anzünden des heiligen Leuchters, welcher wieder seinerseits mit seinem strahlenden Lichte ein Sinnbild der Gotteslehre ist, wie geschrieben steht: „Das Gebot des Ewigen ist lauter, erleuchtet die Augen; ein Licht ist das Gebot und eine Leuchte die Lehre." Die Tempelweihe war daher zugleich eine erneute Priesterweihe ganz Israels, dieses lebendigen Trägers des geistigen Gottestempels zu allen Zeiten und an allen Orten, dieses lebendigen Verbreiters der göttlichen Lichtweihe der Religion und der Sittenreinheit. Und darum hat Juda mit der Einsetzung der Tempelweihe zur alljährlichen Erinnerungsfeier ein leuchtendes Denkmal in Israel errichtet, als ein Wahrzeichen der göttlichen Hilfe wie in der Vergangenheit, so auch in der Zukunft für alle Diejenigen, die unter allen Versuchungen und Prüfungeil im Glauben und in der Treue unerschütterlich ausharren. Mit dem Siegcsfeste der Tempelweihe war aber der ersehnte Friede in Israel noch nicht eingekehrt. Nachdem der grausame, unmenschliche Antiochus eines schmählichen, grauenhaften Tode, starb, sandte sein Nachfolger Demetrius den Feldhcrrn Nikano: mit einem großeil Heere gegen Palästina, »in die Einsetzung des griechisch gesinnten Altimos zum Hohenpriester mit Gewalt zu ev zwingen. Juda zog ihm mit dreitausend Mann entgegen. Gleich Lölven stürzten sich diese auf den Feind. Als Nikanor tu dieser Schlacht fiel, entsank seinem Heere der Muth, es ergriff die Flucht, und Juda verfolgte die Fliehenden bis an die Grenze des Landes. Bald darauf schloß Juda zur Sicherstellung seiner Kriegserfolge ein Bündniß mit den Römern. Doch als Demetrius abermals eine noch stärkere Heeresmacht gegen Juda sandte, fiel dieser in der Schlacht bei Elasa mit dem Schwerte in der Hand. — Judas Heldengeist ist nicht gestorben; er strahlt durch die Jahrtausende aus den noch heute in den Häusern Israels aufflammenden Chanukahlichtern hervor und entziindet von Geschlecht zu Geschlecht immer von Neuem den in unserer Brust schlummernden religiösen Funken zur Hellen Flamme der Begeisterung für das Recht und die Freiheit unseres Glaubensheiligthums. Berlin, 28. November. In den Vordergrund des Jnteceffes rückt der Antrag der konservativ-antisemitischen Partei, der auf eine Verrammlung der deutschen Grenzen gegenüber den ausländischen Inden abzielt. Der Antrag hat wenig praktische, wohl aber eine weittragende prinzipielle Bedeutung. Das werden auch jene reaktionären Parteien wissen, aber weil im Innern vorläufig der Hebel an der Aufhebung der Emanzipation der Juden nicht angesetzt werden kann, so sucht man sein Miithchen auf andere Weise zu kühlen. Den Juden draußen gegenüber garantirt keine Reichsverfassung die gleichen bürgerlichen Rechte, und so will man die Reichsregierung auf die schiefe Ebene locken, auf der es bekanntlich kein Halten zu geben braucht. Au der Ehre und dem guten Namen des Vaterlandes, der auf solche Weise dem Spott und Hohn des Auslandes preisgegeben wird, liegt den Biaulpatrioten vom Schlage des Antisemitismus nicht viel. Was die zivilisirten Völker dazu sagen, ist ihnen gleichgiltig, wenn nur eine wilde Judenschlacht im Reichstag mit ihrem Hetzgeheul den edlen Kumpanen außerhalb des Hauses neuen Giftstoff einträufelt. Die Herren können es sich ja au den fünf Fingern abzählen, daß die Reichsregierung ihrem mehr oder minder sanften Drängen nicht nachgeben wird. Aber auch nach einer anderen Hinsicht ist der Antrag in praktischer Bedeutung ei» Schlag ins Wasser. Man sollte doch glauben, daß irgend ein genügender Grund zu dem humanen Eifer dieser Koalition vorläge. Ist die Einwanderung der Inden denn eine so brennende Frage, überschreiten sie denn mit so übergroßer Gewalt die Dämme der deutschen Gaue, daß man zu dein schweren Geschütze einschneidender Maßregeln greifen muß? Besteht überhaupt eine nennenswerthe Einwanderung von Juden in Deutschland? Das amtliche Material mürbe den Leuten sagen, ein solcher Schutzwall gleicht einem Kampf gegen Windmühlen. Die Fabel, wenn je etwas an ihr gewesen, hat jetzt weniger Berechtigung als je. Das Märchen von der jüdischen Einwanderung ist selbst als Märchen zu abgeschmackt, um Jemand damit gruseln zu machen. Am allerwenigsten die Reichsregierung, die so tapfer ist, daß sie sich

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