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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-12-01 · Heft 48 (1.12.1893) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 48 (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 567 (sequence 5)
Language
German
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Als daher der Hauptmann diese Priesteriamilie im Namen des Königs anfforderte, das aufgerichtete Zeusbild anzubeten und vor ihm zu opfern, erfaßte diese ein Sturm der Entrüstung, und in ihrem brennenden Schmerze um die unterdrückte Freiheit fielen der greise Mattathias und seine Söhne über den Hauptmann her, tödteten denselben, warfen die Bildsäule und den Altar um, flohen in die Gebirge, zogen durch Städte und Dörfer und riefen alle Glaubenstreuen zu den Waffen. Bald schaarten sich mehrere tausend Mann um die todesmnthigen Führer, die mit dieser kleinen Schaar den Feind mehrfach angriffen und ihm empfindliche Verluste beibrachten. Als Mattathias, von hohem Alter gebeugt und von den schmerzlichen Vorgängen bis ins Innerste erregt, seinen Tod nahe fühlte, versammelte er seine Söhne um sich, sprach ein ergreifendes Gebet, in welchem er Gott um Beistand für die gute Sache anflehte, und ermahnte seine Söhne zum Ausharren und zur Standhaftigkeit, indem er sie auf Gottes Hilfe, die bei keinem guten Werke ausbleiben könne, vertröstete. Nachdem er unter seinen Söhnen den Juda zu seinem Nachfolger als Führer im Kriege bestimmte, befahl er seine Seele in Gottes Hände und entschlief. Tief erschüttert umstanden die Söhne die Leiche ihres edlen Vaters, und angesichts derselben schwuren sie in ihrem Herzen, das Vermächtniß ihres Vaters hoch und heilig zu halten und nicht eher zu ruhen, bis sie ihre Waffen für den heiligen Glauben zum Siege geführt. Wenn die Jugend das hohe Alter, das würdig sein Tagewerk vollführt hat, ablöst und an dessen Stelle tritt, so steht sie auf einem heiligen Boden, und wenn sie sich dessen bewußt bleibt, dann sind ihr die verklärten Geister derer, die sie hier auf Erden vertritt, auf allen Wegen nahe; sie kämpfen unsichtbar an ihrer Seite, die Jugend fühlt ihre Kräfte wunderbar verdoppelt, verzehnfacht, Gottes Wunder ziehen vor ihr her, sie thut Wunder und weiß nicht, wie es geschah; es sind die Engel der hehren Geister der Ahnen, die Engel der Verheißung, .die von Geschlecht zu Geschlecht, ihnen selbst unbewußt, wirksam sind, wie geschrieben steht: „Siehe, ich sende einen Engel voü dir her, dich zu behüten auf dem Wege und dich zu bringen an den Ort, den ich dir bereitet habe." Wie Jakob auf dem Sterbebette seinen Sohn Juda, als zum Herrscher unter den Brüdern berufen, bezeichnete: „Juda, dich preisen deine Brüder, auf Feindesnacken lieget deine Hand," so ward von dem sterbenden Mattathias sein Sohn Juda vor allen seinen Brüdern zum Vorkämpfer in der schweren, harten Zeit bestimmt. Juda der Makkabäer hat seinen edlen Vater Mattathias abgelöst, er stand auf heiligem Boden und war sich deffen bewußt, denn es galt, das Vaterland, den Glauben und die Freiheit zu retten. Und er that Wunder auf den Schlachtfeldern, Wunder von Tapferkeit und Löwenmuth. Das unerschütterliche Vertrauen zu der guten Sache seines Volkes hat ihm den beispiellosen Muth verliehen, mit einer kleinen Schaar einem an Zahl hundertfach überlegenen Feinde gegenüber zu treten. Wie alle die großen, ruhmgekrönten Freiheitskämpfer, deren Namen die Geschichte mit Bewunderung und Verehrung nennt, hat ihn die Siegesgewißheit der heiligen Gerechtigkeit und Freiheit beseelt, und indem er mit derselben den Muth seines kleinen Heeres entflammte, hat er die staunenswerthen Kriegserfolge erzielt, die, nüchtern betrachtet, fast unbegreiflich erscheinen. In einer Nacht, welcher bereits heiße Schlachttage vorangegangen und noch heißere Nachfolgen sollten, hatte er eine wunderbare Traumerscheinung. Es erschien ihm in derselben der verstorbene fromme Hohepriester Onias, mit zum Himmel emporgehobenen Händen für sein Volk betend. Hierauf trat der Prophet Jeremia an ihn heran, welcher ihm ein goldenes Schwert überreichte, indem er sprach: „Nimm dieses Schwert, das Gott dir sendet, damit sollst du die Feinde besiegen." Diesen Traum erzählte er seinem Heere, welches von dem wunderbaren, geheininitzvollen Vorgang tief ergriffen, mit um so größerem Gottvertrauen und gehobnerem Selbstbewußtsein in die Schlachten hinauszog. Der Traum Judas war zur vollen glänzenden Wirklichkeit geworden. Jeremia, dessen treue Seele sich ehedem in den erschütterndsten Klagen über die Trümmer Jerusalems ergoffen, Jeremia, der bei all'dem herben, unsäglichen Schmerze, der ihn um das nach Babel verbannte Juda ergriffen, die Gerechtigkeit Gottes zur Erfüllung seiner rettenden Verheißung als das hohe Panier des Trostes für das versprengte Volk aufgepflanzt, Jeremias klagender Geist, Jeremias flehendes Gebet webte auch jetzt über der inneren Verwüstung des Heiligthums, über der Verödung Jerusalems. Diese innere entehrende Verwüstung des Heiligthums war für Israel verhängnißvoller als die Zertrümmerung deffelben durch Nebukadnezar zu Lebzeiten Jeremias. Denn dort sollte Israel gerade durch die Zertrümmerung seines Heiligthums und die Verbannung des Volkes nach dem heidnischen Babel von seinem Hange nach dem glitzernden Götzenthum durch das Kennenlernen der Nichtigkeit und Abscheulichkeit desselben an der Quelle geheilt werden, während hier die Anwendung von blutiger Gewalt einerseits und von glänzenden Versprechungen andererseits den Abfall vom Glauben und der Sittenreinheit in erschreckender Weise gemehrt hatte. Die über dieser Verwüstung webende thränenreiche Klage Jeremias hat im Herzen Judas des Makkabäers . den mächtigsten Widerhall gefunden. Hatte sein greiser, tapferer Vater, Mattathias, mit der Kriegsfackel zu den „Kämpfen des Ewigen" zum heiligen Glaubenskrieg die Gemüther der Frommen entzündet, mit dieser Kriegsfackel in die Höhlen und Schluchten, wohin viele Geängstete sich geflüchtet, tröstlich ermuthigend hinein geleuchtet, daß sie wie beim Aufgehen eines neuen Morgenroths aus ihrem Versteck hoffnungsvoll hervortraten: so hat Juda mit seinem glänzenden Schwerte, den Glanz einer neuen Zeit, für Israel, für sein Heiligthum, für seinen Glauben unb seine Freiheit heraufgeführt — einen Glanz, der mit den Chanukahlichtern noch heute in die Gemüther Israels zu erneuter Hoffnung, zu verstärkter Zuversicht hineinstrahlt. Juda war von Haus aus so wenig wie sein Vater und seine Brüder im Kriegshandwerk geübt. Er gehörte dem Priesterstande an. Die haarsträubenden Gewaltthaten, die Antiochus und seine Schergen in Jerusalem in dem Tempel verübten, veranlaßten seinen Vater, mit der Familie nach dem kleinen Flecken Modin zu übersiedeln. Hier in stiller Zurückgezogenheit reifte in der Seele des jungen Juda, von dem schmerzlichen Klagen und Trauern seines Vaters tief ergriffen, der Entschluß, für die Freiheit und den Glauben seines Volkes sein Leben einzusetzen. Wie sein Vater Mattathias in Nacheiferung seines Vorfahren, des für Gott eifernden Pinehas, der den durch sein sittenwidriges Betragen das Volk verleitenden Stammesfürsten Simri am Leben strafte, einen Juden tödtete, der in seiner Gegenwart vor dem Zeusbiide anbetend sich niederwarf, so hat Juda nicht blos die äußeren Feinde des jüdischen Glaubens, sondern auch die inneren Feinde deffelben, die griechisch gesinnten Juden, welche Jene herbei riefen, um die Hellenisirung Judäas mit Gewalt durchzuführen, mit seinem goldenen Schwerte bekämpft. Das Heldenthum Judas und seiner Getreuen ist besonders an der Stärke und Hartnäckigkeit dieser innern Feinde des Glaubens zu bemeffen, und es erscheint als ein jedes Maß weit übersteigendes, wenn man den Umstand in Betracht zieht, daß nicht nur die

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