Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 47 (24.11.1893)
- Date
- 1893-11-24
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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Gebiete des Religionsunterrichtes erfolgreich zu gestalten, hat der Verband die von en Inspektoren auszufüllenden Revisionsprotokolle derart eingerichtet, daß dieselben auch die äußeren Verhältnisse der Schule beücksichtigen. Die Protokolle werden im Duplikat angefertigt und in je mein Exemplar dem D. I. G. B. in Berlin und dem westfälischen Geueindeverbande zu den "Akten gegeben. Auf diese Weise hoffen wir, im /aufe der Zeit ein werthvollcs Material für die Beurtheilung der Schulerhältnisse in Westfalen zu schaffen Wir halten uns überzeugt, daß iefe neue Einrichtung in Verbindung mit den bereits eingeführten ein- -eitlichen Lehrplänen den Religionsunterricht in den jüdischen Schulen Westfalens wesentlich fördern wird. * (Hrünstadt, 9. November. Eine Feier besonderer Art, eben so elten wie ehrend, hatte die israelitische Gemeinde dahier Gelegenheit, Mite zu begehen. Mit dem heutigen Tage sind es nämlich volle 25 Jahre, oaß Herr Stadtrath Simon Nahm dem Spnagogenausschusse dahier cheils als Mitglied, theils als dessen Vorsitzender angehört. Von einer öffentlichen festlichen Begehung des heutigen Tages hatte man Abstand genommen, dagegen überreichten die Synagogen-Ausschußmitglieder dem Herrn Jubilar, der während eines Vierteljahrhunderts sich das Vertrauen, oie Liebe und Achtung aller seiner Mitbürger ohne Unterschied der Konfession zu erwerben und zu erhalten verstanden hat, in der Wohnung ges Gefeierten Namens der Kultnsgemeinde, um deren Gefühlen der Dankbarkeit und Hochachtung auch einen äußeren Ausdruck zu geben, üne Adresse in einer sehr hübsch gearbeiteten Mappe aus blauem Sammt!nit silbernen Beschlägen und einem Mittelstück, das die Initialen des Gefeierten trägt mit den beiden Jahreszahlen 1868 — 1893. Oesterreich - Angarn. □ Wien, 20. November. Donnerstag den 16. d. M. fand unter zahlreicher Betheiligung der besten Kreise Wiens das Leichenbegängniß des am 14. d. M. verstorbenen Baron Moritz Königs wart erstatt. Die Verdienste dieses ausgezeichneten Mannes, der sich inmitten seiner hohen Stellung doch stets als wahrer, glaubenseisriger Jude erwies, würdigen Sie an anderer Stelle. — Der "Allgemeine Kranken- Unterstützungsverein „Nächstenliebe" in Wien, welcher im Jahre 1868 gegründet, beging gestern die Feier seines funfundzwanzigjährigen Jubiläums. Aus diesem Anlasse fand am genannten Tage eine Festversammlung statt, in welcher jene Mitglieder, die dem Verein seit 25 Jahren angehören, durch Verleihung einer silbernen Jubiläumsmedaille ausgezeichnet wurden, und gleichzeitig eine Jubiläumsmedaille zur Vertheilung gelangte. — In Budapest werden demnächst fünf neue Mitglieder in das Magnatenhaus berufen werden, darunter, wie verlautet, der pensionirte zweite Vizepräsident der Königlichen Kurie, Daruvary, ein Vertreter der jüdischen Konfession. — Der antisemitische Agitator Friedrich Hackmesser, der neulich während einer Sitzung des Gemeinderathes einen Skandal hervorrief, indem er von der Galerie herab eine förmliche Standrede gegen das Präsidium hielt, wurde bei diesem Anlasse festgenommen und zu sechs Tagen Arrest verurtheilt. — Die Antisemitensraktion des Wiener Gemeinderathes hat eine Eingabe an den Statthalter Grafen Kielmansegg gerichtet, in welcher an denselben das Ansuchen gestellt wird, die vom Gemeinderathe erfolgte Wahl des Dr. Prix zur kaiserlichen Bestätigung nicht zu empfehlen. Dieses Ansuchen wird durch eine jetzt vorliegende weitläufige Motivirung unterstützt, welche eine lange Reihe von Anschuldigungen gegen die Amtsführung des Bürgermeisters Dr. Prix enthält. Es wird dem Bürgermeister eine angebliche Verletzung verschiedener Bestimmungen des Gemeindestatuts zur Last gelegt, für welche Behauptung die Antisemiten Beweise zu erbringen sich der Statthaltern bereit erklären. Wie „sehr witzig" die Antisemiten mitunter sein können, beweist Nachstehendes: Zu Beginn der gestrigen Sitzung fanden sämmtliche Gemeinderäthe auf ihren Pulten ein Flugblatt mit einer Abbildung Letztere stellte ein Katzenpaar vor, welches sich umarmt. Das Flugblatt war mit folgenden Worten unterfertigt: „Ein würdiges Paar für die Csakpsche Civilehe. Seinen politischen Feinden gewidmet von Gregorig." Der Vorsitzende Vizebürgermeister Dr. Grübl rügte mit Recht zu Beginn der Sitzung, daß eine Drucksorte ohne Genehmigung des Präsidiums vertheilt worden sei. Ueber den Witz aber, der darin liegen sott, wird wohl Herr Gregorig selbst Auskunft geben müssen — ''Andere finden ihn mit dem besten Willen nicht heraus. r. Wien, 17. November. An der neubegründeten Israelitischtheologischen Lehranstalt, deren feierliche Eröffnung am 16. Oktober l. I. statt fand, gründeten die Hörer derselben, durch das Bedürfniß eines gemeinsamen litterarischen Wirkens veranlaßt und angeregt, einen „The ologischen Verein", der es sich zur Aufgabe macht: das geistige Leben der Studirenden zu fördern, u. z. durch homiletische Hebungen, wie auch durch Vorlesungen und Vorträge auf allen Gebieten der jüdischen Litteratur und Wissenschaft. Der Verein wird auch materiell seine Mitglieder unterstützen, und zwar durch Gewährungen von Darlehen aus der Vereinskasse Bei der konstituirenden Versammlung, die am 1. November stattfand, wurde auch die Wahl des Präsidiums vorgenommen, das sich unter Vorsitz des Herrn Drd. Alois Freund folgendermaßen gestaltete: Vizepräsident: Drd Josef Hoff, Kassirer: Bernhard Fuchs, Schriftführer: Max Steif, Schriftführer- Stellvertreter: Max Hoch, Ausschnßmitglieder: Simon Friedmann, Moses Schorr, Zalim Segal. r. Prag^ 16. November. Der „Central verein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten" trat vorige Woche in das zehnte Jahr seines Bestandes. Wir entnehmen den aus diesem Anlaß erstatteten Berichten folgende interessante Notizen. In seinem Bericht bemerkte der Geschäftsleiter Dr. Friedrich Duschenes, das; der Verein das bei seiner Gründung als geboten erachtete Prinzip, aus dem Programm das Gebiet der religiösen, rilnellen und ceremoniellen Fragen, sowie das nationale und politische Gebiet ganz auszuscheideu, strikte innegehalten habe. Es habe sich dieses Prinzip umsomehr bewährt, als dadurch ermöglicht wurde, alle Glaubensgenossen auf dem Boden dieses Vereins und unter seinem Banner zu vereinigen. Diesem Umstande sei es zu danken, daß in dem Verbände beinahe alle Gemeinden Böhmens vereinigt würden. Das Wirken des Vereins während der 10 Jahre sei in drei große Gebiete einzutheilen: in das Gebiet der Arbeitszuweisung, der Pflege des jüdischen Gemeinwesens und der Förderung der sozialen Stellung der Juden. Für den Verein erwachse zunächst die Frage, wie er nun bei den geänderten Kultusgemeindeverhältnissen vorzugehen habe. Das einzige Gesetz, welches für die israelitische Religionsgenossenschast gewisse Normen festsetzte, sowie für deren äußere Rechtsverhältnisse sei das vor hundert Jahren für Böhmen erlassene Judeupatent. Das Judenpatent erkennt in Böhmen nur eine Gemeinde — und zwar in Prag — an, während der großen Anzahl der seit hundert Jahren entstandenen Kultusgemeinden rechtliche Existenz sowie der Charakter einer öffentlich konfessionellen Behörde bestritten wurde. Durch Gesetz und Ministerialverordnung vom 30. Mai 1893 seien endlich gesetzlich geregelte Zustände geschaffen worden. Wenn er noch zum Schluffe die leider anwachsende antisemitische Strömung erwähne, so geschehe dies nur, um von dem Verein den Verdacht abzuwälzen, daß er in dieser Hinsicht die Hände in den Schoos; lege. Es sei bedauerlich, daß der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" in Wien nicht jene Unterstützung finde, welche er verdiene. Der Verein gleicher Tendenz in Berlin besitze 15,600 Mitglieder, während Wien ein Drittheil Frequenz an Mitgliedern aufweise. Es sei daher heiligste Pflicht, den segensreich wirkenden und strebenden Verein nach Kräften zu unterstützen. Die Zeit, in welcher wir leben, sei ernst, so daß der Verein von äußerlichen Festlichkeiten anläßlich des Dezenniums absehe, hingegen aber sich mit um so größerer Ausdauer und strenger Pflichterfüllung seinen Aufgaben widmen wolle. Herr Dr. M. Welsch erstattete alsdann Bericht über das Wirken der Handwerkerabtheilung. Von den 57 Vereinsschützlingen vcrtheilen sich ans die einzelnen Handwerke wie folgt: Handschuhmacher 10, Schneider 10, Schlosser 6, Tapezierer 5. Goldarbeiter 4, Buchbinder 3, je 2 Gelbgießer, Klempner, Lithographen, Schriftsetzer, Selcher, Tischler und Anstreicher, Fleischhauer, Gerber, Mechaniker, Posamentierer, Schuhmacher und Goldstafsierer. Den Lehrlingen sei Sonntags Religionsunterricht von der Sektion ertheilt werden, auch habe dieselbe für weitere Ausbildung in den Gegenständen des praktischen Lebens Sorge getragen. „Menschenliebe und Menschendienst" seien die an der Spitze des Banners prangenden Worte, die auch fernerhin Freunde, Gönnerund Mitglieder des Vereins demselben treu erhalten werden. Alsdann führte Professor Wertheimerdas segensreiche Wirken der Studenten-Abtheilung vor. Er bedauerte, daß die Sludenten- Abtheilung leider nicht das Lieblingskind des Centralvereins sei, die Bewerberzahl sei groß. 90 Prozent der Stundensuchenden seien Hochschüler, die Zahl der verschämt Hungernden unter den Studenten sei