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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-11-24 · Heft 47 (24.11.1893) · p. Seite 561

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 47 (24.11.1893)
Date
1893-11-24
Page
Seite 561 (sequence 11)
Language
German
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561 Heilungen , die ans >enen man daß man ncht mehr i man vor i hinlritt. hren Vordas wird, Mer, und -spöttischer id schlcchtu äußern, te bewezk, geworden, Z ist doch Ausdruck Hauungen empfinde — dasmden gelachs'schen rsbewußtieihe von t mitbeten ert. Was :s Opferberrest in cksicht auf et worden gerichtet, raren, die ischauuilg nicht, ob arider an serstchrmg stelluugen der An- Uvruideil? , in derr » Herzerr entgegrre iinweisen. he Rückuimer die rvird sich sche lustig ehrfurcht- Erhebmig religiösen t werden in dem n macht, drängen ankenlos, mpfindet, vird daes jeden rer nicht lledankenlosigkeit und den Jndifferentismus züchten will, darf nicht! Nrlderr, daß im Gotteshause Gebete gesprochen werderr, deren Inhalt! und Gedankengang aus denr Bewußtsein der betenden Gemeinde! .aschwunden und mit den thatsächlicheu Verhältnissen im Widerspruch : liehen. Eine Reihe neuerer Gebetbücher sricht den gerügten Uebelländen abzuhelfen, so hat auch die Berliner Neue Synagoge ein Gebetbuch edirt, welches zwar nicht immer gelungen ist, aber imnrerhin j st diesem der Vorzug zu geben vor den anderen bisher erschienenen . Gebetbüchern, die von der äußersten Reform entfernt, doch den gej ruderten Zeitanschauungen Rechnung tragen, da darin alle jene i Widerspruche beseitigt sind, welche die alten Gebetfornreln im religiösen Bewußtsein der heutigen Generation hervorgerufen. Eine Synode, deren Zusommeiitreten auch die Verfasserin rnregt, kann so lange nichts Ersprießliches leisten, bis nicht in! re» einzelnen Gemeinden die nöthige Vorarbeit geschehen und die j einzelnen Rabbiner das schlummernde Gewissen diesbezüglich wachrerrrfen. j Zum Schlüsse wünsche ich noch dein Buche viele christliche j Äser, die sich aus demselben überManches, was ihnen fremd und geheimj uißvoll im religiösen Leben der Juden erscheint, Aufklärung verschaffen können, da ihnen in diesen „Kulturstudien", deren Fortsetzung die Verfasserin in Aussicht stellt, ein genaues und wahrheitsgetreues; Bild aus dem Innenleben des Judenthums geboten wird. Zur Kennzeichnung des reichen Inhalts will ich nur noch die Aufschriften [ jener Kapitel Herstellen, die ich noch nicht eitirt: Tägliche Andacht,; Sabbath, Sittcnlehre als Gottesdienst, Weltgerichtstag und Ver- : söhnungsfest, Ostern, Pfingsten, Laubhütte und Tempelweihe, Purim j und Neunwndstag, Seelenfeier und Segensspruch, das Gebet in der j Bibel, Hymnen. j Ich bin überzeugt, wer dieses Buch liest, wird von einer Menge! von Vorurtheilen geheilt sein und zu einer gerechteren und billigeren Würdigung des so arg geschmähten Judenthums neigen. Das Werk steht im Dienste der wahren Aufklärung und Hilst mit, Frieden und : Versöhnung zwischen den Konfessionen stiften, was die Verfasserin sich! als heiliges Lebensziel gestellt hat. d FEUILLETON Arr Schatten. Erzählung von Eduard Kulte. (Schluß.) Raphael betrachtete mit Wehmuth die grünen Zweige, welche an den Wänden der Stuben, an Spiegel und Bilderrahmen angebracht waren, und sagte zu seiner Mutter: „Ich werde diese Stuben nicht mehr so geputzt sehen wie heute, und werde nicht mehr hören „Akdomes" lein Festgesang) singen." Die Mutter aber erwiederte: „Was soll ich Dir sagen, Fohl-Leben! Wirst Du sehen, Du wirst über's Jahr zu Gesund noch diese Stube sehen, und wirst mit Gottes Hilfe hören „Akdomes" singen. Ich tarnt Dir nicht anders sagen, als mein Herz sagt mir's!" Schwacher Trost für Raphael. Was vermag ein Herz, und sei es auch voll Liebe, gegen einen Schatten ohne Kopf in der Scheinerabbe-Nacht?! Und was sagte der Bater und die gute Chanuah? und was sagte der Randar, Golde, die schöne Braute Sie tapptett Alle im Finstern, doch kömmt ein liebendes Herz der Wahrheit immer noch am nächsten. Der Vater sagte: „Fohl ist gar nicht mehr Fohl, er ist wie ausgetvechselt." Anfänglich bestand er darauf, daß der Arzt geholt werde; der Arzt konnte aber nicht helfen. Sie hütt' das in ihrem Leben nie geglaubt, daß Fohl ein solcher Krehntopfgucker werden wird, dem beständig die Augen übergehen, meinte die gute Channah. „Er ist ein Todtenkopf, und Du erlebst Dir nichts an ihm!" war die Meinung des Nandars, wenn er seiner Tochter gegenüber seinen Unmuth äußerte. „Und er hat mich doch gern, ich bau' auf ihn!" versicherte trotz alledem das holde Mädchen. Indessen sprach man auch Verschiedenes in der „Gasse", und was in der Gasse gesprochen wird, darauf tuuß mau in der Gasse Achtung haben, denn die Gasse ist der Ausdruck der Volkssouveränität. Zuerst erzählte man, Fohle Simches hat uebbech eine Gemüthskrankheit. Nicht lange aber nachdem der Randar mit seiner Tochter auf sein Dorf zurückgekehrt war, erzählte man sich im Rädel die Neuigkeit: der Randar will die Partie znrückgehen lassen. Reb Simche vernahm es und achtete dessen nicht; er wußte, daß sein Fohl keine schlechte Partie sei, und der Rartdar werde sich einen solchen Schritt erst noch überlegen, bevor er ihn ausführe. Nach „Chanukah" kam ein Bote vom Randar. Der Bote überbrachte ein Schreiben. War es ein Absagebrief? und hatte die „Gasse" Recht? Nein, es enthielt vorläufig blos die Anfrage, auf welche Zeit Reb Sitnche die Hochzeit festsetzen will. Für Reb Simche wäre dies keine Verlegenheit gewesen, wenn er die Antwort auf diese Frage unumschränkt hätte ertheilen können; indessen tnußte hierüber die Mutter und — der Bräutigam selbst doch gehört werden. Der Randar fragte den Vater; der Vater fragte die Mutter; die Mutter fragte den Sohn, und der Sohn gab die Antwort: „Ich will Golde-Leben nicht 31t einer Wittwe machen." Diese Antwort konnte die Mutter nicht weiter an den Vater zurückgeben, denn sie lvär' ihm unverständlich gewesen, die Mutter ersann eine andere Antwort — eine Frau darf um eine gute Antwort nie verlegen sein — sie sagte: „Fohl hat den ledigen Stand noch gar nicht genossen, er ist noch jung, man braucht sich mit der Hochzeit nicht so über Hals und Kopf zu eilen." Der Randar machte ein schiefes Gesicht, als er Reb Simches Antwort erfuhr, legte deu Brief bei Seite und sagte zu seiner Tochter: „Ist die Atlsstaffirung in Ordnung? ja? nun gut! so laß sie schön im Kasten liegen, sie wird noch eine Weile liegen können, ünder als Du sie brauchst." Es kam „Peßach". Der Randar will lassen die Partie abgehn — erzählte man sich wieder int Rädel. Reb Simche glaubte es nicht. Ein Bote kam und brachte einen Brief. Wieder fragte der Randar den Bater, der Vater die Mutter, die Mutter den Sohn, auf welche Zeit die Hochzeit festgesetzt werden solle. Der Vater hätte zwar den Sohn direkt fragen können, allein er mochte nicht. „Du magst mir glauben," sagte er zu feinem Weibe, „die Sach' macht mir schon so viel Herzensbetrübniß, daß ich gar nicht fragen roill, — frag Du ihn!" Raphael antwortete wie früher: „Mutter-Leben, Du kannst doch nicht wollen, daß ich die gute Golde zu einer Wittwe machen soll." Die Mutter sagte dem Vater: „Nach „Peßach" kommt die „Ssireh". In der „Sfireh" kann man keine Hochzeit machen." Die „Sfireh" ist die Zeit von Ostern bis Pfingsten und dauert volle neunundvierzig Tage. Es hat einmal in dieser Zeit eine große Seuche vierzigtausend Schüler eines großen Rabbi weggerafft; deshalb

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