Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-11-17 · Heft 46 (17.11.1893) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 46 (17.11.1893)
Date
1893-11-17
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3228033--50356-3271965
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

2 anzog und weshalb wir mit Begeisterung und Bewunderung zu ihm hinauf gesehen haben. Dadurch, daß wir das bewahren, was er gewollt, daß wir in seinem Sinn weiter arbeiten, werden wir dem Heimgegangenen einen bleibenden Gedenkstein setzen. Herr Dr. Bleyer gedachte darauf in einer begeisterten Ansprache des Verewigten, als seines politischen Freundes und seines Kollegen. Tr. I. habe stets festgehalten an den Forderungen des entschiedenen Liberalismus. — Um Vol2 Uhr erfolgte unter sehrzahlreicher Betheiligung seitens der Mitglieder unserer städtischen Behörden, der Bürgerschaft re. die Uebersührung der sterblichen Hülle nach dem Bahnhofe. Hier widmete Herr Rabbiner Tr. Silberstein dem Scheidenden einige tiefempfundene Abschiedsworte, und ein Trauergesang der Liedertafel schloß die ergreifende Feier. üa. Aus Schlesien, 28. Oktober. Am 12. d. M. starb in Brieg Herr Rentier Jakob Kassel im Alter von 75 Jahren nach längerem j Leiden. Ter Verstorbene war früher Mitglied des Repräsentautenkollegii und verschiedener Deputationen gewesen und hat sich durch den großen Erfolg, mit dein er für die Gemeinde wirkte, große Achtung erworben, die i ihm ein dauerndes 'Andenken in der Gemeinde sichert. — Herr Banquier! Böhm in Brieg hat anläßlich seines jüngst gefeierten Bürgerjubiläums! auch der städtischen Verwaltung einen namhaften Betrag in Höhe von 1000 M. j in einem vierprozentigen Pfandbriefe mit der Bestimmung überwiesen, j daß die Zinsen alljährlich an je einen evangelischen und katholischen! bedürftigen Bürger vertheilt werden sollen, wofür in der jüngsten Stadt-! verordneten-Versanunlung der erste Bürgermeister, Herr Heidborn, dem! hochherzigen Geber den Dank der Versammlung, der gesammten Bürger-! schaft, insbesondere der Armen abstattete, wobei die Versammlung dorch! lebhaftes Bravo und Erheben von den Plätzen zustimmte. Wie aus j Strieg au unterm 20. d. M. gemeldet wird, sind daselbst in der vorherj gehenden Nacht aus dem dortigen jüdischen Friedhof eine größere j Anzahl Grabdenkmäler von ruchloser Hand aus den Grabhügeln gerissen i und gewaltsam zertrümmert worden. Dieser Vandalismus ist innerj halb der letzten drei Jahre zum zweiten Male verübt worden. Die j Friedhofsverwaltung hat für die Ermittelung des rohen Frevlers eine j Belohnung von 50 Mk. ausgesetzt. — Der 84 Jahre alte Kammmacher j Herr Julius M oritz in Neiße feierte am 13. d. M. sein 50jäh riges! Bürgerjubiläum, aus welchem Anlaß der Jubilar von Seiten der! Stadtbitrd) Herrn Stadtrath Müller unter Ueberreichung eines Ehren-; gefchenks beglückwünscht wurde. — Am Mittwoch, den 18. d. M., feierte! Kaufmann Eisenstädt in Hirschberg mit seiner Ehefrau das Fest! der silbernen Hochzeit und am darauffolgenden Tage das 25jährige i Jubiläum seiner Geschäfsbegründung. Durch unermüdlichen Fleiß und > strenge Reellität ist es dem Jubilar gelungen, das Geschäft aus kleinen j Anfängen zu einem der größten feiner Branche in Niederschlesien emporzuj heben. — Ter Partikulier Herr Rosenberger aus Eltguth war,! wie ans Ottmachan berichtet wird, beim Gutsbesitzer Schütze daselbst beschäftigt, Rüben vom Felde in die dortige Zuckerfabrik zu fahren. Auf der Albertstraße stürzte R. zu Boden, kam unter die Räder des mit 40 Centner Rüben beladenen Wagens und wurden ihn: beide Beine über-! fahren. Er mußte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. — Am 24. d. M. fand in Bernstadt (Kreis Oels) die Einweihung der neuen katholischen Kirche statt, zu welcher auch Kardinal-Fürstbischof Kopp aus Breslau erschienen war. Bei dem Empfange Sr. Eminenz des Kardinals nahmen auch die Vertreter der anderen Konfessionen Theil, ebenso wie bei! der kirchlichen Feier Herr Prediger Borß zugegen war. — Am 15 d. M.! beging Herr Synagogendiener Js. Wachsner in Zabrze sein 25jäh- ’ riges Dienstjubiläum. — Vom israelitischen Krankenpflege- und Beerdigungsverein in Myslowitz sind auf dem dortigen jüdischen Fried- : Hofe für 15 verstorbene unbemittelte Gemeindemitglieder Leichensteine, die j durch den Graveur Pick aus Königshütte geliefert wurden, gesetzt worden. j — Ebenda wurde bei der Vorstandswahl des dortigen Kriegervereins! Herr Heinrich Silberfeld zum Quartiermeister gewählt. — In! der am vorgestrigen Tage abgehaltenen Stadtverordneten-Versanunlung! in Mnslowitz wurde an Stelle des Rathsherrn Schäfer Herr Kauf- - mann Siegmund Nothmann mit großer Majorität gewählt. Die! Bürgerschaft ist mit der getroffenen Wahl sehr zufrieden. Zum Bezirksj Vorsteher für den ersten Bezirk wurde an Stelle des Maschineninspektors Bürger Herr Partikulier Louis Miedzwinsky gewählt. — Nachdem durch den Weggang des Rektors Dr. Breuer die Dirigentenstelle an der höheren Töchterschule in Kattowitz erledigt war, ist dieselbe nunmehr durch Beschluß der Schuldeputation und des Magistrats dem bisherigen 1. Lehrer der Anstalt, Herrn Dr. Fischer, übertragen worden. — Am 19. d. M feierten die Insassen des Fränkel'schen Zufluchtshauses auf der Friedrich-Wilhelmstraße in Breslau, der frühere Buchbinder, später vereidete gerichtliche Taxator Ephraim, genannt Eduard Finkenstein, und seine Frau Philippine, geborene Lippmann, die goldene Hochzeit. In Anwesenheit der drei Kuratoren der Anstalt wurde das Jubelpaar in der Synagoge des Zufluchtshauses von Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal eingesegnet. Vom Kaiser ist dem Jubelpaar ein Geschenk von 30 Mk. zugegangen. Gleich hohe Geschenke sind demselben von der Fränkelschen Stiftung und von der Synagogen-Gemeinde mit Glückwunschschreiben übersandt worden; die Kuratoren überreichten persönlich ebenfalls ein Geschenk von 30 Mark. — Dem Maler Max Fleischer, einem geborenen Breslauer, ist für sein Bild „BadendeKinder", das von seiner Ausstellung im Lichtenbergffchen Saale in Breslau auch dort bekannt sein dürfte, von den Preisrichtern der diesjährigen Kunstausstellung in London die goldene Medaille zuerkannt worden. e. Neisse, 12. November. Am 7. d. M. wurde in unserer Gemeinde auf Anregung unsers Herrn Predigers Ellguther ein jüdischlitt erarischer Verein gegründet, der den Zweck verfolgt, das jüdischgeschichtliche und litterarische Wissen in unserer Gemeinde zu heben und zu fördern, sowie für die religiöse Fortbildung der Jugend zu sorgen. Dieser Zweck soll nach den Statuten erstrebt werden durch Errichtung einer Bibliothek, durch Halten von jüdischen Zeitschriften, durch Lese- und Diskutirabende, besonders für die Jugend, und durch öffentliche Vorträge, zu denen die Damen der Gemeinde Zutritt haben. Die konstituirende Versammlung wurde von Herrn Landgerichtsrath Dr. Borchert mit einem warmen und begeisternden Appell an die Herzen der zahlreich erschienenen Gemeindemitglieder eröffnet, woran sich ein eingehendes Referat des Herrn Prediger Ellguther über die Vorgeschichte der Versannnlung schloß. Die Statuten wurden einstimmig angenommen und somit war der Verein gegründet. Sämmtliche Anwesende, 30 an Zahl, zeichneten sich als Mitglieder in die aufgelegten Llsten ein. Eine Spendenliste für die ersten Anschaffungen von Büchern wies die sofortige Zeichnung von 150 Mark auf. — ein für unsere Verhältnisse viel versprechender 'Anfang. In den Vorstand wurden durch Akklamation gewählt: Herr Landgerichtsrath Dr. Borchert als Vorsitzender, Herr Prediger Ellguther als stellvertretender Vorsitzender und als Schriftführer, Herr Leopold Brieger als Schatzmeister, die Herren Sorauer und Nothmann als Beisitzer. Zu Kassenrevisoren wurden gewählt die Herren Elkan und Fröhlich. Mit einem herzlichen Wunsche für das Gedeihen des jungen Vereins schloß Herr Dr. Borchert die für unsere Gemeinde so bedeutungsvolle Sitzung, die einen neuen Geist und ein frisches Gemeindeleben inaugurirt haben möge. P. M. Hamburg, 10. November. Die von den U. O. B. B. seit einigen Jahren eingeführten Chanuka-Feste, die unseren Kindern die ewig wahre Lehre: „Nur durch Freiheit und Gesetz kann der Mensch zur Freude am Dasein gelangen" alljährlich in die jungen Herzen zu pflanzen suchen, verbinden mit diesem ethischen Zweck auch noch die nicht minder löbliche That des Wohlthuns. Und so wird für eine große Schaar von Kindern diese Feier thatsächlich zu einem „Siegesfeste", denn sie hören von dem jüdischen Gottesgedanken, der nur deshalb siegt, weil er von begeisterten Seelen bis zum letzten Athemzuge festgehalten wurde. Zum „Dankfest" wird diesen Kindern das Chanukafest, weil ihnen, ohne viel Aufsehen zu machen, Hilfe dargebracht wird, indem sie mit schützenden Hüllen gegen die Unbill der rauhen Jahreszeit beschenkt werden, und zum „Freudenfest", weil in langen Reihen sitzend, ohne Unterschied des Standes, den armen Kindern gleich den reichen freudige Genüsse für Geist und Körper geboten werden. Die hiesige Henry- James-Loge XVIII. Nr. 367 hat seit 1888 nicht weniger als 1142 Kinder beschenken können und hat etwa in doppelter Zahl Kinder an dem Feste selbst theilnehmen lassen. Im letzten Jahre, das unter dem entsetzlichen Zeichen der Cholera gestanden, sind 316 Kinder mit ausreichender Winterkleidung bedacht worden. Die Mittel hierfür werden durch eine Lotterie beschafft, und sind im verflossenen Jahre 7000 Loose ä 50 Pf. abgesetzt worden. Zu diesen aus der Lotterie erzielten 3500 Mark kamen noch 374 Mark freiwillige Gaben und 1500 Mark direkte und indirekte Einnahmen, so daß nicht weniger als 5350 Mark für das Chanukafest der Kinder verausgabt worden sind.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.