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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-11-17 · Heft 46 (17.11.1893) · p. Seite 549

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 46 (17.11.1893)
Date
1893-11-17
Page
Seite 549 (sequence 11)
Language
German
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540 in solchen >, fest in n Tones: l Vorzüge sei höchst erwähnen, m. Man unserer Glaubensgenossen sei es gesagt, das Gemeingut Israels geworden, sein Geist ist wie Israel selbst unsterblich geblieben und sein Grundsatz: „Was du nicht willst, das; man dir thue, füge auch deinem Nächsten nicht zu," glänzt wie flammende Sternenschrift als Inschrift auf seinem Grabe. 9 Schamai i und anm Worten in falschen FEUILLETON Mer Schatten. Erzählung von Eduard Kulte. (Fortsetzung.) uns, der u»g hin-!ne glückrden wir; spotten? igam sich mit dermit einer Wermuth Hillel ein eine zeiteutbindet aber zur rlehen zu ebelstande Prodezur, jeder Zeit e Reform mit einer urfte der ldes rückmrch Abraf Hillel Ende des apelschatzig in den daß er ch endlich uchte sich ie Hälfte ue Hälfte Vorschlag lvird nur : da rief: — man sahrenW) m Vater, :scheidene, Gebnrtsja nicht inuntheit une blieb um Lobe Diese Erzählung erheiterte die ganze Gesellschaft. Selbst der Randar vergaß seinen Aerger und lachte, daß er sich den Bauch halten mußte. Raphael aber lvard von derselben äußerst unangenehm betroffen, und merkwürdig genug! Gerade die natürliche Auflösung, welche die Furcht der Frau Beleh als eine eingebildete erscheinen ließ, und die daher am geignetsten Hütte sein sollen, ihn ein wenig zur Besinnung über sich selbst zu bringen, machte auf ihn die umgekehrte Wirkung; er lebte bereits so sehr in seiner Phantasiewelt und so abgezogen von der ihn umgebenden Wirklichkeit, daß er der Meinung war, dieses Weib habe in jener Nacht wirklich den Todesengel vor sich gesehen, und dieser gewann mm für ihn die Gestalt, welche ihm Gawriele Stuffer in seinem Spaß ersonnen hatte. Am anderen Morgen „Ihre chag" (der Tag nach den Feiertagen) sollte der Randar mit seiner Tochter wieder aufs Dorf hinausfahren. Nach dem Frühstück stopfte der Randar sich eine Pfeife, zündete sie an und sagte zu dem Vater des Bräutigams: „Mechnten! komm da ein bissel hinein in die andere Stub', ich Hab' Dir etwas zu sagen!" Die beiden Männer gingen in die anstoßende Stube. „Sag' mir, Reb Simche!", begann hier der Randar, „was ist dem Jungen in die Leber gekrochen? meint er etwa, er thut mir einen Gefallen, daß er so gut ist, mein' Golde zu nehmen? ist das ein Schnitt' von einem Bräutigam? das Hab' ich auch in mein Lebe» noch nicht gesehen! Ich bin doch auch einmal ein Jung gewesen! Oder hast Du es mit Dein Weib, wie Du ein Bräutigam warst, auch so gemacht? Ist das vielleicht eine neue Mode in der Gemeinde? Dann muß ich Dir sage», ich bin und bleib ein Dorfmotz und will von Euren neuen Moden nichts wissen. Wenn er sie nicht will, so kann er ja das Maul aufmachen, und kann es grad heraus sagen, mein Golde wird gottlob ein' Andern kriegen. Ich Hab keine Sorge darüber; zu pfeifen brauch ich nur, Hab ich hundert für einen! Wer mein Golde-Leben kriegen soll, muß sie nehmen mit Freude und nicht mit Traurigkeit. Das überleg' Dir, das ist es, was ich Dir Hab' sagen wollen. Deinem Jungen aber kannst Du sagen, er ist ein Todtenkopf!" Während der Randar in dieser Weise dem Vater des Bräutigams seine Meinung sagte, benützte Golde einen Augenblick, da die Mutter hinausgegange», zu einer Unterredung mit Raphael. „Fohl," sagte sie und schaute ihn an, „Fohl, wir sind ja die ganzen drei Tage noch keine Minute allein gewesen! „Nein," wiederholte er, „wir sind noch nicht allein gewesen!" „Fohl," fuhr sie fort, „Dir liegt etwas auf dem Herzen!" „Ja," wiederholte er, „mir liegt etwas auf dem Herzen!" J4) Sota Was ist es?" Traurigkeit!" Wie, Traurigkeit?" ' „Eine große Traurigkeit!" „Und warum?" „Das kann ich Dir nicht sagen." „Hast Du mich nicht gern?" „Mehr als mein Leben!" „Bin ich nicht Deine Braut?" „So lauge ich lebe, bis zur letzten Minute." „Was?" fragte die Braut lächelnd, „bis hundert Jahr wollen wir doch nicht im Brautstand bleiben!" „Nein!" „Also sag mir, was Dir ist?" Anstatt jeder weiteren Antwort warf er sich heftig ergriffen an ihre Brust, und ihre Lippen schmolzen in einem Feuerkusse zusammen. Es war eine schöne Gruppe, ein herrliches Bild, die beiden jugendliche» Gestalten in so inniger Umarmung zu erblicken. Die Mutter, die aus der Küche, und die beiden Väter, die eben ans der andern Stube zurückkehrteu, genossen es einen Augenblick. „Jetzt fangt der Todtenkopf an anfzuthauen!" ließ der Randar sich etwas barsch vernehmen. Raphael, von dem entsetzlichen Klang dieses unheimlichen Wortes getroffen, ließ seine Braut los und sank fast ohnmächtig nieder. Es war ein trauriger Abschied. Kein entschiedener Bruch und doch eine weite Kluft. Alle Verhältnisse in schönster Ordnung und doch dabei ein unentwirrbares Räthsel. Der Randar und seine Tochter fuhren nach Hanse. Sie sprachen nicht viel mit einander. Sie machten sich im Stillen allerlei Gedanken. Raphael aber sagte zu seiner Mutter mit herzerschütternder Wehmnth: „Wer hat es ihm denn verrathen, daß ich ein Todtenkopf bin?" Für Raphael begann jetzt erst die Zeit der strengen Prüfungen. — Raphael konnte sich ans keine bestimmte Stunde vorbereiteu; jeden Augenblick mußte er befürchten, von seinem Schicksal erfaßt zn werden. War die Stimmung seiner Seele selbst während der vorausgegangenen geräuschvollen Tage, die seinen Geist abzulenken und zu zcrstreuen genugsam Veranlassung boten, nicht von ihm gewichen, so konnte er sich derselben jetzt mit um so größerer Hartnäckigkeit überlassen »nd seinen trüben Gedanken nachhängen. Wenn er den Tag über wachend geträumt hatte, so ging er Abend zu Bette, um den Traum wachend und schlafend fortzusetzeu. Er lebte nicht mehr in dieser Welt, aus der er im Laufe des Jahres zu scheiden die gewisse Voraussicht hatte. Stück für Stück derselben trennte er sie von seinem Leben ab. Was die anderen Menschen erfreute, war für ihn keine Freude mehr, und es betrübte ihn nicht, was ihnen Betrübnis; zu verursachen pflegt. Gegen Sorgen in geschäftlichen Dingen, gegen Vergnügen irdischer Natur, gegen Gelderwerb und alle die hunderterlei Angelegenheiten, um welche man die Menschen reimen und jagen und sich abmühen sieht, war er gleichgiltig — er wandelte unter den Menschen umher, als ob er vom Monde heruntergefallen wäre — ein Wesen aus einer andern Welt, von Jedermann beurtheilt, verstanden von Niemand. Denn so sind die Menschen. Mit ihrem Urtheil sind sie allezeit gleich fertig; besonders wenn es sich »m einen Menschen handelt, und doch ist ja nichts tiefer zu ergründen als ein Menschenherz. Was wußten sie mit aller ihrer Weisheit von Raphael! Tie Mutter, sie allein verstand ihn, ihr allein war sein Thun kein geheünnißvolles, und es ist schwer zu entscheiden, wer von Beiden den größeren Schmerz ertrug, die Mutter oder der Sohn! Die Mutter hatte sich eine Redensart angcwöhnt, die man früher von ihr nie gehört hatte. Jeden Abend, wenn sie zu

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