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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-11-17 · Heft 46 (17.11.1893) · p. Seite 543

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 46 (17.11.1893)
Date
1893-11-17
Page
Seite 543 (sequence 5)
Language
German
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543 m Streben chen Geiste wir? der Thora, Geist jenes er bis zum Geist der des Mose, Abraham, in der Urden." ichi möglich n und ans Ham, dem drei ans Wirken in : Wiege in hle Machnnnt auch »ingewiesen auen dem;en Gotte" hgiebigkeit, verursacht llst du zur lill ich zur Noth und „bewaffne nt, Stolz, n Reichen: von dir." t es thuu. ebe. Nicht heiinischen, Männer; remdlinge. e Wirthsverjagen, >egen und unter dem uer Herz." seid milde nicht, auch i betet für hen, dann sammtheit Gerechten n sittlichen darauf zu )e. Das ist lioses und iude, das litze dieses Du sollst lit ganzer chsten wie jüdischen )as Wort l^ottes zu künden, jüngst erst über das Judenthum und die Judenheit , bfällig, ja verächtlich urtheilten, so wollen wir sie nicht verurtheiten. 3onft hätte doch Abraham vergebens für uns gelebt. Auch wir wollen sagen: Sie sündigen gegen uns aus Jrrthum. Ihre Erzielung, die Art, wie sie unser heiliges Schriftthum auffassen unb erlüren, und noch verschiedene andere Ursachen lassen eine gerechte Mirdigung des Judenthums, des jüdischen Geistes nicht zur Geltung lnnmen. Wir aber wiederholen es: Der jüdische Geist baut Altäre nn ewigen Gotte, er stellt in jedem Hause einen Altar der Sittlichkeit und Keuschheit auf. Der jüdische Geist bringt Opfer der Liebe -ur die Seinen, wie für die Menschheit. Und wenn wir von der Höhe herniedersteigen und da in der :anen Mitte so Manches sehen, das dem widerspricht, wenn so mancher Mibe den Altar des ewigen Gottes niederreiben möchte, wenn er in inem Hause der Sittlichkeit keinen Altar errichtet, wenn er es nicht;ber sich bringen kann, der Ehrbarkeit oder auch nur der Ehrlichkeit - as nöthige Opfer zu bringen, so irret ihr euch und irrt man sich ort draußen, wenn man das jüdischen Geist nennt. Da ist der üdische Geist längst entflohen, oder hat nie eine Stätte gehabt. Wir haben ein Recht zu fordern, sowohl von linseren Glaubensrüdern, wie von denen, die nicht unseres Glaubens sind, daß sie wenigstens den einen Saß des Stammvaters beherzigen: „Soll -enn vertilgt werdender Gerechte mit dem Ungerechten?" So laßt uns denn den jüdischen Geist wahren. Beten lvir, -aß er uns in seiner Lauterkeit werde und erhalten bleibe. Beten wir, wie der Stammvater, für die, die ans Jrrthum sündigen und ans Böses zufügen. Beherzigen wir das alte Wort: „Mögen sie laichen, du, Israel, segne und sei gesegnet!? Me Woche. Berlin, 15. November. Beiden preußischen Land tagswahlen haben die „reinen" Antisemiten eine Niederlage erlitten. Zwar Hammerstein und Stöcker md wiedergewühlt. Aber es ist bemerkenswerth, daß die Kandidatur ^es Letzteren bei seinen eigenen Parteigenossen auf Widerstand stieß. \n Bielefeld, dem alten Wahlkreise Stöckers, wollte man überhaupt iichts von ihm wissen, und selbst in der alten konservativen Hocharg Minden-Lübbecke wurde er erst nach dreimaligem Wahlgange ■iit 5 Stimmen Mehrheit gewählt. Der konservative Reichstagsbgeordnete Prof. Hüpeden, ein Gesinnungsgenosse Stöckers, unterag in dem bisher konservativ vertretenen Wahlkreise Kassel Land inem Natinalliberalen trotz eifrigster antisemitischer Hilfe. Einen inderen Anhänger Stöckers, Pfarrer Meyenschein im Schlüchtern- Gelnhausen, ereilte das gleiche Schicksal. Er erhielt 81 Stimmen, während der freikonservative Amtsrichter Zimmermann 163 Stimmen rhielt. Ferner fiel mit großer Mehrheit in seinem bisherigen Wahlreise Sorau-Guben Freiherr v. Wackerbarth durch; wie das „Volk" ich ausdrückt: „Das edle Wild liegt auf der Strecke." Dagegen nurde in Spandau-Osthavelland-Potsdam der Stöckerianer Pfarrer schall, der auch dem Reichstag angehört, mit großer Mehrheit gewählt. Die „reinen" Antisemiten haben, wie die „Mittheilungen aus -ein Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus" berichtein sehr chlecht abgeschnitten. Nicht ein einziger ihrer Kandidaten ist durchgekommen. Liebermann v. Sonnenberg unterlag in Homberg-Ziegenhain, obwohl der Bund der Landwirthe für ihn eintrat, mit 87 gegen 103 Stimmen dem konservativen Kandidaten. Ein anderer Deutschsozialer, Dr Häberlein, erhielt in Rinteln 46 Stimmen, während auf den nationalliberalen Prof. Paasche 90 und auf den konservativen Dr. Burkhardt 9 Stimmen fielen. — Abg. Dr. König brachte es in Hofgeismar-Wolfhagen nur auf 19 Stimmen. Der konservative Baron v. Pappenheim erhielt 108, der konservative Landrath v. Buttlar 87 Stimmen. Auch Abg. Leuß hatte in Eschwege-Schmalkalden kein Glück; der bisherige freikonservative Vertreter v. Christen wurde mit 154 Stimmen wiedergewählt. Der freisinnige Prof. Stengel erhielt 87, Leuß 10 Stimmen. In Deutschkrone-Flatow erhielten die Herren von Mosch und Dr. Schnutz-Hannover je 15 von 460 Stimmen, in Schivelbein-Dramburg Herr Rene 13 Stimmen. Abg. Böckel fiel in Marburg und in Kirchhain-Frankenberg durch. In Marburg sind 20 und in Kirchhain-Frankenberg 31 antisemitische Wahlmänner weniger als bei den 1888 er Wahlen gewählt worden. In Marburg wurde Landrath v. Troll (kons.) mit 114 Stimmen gewählt. Der nationalliberale Professor Paasche erhielt 37, Böckel 16 Stimmen. In Kirchhain-Frankenberg erhielt Böckel 48, der konservative Landrath Riesch 115 Stimmen. — Abg. Werner fiel in Hersfeld-Rotenburg mit j 62 Stimmen durch; der konservative Gutsbesitzer Seyfarth erhielt 167! Stimmen In Biedenkopf erhielt der antisemitische Abg. Hirschel 43,! der Regierungspräsident von Tepper-Laski 88 Stimmen, in Hanau der j Antisemit Stein 45 Stimmen, während auf den nationalliberalen Fabri-! kanten Junghenn 117 Stimmen fielen. i Abg. Dr. Förster erlitt in Neustettin eine große Niederlage; er - bekam 38 Stimmen gegenüber 396 konservativen. In Teltow-Beeskow j brachte er es gar nur auf 22 von ca. 1180 Stimmen. Auch Ahlwardt! gelang es nicht, das Landtagsmandat für Friedeberg - Arnswalde den! Konservativen zu entreißen; immerhin wurden 80 Wahlmänner auf - seinen Namen gewählt. Chr. Joseph Cremer, einer der ehemaligen Führer der „Berliner; Bewegung", wurde in seinem alten Wahlkreise Teltow-Beeskow nicht! wieder gewählt; er erhielt 34 von 1180 Stimmen. Seine übergroße > Wandlungsfähigkeit haben Cremer bei den Konservativen schließlich unmöglich gemacht. O Von der Volksschrift „Einiges Christenthum" zur Unterstützung der! Bestrebungen M. v. Egidy's (vierteljährlich herausgegeben von Professor Lehmann-Hohenberg in Kiel) ist Heft 5 soeben erschienen. Der allen Ausführungen des Heftes zu Grunde gelegte Gedanke ist der,! daß „nicht durch rohe Gewalt, nicht durch Ueberstimmen von Minorij töten ein veredeltes Menscheuthum erreicht werden kann, sondern daß! die soziale Frage eine sittliche Frage ist." Wilhelm Hardt wendet sich; mit einem Artikel „Mosaismus und einiges Christeuthum" an die! Juden, ihre „orientalischen Gebrauche" aufzugebeu und Volldeutsche zu! werden; die Lösung der Judenfrage will er einzig in der konfessionellen! Selbstentüußerung der Juden, in dem Aufgehen des Mosaismus in das! germanische Christenthum sehen. Wir haben in dem Artikel Hardfis! mit Bedauern alle die Phrasen und Unwahrheiten wiederkehren sehen,! die uns aus dem Munde von Vollblutantisemiten schon zum Ueber- - druß geworden sind. Wenn sich der Anhänger Egidy's auch die denkbar frömmste Miene und die Pose der sittlicheil Entrüstung gegenüber den - Antisemiten giebt, wodurch unterscheidet er sich von letzteren, da er fast : alle Voraussetzungen des Antisemitismus als berechtigt zugiebt — auch j die sinnlosesten — und zu dem Schluffe konunt, oie Juden, welche! nicht Egidy's „Einiges Christenthum" annehmen, dürfen nicht von beit | Deutschen verlangen, als Mitbürger angesehenzu werden; denn dann seien sie nicht mehr unsere Mitbürger, sondern unbequeme Gäste, denen der Wirth einst sagen werde: Da ihr euch an meine Hausordnung nicht gewöhiien könnt, so richtet euer Stammhaus bald wieder für euch wohnlich ein! — In der That, das sind gefährliche Bahiien, auf denen die Apostel des Herrn Egidy wandeln; denn aller himmelblauen Phrasen entkleidet, bedeuten die Auslassungen Hardt's doch mir eine Drohung mit dem Antisemitislnus, falls die Juden nicht dem „Einigen Christenthum" beitreten wollen. Eine merkwürdige Toleranz! ¥

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