Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1893)
- Date
- 1893-11-10
- Page
- Seite 540 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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540 Es geht durch das ganze Heft ein so frischer und dennoch andachts- , voller Zug, daß uns die Bekanntschaft mit diesen Gesängen herzlich gej freut hat. Die Chöre sind im Allgemeinen nicht schwer auszuführen! und werden bei nur einigermaßen guter Wiedergabe entschieden immer; Wirkung ausüben.; Was nun die Solostellen für den Kantor betrifft, so glauben wir nicht zu weit zu gehen, wenn wir sie kurzweg als vortrefflich bezeichnen.! Wir finden hier stets eine schöne und dennoch nicht überladene! Koloratur, die immer sehr melodiös ist. Wir unterlassen es, die einzelnen! Chöre und Solostellen eingehender zu besprechen, da ja jeder musikalische > Kantor das Heft selbst zur Hand nehmen wird. Hinzufügen wollen wir noch, daß die Synagogen-Gesänge für i Morgengottesdienst sehr schön ausgestattet und im Verlage von A. I.! Hofmann in Frankfurt a. M. erschienen sind. Berlin. Rudolf Eisenberg. * Sprerhsaal. Mit einer statistischen Arbeit, deren Wichtigkeit nicht erst hervor- I gehoben zu werden braucht, beschäftigt, erbitte ich von der Liebenswiir-! digkeit der deutschen Leser, mir mitzutheilen: 1. Welche Art des Viehschlachtens ist in ihrem Heimathsorte bei christlichen Metzgern in Gebrauch? 2. Wie bewährt sich dieselbe? 3. Welche Schlachtart war früher eingeführt und aus welchen Griinden wurde sie abgeschafft? 4. Giebt es auch christliche Metzger, welche für eigenen Bedarf die Thiere nicht durch Betäubung (Kopfschlag, Schlachtmaske, Schußmaske, Genickstich rc.), sondern durch Blutentziehuug (Halsschnitt ohne vorhergängige Betäubung) tödten? Ich wäre doppelt dankbar, wenn die Mittheilungen durch die Schlachthof-Verwaltung (Inspektor resp. Thierarzt) oder durch die christlichen Metzger attestirt würden. Berlin, 18. Oktober. Dr H. Hildesheimer. * Hochgeehrter Herr Redakteur! Da ich seit fünf Monaten als Rabbiner der Sephardim hier lebe, so gestatten Sie mir einige Ergänzungen zu den interessanten Ausführungen des Herrn Dr. M. Ginsburger in Bezug auf das Lesen des Hebräischen in Nr. 43 Ihres Blattes. Zunächst will ich die Thatsache feststellen, daß die Sephardim in Sofia auch nicht in gleicher Weise die Konsonanten aussprechen. So z. B. sprechen einige das pjj ganz so wie n (eheth) aus, während Andere den Italienern gleich den nasalen ngLaut wie das n im französischen Wort, Je son. (der Ton) aussprechen. Das He (n) wird am Anfang des Wortes fast stets nicht mit spiritus asper, sondern mit spiritus lenis ausgesprochen; hingegen wird das (Alef) ganz besonders int Worte (Allmächtiger) fast wie bei ausgesprochen. Es erklärt dies, warum in alten griechischen und lateinischen Bibelübersetzungen "H/j und Heli statt zu finden ist (vergleiche unter Anderem meinen Aufsatz „Zu den Zauberbüchern" in Krumbachers Byzantinischer Zeitschrift II. Seite 291—263.) Das Zade wird hier ausnahmslos wie 5s ausgesprochen, das ohne Dagesch wird wie gh ausgesprochen und das *7 besonders am Schlüsse des Wortes bildet die Mitte zwischen valetb und einem gelinden Zajin. Sofia, 31. Oktober. Hochachtend Dr. M. Grünwald, Die ostpreußische Provinzialsynode hat sich mit der Ueberhandnahme j der Meineide beschäftigt und, wie vorauszusehen war, hat dieselbe es in einer These ausgesprochen, daß die Möglichkeit der Abnahme eines Eides! durch einen jüdischen Richter die Meineide veranlasse. Nun hätte man j erwarten sollen, daß für diese Ansicht thatsächliche Beweise geliefert werden würden. Die Akten wären ja leicht einzusehen gewesen, um zahlenmäßig festzustellen, wie viele Meineide vor einem jüdischen Richter geschworen worden sind. Doch davon erfährt man nichts, es genügt ja den Herren, wenn sie eine Ansicht aussprechen, die der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung der jüdischen Bürger abträglich ist; wozu denn diese Ansicht erst noch beweisen? Der Prügelknabe für alle Schäden der heutigen Gesellschaft ist ja einmal der Jude, und weshalb soll er nicht auch bei den Meineiden herhalten? — Wie, wenn Jemand gewissen frommen Herren Vorhalten wollte: Ihr selbst seid es, die Ihr die Heiligkeit des Eides untergrabt, und zwar dadurch, daß Ihr Euch fortwährend in dem Gedankengange bewegt: die Verfassung, welche die volle Gleichberechtigung aller Konfessionen garantirt, ist zwar beschworen, aber solch ein Eid braucht nicht so strikt beobachtet zu werden; die Verfassungsbestimmungen können einfach auf dem exekutiven Wege umgangen werden; indem man sie eben nicht aussührt. Was würden wohl die frommen Herren erwiedern? W. Sehr geehrter Herr Redakteur! Im Sprechsaal der letzten Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" macht Herr Siegfried Leichtentritt die jedenfalls dem größten Theile der hiesigen Gemeinde-Mitglieder unbekannte Mittheilung, daß Seitens des Vorstandes für die unentgeltliche Theilnahme der Firmen am Gottesdienst für die hohen Festtage gesorgt worden ist — und für diese Aufklärung bin ich außerordentlich dankbar. Dagegen möchte ich bezweifeln, ob wirklich „hinlänglich" in dieser Beziehung für die Armen Fürsorge getroffen wurde, wie Herr Leichtentritt behauptet. Ich weiß, daß viele Gesuche, um Plätze in den Synagogen gegen Bezahlung zu erhalten, vom Vorstande abschlägig beschieden worden sind, und es wird daher wohl kaum möglich gewesen sein, die Eingaben der Armen hinlänglich zu berücksichtigen. Herr Leichtentritt ist besorgt, daß die Armen in einem lediglich für sie eingerichteten Gottesdienst sich als zurückgesetzt betrachten würden. Dem aber könnte leicht Abhilfe geschaffen werden, wenn nicht ein Gottesdienst für Arme, sondern ein „freies Gotteshaus" eingerichtet würde, für welches Herr Sanitätsrath Dr. Livius Fürst in Nummer 40 der Allgemeinen Zeitung des Judenthums mit überzeugenden Worten eingetreten ist. Jede Empfindlichkeit würde hierdurch beseitigt sein, und die Armen hätten Gelegenheit, ohne beschämende Bittgesuche einem geordneten Gottesdienste an den hohen Festtagen beizuwohneu. Herr Leichtentritt dürfte als Mitglied der Repräsentanten-Bersammlung Gelegenheit haben, dies zum Vorschlag zu bringen, und falls er auch dafür eintreten wollte, daß gegen die im Artikel „Unser Gottesdienst" von mir gerügte Unordnung, welche auch Herr Justizrath Makower in seinem Vortrag tadelnd hervorgehoben hat, Maßregeln ergriffen werden, würden ihm viele Andächtige zu großem Danke verpflichtet sein. Mit vorzüglicher Hochachtung Berlin, 26. Oktober. Benas Levy. Sehr geehrter Herr Redakteur! Im Sprechsaal der Nummer 42 dieser Zeitung wirft Herr Herz Berliner, Schneidemühl, mit Bezugnahme auf den Bericht über die Synagogen-Einweihung in Osterode, folgende Frage auf: „Wo hat in unserm Staate je ein Ortsrabbiner bei der Einweihung einer evangelischen oder katholischen Kirche eine Einladung zu solcher Feier erhalten?" — Ich bin nun in der Lage, das Gegentheil zu beweisen. An: 21 d. M. fand nämlich die Einweihung der hiesigen neu erbauten katholischen Kirche durch den Kardinal-Fürstbischof Dr. Kopp aus Breslau statt. Ich habe zu dieser Feier wohl eine Einladung erhalten und derselben auch Folge geleistet. Mein Platz in der Kirche befand sich neben demjenigen der evangelischen Geistlichen. Hochachtungsvoll und ergebenst Bernstadt (Schlesien), 29. Oktober. Prediger Wilhelm Boß. Ich bitte um gefällige Berichtigung folgender in meinem Artikel „Das Lesen des Hebräischen" vorkommender Druckfehler: Zeile 5 statt „besonderer" lies „besonderen", Zeile 6 nach „mehr" lies „als man gewöhnlich annimmt". Spalte 2 Zeile 10 statt „auszusprechen" lies „ausgesprochen"; Zeile 13 statt „Thanc" lies „Thaw"; Zeile 14 statt lies „Y-OJ/l" und streiche „nicht"; Zeile 15 statt „ausgesprochen" lies „auszusprechen"; statt 156 lies 15 ly In der 5. Zeile von unten endlich ist für „diese" „die" zulesen. Hochachtungsvollst Sulz (Ober-Elsaß), 30. Oktober. Dr. M. Ginsburger. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion- Mar Bauchwitz in Berlin.