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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-11-10 · Heft 45 (10.11.1893) · p. Seite 537

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
Seite 537 (sequence 11)
Language
German
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537 der Hochauf, die e folgt: Beleh bis :ti gehabt, man noch reschkeiten ander ge- Jch Hab wiederum in einem sie gleich Kops weh ht; denn, chte mein ich mir Ernst ist Zn jener iben nicht chesthora" zu mein ich werd' weh, daß; ich soll sein ließ, »ehe» soll, gut! wir im Bett Seufzer, bei jedem und allemgen, ich tagen gee einmal >en. Wie ist, sag' leben, ich nach dem leben und ) ich auf, e Wachseinzelne mse-Steig ig wieder strse) und von mein was wir hör zu, teig auf- ^t ist, da Steig lasi' er nieder, von hört, war kein wieder in fang ich rein Bett,?itz — er uhig und regelmäßig — ich soll ihm sage», was mir eigentlich fehlt. — Für was sind denn sie eigentlich ein Doktor? — frag ich ihn — wenn Sie das nicht selber wissen, und dreh mich erzürnt auf die andere Leit' herum. Beleh fragt den Doktor, wie es mit mir steht, und er wgt ihr, es ist nicht so arg, wie sie gesagt hat, und sie soll nur ruhig sein. Wie der Doktor fort ist, dreh' ich mich wieder herum und sag: die Doktoren verstehen eine Kränk! ich spür's, ich werd die Nacht nicht ausleben, und laß immer nur schwere Seufzer. Beleh ist außer sich und weiß nicht, was sie thun soll. Es wird immer später und später. Bis gegen elfe laß ich sie so herumzappeln, dann aber sag ich: Weißt Du, mein Kind, jetzt fühl ich inich etwas leichter, das Kopfweh laßt schon nach, ich >verd' ein bissele einschlafen, und Du, mein Kind, geh, Dich auch legen. Erst will sie nicht, und schwört tausend „Schwues" (Eide), sie legt sich heut' in kein Bett, sie will die ganze Nacht bei mir anfbleiben. Wart nur — denk ich mir — das wollen »vir gleich sehen, Ich dreh mich herum, lieg ganz ruhig. Gegen halber zwölfe fang ich aber so au zu schnarchen, wie ivenn ich im tiefsten Schlaf liegen möchi. Wie sie das hört, sagt sie, Gott sei Dank, daß er nur schlaft, und fangt an sich anszuziehen, eirdlich liegt sie iin Bett. Auf einmal, wie sie da einige Zeit liegt, ein paar Minuten nach zwölf, komint mein Janesch »nit den angezündeten Lichteln von der Küche in die Stube herein und geht langsam vorwärts auf dem Weg, den ich ihm mit den „Hirsch" (Hirse) bestreut Hab. Wie mein Weib das sieht, meint sie nichts anders, als wie der „Malechhamowes" (Todesengel) kommt schon und will mir die Seele ausblasen. Sie liegt still und traut sich nicht zu rühren. Wie sie aber sieht, daß der „Malechhainowes" zu ihrem Belt anstatt zu meinem geht, ruft sie staat (leise): Er ist im Jrrthum. Dort liegt er! dort liegt er! Wie aber der „Melachhamowes" ans ihre Red' nichts giebt und nur immer weiter und »veiter gegen ihr Bett vorwärts geht, meint sie, er hört schlver und schreit „bekol rom" (»nit erhobener Stimine): dort liegt er! — Jetzt mach' ich, wie wenn ich von dem Schrei anfgewacht wär, und frag: Beleh! was schreist Du? — Der „Melachhamolves" ist schon da — — sagt sie — er konimt leider schon, um Dich zu „schachten" (schlachten). Das wird er nicht erleben — sag ich — daß der „Janesch" mich schachten »vird, änder »vird der Schächter ihn schachten. Dabei spring ich frisch und gesund aus dem Bett heraus und blas dem Janesch alle Lichtet aus. Der „Janesch" ist das gewesen? fragt Beleh jetzt, und ich sag: Ja, eine Kränk auf Dir, ich Hab Dir nur wollen »veisen, »vie gern Du inich hast." — Seit jener Zeit haben »vir uns über unser Gernhaben nicht inehr miteinander gestritten." (Fortsetzung folgt.) U Aus meinen Iugenderinnernngrn. Von Julius Stettenheim. IV. Wie ich es mir eigentlich inöglich dachte, in Berlin ohne, oder mit geringem Mammon leben zu können, das weiß ich heute nicht mehr. Ich dachte mir, es werde schon gehen. Es ging ja auch, aber fragt mich nur nicht, wie. Mit viel Jugend und etwas Leichtsinn ist man ein Meister in der Klinst zu existiren. Nur dein Alter ist das Entbehren eine Last. Einen Mangel, der in reifen Jahren schmerzlich empfunden wird, nimmt die Jugend mit Humor auf die leichte Achsel und umgiebt ihn sogar mit einein Schimmer von Poesie. Der leichtsinnigen Jugend, oder, wenn man will, dem jugendlichen Leichtsinn wird schließlich das Entbehren zu einer Art Sport. Jugend und Leichtsinn freuen sich, wenn sie der Sorge durch irgend einen Zufall entwischt sind, oder sie sind stolz auf die Tapferkeit und die Verachtung, mit der sie derselben gegenüberstehen. Und wer sich keine Sorge macht, der hat auch keine. Ich hatte den größten Theil meines Baarvermögens am Eisenbohnschalter in Hamburg für ein Bittet dritter Klasse — zu meiner! Entschuldigung muß ich anführen, daß es damals noch keine vierte! Klasse gab — verthan und mm erleichtert mit dem kleinen Rest und j mit dem Auftrag, für das bekannte, gegen Ueberniuth schützende l Honorar, Humoresken an die „Reform" zu senden, ineinen Einzug in Berlin gehalten. In der Schnmannstraße fand ich eine Dach-! kammer bei einem Maschinenbauer, der mit Frau und Tochter die! Küche und eine zweite Kammer bewohnte. Die erste Kaininer, deren j Mitglied ich geworden, war ein enger, mit den» ganzen Koinfort der! dainaligen Dachwohnungen eingerichteter Rauin. Das etivas hoch! angebrachte Fenster »varf das Tageslicht auf einen Tisch, der unter | diesem Fenster auf einer Erhöhung stand, dainit er von den Sonnenstrahlen gestreift »verden konnte. Unter dem schrägen Dach, gegenüber einem unter den» Pseudonym „Sopha" bekannten, hartgesottenen Möbel, staitd das Bett, in desien Unterlage das Stroh nicht gespart war, und vor den Spiegel auf der Komniode, die meiner kompleten Ausstattung Raum bot, hatte mir die Wirthin eine Base hingestellt, die mir ausdrücklich auf die Seele gebunden war, weil sie, in einer Würfelbude gewonnen, in der Fainilie meines Wirths als ein theures Andenken galt, das die lustigsten Erinnerungen an einen vergnügt verlebten Nachinittag zu »vecken Pflegte. Man hatte wohl sechs Mal geivürfelt, bis sie endlich gewonnen worden »var und unter allerlei Jährlichkeiten »ach Hause getragen »verden konnte. Diese Base, die ich nur schlver hätte ersetzen könne»», »nachte mir viele Sorge, vielleicht die eiitzige, die mich dainals beschlich, denn das kostbare Porzellanj geschirr wackelte, wenn ich in der Kamnier auf »nb ab ging, und j leicht hätte es uinfallen und inich in seinem Sturz in die peinlichste j Geldverlegenheit hineinziehen können. Später habe ich die Vase! angebunden und dadurch auch ineine eigene Lage bedeutend befestigt, j So viel über die Einrichtung meiner Wohnung. Wenn ich heute durch die Schmnannstraße gehe und zu dem! Dachkasten hinanfblicke, >nich der Zeit gerne erinnernd, da inich! daselbst die Spatzen als nahen Nachbarn freuudlich unterhielten, so fällt mir dabei niemals all der niibeqneme Mangel ein, der mir damals den Kopf oft recht »varm gemacht hat. Das kommt »vohl daher, daß es besagtem Mangel doch nicht gelungen ist, einen tiefen Eindruck auf mich zu machen. Es »var eine fröhliche Zeit, »nd diese allein hat sich im Gedächlniß frisch erhalten. Das Alter ver-! gißt des vergangenen Frohen leicht und gedenkt nur der Sorgen, l die das Leben gebracht hat, aber das Gedächtniß der Jugend ist i geschmackvoller und prägt sich ausschließlich die heiteren Erlebnisse! ei». Manchmal gelüstet es mich, die drei Etagen hinaus und, »venu \ ich ganz oben bin, noch eine Treppe höher zu steigen und die Thür des separaten Eingangs anznschauen, durch die ich ging und kam, j Morgens mit der Mappe unter dem Arin und nicht immer in der : der Saison angemessenen Garderobe, Nachts mit dem erfreulichen! Bewußtsein, den Abend in einem Kreis von Lebenslust und Intelligenz j verbracht zu haben, selten kommend oder gehend mit den damals so j beliebten guten Groschen. Ich möchte klingeln, um eintreten und i mir die Kammer einmal »vieder ansehen zu können, in der ich so! bedürftig und so sorgenlos gelebt habe, ich möchte versuchen, ob ich! heilte an diesem Tisch unter dem Fenster arbeiten, in diesem Bett lmter dem schrägen Dach schlafen könnte. Aber ich klingele nicht und fürchte mich auch, einzutreten. Ich fände den Wirth nicht mehr, den »vackeren Maschineitbauer, desien Frau mir die Kammer nicht Heizen konnte, wenn ich ihr nicht zwei Silbergroschen gab, für

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