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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-11-10 · Heft 45 (10.11.1893) · p. Seite 535

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
Seite 535 (sequence 9)
Language
German
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535 Hebräischen u aus de»! ationen, di> sie erkenne» atsache sei» für die Er )ie sich als» ieser Fabel» h unzweifel der Jude» durch viel nthum ein ische. Nu» in Europ» he Verbreit nd jüdisch, es, wie ich mon Seth, von diese«» Das Her eißen habe» en jüdische» che übersetzt e, spanische >ie englische e hebräische der entdeckt gmentarisch das zu sein, ößling des angefertigte t das Buch bersetzt und S Jnfante» Fernando." eher zu argenau uni >o einsetzte, altspanische he poetische ^prößlingen eitu,ig von : in diesem Verbreitung iner Ueberadpunkt be- >en Augen- Zorschung". migen, die n kann, so isches Buch!nen. Das he Forscher insnovelleii > aber das e Zahl der i Gegenden . die Thierabeln auf dieses Buch zurückzuführen. Ich habe diese Behauptungen mit einiger Sorgfalt und Ausführlichkeit in meiner Einleitung zu er englischen Uebersetzung geprüft und gelange zu den folgenden Resultaten: Was die Volksmärchen anbetrifft, so geht ein Zehntel er europäischen Sammlungen auf diese Quelle zurück; und was die Ihierfabeln angeht, so leiten sich viele der sogenannten Fadeln des lesop von ihnen ab, und selbst die des Babrius und Phaedrus sind on den Jatakas in der Beziehung beeinflußt, daß sie ans Ende der tadeln eine „Moral" setzten, was ein entschiedener buddhistischer!ug ist. Ich habe bereits auf den Einfluß des Buches hingewieseu i Betreff der litterarischen Erfindung eines Gerüstes zur Aufnahme on Geschichten, was wieder buddhistisch ist, und ich resnmire meine Schlüsse in Betreff des Ursprungs »nd Einflusses des Buches, indem h schlechtweg behaupte, daß die Fabeln des Bidpai die Fabeln des tuddha sind. Da? Buch hatte das geradezu einzige Schicksal, aste Religionen der Welt anzusprechen. Im Buddhismus seinen Ursprung ehmend, ward es vom Brahmanismus ausgenommen, ging in den joroastrismus über, ebenso in den Islam und das Christenthum, auptsächlich durch Vermittlung von Juden. 4. Wir gehen nunmehr zur vierten unserer „Anschlußstationen" wer, die unter dem Namen -0*730 ’SlPö oder „Die sieben weisen lleister" bekannt ist. Diese haben dieselbe Geschichte wie „Kalila .v’Dinina“ und bilden ebenso ein Gerüst für Erzählungen. Ich ürchte, die Geschichte vor einem gemischten Auditorium nicht erzählen ii können, da sie in der That nur eine Variante von der „Formel er Frau Potiphar", wie die Folkloristen sagen würden, darstellt, tnch kann ich Ihnen ans demselben Grunde kein Beispiel dieser Erzählungen geben. Die wenigen, die nicht gemein sind, sind albern, tuch bin ich nicht so sicher, daß die -q*73d im Zuge der Ueber- >eferung eine Anschlußstation bilden. Gewöhnlich wird behauptet, aß die lateinische Uebersetzung, welche die Quelle aller europäischen Ilde, sich davon ableitet, doch habe ich keinen entscheidenden Beweis afür gesehen. Dr. Paulus Cassel hat eine gründliche Ausgabe des Buches besorgt, aber er läßt sich in diesen Punkt nicht ein nd ist hauptsächlich damit beschäftigt, die hohe moralische Tendenz essen, was für unsophistische Augen sehr unsaubere Geschichten sind, achzuweisen. In einem Punkte giebt es zwischen den ’StEO 0*730 und „Kalila av’ Dinma“ einen Zusammenhang, der uns einen lugenblick aufhalten mag. Beide Bücher sind im Hebräischen einem tabbi Namens Joöl zugeschrieben worden, und es ist wahrschein- :ch genug, daß dieselbe Person beide übersetzt hat. Und wenn dem o ist, so können wir begreife», wieso der Name Bidpai in „Kalila" ste in „Sendabar" vorkommt. Denn die arabische Form ist öaidaba, und da der Unterschied zwischen B und Tli und zwischen; und N nur von diakritischen Punkten abhängt, so hat Joöl dieses wahrscheinlich Thindaba gelesen, das er für einen Fehler, für -indabar, hielt, welches selber nur eine Fehllesuug von Sindabad ist. Lurch diesen Fehler ist oft Verwirrung zwischen beiden Büchern geiftet worden, und ich hielt es für werth, eine Weile Ihre Anfmerkunkeit darauf zu lenken. 5. Endlich haben wir Johannes Pauli's „Schimpf und Ernst", das Derk eines jüdischen Konvertiten vom Beginn des 16. Jahrhundert, "'s war der Joe Miller Deutschlands und hat über dreißig Ausgaben rlebt. Oesterley hat es mit gelehrten Noten herausgegeben, die essen iveitgehenden Einfluß zeigen, und unter seinen Hinweisen iotite ich eines der Scherzbücher aus der Epoche Elisabeths, so daß iuige von Pauli's Späßen auch Shakespeare zum Lachen gereizt haben mögen. Doch besteht seine Sammlung mehr aus geistreichen Antworten als aus Volksmärchen, und diese Notiz darüber muß genügen. Doch will ich bemerken, daß die Thatsache, daß so viele Konvertiten! an der Verbreitung der Volksmärchen theilgenommen haben, beweist,! was ich behauptet habe, daß die Juden im Allgemeinen kaum! genügend mit ihren Nachbarn in Berührung gekommen sind, um j ihnen ihre eigenen Erzählungen zu überliefern.! Wir sind bei der letzten unserer „Anschlußstationen" angelangt j und wollen jetzt den Weg überschlagen. Die Bedeutung der „Kalila" j stellt alle übrigen in den Schatten, und der Einfluß der Juden aus! dieselbe war so bedeutend, daß wir diesen Einfluß als das Ganze ansehen können, und indem, wie wir gesehen haben, ein Zehntel des! gesummten Corpus der europäischen Volksmärchen darauf zurückgeht, i ist dieses Ganze sehr bedeutend. Von den übrigen neun Zehnteln : der Volksmärchen ist der Ursprung sehr dunkel, und wenn wir überhaupt direkte Entlehnung von einer Nation zur anderen Nachweisen können, so geschieht dieselbe fast regelmäßig aus dem Bidpaikreise, so daß wir behaupten können: So weit die europäischen : Nationen ihre Volksmärchen mit einander tauschen, verdanken sie diese Thatsache ihrer Verbreitung durch die! Juden. Einigen Leuten wird dies kein Gegenstand dünken, mit dem viel Aufhebens zu inachen wäre; und diese werden sich versucht fiihlen, alle solche Untersuchungen mit einem kräftigen Ausdruck, der nicht I gerade Bewunderung bezeichnet, abzuurtheilen. Denn sie erkennen z jüdisches Interesse nur in dem, was jüdische Theologie anrührt; in! der jüdischen Geschichte kümmern sie sich nur um die innere Entwickelung des Judenthums, nicht um die menschlichen Beziehungen zwischen Juden und Andersgläubigen, auf welche jetzt jüdische Geschichtsforscher ihre Aufmerksamkeit richten. Darum unternahm ich seiner Zeit die Vertheidigung des Priuzipes der englisch-jüdischen Ausstellung. Wir betrachteten die englischen Juden als Menschen und nicht als Theologen, weil wir einsahen, daß ihre Theologie einen be-! stimmenden Einfluß auf ihre Beziehungen zu ihren Nebenmenscheu hatte. Die Juden nur als Theologen und nicht als Menschen anzusehen, wäre, ich will nicht sagen einseitig, aber eine schlechte Theologie. Man hat gesagt: „Wer nur die Bibel kennt, kennt die Bibel nicht", und ähnlich können wir sagen, daß, wer nur ein Theologe, ein schlechter Theologe ist. Ich denke, daß bei einer weiteren Auffassung von Theologie es! sogar einen Gesichtspunkt giebt, von dem aus der Gegenstand, mit dem wir uns beschäftigt haben, ein theologisches Interesse hat. Ich kenne keinen menschlicheren Gedanken als die Vorstellung, daß alle! Arbeitenden rund um die Welt über dieselben Späße lachen, und alle : kleinen Kinder auf dem Erdenrunde dieselben Geschichten wiederholen,; und die kleinen Hindus ihren Ammen dieselben Erzählungen vorlallen tute die kleinen Engländer und Engländerinnen. Es ist dies einer jener Züge der Natur, welche die ganze Welt verwandt machen. Es bilden diese Volksmärchen nicht nur ein Band zwischen den Alters-! stufen, sondern auch zwischen den vielen Rassen und Menschenklassen, die da meinen, nichts mit einander gemein zu haben. Wir haben das höchste Zeugniß dafür, daß aus dem Munde von Kindern und! Säuglingen der Herr seine Macht gegründet und unter allen Einflüssen, die dem Guten in der Welt zu Statten kommen, ist keiner, der dem auf die Lilienseelen der Kleinen vergleichbar wäre. Daß Juden durch ihre Verbreitung der Volksmärchen ein so mächtiges Material für die Kindesphantasie der gesitteten Welt bereitet haben,! ist nach meiner Meinung kein kleiner Ruhinestitel für die Juden. Es ist dies einer jener Gedanken, welche uns die Idee der Verbrüderung der Menschheit gegenständlich machen, die im Gemüth der Juden für - ewig mit der Vaterschaft Gottes verbunden ist. 9

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