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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-11-10 · Heft 45 (10.11.1893) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
Seite 532 (sequence 6)
Language
German
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532 verhält es sich mit jenen Eltern, die auf dem Boden des Judenthnms stehend, auch ihre Kinder demselben erhallen wollen. Ihnen gilt mein Mahnwort: Schützet die Kinder! Unsere heiligste Pflicht, die Pflicht des Patrioten und die des Juden, verlangt mit gebieterischer Nothwendigkeit von uns, darüber zu wachen, daß die fröhliche, heitere Jugendzeit unserer Kinder nicht durch antisemitische Schmähungen und Kränkungen vergiftet werde. Kinder neigen stets zur Gutmüthigkeit, wenn sie auch, irregeleitet, recht boshaft werden können. Es gilt darum, jeden Fall antisemitischer Roheit, der von Mitschülern gegen unsere Kinder begangen wird, den Lehrern oder dem Leiter der Schule anzuzeigen. Zum wiederholten Male hatten wir die Freude, daß eine nachdrückliche Ermahnung — nicht Bestrafung — seitens der Letzteren von bestem Erfolge begleitet war. Häufig dürfte es sich auch empfehlen, den Eltern solcher Kinder Mittheilung darüber zu mache», denn gar oft sind es Kinder wohlanständiger, human gesinnter Eltern, die solche Ungehörigkeit durchaus mißbilligen und nicht dulden. Hat sich aber einer der Herren Lehrer eine solche Nichtswürdigkeit zu Schulde» kommen lassen, so ist durchaus nothwendig, den Vorgesetzten Behörden sofort davon Anzeige zu erstatten. Noch leben wir unter dem Schutze des Gesetzes, noch ist Gleichberechtigung von der Bcrfassung »ns gewährleistet, und unsereBehörden, : mögen sie im Einzelnen über die Judenfrage denke», wie sie wollen,! müssen dem Gesetze Geltung verschaffen. Sollten dennoch einzelne! Fälle ungerügt bleiben, dann gilt es, den ganzen Instanzenweg zu! verfolgen, eventuell die Presse zur Hilfe zu nehmen, und solche antisemitische Schändlichkeiten an den Pranger zu stellen. Viele der Herren Akademiker, die den traurigen Muth besitzen, einem lvehrlosen Kinde gegenüber ihre antisemitischen Roheiten zum Besten zu geben, gehören als Reservelieutenant dem Offiziersstande an; wir glauben nicht, daß der ehrenwerthe deutsche Offiziersstand fernerhin Jemanden in seiner Mitte dulden würde, von dem er Kcnntniß hätte, daß er sich solcher Infamie fähig zeigt. Nur Muth und Entschlossenheit unsererseits gehört dazu, diesem Treiben der Antisemiten ein Ende zu bereiten; nur dürfen unsere Elter» einzelne Fülle mit Rücksichten auf Versetzungen er. nicht vertuschen wollen; höhere Dinge, das Glück unserer Kinder, die Zukunft des deutschen Judenthums, stehen auf dem Spiele. Die Erfahrung hat uns belehrt, daß die antisemitisch augehauchten Lehrer, sobald sie merkten, daß man nicht willens war, ihrem Treiben ruhig zuzuschauen, sondern ihnen scharf auf die Finger sah, in ihren Aeußerungen sowohl wie in ihrer Haltung ihren jüdischen Schülern gegenüber recht vorsichtig wurden und sie nicht weiter behelligten. Lange genug haben unsere jüdischen Eltern in unthütiger Zaghaftigkeit dem antisemitischen Treiben zugeschaut, und es ist nicht besser dadurch geworden; darum rufen wir allen jüdischen Eltern, rufen ivir allen denen, die ein fühlendes Herz für unsere liebe Jugend besitzen, zu: Schützet die Kinder! Anregungen. Berlin, 5. November. Die Bewegung in Bezug auf die jüdischen Litteraturvereine ist in stetem Wachsen begriffen. Gegenwärtig sind in verschiedenen deutschen Gemeinden solche Bereine in Borbereitung. Erfreulich ist es, daß in großen wie in kleinen Gemeinden das Interesse für diese Bereine ein gleiches ist. Gerade mit Bezug auf die kleinen Gemeinden wird uns von hochgeschätzter Seite geschrieben: Die Anregung zur Bildung jüdischer Litteraturvereine, welche von der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" ausgegangen, ist auf keinen unfruchtbaren Boden gefallen; allenthalben, auch in kleinen Gemeinden regen sich die Geister, um dem Rufe Folge zu leisten und die Bekenner des Judenthums mit ihrer Vergangenheit und mit ihrem erhabenen Schriftthum bekannt zu machen. In keiner Gemeinde dürfte es an Männern fehlen, welche mit Eifer dem edlen Ziele zustreben; am meisten ist! es gerade in solchen Gemeinden nöthig, die eines Rabbiners entbehre,,. Diese Männer aber, wenn auch vom besten Geiste beseelt, müssen! den größten Theil ihrer Zeit ihrem Geschäfte, ihrem Berufe opfern und j sind nicht in der Lage, die geistige Nahrung, die für das Gedeihen eines! Litteraturvereines nöthig ist, selbst zu produziren; dieselbe muß den ' Leitern solcher Bereine in mehr oder weniger mundgerechter Weise geboten werden, um dieselben in den Stand zu setzen, den Sinn fürs Judenthun, zu wecken und mit Erfolg gegen die eingerissene Gleichgiltigkeit anzukämpfen. Es dürfte sich daher empfehlen, wenn die „Allgemeine Zeitung de? Judenthums" diejenigen Bücher und Zeitschriften benennen möchte, in denen das Material für Vorträge oder Besprechungen sich findet, oder die zum Verlesen in den Versammlungerl oder zum Zirkuliren bei den Mitgliedern sich eignen, unter gleichzeitiger Angabe des Verlagsortes, so wie des Abonnements- resp. Ladenpreises. Es dürfte sich ferner empfehlen, an einer Centralstelle eine Bibliothek anzulegen, aus welcher die einzelnen Vereine mit den passenden Werk?,,, wenn auch nur leihweise, versehen werden. Es dürften sich genug Private und Leihbibliotheken finden, welche etwa vorhandene Dubletten oder unbenutzte Werke der Centralstelle gern überließen. Schließlich dürfte es auch nicht überflüssig sein, praktische Winke für Grundlegung und Leitung von jüdischen Litteraturvereinen zu geben, auch darüber zu belehren, ob solche Vereine der religiösen Anmeldepflicht unterliegen oder nicht. L ö b a u, Westpr. Sanitätsrath Dr. W o l s s. Wir kommen in nächster Nummer auf diese schätzenswerthe Anregung des Weiteren zurück. Zur Frage des Gemeindegesanges, einer für die Reform des Gottesdienstes überaus bedeutsamen, geht uns die folgende werthvolle Anregung zu: In einer der letzten Nummern der „A. Z. d. I." fordert Herr Jul. Strauß aus Pforzheim die Vorstände der Synagogen-Chöre auf, iluii geeignetes Material zur Zusammenstellung von für den Gottesdienst geeigneter vierstimmiger Chöre beschaffen zu helfen. Gewißlich wird Hern! Strauß von allen Seiten viel Material zugehen, denn uns fehlt rin Sammelwerk vierstimmiger deutscher Chorsätze speziell für die Synagoge. Wohl besitzen wir viele und schöne Sammlungen geistlicher Lieder. Tie meisten derselben tragen aber einen christlichen Charakter. Warum sollen wir unserer Jugend in der Synagoge Material in die Hand gebuü, wovon man den größten Theil nicht singen lassen kann, da er den religiösen Anschauungen des Juden diametral entgegen steht. Ein Werk, n ie das anzustrebende, muß, um seine Einführung überall zu ermöglichen, möglichst billig sein. Dies kann aber nur geschehen, wenn die Verbreitung eine starke ist. Was mir aber die Feder in die Hand drückt, ist Folgendes: S)a§ zu erstrebende Ideal in der Synagoge ist im Punkte des Gesanges nicht speziell der vierstimmige Chorgesang, der Kunstgesang, sondern mein Ideal ist und bleibt der einstimmige hebräische und einstimmige Choralgesarg. Der Kunstgesang, die vierstimmigen Chorgesänge, sollten nur zu den Feiertagen oder sonstigen besondern Anlässen gesungen werden. Ter Synagogen-Chor darf nicht dominiren. Er soll nur sein die feste Säule, an welche sich der Gemeindegesang rankt, das Fundament, auf welchen! er sich aufbaut, der Führer, an dessen Hand die Gemeinde dem guten Gesänge entgegengeführt wird. Erst in zweiter Linie sorge er dann für gediegene Chöre für du' Feiertage. Er halte auch darin nur weises Maß. Der Jude seiner lebhaften Natur nach nicht dazu angelegt, in der Synagoge nur allein zuzuhören, sondern er will aktiv im Gottesdienste Mitwirken. will nicht allein die Responsen sagen, nicht blos Baruch hu und Amen antworten, er will auch mitsingen Daher gebe man ihm die auv! gedehnteste Gelegenheit dazu und entziehe sie ihm nicht durch zu viele! vierstimmige Chöre, sondern gebe ihm eine gute gediegene Hausmannskou,! man erziehe ihn zur Mitwirkung am Gemeindegesange, dem hebräischen und! deutschen. Auch an den Feiertagen sollen Choräle von der Gemeinde gesungen werden. Der Chor reiße nur ja nicht allen Gesang an sichb in he! leätung Ca: mit dei ejuederz si!'gt: gemein oder r Muße wenn e als vor zum ei sriien. Ar fulens ' zo huld augegeb ,V samn s ge cu und A UM r mtmi d.-Pek b kehrt c.;te at b c un? ihrer c neu i i; ii Ez?er gel? iagei () er nt b sieht. du S V hebe k. dex r v rmci tu in Mann eroßes euer ( Urin buigen röwe ' iiber d i daß i:: die Uh in rin eil : as V rrächti, o!s er war e- Z > leri

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