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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-11-10 · Heft 45 (10.11.1893) · p. Seite 531

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 45 (10.11.1893)
Date
1893-11-10
Page
Seite 531 (sequence 5)
Language
German
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531 rt§ ist Ihne» : Ihre bicnf Stellung aus : Behandln», x Unterschied scher Schule eu bei bei» x vernomme > Wendungen. Seriebenheit wtrauen der . haben, aui Lehrers gc iftigen Gele iteS jüdisch Acht lassen hm werden, rieben wird. sses haben Gelegenhen nithum und solche Ver auch so oft steil wehren c nngenel)»: chen Partei tsachen. In ': Engels. :; Singer. „Führung' Lafargnc. lier; Alle »Hier — bei inen" Frau ig den tha> rt „jüdischen er übrigen» z anpnmpte. frißt Und disches Gel r ih» — zu i. Wogen dehenfreundeden betrüitismus mn )ren Folgen Wie liehe hören di. fen, in den tisemitischen i, in allem ' in Buch Dinge, die chanderhasteflen Anklagen gegen die Inden, sehen sie dieselben mit schimpf nnd Spott behandelt. Was ist da naturgemäßer, als daß ne ihren jüdischen Mitschülern, wo sie nur irgend können, ebenfalls nit Hohn und Verachtung, im günstigeren Falle mit lieblosen Neckeoieti entgegentreten, oder auch sich gänzlich im Verkehr von ihnen nirückziehen?) — Bis zur Unerträglichkeit gestaltet sich für den Mischen Schüler die Sachlage, wenn er durch Intelligenz nnd Fleiß einen andersgläubigen Mitschüler überflügelt und so deffen Neid, eil alten Quell des Antisemitismus, herausfordert. Welchem Hasse »id welchen Verfolgungen sieht sich ein solcher jüdischer Schüler licht ansgesetzt! Gar manches Lob, das er aus gerechtem, unparteiischem Lehrers Munde empfangen hat, ist ihm ein Quell bitteren Leids geworden; gar manche Thräne mag er im Geheimen darum .'ergossen haben, lind tief wird ihm auf diese Weise im zartesten lmdesalter ein bitterer Stachel in die Brust gesenkt. Das Hebel des Judenhasses sitzt tiefer in unseren Schulen, als uanche unserer Eltern, die ihre Lieblinge täglich nach dort schicken »>d sie daselbst wohlgeborgen wähne», nur ahnen. Man werfe mir licht Schwarzmalerei vor. Hat es sich doch in neuerer Zeit zum wiederholten Male herausgestellt, daß in den oberen Klassen der höheren Knabenschulen, bis in die Tertia und Quarta hinab, der Antisemilismus vollständig organisirt war, daß, um das deutsche Sprichwort Wie die Alten sunimen, so zwitschern die Jungen" zu bewahrheiten, »itisemitische Schülervereine entdeckt wurden, deren Tendenz war, speziell nicht mit jüdischen Mitschülern zu verkehren und ihnen das Leben auf den Schulen soviel als möglich unerträglich zu gestalten. Die Neigung zu antisemitischem Unfug seitens der Schüler wird eider an vielen Schulen durch einzelne an denselben wirkende Lehrer nur genährt und verschärft. Hierbei mriß jedoch ein kleiner Unter- -chied festgestellt iverden, Nlid zwar zu Gunsten der seminaristisch gebildeten Lehrer — der Elementarlehrer. Der Geist eines Pestalozzi und Diesterweg, der über den Bildungsstätten der deutschen Bolkschullehrer schwebt, hat diesen Stand mit einer wahrhaft liberalen und humanen Weltanschauung erfüllt und ihn somit vor der sittlichen Berirrung des Antisemetismus bewahrt. Anders jedoch verhält cs ich mit den akademisch gebildeten Herren, insbesondere mit den üngeren Elementen unter ihnen. Unter der Aera Stöcker-Treitschke »i den Universitäten erzogen, siild sie Jahre hindurch eifrige Mitüieder des antisemitischen Vereins deutscher Stlldenten geweseil und onimen nun vollgepfropft mit Vorurtheilen gegen Alles, was den ffamen Jude trägt, in die Schule. Sehr richtig bemerkt hierüber Professor Pohlmann in seiner üben erwähnten Schrift: „Die antisemitischen Zeitungen rühmen ich häufig, ihre Partei zähle in allen Schichten nnd in allen Berufsarten Deutschlands zahlreiche offene oder geheime Anhänger. Man darf daher wohl dreist behaupten, daß auch der Lehrerstand nicht wenig Anhänger der antisemitischen Bewegung enthält. Es soll hier nun nicht etwa gesagt werden, die betreffenden Lehrer gestatteten ihrer jndenfeindlichen Gesinnung eilten verhüngniß- ') „Ehe der antisemitische Geist in unsere Volksseele eingedrungen n>ar," schreibt Professor Pohlmann in seiner vorzüglichen Schrift „Jüdische Heiden", „blieb wenigstens unsere unschuldige Jugend von den traurigen Wirkungen des Glaubenshasses verschont. Christen- und Judenkinder »erlebten in Eintracht ihre Jugend. Wir waren auf dem besten Wege, een alten Hader zu vergessen, der viele Jahrhunderte lang den Christen oon seinem jüdischen Bruder getrennt hat. Die Freundschaften, die man in der Jugend geschlossen, dauerten zum großen Theil so lange man lebte. Die Kultur und der wahre menschliche Fortschritt schienen zu üegen. Doch die schönen Hoffnungen sind dahingewelkt unter dem Reif der Unduldsamkeit und des Hasses. Wir waren noch nicht würdig, die Stufe der Kultur zu erklimmen" vollen Einfluß auf die Ausübung ihres Amtes." Leider sind wir nicht in der Lage, diesem letzten Satze durchaus zustimmen zu können. Das wahrhaft Traurige an der antisemitischen Krankheit der Gegenwart zeigt sich darin, daß sie dem von ihr Befallenen jedes Gefühl von Anstand nnd Schicklichkeit benimnit. Derjenige Lehrer, der nun einmal Antisemit ist, läßt das seine jüdischen Schüler auch bei jeder Gelegenheit fühlen. Allzuhäufig habe ich von meinen Schülern in der Religionsstunde diesbezügliche Klagen vernehmen müssen, nnd jeder indische Lehrer, der außerhalb seiner amtlichen Pflichten in irgend welche Beziehungen zu seinen Schülern tritt, wird sicherlich gleiche Erfahrungen aufzuweisen haben. Und wiederum muß ich einer Auffassung des Herrn Prof. Pohlmann entgegentrete», der da meint, daß auf den höheren Schulen ein feinerer Ton herrsche; die jüdischen Schüler sind grade auf höheren Schulen, weit mehr als auf den Volksschulen antisemitischen Verunglimpfungen, und zwar ganz besonders seitens akademisch gebildeter Lehrer ausgesetzt. Wahre Herzensbildung hat nun einmal nichts mit der äußeren Bildung gemein, denn es giebt doch kaum eine größere sittliche Berehrnug, als wenn Männer, die mit ihrem Wissen nnd ihrer Bildung sich Jedermann gegenüber brüsten, Kinder ihres Glaubens, ihrer Stammesangehörigkeit wegen hänseln und sie zum Gespötte zu machen suchen, wenn Lehrer, deren heilige Aufgabe und Pflicht es sein soll, den jedem Menschen angeborenen Trieb nach Wissen und Bildung zu fördern und zu pflegen, diesen bei ihren jüdischen Schülern gewaltsam zu ertödten und ihnen den Aufenthalt auf der Schule zu verleiden suchen. So beginnt mit dem Tage, da das jüdische Kind in die Schule eintritt, eine Leidensgeschichte für dasselbe, ist ihm, um das Wort eines berühinten Gelehrten zu gebrauchen, schon im zarten Kindesalter die Romantik des Martyriums zugewiesen. Gar oft zeitigt dieses Martyrium bittere Früchte. Gleichgiltigkeit und Abneigung gegen die religiöse Gemeinschaft, um deren Zusammengehörigkeit willen man diese Unbilden auf der Schule hat erleiden müssen, sind seine nächsten natürlichen Folgen, aber auch der Haß gegen die bestehende Gesellschaftsordnung, die es duldet, daß man einen Menschen seines religiösen Bekenntnisses wegen von der Wiege bis zum Grabe verfolgt, ist unausbleiblich. So sehen wir zahlreiche jüdische Jünglinge, deren Intelligenz und Streben zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, und die in ruhige», friedlichen Zeiten sicherlich eine Zierde ihres Vaterlandes sowohl, wie ihrer Glaubensgemeinde geworden wären, zunächst, um den ewigen Zurücksetzungen zu entgehen um Karriere zu machen, von dem Glauben ihrer Väter abfallen und unmittelbar darauf, da sie in ihren Erwartungen sich getäuscht sehen und nun zur Erkenntnis; kommen, ihre persönliche Ueberzeugung, ihre Ehre umsonst hingcopfert zu haben, die Zahl der politisch Unzufriedenen, oder sagen wir es heraus, die Reihen der Sozialdemokratie vermehren. Sowohl vom jüdischen, sowie vom patriotischen Gesichtspunkte ans betrachtet, können wir solche Wendung der Dinge nur bedauern; das aber enthebt uns nicht der Verpflichtung, darüber nachzudenken, was ist zum Schntze unserer Kinder auf den öffentlichen Schulen zu thun? Fragen wir uns zunächst: Was haben unsere jüdischen Eltern angesichts der stetig sich mehrenden Kränkungen ihrer Kinder auf den öffentlichen Schulen gethan? Die Antwort ist leider, wie überall, wo es sich um die Abwehr antisemitischer Angriffe handelt: „Nichts ist geschehen." Ein Theil der jüdischen Eltern glaubt, am besten für das Wohl ihrer Kinder gesorgt zu haben, wenn sie sie einfach bald nach der Geburt der Taufe zuführen. Wir haben mit dieser Gesinnungs- und Gewissenslosigkeit nichts weiter zu schaffen; jene Eltern werden dereinst einem höheren Richter Antwort stehen. Anders aber

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