Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1893)
- Date
- 1893-11-03
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228031--50315-3271922- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
tb geben fi l Lueger auf [) gute Weg?, t Kandidaten res natürlich.?druß oft gtsbeleidigunl!, Handlungen, nmer berick zutage. Da-) mit Meyer hörten, den daß sie über utender Ver legte Frage, leyer sei ein was nicht!' Verhandlung isverfahren: g um Unter tshofe abge neu baffelb -igsprozesses. als lag bei: en vor, da , aber jed »rechend den ler zu vier verurtheilt sen zwischer cmittett hin hin: „Jcl eilig. 31 bei ) sitzen 2" - mmung dee such an die bei er noch )l zu sagen ne über ihr nd der jetzr ausgeliefer! rtjährige Kisch), dein i (Präsideni gaben von Zirkens des Antisemineder Platz hneider um petitionirt. angegeben rupt nichts m, die das i Gewerbenachgingen, Aufenthaltsantisemiten ictreffenden che entdeckr es Gesetzes e schwarze e angeblich meiderei in tische Aus- Universitär n. Wegen breiterer 79 zur Anmeldung gelangter Abiturienten wandte sich der Rektor an den Unterrichtsminister. — Die aus Kurland ausgewiesenen Juden, welche bekanntlich am 12. November er. Kurland verlassen sollten, haben -ich um Aufschub ihres Abzugtermins an das Ministerium gewandt. Da Zahlreiche christliche Bürger bescheinigten, daß durch den Abzug der Auslewiesenen auch sie, die mit jenen in Geschäftsverbindung gestanden, zu Schaden kommen würden, wurde den dortigen Israeliten dieser Tage; nunmehr ein Aufschub bis zum 13. Juni 1895 bewilligt. — Wie vor-! niszusehen, war das ganze „Märchen" von dem Judenj auf stand im 3. Revier von Jekaterinoslaw ein von der „Now. Gremja" vollständig erlogenes, antisemitisches Machwerk; dort hat überhaupt kein Aufstand stattgefunden Türkei. J. Fng. Jerusalem, 2. Oktober. Das Jahr 5653 oder 1892/93 hat im heiligen Lande manche einschneidende Veränderung gebracht. Die Bahn Jaffa-Jerusalem ist im September 1892 eröffnet worden, zu der Bahn Haifa-Damascus wurde im Frühjahr der Grundstein gelegt und dieselbe jetzt bis an den Jordan fortgeführt. Während die erste Bahn Jaffa-Jerusalem vorzugsweise dem Touristenverkehr dient, wird die zweite Linie hingegen, da sie Damascus und ganz Syrien mit der Küste verbindet, von immenser Wichtigkeit werden. Schon jetzt ist der Import and Export des heiligen Landes nicht unbedeutend, durch den Jaffaer Hafen allein exportirte Palästina 1891 10 Millionen Francs Bodenprodukte, der Gesammtexport in Bodenerzengnissen 1891 ist ungefähr auf! 25 Millionen zu schätzen. Allerdings trat 1892 ein Rückgang infolge! der Mißernte in Südpalästina ein. Immerhin war der Export auf | circa 16 Millionen Francs berechnet. Die hauptsächlichsten Ausfuhrartikel! sind Weizen, Oel, Orangen, Rosinen, Seife und Häute. Der Import ist ständig im Wachsen, auch im letzten Jahr, und gerade dies Wachsthum legt ein erfreuliches Zeugniß ab von dem durch den wachsenden Export steigenden Wohlstand des Landes. Auch der Import nach Palästina Woll- und Baumwollstoffe, Reis, Zucker, Eisenwaaren, Kaffee, Petroleum, Bauholz und Kurzwaaren) ist im Steigen begriffen. 1888 betrug er noch 4['* Million Francs, 1891 schon 71/! Millionen und 1892 wieder steigend 8','2 Million Francs. Durch die Eisenbahnen, die den Transport aus dem Jnlande überhaupt erst ermöglichen, sowie durch die jüdischen Kolonien, die eine Reihe neuer Exportartikel erzeugen, wird die Handelsthätigkeit einen neuen Aufschwung erhalten. Da die türkische Regierung 1892 der Cholera halber über Palästina eine Ouarantaine verhängte, dann nach Aufhebung derselben nicht naturalisirten Juden und Christen den Landankauf und den Häuserbau untersagte, stockte natürlich die Ein-; Wanderung. Erst als im Mai a. er. dies Verbot von der türkischen Regierung aufgehoben und die jüdischen Kolonien offiziell anerkannt! wurden, belebte sich die Einwanderung und die Kolonisation von Neuem. Die schon bestehenden jüdischen Dörfer sind im rüstigen Fortschreiten, die diesjährige Ernte ist gut, die neuen Versuche mit der Kultur des Maulbeerbaumes und der Seidenraupe haben sehr vielversprechende Resultate! gegeben. Die Weinkultur, die sich sehr gut bewährt hat, wird rüstig weiter! ausgedehnt und die Obst- und Oelbaumpflanzungen in größtem Maßstabe j vermehrt. Neue jüdische Dörfer sind aus oben erwähnten Gründen in diesem Jahre nicht entstanden, wohl aber für den Herbst dieses Jahres verschiedene Nengründungen resp. Besiedelungen schon gekaufter Grundstücke beabsichtigt. Die Zahl der Kolonien sind jetzt 24, es sind 1. in Judäa: Mikweh Israel (die Ackerbauschule der Alliance Israelite), Rischon Lezion, Wad el chanin, Ekron, Gederah, Kastine, Rechowoth, Fethach Tikwoh, Jehudijeh, 2. in Galiläa: Sichron Jacob, Achos Sichron Jacob, Em el Tut, Schewah, Tantura, Miron, Fekiin, Ain Sethie, Machnaim, Rosch Finah, Jessud Hamaaloh, Gescher ha Jarden, Mischmar ha Jarden, Schesur, Chedere. Auf circa 5000 Seelen schätzt man die j Bevölkerung der jüdischen Dörfer, in denen, nebenbei bemerkt, nur hebräisch! gesprochen wird. Auch in der Industrie Palästinas, die sich jetzt darauf! beschränkt, in primitiver Weise Oel und aus den Resten der Oelfabrikation! Seife zu erzeugen, bereitet sich durch die jüdische Einwanderung ein Um-! schwung vor. Bereits sind in Tantura eine Glasfabrik, in Sichron Jacob! eine Fabrik ätherischer Oele im Bau, in Jerusalem ist eine Aktien-! gesellschaft für Baumwollenweberei gegründet worden, eine große Seiden-! industrie wird in wenigen Jahren entstehen, sobald die umfangreichen j Maulbeerpflanzungen genug gediehen sein werden, und bereits jetzt ist eine lohnende Weinfabrikation auf Mikweh Israel und Rischon Lezion begonnen. So macht Palästina den Eindruck eines in erfreulicher Entwickelung befindlichen Landes; nach dem Urtheil eines vor zwei Jahren dorthin gegangenen Berliner Bürgers entspricht es Amerika vor 40 Jahren, und wir haben die Genugthuung, unsere russischen Brüder die Kulturmission erfüllen zu sehen, in die dortige Stagnation Leben zu bringen und abendländische Energie und Civilisation in den Orient zu tragen. Palästina aber wird durch den Fleiß jüdischer Bauern wieder das Land, wo Milch und Honig fließt! — Von den 5000 Kolonisten sind circa 500 Tagelöhner, die sich weit besser als arabische bewähren; kürzlich fand in der Kolonie Rechoboth eine Versammlung der jüdischen Bauern statt, welche den 500 Tagelöhnern Grund und Boden beschaffen wollte, doch leider mußte dies für vorläufig verschoben werden, da hierzu nicht genügende Mittel vorhanden sind. Mit An- und Verkauf von Grund und Boden beschäftigen sich hier die Juden gar nicht, während in Liberia einige Juden Grundbesitz des Sultans jenseits des Jordans ankaufen und wieder veräußern. Auch betreiben sie Tauschgeschäfte. Amerika. n. New-Aort, 4. Oktober. Der famose Hof Prediger a. D. Stöcker hat zum Abschied von Amerika noch einen Beweis seiner unverbrüchlichen Wahrheitsliebe erbracht. Bekanntlich hat Stöcker vor seiner Hierherkunft das Versprechen abgelegt, hier nur im Dienste der Mission zu wirken und nicht in Antisemitismus zu machen. Dieses Versprechen hat er aber wahrscheinlich vergessen. In einer Abschiedsvorstellung wenigstens wollte er seine Meinung über die Judenfrage äußern. Lutherische Geistliche hatten gestern Abend zu der von ihnen in der „Association Hall“ (so heißt das Gebäude der „Young Men’s Christian Association“) arrangirten Versammlung zu einem Vortrage von Stöcker über: „Niemand kann Gott dienen und dem Mammon", eingeladen, und bereits um 8 Uhr war kein Stecknadelraum mehr in dem großen Saale vorhanden. Daraus folgerte Stöcker, daß man hier nicht Alles glaube, was im alten Europa über ihn gedruckt worden ist. Dann lobhudelte er die amerikanische Presse (engl, wie deutsche), daß sie nicht die alten Märchen über ihn verbreitete, sondern sich selbst ein Urtheil gebildet hätte. Zum Thema meinte er dann: „Bleibt der Mammon der Gott der Zeit, so steht die christliche Welt vor den größten Gefahren". Die Erklärung für den kurz nach dem Kriege sich vollzogenen Abfall vom Glauben liege in den französischen 5 Milliarden. Im Mammon läge die Gefahr für die religiösen und sozialen Zustände. Man habe jetzt bereits in Deutschland eine Religion des Gewissens, die keinen Versöhner brauche, und eine Religion der Bildung, die nichts vom Ehristenthum wissen wolle. Referent sprach dann über Sozialismus in Deutschland, den Gründungsschwindel, die Gründung seiner „Christlich-sozialen Partei", welche berufen sei, die Irreligiosität, den Sozialismus und die Anarchie, welche sich mit der Noth unausbleiblich eingestellt hätten, aus den Reihen des Volkes hinauszutragen. Dann sagte er wörtlich: Die Juden sind bei uns in Deutschland, mehr wie hier, eine doppelte Gefahr. Wenn ich mir die menschliche Gesellschaft als eine Linie denke, so sind sie an einem Ende die größten Schürer der sozialen Gefahr durch Anhäufung von Neichthum und am anderen Ende Schürer der Revolution. Ich erinnere an Marx und Lasalle, die Väter der Sozialdemokratie! Die Stellung ist unverträglich, daß ein Volk, welches sich in der Minderheit befindet, die soziale Frage durch den Mammondienst verschärft und gleichzeitig das Volk zur Revolution aufruft. Ich liebe die Juden, aber ich bin gegen die 'Anmaßung derselben. Sie, eine halbe Million unter 50 Millionen, dürfen die Kirche nicht zerstören, und wenn sie dies versuchen, dürfen wir ihnen zurufen: „Das dulden wir nicht". Ich habe nie angegriffen, nur vertheidigt, und es ist merkwürdig, daß man immer nur das Christenthum, nie das Judenthum angreist, und legt man einmal die Sonde an dieses, dann giebt's ein allgemeines Geschrei. Was die Juden hier sind, weiß ich nicht, aber ich kenne si ein meinem Vaterlande. Wenn erst einmal die Juden zurückkehren ins gelobte Land, dann wird ihnen wohl sein und uns noch wohler!" Das war der Abschied des Herrn Stöcker aus Amerika! Schade, daß sie ihn nicht dort behalten haben! * Chicago, im Oktober. Wie wir bereits mitgetheilt, hat der griechisch-orthodoxe Erzbischof Lasas von Zante vor dem Weltparlament der Religionen eine Erklärung gegen das Blutmärchen abgegeben. Diese Erklärung lautete: „Im Osten ist unter der unwissenden