Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1893)
- Date
- 1893-11-03
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228031--50313-3271920- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Elbląg 1× ep/1047890
OCR text
Berlin, 3. November 1893. 000 Hinz i. t, eine gewisse Plik mich auf ' Sch. die-e m" sind dieser Sch. am an- ^ext (nämlih;n durchaus st getreu zu nicht auch an ter Luthers nochmals auf tzten Blatte r en Herr Sch.!ur der Hoßr aus meinen ) der Wieder. Bandes von n lassen, von Dr. Selvei. Behauptungen, g der Juden Daß dies itben Zahlen Geburten im en, wogegen also der Refase, die Aus tion von ca. Brieswechse »akteur, bald Angelegen . Bambus fragt Herr Einweihunc . zu solcher : Einladung entsprochen, Anwesenheit >ung der ge ng erhalten hr ergebener iogelstein. >auptet, daß sehe Ueberdem Titel: he Amidah spanish and printed by » drei Jahre kpredigt er- Herr Wise htigung zu ahnt", ayserling. lin. 7. Jahrgang. Nr. 44. WerLage zur „Allgemeinen Zeitung öes Juöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 1. November. Am 30. v. M. starb hier nach schwerem eiden der Geheime Sanitätsrath Dr. Moritz Meyer, einer der ancsehensten Aerzte Berlins, im 73. Lebensjahre. Er betrieb die allgemeine Praxis, beschäftigte sich aber zugleich in Berlin als Erster, von Robert temak beeinflußt, mit der Anwendung der Elektrizität zu Heilzwecken. ,ur Anerkennung kam erst der Heilwerth der methodischen elektrischen Behandlung durch Meyers 1854 erschienenes Buch „Die Elektrizität in orer Anwendung auf praktische Medizin." Meyers Leistungen in der 'lektrotherapie sichern ihm ein dauerndes Andenken. LL Berlin, 29. Oktober. Zum 26. d. M. hatte der Vorstand des dentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens eine Mitglieder mit ihren Frauen zu einer Versammlung im Saale der Gesellschaft eingeladen, und diese waren der Einladung zahlreich gefolgt. Der Vorsitzende, Dr. Mendelsohn, begrüßte die erschienenen Damen und >erren, legte in Kurzem die Zwecke und Ziele des Vereins dar und machte inige Mittheilungen über die gegenwärtige Mitgliederzahl, das Vermögen s. w. Den Frauen, die eine so große Begabung für die Propaganda Men, legte er besonders ans Herz, für den Verein zu werben. Hierauf mhm Dr. R. Löwenfeld das Wort zu einem Referat, in wie weit und n welcher Richtung die Frauen die Bestrebungen des Vereins fördern lönnten. Er wies auf Virchows Ausspruch von den: Eroberungszug der Dräuen in unserer Zeit hin; der Eroberungszug der jüdischen Frauen mnruhige ja schon die Synode. Er führte dann Professor Wagner als Vertreter des ästhetischen Antisemitismus an. Dieser Ausdruck bedeute, saß dem Andern au dem äußeren Gebühren der Juden, an Tracht und Daltung etwas unangenehm se i daß wir hierin anders seien. Das bedeute noch nicht schlechter sein, aber es sei unsere Aufgabe, uns zu akkommodiren. Der Redner ging zu Beobachtungen des täglichen Lebens, zum Verkehr auf er Straße, in der Pferdebahn, im Theater über. Wir seien nun einmal Stiefkinder, und müßten daher besser sein als die Andern. Dies gelte esonders für unsere Damen; darum richte er seine Worte besonders an o und bitte sie, hierfür in ihren Kreisen zu wirken. Ferner sei es unsere Aufgabe, den Verkehr mit Nichtchristen, der — allerdings nicht durch unsere schuld — oft abgebrochen sei, zu suchen, und hier hätten wiederum besonders ie Frauen eine Aufgabe zu erfüllen, da die Anbahnung und die Aufechterhaltung des Familienverkehrs hauptsächlich in ihrer Hand liege, 'luch hätten unsere Frauen die Pflicht, an gemeinnützigen Dingen .der Art theilzunehmen; sie müßten an jolchen Mitarbeiten, aber nicht aas Eitelkeit, nicht, um genanaat zu werden, sondern aus Gemeinsinn, er sie an solcher Arbeit selbst die schönste Befriedigung finden lasse. Diese kurzen Bemerkungen wolle er heute nur geben, denn seine und des Vorstands Absicht sei es vor Allem gewesen, die Ansichten der Damen albst zu hören. In der Diskussion erklärt fich Frau Saaaitätsrath Schwerin mit den Ausführungen des Referenten vollkommen einverstanden, besonders auch damit, daß die Frauen sich für das öffentliche deben interessiren, an gemeinnützigen Thätigkeiten theilnehmen sollen; sie sob indessen hervor, daß die Männer diesem Streben häufig gegenüberreten, daß sie die Frauen einzig auf das Haus uard die Familie als hren Wirkungskreis hinwiesen Sie richtet deshalb an die Herren die ditte, die Frauen, anstatt sie zurückzuhalten, heutzutage, wo kein Gebiet es menschlichen Wirkens ihnen verschlossen sein dürfte, in dem Streben nach gemeinnütziger Thätigkeit zu unterstützen. — Auf die in der lebhaften Diskussion mehrfach geäußerten Ansichten, daß die vom Referenten erwähnten Unarten im Verkehr doch zu geringfügig seien, um hierüber zu reden und von ihrer Abstellung etwas Ersprießliches im Kampfe gegen den Antisemitismus zu erwarten, erwiederte Dr. Löwenfeld, daß diese Dinge klein schienen, daß sie aber in ihren Wirkungen durchaus nicht leringfügig seien; er glaube auch nicht, daß man damit allein den Antisemitismus aus der Welt schaffe, er wisse auch, daß dieser seine soziale Seite habe; aber dieser Gegenstand stände nicht auf der Tagesordnung der Versammlung. Im Kampfe müßte man aber auch kleine Mittel anwenden, selbst wenn sie nur geeignet seien, dem Feinde einen Fußbreit Boden abzugewinnen. — Dr. Pariser hob besonders die Aufgabe der Frau als Mutter und Erzieherin ihrer Kinder hervor. In der schon gestreiften Frage der Mischehen nähme er den Standpimkt ein, daß eine auf gegenseitiger Herzensneigung geschlossene Ehe zwischen Mann und Frau verschiedenen Glaubens das volle Maß der Religiosität besitze; anders aber stände es mit der heute besonders großen Zahl von Mischehen zwischen reichen Jüdinnen und Aristokraten. Es dürfe sich kein jüdischer Vater, kein jüdisches Mädchen zu einer solchen Unsittlichkeit und Herabavürdigung hergeben. Es sprachen noch Frau Ulla Wolf und die Herren Salomon, Liebert, Lewestoff, Hoffstaedt, Conrad, Steinitz, die zum Theil auch Wünsche über die fernere Thätigkeit des Vereiaas äußerten. Um 1411 Uhr schloß der Vorsitzende die Versammlung, die bis zum Schluß den Verhandlungen mit lebhafter ufmerksamkeit gefolgt war. §§ Berlin, 31. Oktober. Wie alljährlich, so findet auch in diesem Winter zum Besten der Wittwen- und Waisenkasse des jüdischen Kantoren- Vereins ein Elitekonzert am 18. November in der Philharmoaaie statt, welchem bedeutende Künstler, wie die Damen R. Sucher und T. G eß ner, die Herren Liban, Sommerstorf und Grün feld, ihre Mitwirkung zugesichert haben. Da neben dem künstlerischen Genüsse auch ein gewiß edler Zweck einhergeht, so möchten wir an dieser Stelle bereits heute auf den Abend aufmerksam machen uaad avünschen im Interesse der Wohlthäthigkeit, daß der Erfolg ein recht befriedigender werden möge. (Billets ä Mk 2 sind bei Herrn M. Göttinger, Flensbur gerstr. 7 zu haben.) * Elbing, 25. Oktober. Der Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde und Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Jacobi ist heute gestorben. Die städtischen Gebäude haben Trauerflaggen gehißt. Jacobi stand im 74. Lebensjahre. Er gehörte seit dem Jahre 1847 der liberalen Partei an und nahm in Thorn und Elbing eine führende Stellung in dem politischen Leben dieser Städte ein. Dr. Jacobi wohnte noch am 1. Oktober dem Parteitag der Freisinnigen Volkspartei in Königsberg bei. Noch an diesem Dienstag schrieb er seinen Verwandten in Berlin, daß er zwar sich an der Wahl betheiligen wollte, aber wohl diesmal wegen Unwohlseins nicht als Wahlmann nach Mcrrienburg averde fahren können. Zum ersten Mal seit 1848 müsse er darauf verzichten. In Elbing fand am Sonntag eine von den Kommunalbehörden veranstaltete Feier statt. Die Beerdigung erfolgte am Montag in Berlin. Die „Altpr. Ztg." widmet Dr. Jacobi einen Nachruf, der mit den Worten schließt: „Der Besten einer ist mit ihm dahingegangen, ein Mann von großer sittlicher Kraft und seltener Hingabe an seine Bürgerpflichten. Was er selbstlos gewirkt, wird der Tod nicht zerstören, sein Scheiden nicht verwischen können und Alle, die ihn gekaaant, werden ihn nie vergessen. Möge er in Frieden ruhen!" -a- Breslau, 20. Oktober. Seit vierzehn Tagen hat auch der Vorstand der hiesigen Synagogen-Gemeinde' einen Jugendgottesdienst eingerichtet. Wer sein Augenmerk mit aufrichtiger Hingebung der religiösen Erziehung unserer Jugend zuwendet, wird den Männern, welche diese Einrichtung ins Leben riefen und auch durch ihre direkte Theilnahme am Gottesdienste ihr warmes Interesse bekunden, gewiß Dank wissen. Doch noch weit größer würde unsere Erkenntlichkeit sein, wenn sich der Vorstand entschließen würde, dafür Sorge zu tragen, daß nicht, wie an den beiden jüngsten Scabbathen, der Gottesdienst abwechselnd im neuen Tempel und der Synagoge „zum Storch", sondern gleichzeitig in beiden And ach tsstätten abgehalten würde. Da zu den beiden Gemeindesynagogen getrennte Religionsschulen gehören, würde recht gut einer jeden Schule die zugehörige Synagoge zugewiesen werden können, und bei dem voraussichtlich wachsenden Interesse der Eltern für den Jugendgottesdienst wird derselbe wohl an beiden Stellen stets von einer stattlichen Zahl von kleinen Besuchern, denen sich auch die Eltern anschließen mögen, frequentirt werden. Die Belastung unserer geehrten Gemeinderabbinen, denen ja in der Person der Herren Rabbiner Dr. Knoller und Dr. Samt er ganz