Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1893)
- Date
- 1893-11-03
- Page
- Seite 523 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227986-3228031--50307-3271914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
523 zwanzigste es Planes ebäude zn < humanen sind noch ht werden er Taubtute finden' se herrliche rssicht auf Wirkungstt hindert e an den hlen, das; e weitester in immer reichlicher luden. rite». , was du wenn ihr : mir, ich gen, über ad erzähle Lendabar: orhersieht, ihm, wie hts Arges n wußte." te: „Einst nd in ihr rrite, gut manchem > gebären, dich und Beelen erihm einen und Gott Andenken llch, sprich zukommt. ein Knabe und seine auf Gott, er Mensch über die en in des ehe» wird ht es, wie es dem Nazariten erging, ans den der Topf mit Honig gefallen." „Wie war das?" sprach er zu ihr. Sein Weib sagte zu ihm: „Einst vor Zeiten lebte ein Nazarite in der Nähe eines Königs, der ihm für seinen täglichen Bedarf einen Kuchen und einen kleinen Topf Honig gab. Er pflegte den Kuchen zu effen und den Honig in einen kleinen Krug zu stellen, der über seinem Haupte hing, bis das Gefäß voll war. Der Honig war sehr theuer in jenen Tagen, und eines Tages, da er in seinem Bette lag, hob er seine Augen zu dem Kruge mit dein Honig empor und dachte, wie theuer der wäre, und sagte zu sich: „Wenn das Gefäß voll ist, will ich den Honig für ein Goldstück verkaufen und dann will ich zehn Schafe kaufen und jedes wird ein Lamm haben und so werden ihrer zwanzig sein. Darauf wird die Heerde anwachsen, bis in weniger als vier Jahren ihrer vierhundert sein werden. Dann will ich eine Kuh und einen Stier kaufen für je vier Schafe und auch ein Stück Land, die Kühe werden mir Kälber geben, und ich will die niännlichen nehmen und mit ihnen das Grundstück bebauen, das ich gekauft, und die Färsen werden mir Milch geben. Kaum fünf Jahre werden ins Land gegangen sein, bevor all dies sich vermehrt haben wird, und ich werde ein großes Bermögen besitzen an Heerden und Getreide, und dann werde ich mir ein gutes und schönes Haus bauen, mir Diener und Dienerinnen kaufen und ein schönes und wohlgeborenes Fräulein zum Weibe nehmen. Die tvird mir einen schönen, lieben Knaben bringen, unter einem glückverheißenden Stern geboren, in günstiger Stunde. Der wird ein Segen sein und mein Andenken nach dem Tode bewahren. Ich werde ihm einen Heil bedeutenden Namen geben und für seine Erziehung sorgen. Würde er aber mir nicht folgen wollen, so würde ich ihn mit diesem Stocke durchbalgen." Bei diesen Worteir hob er den Stock, als ginge er daran, ihn zu schlagen, mrd zerhieb den Honigkrug, der in Stücke ging und seinen Inhalt über Kopf und Leib des Nazariten ergoß." „Ich habe dir diese Geschichte erzählt, damit du nicht von dem redest, was du nicht weißt. Und längst ist gesagt: „Rühme dich nicht des morgigen Tages, denn du weißt nicht, was der Tag bringen mag." (Spr. 27, 1.) Als der Nazarite diese Worte hörte, ward er still mrd besserte sich. Und als ihre Zeit gekommen war, genaß sie eines schönen Kindes, eines reizenden Knaben, der dem Nazariten große Freude bereitete. Und als die Tage der Reinigung vorüber waren, sprach sie zu ihrem Manne: „Bleib bei deinem Sohne, ich will mich reinigen gehen." Und als der Bater eine Weile bei der Wiege in Betrachtung gesessen hatte, kam der Bote des Königs zu ihm. Er schloß die Thüre und ging in den Palast. Im Hause war ein Hund, der sah eine Schlange aus dem Schlupfwinkel hervorkommen in der Absicht, das Kind zu tödten. Der Hund faßte und tödtete sie und beschmutzte seine Kinnbacken mit ihrem Blute. Ein Bild: „Das Kind und der Hund, wie er die Schlange tödtet? ' Rasch kehrt der Nazarite vom Palaste zurück und als er die Thür öffnete, kam der Hund ihm entgegen. Wie er seine Kinnladen mit Blut befleckt sah, dachte der Nazarite, der Hund habe das Kind getödtet und schlug mit seinem Stocke auf ihn los, ohne daran zu denken, ivas er that. Als er aber in das Zimmer trat, sah er das Kind lebendig und die Schlange todt. Darauf faßte er Reue, ward traurig und betrübt und sprach! „Ach, hätte Gott das Kinb doch lieber nicht geboren werden lassen, dann wurde ich auch den Hund nicht erschlagen haben; denn ich habe gleich einem Undankbaren und einem Bösewicht gehandelt, der das Gute, das er empfangen, nicht anerkennt." Als sein Weib nach Hause kam und den Hund und die Schlange erschlagen sah, fragte sie ihren Mann nach dem Grunde, und der erzählte ihr, was vorgegangen war. Darauf sprach sie: „Sieh den Lohn derer, die voreilig handeln, ohne zu sehen, wie die Dinge in Wahrheit sind. Nach solchen Thaten empfindest du vergeblich Reue und Bedauern, denn dein Kummer wird nicht geringer." Darauf sprach Sendabnr der Weise zrnn König: „Weise und überlegte Männer haben dank ihrem Denken und ihrer Ueberlcgung da Erfolg, wo leidenschaftliche das verfehlen, was sie eilfertig unternehmen. Der kluge Mann sollte Nachdenken, beobachten und dann erst langsam und fein handeln, um scharf den Gegenstand zu bemerken, auf den er abzielt." (Ende des Kapitels vom Nazariten.) Dieses Kapitel wird Ihnen eine Borstellrmg geben von der Gattung, zu der Kalila w’ Dimna“ gehört, und zugleich wird es Ihnen eine Idee von dem großen Einflüsse geben, welchen das Buch durch die Lieferung des Stoffes für die Bolkslitteratur gehabt hat. Denn die Geschichte des Nazariten, der den Honigtopf zerbricht, ist der Ursprung von La Fontaine's Perrette, die ihre Küchlein zählte, bevor sie ausgebrütet waren, wie Benfey im Eingang zu seinem „Pantschatantra" gezeigt und Max Müller in seiner reizenden Vorlesung über die „Wanderung der Fabeln" auseinander gesetzt hat, welche fast ganz „kalila w’ Dimna“ gewidmet ist. Und dieselbe Geschichte dieses Kapitels ist zugleich der Ursprung der weitberühmten Erzählung von Llewellyn und seinem Hunde Gellert, die von Benfey und nach ihm von Mr. Clouston über die ganze Welt verfolgt wurde. Ich tvill nicht läugnen, daß ich schlau genug gewesen bin, das Kapitel ausznhebe», welches den ungeheuren Einfluß der in dem Buche enthallenen Geschichten am besten bezeigt. Aber fast alle seine Erzählungen haben eine Reise gehabt und manche unzweifelhaft eine ebenso große als Pcrrette oder Gellert. Und noch einflußreicher ist die Form gewesen, in der die Geschichten niedergelegt sind. Sie kenne» die Methode, durch welche in „Tausend und Eine Nacht" eine Geschichte in die andere eingefügt ist, in derselben Weise, wie jene chinesischen Elfenbeiiikngeln, in denen andere, und in welch letzteren wieder andere enthalten sind, so daß es unbegreiflich erscheint, wie die hineingekommen sind. Dieser Plan eines Gerüstes, um eine Anzahl von Geschichten in einander aufzunehmen, wie er in Boccaccios „Decamerone"und von da ans in Chancers „Canterburyerzählungeii" und in anderen unzähligen Sammlungen sich findet, ist ursprünglich von „kalila w’ Dimna“ cnisgegaugcn, und indem ich den Ursprung des wichtigen Gedankens solch eines Gerüstes zeige, will ich eine Geschichte beginnen, die für mich interessanter ist als die von Perrette und Gellert oder andere, und das ist die Geschichte des Buches selbst, in der, wie sich zeigen tvird, Juden eine so bedeutende Rolle gespielt haben. Der Gedanke solch eines Gerüstes zur Aufnahme von Erzählungen wie viele der Erzählungen selber, kaut, auf den großen indischen Weisen und Heiligen, Gautama Sakyamuui, den Buddha, zurückgeführt werden, dem wir bereits in „Prinz und Derwisch" “ram “pan p begegnet sind. Kurz nach seinem Tode, der ungefähr auf 458 v. Chr. angesetzt wird, wurde eine Anzahl der moralischen Fabeln, die er erzählt und unzweifelhaft auch eine Anzahl solcher, die er nicht erzählt hat, als Jütakas oder buddhistische Geburtserzählungen gesammelt. Es sind dies Erzählungen, die von Buddha hcrrühren sollen, und angeblich die Erfahrungen enthalten, die er erlebt oder geschaut während einer seiner früheren Manifestationen auf Erden. Diese Manifestationen Buddha's sollen oft die Form von Thieren angenommen haben, und so begegnen rms viele Thierfabeln in den Jütakas, welche unzweifelhaft die Quelle mancher oder nach Ansicht Einiger aller unter dem Namen Aesops uinlanscndcn Fabeln darstcllen. Es ist klar, das; der Gedanke, alle Erfahrungen des Bhudva während