Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1893)
- Date
- 1893-11-03
- Page
- Seite 521 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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521 e Bibliothek, liia umfaßt, litterarischen chriften und - 1885 er- , sein erstes m der Rerch die um- Neuheit der ung erregte, ite belgische um deren etzung eine n lebhaftes aterlandes. niflente zu i in Scene s und ein Nachdem iden zurück, und seiner Werth zu öebeu nicht :de er von n für den irte vorgedieses auch hen Henry kteristisches Ernennung Was seine ohl wegen eiten vort noch ein as bittere Europas ie weil er , als eine che so viel Moralität ckreffenden von den mpfangen gniß dem der Türkei alterlichen Iren, wie iden kann, Busen des Testament, reift sind, re für die wachsen." e Straus >em Verve United theidiger von Plevna, vorgestellt, empfing ihn der Sultan ani 4. Juli 1887 in feierlicher Audienz und versicherte ihn, daß er sich über seine Wahl zum Vertreter Nord-Ainerikas sehr gefreut habe. Straus leistete in seiner Stellung seinem Vaterlande Dienste, welche allgemeine Anerkennung fanden. In der Türkei gab es nämlich außer vier oder fünf höheren Lehranstalten ungefähr fünfhundert amerikanische Schulen, von denen 68 seit acht Jahren ganz geschloffen und die Existenz der anderen schwer bedroht war. Es war das seitens der Türkei weniger Intoleranz gegen jene Schulen, als vielmehr Akt der Willkür der Gouverneure einzelner Provinzen oder der Lokalbehörden. Sobald aber eine Schule einmal geschlossen wurde, waren alle Bemühungen, sie wieder zu eröffnen, vergebens. Straus setzte es bei dem Großvezier durch, daß die geschlossenen amerikanische» Schulen wieder eröffnet und alle von der türkischen Regierung in ihren Schutz genommen wurden. Der Staatssekretär Blaine ermangelte nicht, ihm in voller Anerkennung seiner geleisteten Dienste im Interesse der Schulen, sowie der von ihm geförderten guten Beziehungen zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten den Dank in den wärmsten Worten auszudrücken. Es gelang ihm auch, von der türkischen Regierung Erlaubniß zu erlangen, türkische Bibeln und Traktate veröffentlichen und durch die amerikanische Bibelgesellschaft verbreiten, sowie Ausgrabungen in Babylon für die Universität in Philadelphia vornehmen zu laffe». Obgleich sowohl die amerikanische als auch die türkische Regierung sein Verbleiben ans dem Gesandtschaftsposten wünschten, nahm er doch nach zwei Jahren seinen Abschied. Bei seinem Scheiden wollte ihn der Sultan durch Verleihung des höchsten Ordens auszeichnen, eine Ehre, welche er als amerikanischer Gesandter, als Bürger einer Republik, dankend ablehnen mußte; hingegen verlieh der Padischah der Gemahlin des amerikanischen Gesandten den Schefekat-Orden, den höchsten Orden, welcher Frauen verliehen werden kann. Jede später an ihn ergangene Aufforderung, ins öffentliche Leben zurückzukehren, lehnte er entschieden ab. Dem Vaterlande und der Wohlfahrt der Stadt New-Aork widmet er nach wie vor seine volle Kraft. Als treuer Sohn des Judenthnms wirkt er zum Heile seiner Glaubensgenossen: er ist Trustee des Israelitischen Waisenhauses, des Baron Hirsch-Fonds u. A. in. Oscar S. Straus, dessen Vater, ein achtzigjähriger Greis, ein langjähriger Freund des verstorbenen Rabbiners Dr. Einhorn, Freund und Förderer der Wissenschaft, gehört verschiedenen gelehrten Gesellschaften an; bei der Konstitnirnng der amerikanisch-jüdisch-historischen Gesellschaft wurde er einstimmig zum Präsidenten gewählt. Ein eifriger Verfechter der Religionsfreiheit, über deren Entwickelung er bereits vor mehreren Jahren eine größere Abhandlung veröffentlichte, bearbeitet er jetzt das Leben Roger Williams, ein Werk, das demnächst erscheinen wird. U Brr den Taubstummen in Meistensee. Von Bernhard Traubenberg. Wenn unsere» Alten die Kunst bekannt gewesen wäre, die wie Naturfelsen fest lagernden Barrikaden zu sprengen, die die Pforten der Sprache auf ewig zu verrammeln scheinen, und so dem menschlichen Geiste freie Bahn zu brechen, sie hätten dieses Wunder nicht minder gepriesen, als jenes, den Blinden die in Nacht gesenkten Augen dem Hellen Lichte wieder zu öffnen. Ein modernes Kollegium der „großen Synagoge" hatte in unserem erleuchteten Jahrhundert gewiß nicht verfehlt, diesen Gefühlen i» einem Segensspruche warmen Ausdruck zu geben. Niemand wird sich des gewaltigen Eindrucks erwehren können, der die sonst von der Natur so stiefmütterlich behandelten Taubstummen glücklich und heiter wie andere Menschenkinder sieht, j Es gewährt eine wahrhafte Herzerquickung, den unsichtbaren! Zauberstab schwingen zu sehen, der den Mund, den stummen, öffnet! und dem Auge die Kraft und Fähigkeit des Ohres leiht. Es sind i wahre Zauberer, die diese Wunder verrichten, für ihren Beruf bei geisterte, hingebungsvolle Männer, Lehrer, die mit der technischen Bernfstüchtigkeit jene Sanftmuth und Geduld verbinden, die den Menschen erst zum höheren Wesen macht. Nur unter dieser sonnigen Liebe können die der Anstalt anvertrauten taubstummen Schützlinge aufthaue» und gedeihen. Die Stummen, die sich vereinsamt fühlen, weil sie sich nicht mittheilen und aussprechen können, waren von jeher finster und verschlossen, und wie freudig erstaunt war ich, als alle jene Bilder, die ich von den vernachlässigten Taubstummen im Kopfe hatte, wie leichte Nebel rasch zerrannen. Keine finstern Mienen, keine bösen Blicke, keine Züge, die der Meißel des Schmerzes gegraben hatte; nein, frohe Gesichter, leuchtende Augen, aus denen warmblütiges Leben und die Freude blitzte, kurz, eine muntere junge Schar, die dem beobachtenden Auge allein gewiß nicht sobald den fehlenden Sinn verrathen würde. Nur das Mädchen da hinten, mit den lieblichen Zügen, dem milden Farbenton der Wangen zeigt eine Schwermuth auf dem jungen Gesichtchen, die sich indeß zu linder Wehmuth löst, wenn es von heiterm Lächeln aufgehellt wird. Der melancholische Reif um die Augen giebt dem Kinde etwas unsagbar Trauriges; indeß ist dies Loreleygesichtchen keineswegs ein besonderes Merkmal taubstummer Schönen, so Mancher weiß zu sagen, wie die stummen, umschatteten Augen ganz beredter Evastöchter ihn in ihr Netz gezogen. Freilich soll es mich nicht wundern, wenn die Kleine da auf der letzten Bank einst ihren gehörbegabten Mitschwestern eine gefürchtete Konkurrenz bei diesem Einfangspiel bereiten wird. Zu diesen stillen Betrachtungen wurde mir aber nicht lange Zeit gelassen. Des Lehrers Fragen an die Kinder machten ihnen ein jähes Ende, und bald hatte ich Gelegenheit, die Verständlichkeit j der Antworten, die präzise erfolgten, zu bewundern. Die Antworten j standen jedesmal so sachgemäß zu der Frage in Beziehung, daß ich! mir immer wieder ins Bewußtsein rufen mußte: diese Kinder sind! eigentlich taub und haben das Wort nicht mit dem Ohre vernommen, sondern nur mit dem geübten Auge abgelesen. Der Zweifel, voll-! sinnige Geschöpfe vor mir zu haben, wurde erst ganz gebannt, als | der Lehrer sein Fragespiel mit den bloßen Ausdrucksmitteln der! Laute, ohne Kraft der Stinnne, fortzusetzen begann. Nun schien ich j einen Sinn weniger zu haben, denn aus der Stummen Antworten j konnte ich erst die Fragen errathen, die sie mit pfeilschnelleni Blicke den Lippen abgelesen hatten. Die Kinder wiesen ans den betreffenden Stufen einen ganz befriedigenden Stand ihrer Kenntnisse auf. Selbstverständlich fehlt unter den Unterrichtsgegenständen auch! das Hebräische nicht, und man hat seine helle Freude, wenn man die, die sonst auf der Stufe zwischen Thier und Mensch stehen blieben, das jüdische Bekenntniß in den uralten heiligen Lauten vortragen hört. Recht bemerkenswerthe, ja hervorhebenswerthe Leistungen zeigt der Handfertigkeitsnnterricht auf. Eine Fülle all' der niedlichen Sächelchen, die Gewandtheit, Geschick und Ausdauer in gleichem Maße bekunden, ist in dem Arbeitssaale aufgestapelt. Mit bewunderndem Wohlgefallen ruht das Auge auf all' den geschnitzten, gedrechselten, gehobelten und gellebten Gegenständen, die die jungen Hände allein gefertigt unter der treuen Anleitung erfahrener, kundiger Lehrer.