Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 43 (27.10.1893)
- Date
- 1893-10-27
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 n-Verein eßen schon ie Frankel, velches aus d, auf ein ngen durch getragenen rrrangirter ner Reis'", Quartett, Eifersucht", 13. d. M. z die Feier rß wurden argebracht. Gemeinde- . der Stadt chrung des Stadtvercktgehabten dienste des rr Bürgererr Städten. — Am ■ S ilberteil Gatten zutsbesitzer Vorsitzenden rg, Herrn Mark baar oraussichtlplatzes an verden. — ffessor Dr. ngen Vorei der Zuzsfeier des 15. d. M. und deren eingeladen, durch ein Mentors, :l Gemeinrs Lewaner Fleh'n" . Br. Dr. die geistige l 19, 2-4 t zu Gehör vom Pracher Zweck - zuerst in t Erdkreis :t wurdenwski komhielt eine x für den ud Wolff, llnd Form „gelegentgestattet.!ohlthätigctausenden den drei ^ogen des Besondern uch „ganz rn. Nicht enden wollender Applaus lohnte der Verfasserin, die selbst die „Wohl-! thätigkeit" darstellte, sowie den übrigen Darstellern die hierauf verwen-; bete Mühe. Bei dem sich anschließenden Festmahle und Festballe kamen! auch „Heiterkeit" und „Frohsinn" zu ihrem Rechte. Alles in Allem: es! war eine geist- und gemütherweckende Feier, würdig dem Andenken des : edlen „Henry Jones".! * Mainz, 22. Oktober. Gestern starb hier nach schwerer Krankheit! im 53. Lebensjahre der Rechtsanwalt Dr. Heinrich Wolfskehl. Er - gehörte zur demokratischen Partei und war Jahre lang Mitglied der j Stadtverordnetenversammlung, wie des Provinzialausschusses. Wolsskehl! wurde in Mainz vom Volke nur der „ehrliche Heinrich" genannt, und! diesen Namen verdient er; der Dahingeschiedene war ein reiner Charakter und von großer Herzensgüte. Heute fand das Begräbniß statt, an dem sich nicht nur die Kollegen Wolfskehls und seine Glaubensgenossen betheiligten, sondern auch der Oberbürgermeister Dr. Oechsner und! Provinzialdirektor Rothe als Vertreter der Regierung; Angehörige aller! Konfessionen befanden sich in dem Trauerzuge.! Köln, 22. Oktober. Eine traurige Nachricht habe ich Ihnen heute zu melden — einer unserer besten Mitbürger, ein Mann, dessen Name weit über das Weichbild unserer Stadt hinaus bekannt und beliebt , war, Moritz Nosenthal, ist am 20. ds. nach kurzen aber schweren Leiden gestorben und heute unter außerordentlicher Theilnahme der gesammten Gemeinde zur kühlen Erde gebettet worden. Moritz Rosenthal stand im kräftigsten Mannesalter. Sein Tod hat eine Lücke gerissen, die kaum wieder ausgesüllt werden kann. Seine unermüdliche Thatkraft, sein großer Eifer in allen Dingen, die das Judenthum betrafen, sein Geist und sein Geschick in der Behandlung derartiger Angelegenheiten, werden kaum zu ersetzen sein. Die Trauer über das Hinscheiden des allgemein beliebten und geschätzten Mannes, der in der Verwaltung unserer Gemeinde, als Präsident der Benai-Briss Loge, als Mitglied vieler humanitärer und religiöser Vereine, vor Allem aber in der Abwehr des Antisemitismus so Außerordentliches geleistet hat, ist eine allgemeine. Sein 'Andenken wird in seinen Thaten fortleben und von uns Allen hoch in Ehren gehalten werden. Er ruhe in Frieden! * kanten, 18. Oktober. Die Untersuchung in Sachen des hiesigen Knabenmordes ist wieder in vollem Gang. Seit mehreren Tagen weilt der Kriminalkommissar Rautenberg hier, der bereits einige Zeugen vernommen hat. In der letzten Nummer des Kreisblattes für den Kreis Mörs wird folgende Bekanntmachung veröffentlicht: „Es wird hiermit Veranlassung genommen, auf die unterm 11. August 1891 erfolgte Ausschreibung einer Belohnung bis zur Summe von 1200 Mk. für die Entdeckung der Thäterschaft des an dem Knaben Johann Hegmann zu Xanten am 29. Juni 1891 verübten Mordes, als noch in voller Geltung befindlich, wiederholt hinzuweisen. Unter Bezugnahme ans diese Auslobung ersuche ich daher dringend, jegliche zur Sache nur irgendwie dienliche Auskunft utk umgehend mittheilen zu wollen. Kleve, den 11. Oktober 1893. Der Erste Staatsanwalt: Baumgard." Oesterreich - Ungarn. CI Wien, 22. Oktober. Am Sonntag fand hier die Eröffnung der israelitisch-theologischen Lehranstalt in erhebender Weise statt.; Der schlichten Feier wohnte, wegen der beschränkten Räumlichkeiten, außer j Den Hörern der Anstalt und dem Kuratorium nur ein kleiner Kreis! geladener Gäste bei. Man bemerkte unter den Anwesenden die Mitglieder! des Rabbinats, die Lektoren der Bethamidrasch, viele. Mitglieder des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Bendiener als Delegirter der Prager israelitischen Kultusgemeinde, Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch u. A. m. Herr Oberrabbiner Tr. Güdemann legte in einem Vor-; trage die Organisation und Ziele derAnstalt dar, worauf Herr M. Karpeles, als Stellvertreter des erkrankten Präsidenten des Kuratoriums Herrn! Baron Königswarter, des Wohlwollens der Regierung gegenüber der : Anstalt gedachte und nach einem dreifachen Hoch auf unseren Kaiser,; welches die Versammlung begeistert ausbrachte, die israelitisch-theologische : Lehranstalt in Wien für eröffnet erklärte. Nun hielt der Rektor Dr.! Schwarz eine freie Rede an die Versammlung und an die Hörer der > Anstalt, in welcher er „Lernen und das Lehren" auf das Strebeziel in Israel pries. Herr Dr. Bendiener begrüßte im Namen der Gemeinde Prag die Anstalt mit freundlichen Worten, und viele telegraphische Grüße von nah und fern kamen an das Institut, das geräuschlos und würdig ins Leben getreten ist und hoffentlich zum Segen gereichen wird. — In meinem letzten Bericht sprach ich die Vermuthnng aus, daß jedesmal in jener Stadt sich eine Blutmärchenkomödie abspiele, in der der Abgeordnete Schneider vor kurzer Zeit geweilt — nun bestätigt er dies selbst, indem er im Reichsrath in einer Rede erzählt, daß er in Kolin und dann auch in Beraun gewesen sei. Die Folgen dieser Befilche waren klar zu sehen. In seiner famosen Rede verlangte er auch, „daß das Ausnahmegesetz in Prag für die Christen aufgehoben werde — dagegen für die Juden fortznbestehen habe." Selbstverständlich erregte dies nur die Heiterkeit des ganzen Hauses, und der Präsident Chlumecky sandte dem Schneider den betreffenden Antrag mit den Worten: „Geben Sie diesem Herrn den Antrag zurück." — Bei der Fundamentausgrabung für die neuen Hauser auf dem Grunde des Schwarzenberg-Palais wurde gestern ein interessanter Fund gemacht. Die Erdarbeiter förderten nämlich einen geborstenen Grabstein zutage, welcher eine hebräische Inschrift aufwies. Der Stein wurde der israelitischen Kultusgemeinde übermittelt, und wenn die Inschrift desselben auch noch nicht enträthselt wurde, so bestätigt sich durch den Fund doch die Annahme älterer Historiker, daß sich um das Jahr 1000 an der Stätte des alten Kärntnerthor-Theaters, wo jetzt das „Hotel Sacher" steht, der älteste Wiener Judenfriedhof befand, von dem aus offenbar der Stein einst auf seinen gegenwärtigen Fundort verschleppt wurde. — Seit einigen Tagen befindet sich Dr. Pino Maria Mortara, der Held der bekannten Taufaffaire, als Gast im Dominikanerkloster. — Zu Bezirksschulräthen wurden ernannt: Gemeinderath Dr. Friedjung, die Herren Salomon Beer, Rosenkranz und Baurath Stiaßny. — Der Kaiser hat ein Widmungsexemplar des in dem Verlag von S. Kende lKohn) erschienenen Werkes: „Ein Beitrag zur Zrinyi-Litteratur" für die kais. Familiensideikommißbibliothek angenommen. — Am 16. verschied hier der Regicrungsrath Herr Benedikt Bauer im 77. Lebensjahre. in. e. Lemberg, 19. Oktober. Am 5. d. M. wurde in Lemberg ein Reichsrathsabgeordneter an Stelle des zurückgetretenen Dr. Smolka gewählt. Es kandidirten der Redakteur des „Kuryer Lwowski", Henryk Rewakowiez, und der liberale Regierungskandidat, Hofrath Professor Pieutak. Die Juden, welche ein sehr bedeutendes Kontingent von Wählern stellen (1800 auf die Gesammtzahl von 0000 Wählern) entwickelten eine überaus eifrige Agitation zu Gunsten des Regierungskandidaten, trotzdem dieser, ebenso wie sein Gegenkandidat, zur Judenfrage keine entschiedene und aufrichtige Stellung zu nehmen versuchte und auf die diesbezügliche Interpellation in der Wählerversammlung ausweichend und unklar antwortete. Das hiesige Organ „Przyszlose" meint, es wäre am besten gewesen, wenn sich die Juden diesmal von der Wahl vollkommen fern gehalten hätten. Besonders unangenehm berührte ein in jüdischen Lettern gedrucktes Plakat von Dr. Smolka, in der der gewesene Präsident des Reichsraths die Juden zur Wahl Pieutaks auffordert, indem er meint: „jede Stimme, die zu Gunsten des Gegenkandidaten abgegeben werde, sei eine Schmach für das Judenthum." Das erwähnte Blatt meint mit Recht, eine solche Aeußerung im Munde eines Nichtjuden sei zum Mindesten taktlos. Es ist übrigens auch bemerkenswerth, daß unter den Interpellanten Professor Jägermann mit dem echt Ahlwardtschen Postulate herausrückte, man möchte die Juden unter Ausnahmegesetze stellen, worauf sich der von Juden so warm unterstützte Professor Pieutak mit der akademischen Erklärung begnügte, die Moralität sei nicht von der Rasse abhängig. Man kann schon bei wenig politischer Reife die Unaufrichtigkeit dieses Verhaltens merken. — Nach den letzten Zeitungsnachrichten hat Professor Eusebius Czerkawski sein Mandat als Abgeordneter von Tarnopol niedergelegt. Als sein Nachfolger wird der Lemberger jüdische Advokat Dr. Moritz Jekeles genannt. Die jüdische Einwohnerzahl Tarnopols beträgt nahezu die Hälfte der Gesammtbevölkerung. — Der bekannte Landtagsabgeordnete und Publizist Theophil Merunowiez veröffentlicht in der „Gazeta Narodowa" eine Leitartikelserie über die zionistische Bewegung und die Juden frage in Galizien, von welcher bis jetzt 27 Artikel erschienen sind. Merunowiez bespricht eingehend die Verfassungsverhältnisse der galizischen Juden, ihre religiösen Institutionen: die Rabbinen, den Religionsunterricht, und verlangt, daß der Staat im Sinne der Verfassung allein über diese Institutionen wache; die Cinflußnahlne der Kahals sei ungesetzlich. Natürlich hat der gute Mann auch Gelegenheit, die Weisheit wiederzugeben, die