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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-10-27 · Heft 43 (27.10.1893) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 43 (27.10.1893)
Date
1893-10-27
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 zu werden vermag, — so ist für den männlichen Theil der Jugend in niederen Schulen zum Mindesten derjenige Theil des Pentateuchs im Urtext als Lehrziel ins Auge zu fassen, der geeignete biblische Erzählungen, Glaubens- und Pflichtenlehren umfaßt, — im Uebrigen aber sind für Knaben und Mädchen mindestens die Haupttheile des Gebetbuches (1H£) als Unterrichtsgegenstand zu nehmen. — Leider reichte die Zeit nicht aus, dieses bedeutsame Thema erschöpfend zum Vortrage zu bringen. Ein gemeinsames, durch ernste und heitere Reden gewürztes Mahl, an welchem sich auch viele Nichtmitglieder der Stolper Gemeinde betheiligten, schloß den arbeitsreichen Tag. Der zweite Konferenztag wurde durch die erste Berathung der „Kommission zur Regelung der Verhältnisse zwischen Gemeinden und Beamten" begonnen. Nachdem Herr Dr. Goldschmidt über den vom D. I. G. B. gemachten Vorschlag, das Schächtfach vom Lehramt zu trennen, Bericht erstattete, kommt die Kommission zu dem Beschlüsse, daß es nöthig ist, für die kleinen Gemeinden einen Wanderlehrer anzustellen, wodurch es dann zu ermöglichen wäre, beide Funktionen von einander zu trennen. Es soll ferner angestrebt werden, einen Verband der Gemeinden des Rgbz. Eöslin zu bilden. Dieser Gemeindeverband soll, in Verbindung mit dem Vereine, eine aus Laien und Sachverständigen aus der Mitte des Vereins bestehende Kommission wählen zwecks Ueberwachung des Religionsunterrichts und zugleich behufs Regelung des Verhältnisses zwischen Gemeinden und Beamten. Die Kommission faßt folgende, von den Anwesenden angenommene Resolutionen: Von dem neu zu gründenden Bezirksverband Eöslin ist anzustreben, das; jeder Beamte a) nach einer Probedienstzeit auf längere Zeit, mindestens je 5 Jahre, angestellt werde; 1>) daß eine Pensionsberechtigung für jeden Kultusbeamten festgesetzt werde : <?> daß die Beamten bei ihrer Anstellung verpflichtet werden, einer Lebensversicherung resp. einer Hilfskasse beizutreten, zu deren Versicherungsprämie eine jede Gemeinde etatmäßig einen Theil beizutragen hat. — Tie freie Besprechung über allgemeine Vereinsangelegenheiten brachte einen lebhaften Gedankenaustausch bei den Mitgliedern hervor. Nachdem die Kasse revidirt und ordnungsmäßig befunden worden, wurde dem Rendanten Meper-Bütow Techarge ertheilt. Bei der Vorstaudswahl wurde der bisherige Vorstand durch Zuruf wiedergewählt. Als Ort der nächsten Versammlung, die im Herbst 1894 stattsinden soll, wurde Neustettin bestimmt, woselbst eine Lehrprobe: „Gebetübersetzen", Herr Rabbiner Tr. Josephsohn-Lauenburg abzuhalten übernahm. Besonderen Tank sprechen wir auch an dieser Stelle dem D. I. G. B. aus, der in zuvorkonnncnder Weise auch diesmal den Verein subven-! tionirte. — In dankenswerther Weise stellte die Verlagsbuchhandlung! Will). Jaeobsohn & Eo. den Vereinsmitgliedern eine Anzahl guter! Schulbücher zur Verfügung. Ter Schriftführer E. Meper-Bütow. Ua. Aus Schlesien, 20. Oktober. In Ratibor beging am verj gangenen Sonntag die dortige Friedensloge das fünfzigjährige Jubiläum der Mutterlogein New-Aork. — Ebenso feierte die Mamreh- Loge in Beuthen l Oberschlesien) am 15. d. M. das goldene Ordensfest in Schäfers Hotel. Ein von Herrn Br. Herwi gedichtetes, schwungvolles Festspiel gelangte zur Aufführung. — Das 25jährige Amtsj jubi l ä um gesegneter Lehrtätigkeit beging am jüngsten Montag Herr j Hauptlehrer Ros enbaum in Beuthen (Oberschlesien) zugleich mit drei! christlichen Kollegen. Die dortige Lehrerschaft beging den Tag durch ein j Fest im „Deutschen Hause". Außer den Jubilaren versammelten sich! des Abends eine Anzahl Freunde und Ehrengäste, darunter auch der! Ortsrabbiner, Herr Dr. Kopfstein, welcher in herrlichen Ausführungen j die Wichtigkeit, die ideale Höhe und die erfolgreiche Wirksamkeit des! Lehrerstandes pries. — Zu der Schuleiuweihung, welche die Stadtver- > waltung in Gleiwitz Herrichten ließ, war außer den beiden christlichen! Ortsgeistlichen auch Herr Rabbiner Tr. Münz eingeladen worden. Bei j der am 10. d. M Vormittags 8—10 Uhr stattgehabten Feier sprach auch j Herr Dr. Münz ein Weihegebet. — Am 14. d. M. verschied in Pleß im j hohen Alter von 89 Jahren die verwittwete Frau Gutsbesitzer Bertha! Friedländer, eine geborene Ratiborerin. Sie war eine allgemein hochgeachtete Dame. Bei der am darauffolgenden Montag stattgehabten Beerdigung hielt Herr Rabbiner Dr. Rau eine ergreifende Grabrede. — Anläßlich des 00jährigen Bestehens der Synagoge in Pleß spendete auch Herr Fabrikbesitzer Lob mann ans Berlin, ein geborener Plesser,! einen Kronleuchter. — Am 10. d. M. beging Herr Partikulier Abraham j K upnitzk p in Myslowitz seinen 80. Geburtstag. — Am Sonnabend i Abend voriger Woche feierte der israelitische Jungfranen-Verein in Laurahütte sein Stiftungsfest im Hüttengasthause. Ließen schon die Vorbereitungen seitens der Vorstandsdamen Fräulein Natalie Fränkel, Dora Perl, Jenny Fränkel, sowie des Vergnügungskomitees, welches aus den Herren Samuel, Salo Staub und S. Perl jun. bestand, auf ein gutes Gelingen des Festes hoffen, so wurden doch die Erwartungen durch die Leistungen übertroffen. Nach einem von Fräulein Brahe vorgetragenen Prolog folgte die Aufführung zweier von Herrn Dr. Gerstel arrangirter lebender Bilder, „Jakobs Himmelsleiter" und „Studio aus einer Reis'", welche allgemeinen Beifall fanden. Alsdann wurde noch ein Quartett, „Die Ki'lchendragoner", sowie ein Duett, „Kathinka oder blinde Eifersucht", dargestellt. Den Schluß bildete ein Tanzkränzchen. — Am 13. d. M. beging der Bankier und Stadtverordnete I. Böhm in Brieg die Feier seines 5 0jährigen Bürgerjubiläums. Aus diesem Anlaß wurden demselben von Freunden und Bekannten herzliche Glückwünsche dargebracht. Seitens der jüdischen Gemeinde erschien der Vorstand und die Gemeindevertretung, in deren Namen Rentier Sachs sprach. Von Seiten der Stadt wurde der Jubilar durch Vertreter des Magistrats unter Führung des ersten Bürgermeisters Herrn Heidborn und das Büreau der Stadtverordneten beglückwünscht. Bei dem im Hause des Jubilars stattgehabten Frühstück legte Herr Prediger Piorkowsky bie großen Verdienste des Jubilars um das Wohl der Stadt und der Gemeinde dar; Herr Bürgermeister Heidborn brachte ein Hoch auf den Jubilar aus, Herr Stadtverordneten-Vorsteher Gaebel toastete auf die Familie desselben. — Am Donnerstag starb in Breslau die in Kosel wohlbekannte Frau Silberfeld; sie ist ihrem erst am 22. September d. I. dahingeschiedenen Gatten gar schnell in die Ewigkeit nachgefolgt. — Herr Rittergutsbesitzer Julius Schottländer in Kleinburg bei Breslau hat dem Vorsitzenden des Verschönerungs-Vereins seiner Heimathstadt Münsterberg, Herrn Bürgermeister R. Jung, am 1. d. M. die Summe von 6000 Mark baar für Vereinszwecke überwiesen. Der ansehnliche Betrag wird voraussichtlich zur Anlage des seit vorigem Jahre geplanten Kinderspielplatzes an der Hedwigshöhe in unmittelbarer Nähe der Stadt verwendet werden. — Am 2. d. M. hielt der antisemitische Reichstagsabgeordnete Professor Dr. Förster in Bunzlau ini Saale des „Odeon" einen zweistündigen Vortrag über: „Der freisinnige (?) Antisemitismus als die Partei der Zukunft". Es waren ungefähr 150 Personen erschienen. P. M. Hamburg, 23. Oktober Zur 50jährigen Stiftungsfeier des U. O. B. B. hatte die hiesige Henry Jones I-Loge zum 15. d. M. in den großen Sälen der Erholung nicht nur ihre Mitglieder und deren Angehörige, sondern auch „Fernstehende" zu einer „Festloge" eingeladen, die sehr zahlreich besucht war. Eingeleitet wurde die Feier durch ein Vorspiel auf dem Harmonium und eine Eröffnungsrede des Mentors, Expr. Br. Deutschländer. Nachdem der Damen-Chorverein in Gemeinschaft mit dem Ehorverein von 1882 des unsterblichen Meisters Lewandowski komponirten Weihegesang „Zu Dir, o Herr, steig unser Fleh'n" gesungen, bestieg der Prediger der hiesigen Tempelgemeinde, Br. Dr. Leimdörfer die Rednertribüne, um durch ein Gebet der Festloge die geistige Weihe zu geben, worauf aus Haydn's „Schöpfung" der Psalm 19, 2-4 unter Harmonium- und Flügel-Begleitung von dem Chorverein zu Gehör gebracht wurde. Ihren Gipfelpunkt erreichte die Feier in der vom Präsidenten der Loge Br. Gustav Tisch gehaltenen Festrede, in welcher Zweck und Ziel der durch den in Hamburg geborenen Henry Jones zuerst in New-Aork begründeten und jetzt über den ganzen eivilisirten Erdkreis verbreiteten B'nei-B'rith-Logen auseinandergesetzt und erläutert wurden- Der gemischte Chor sang hierauf den von Professor Lewandowski komponirten Psalm 150, und der Vicepräsident Br. Hildesheim hielt eine kurze Schlußrede. Nach einer kleinen Pause wurde dann ein für den Zweck dieses Festabends von einer hiesigen Dame, Frau Gertrud Wolff, gedichtetes Festspiel zur Aufführung gebracht. Da Inhalt und Form dieses „Festspiels" auf mehr Anspruch machen können, als auf „gelegentlichen Dilettantismus", so sei eine kurze Inhaltsangabe hier gestattet. Vater Abraham steigt zur Erde nieder, um zu sehen, was „Wohlthätigkeit", „Bruderliebe" und „Eintracht", für die er schon vor Jahrtausenden die Saal ausgestreut, für Früchte getragen, und läßt sich von den drei personifizirten Genien dieser Tugenden erzählen, was die Logen des U. O. B. B im Allgemeinen und die Henry Jones-Loge im Besondern für Wohlthätigkeit, Bruderliebe und Eintracht, denen sich auch „ganz bescheiden" „Kunst und Wissenschaft" anschließt, gethan haben. Nicht

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