Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-10-27 · Heft 43 (27.10.1893) · p. Seite 509

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 43 (27.10.1893)
Date
1893-10-27
Page
Seite 509 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227986-3228030--50284-3271890
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

509 Satzes: „und ein ungeordhen Gewöhnzu Verfahren, ung Anderer fügen, weder inftigem voren noch durch i störe». Die chvoll. Ein stigen Sitten irdert. indem einführt, die ande auf die ntlichen Einist es, wenn en, welche in »r der Völker die Grenzen nie gefunden bei der Vergezeigt, daß »flikt sich Hai retung neben de ihre echte »cs Kultur- Ar Berlins, e Mädcheni» welchen und erzogen Interesse der lerung ihres deutlich viel r die Augen reiche unsere Konfessionen rund haben, en, sehen die in welchem auch in der gleich gestelll wlkerung zu hts zu thun. n will, muß md handeln, amentlich in adurch allein in unseren Beihilfe der - zureichend, m über sich, n Beziehung augedeuleten s liegt dies , welche an :it, theils in n Direktoren i zu machen, Bei aller Achtung vor den Motiven dieser Zurückhaltung erachte ich nie Thatsache doch als bedauerlich. Es reicht nicht hin, der Pflichttreue oer — soweit ich ein Urtheil wagen darf — glücklich gewählten Beamten zu vertrauen. Hier wie anderswo ordnet ein solcher weiter die ihm uuterstellte Anstalt nach bestem Ermessen; dann aber -ritt — namentlich schon in Folge des zunehmenden Lebensalters — ein Beharrungszustand ein, welcher gegen alle Neuerungen und die mit solchen nothwendig verbundenen Unbequemlichkeiten sich mehr oder weniger verschließt. Draußen geht die Welt weiter, drinnen ( leibt die Schule stehen. Der Vorsitzende des Kuratoriums könnte gerade deshalb, weil er sich nicht nur im Kreise der Schule und der mit ihr zusammenhängenden Personen bewegt, den Leiter auf das aufmerksam machen, was außerhalb dieses Kreises geschieht, verlangt wird, und bei dem Eintritt der Schüler in das praktische Leben sich als ein Mangel ergiebt. Die Schule ist nicht Selbstzweck, sondern Borbereitung für das Leben. Ein einsichtiger Leiter, welcher das Interesse des ihm äußerlich Vorgesetzten an der fortwährenden Besseung der Schule sieht, wird freilich nicht Alles immer ändern, auch meint er nicht durch staatliche Anordnungen schon gezwungen wäre, Naß zu halten; er wird aber auch nicht immer Alles beim Alten mssen. Trägt man Bedenke», einem Vorstandsmitgliede die erwähnte kontrole, welche viel Zeit tmd einige Kenntniß der Pädagogik er- 'ordert, zu übertragen, so bleibt nichts übrig, als einen technisch vor- - ebildeteu Pädagogen als ständigen Beamteti zu wählen und ihn mit der Ueberwachung und Berichterstattung zu betraue». Uugenüend ist, wenn die Leiter der Anstalten lediglich das, wofür sie eine Direktive wünsche», vortragen, Anderes aber nicht zur Sprache mnnnt, denn erfahrungsmäßig sehen die Menschen ihre eigene» -fehler nicht und sind jedenfalls abgeneigt, sie selbst ztir Erörterung tt bringe». Man könnte gegen meine Ideen einwenden, sie verriethen doch »te merkwürdige Vorliebe für einen Oberrabbiner und einen Oberchnlrath, und es sei zu verwundern, daß ich nicht »och einen Ober- Buirath und einen Provinzialstenerrath verlangte. Allerdings! tvenn ine Geschäfte einer Gemeinde so groß werde», daß sieben Herren int Ehrenamt — und mehr dürfen »ach dem Gesetze nicht gewählt werden — die Arbeit nur noch äußerlich, nicht aber sachlich und : on großen Gesichtspunkten aus zu bewältigen vermögen, dann Ueibt nichts übrig, als ihnen wie den Ministern besoldete Unter- ' aatssekretäre zur Seite zu stellen, man mag dieselben benennen wie man will. Auch ein Unterstaatssekretär der Justiz (ein Syndikus) Bitte meines Erachtens ein genügendes Arbeitsfeld, und ein solcher > hu in der Thal früher bei der Gemeinde angestellt; indeß zur Zeit (t er wegen der besonderen Zusammensetzung des Vorstandes, der t berwiegmd aus Juristen besteht, am entbehrlichste». Das Ehreni mt der Vorstandsmitglieder, welche doch nebenbei ihren Privatw schäften obliegen müssen, darf nicht durch die Arbeitslast erdrückt "erden; sie müssen freien Kopf haben, um die Uebersicht zu behalten 'mb rechtzeitig die Pläne für neue Unternehmungen und deren Grnnd-; tge zu entwerfen. Die Detailausführung muß angestellten, verantwortlichen Beamten überlassen werden. Unter Anerkennung der aufopfernden Thätigkeit der einzelnen .Nitglieder des Vorstandes habe ich einen sehr eindringlichen Wunsch im Interesse der Gemeinde auszusprechen. Da die beiden leitenden 'Körperschaften aus Wahlen hervorgehen und da dieselben Personen ermöge des Laufes der Natur nicht immer wirken können, so ist ein bewegliches Element in der Vertretung der Gemeinde von selbst .-geben. Sehr wichtig ist es, daneben ein ständiges Element zu haben, denn ein fortwährender Wechsel bringt Alles in Unordnung, wrdert nichts, was Zeit erfordert, um zu gedeihen, und erzeugt in den untergebenen Beamte» einen Mangel an Disziplin, da sie immer auf einen „neuen Herrn" hoffen können. Dieses ständige Element ist am besten in den Personen der Vorsitzenden der Kollegien verkörpert. Die Städte wählen ihre Bürgermeister auf zwölf Jahre, und wenn eine Verlängerung auf gleiche Zeit eintritt, so ist die Verwaltung fast ein Vierteljahrhundert ständig. Unsere Gemeinde hat sehr wohl daran gethan, den Vorsitz im Vorstände, so lange es anging, in denselben Händen zu belassen. Ich würde es sehr beklagen, wenn ohne Noth vorzeitig hierin etwas geändert würde. Trotz dieser meiner Ansicht möchte ich auf einen Mangel aufmerksam machen, der mir aufgefallen ist, und welcher, wenn er als vorhanden anerkannt wird, geändert werden kann. Mir scheint, daß der Vorstand die Bedeutung großer auf längere Zeit sich erstreckende Pläne unterschätzt, und in Folge dessen nicht selten genöthigt ist, im letzten Augenblicke Wichtiges eiuzurichten, das sehr wohl lange vorher erwogen sein konnte. Nothwendig ist freilich, daß man im Prinzip sich entschließt und dauernd die beschlossene Richtung festhält; die Abweichung je nach den Bedürfnissen des einzelnen Falles bleibt trotzdem Vorbehalten. Nicht um einen Vorwurf gegen irgendwen zu erheben, sondern um meine Ansicht zu begründen, möchte ich ein konkretes Beispiel geben. Wir haben eine Mädchenschule. Unter dem Ministerium Falk regte sich in der Vertretung der Gemeinde der Wunsch, diese konfessionelle Schule anfzuheben. Mit Mühe gelang es — in der Voraussicht, daß andere Zeiten kommen könnten, wie sie in der That gekommen sind —, die Schule wenigstens vorläufig zu erhalten. Doch wurde ihre dereinstige Aufhebung ins Auge gefaßt, kein Lehrer mehr definitiv angestellt und jeder derselben verpflichtet, falls es zur Aufhebung käme, eine andere Verwendung sich gefallen zu lassen. Allmälig ist die Strömung für die Erhaltung stärker geworden, aber es besteht noch kein festes Prinzip, ob die Schule aufgehoben, in ihrem gegenwärtigen Bestände erhalten oder vergrößert werden soll. Dies wirkt wiederum auf die Frage zurück, ob sie in dem gegenwärtige» überaus mangelhasten Lokale verbleiben oder in die Räume verlegt werden soll, welche für sie bereits in einem Neubau eingerichtet waren, oder ob ein neues Schulhaus an der einen oder anderen verfügbaren Stelle für sie errichtet werden soll. Nicht blos in diesen mehr äußeren Dingen, sondern auch in dem, was die Schule leisten und welchem Bedürfnisse sie dienen soll, ist kein klarer Grundsatz der Verwaltung zu erkennen. Soll sie überwiegend Armenschule sein, soll sie die Ziele der gewöhnlichen Kommunalschule oder die einer höheren Töchterschule verfolgen? Alle diese und andere Fragen bedürfen einer prinzipiellen Lösung, während seit Jahren immer nur eine eben dringende Frage ohne Rücksicht auf die anderen zur Erörterung kommt. Daher weiß Niemand recht, woran er ist, und doch bedarf es gerade für eine Schule der Stabilität. Nicht geringere Bedenken habe ich über die Verwaltung und Verwendung der Gemeindegrundstücke. Es fehlt an einem Plane. Fasse ich das Gesagte zusammen, so meine ich, daß die Behörden der Gemeinde sich ein Verdienst erwerbe» würden, wenn sie auf den bezeichneten Gebieten umfassende und weitaussehende Pläne entwerfen wollte», damit man das Ziel kennt, auf welches hingestenert wird, und danach sich bei den einzelnen Maßnahmen schlüssig machen kann, wenn namentlich der Vorstand die Schaffung der erforderlichen neuen Institutionen sich angelegen sein ließe, damit ihm dereinst nachgerühmt werden könne, wie viel Gutes während seiner Gestion geschaffen worden ist, wenn endlich eine wirkliche, nicht blos ökonomische Kontrole aller Gemeinde-Institute herbeigeführt würde, um die Probe auf das Exempel zu machen, ob die Erfolge den Opfern entsprechen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.