Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1893)
- Date
- 1893-10-20
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 ißten, wenn )ft ausgelegt »n und der sherrliche ankenvererselbst zur Saudberg äs Beitrag sraelitischen Ameise verigsanstalt el) Robert ieseu haben. )er hiesigen Schusses der rstenhändler -chächtungsgewünscht,; ihre Veretwa einem it schachten, Vorstellung te genöthigt alsdann in daß, wenn Häuser, die inrch Berlin um, dessen zu danken 1er in einer npetenz der ergebe sich früher von h gerichtet emühungen hsten Stelle sei, so bedem Ausbetreffende Innern gern die An- .'umsatz in genehmigte! Gemeinde achdem die i Professor das Haus Or. Hulisch ffenden in Gebäudes, rigkeit und mn richtete I. Meyer, e Mithilfe nfüh lenden rsorge für Konfession )r Sander- Festredners chülerchors Oerrn Dr. )er Schluß iten" und istlichkeit", ialistischen Propaganda wegen des Offizierranges verlustig gewordene Karl Leuthner den Dr. Lueger — und die Bezeichnung fand hohen Anklang und riesige Heiterkeit; aber selbst Lueger mit seinem ganzen Stabe konnte es in diesen Tagen nicht gelingen, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken Zu sehr hatte diese die Wahlreformvorlage des Grafen Taaffe in Anspruch genommen; das allgemeine Interesse begegnet sich nur darin und alles Andere wird zurückgedrängt. — Von der famosen Rede des „Stampiglien- Schn ei der" habe ich Ihnen Miltheilung gemacht, nun hat sich die Kremser Staatsanwaltschaft veranlaßt gesehen, gegen den Abgeordneten Schneider Borerhebungen wegen seiner kürzlich in der Versammlung der christlich-sozialen Antisemiten in Krems gehaltenen Rede einzuleiten. Bekanntlich hat Abgeordneter Schneider in dieser Rede von einem „Schußgeld" gegen die Juden gesprochen. Im Uebrigen ist es eine vielbemerkte Thatsache, daß, sowie der bekannte Meineidswerber und Stampiglienfälscher Schneider eine Stadt besucht, angeblich um für sein Programm zu agitiren, dort wenige Wochen später irgend eine Judenhetze ausbrichr. So haben wir vor Kurzem Judenkrawalle in Kolin erlebt, nachdem Ernst Schneider längere Zeit dort geweilt; man glaubte nämlich in Kolin, daß in dieser Stadt ein Ritualmord sich ereignet habe, was natürlich nicht wahr war. Kaum war es gelungen, der Exzedenten in Kolin Herr zu werden, als in Beraun, fast ohne jede Veranlassung, das Gerücht eines Ritualmordes sich verbreitete und zu Exzessen führte. Und natürlich so inte in Kolin hatte auch in Beraun wenige Wochen vorher jener famose Ernst Schneider einige Zeit geweilt und offenbar diesen Ritualmord ebenso präparirt, wie seinerzeit dte falschen Stampiglien. Die Abgeordneten Dr. Bloch und Dr. Pollak haben nun beit Ministerpräsidenten auf diesen Causalnexus aufmerksam gemacht und auf die Folgen einer jeden solchen Agitationsreise des Schneider an der Hand der Ereignisse in Kolin und in Beraun hingewiesen. Der Ministerpräsident zeigte sich über die Sache vollständig informirt und versprach, die Aufmerksamkeit der Statthalterei auf die berührten Punkte zu lenken. — Auch der Wiener „Ritualmärchen-Erfinder" taucht wieder auf, und zwar wurde gegen Paulus Meyer, welcher bekanntlich als Genosse des Pfarrers Deckert zu vier Monaten Arrest verurtheilt wurde, von der Staatsanwaltschaft eine neuerliche Untersuchung wegen Verbrechens der Majestätsbeleidung eingeleitet. — Bewegte Szenen riefen gestern bei Berathung der Ausnahmegesetze im Abgeordnetenhause die Ausführungen des Antisemiten Schneider hervor, der die Schuld an der Lage in Böhmen den Juden zuschob und das Märchen von der „rituellen" Ermordung einer Dienstmagd in Kolin durch Juden wieder auftischte, wobei ihn der Präsident zurechtwies. In Kolin habe ein Jude ein Glas Bier mit Christenblut bestellt. (Allgemeines Gelächter.) Schneider fuhr iu dieser Weise fort, worauf ihm der Präsident mit Entziehung des Wortes drohte. Schließlich beantragte Schneider, die Regierung sei aufzufordern, den Ausnahmezustand bezüglich der deutschen und tschechischen Christen Prags sofort aufzuheben, dagegen bezüglich der Juden aufrecht zu erhalten. Der Präsident erwiederte, er überlasse es der Beurthcilung der Abgeordneten, ob mit der Würde des Hauses die Stellung derartiger An-! träge vereinbar sei. Den Antrag selbst übergab Baron Chlumecky einem Saaldiener mit den Worten: „Stellen Sie den Antrag diesem Herrn zurück, da bei Lesung meritorische Anträge nicht gestellt werden dürfen!" Lueger beschwerte sich über den Ton des Präsidenten, dieser erwiederte schroff, er lasse sich von Lueger nicht Hofmeistern. ä. Budapest, 13. Oktober. Der Ministerpräsident Wekerle ergriff heute in dem Abgeordnetenhause die Gelegenheit, sich über die vielfach mißdeutete Günser königliche Antwort zu äußern. Die bezügliche Stelle seiner Rede lautet: „Ich gehe nun auf die der jüdischen Deputation gegebene königliche Antwort über und will hier — nachdem ich jüngst vergessen — auch auf die Erklärung des Abgeordneten Helfy antworten, wonach auch diese Antwort inkorrekt war. (Bewegung auf der äußersten Linken). Zwei Bemerkungen wurden hinsichtlich des Empfanges der jüdischen Gemeinden gemacht. Erstens, daß dieselben nicht unter den Konfessionen empfangen wurden ... Johann Hock: Nach den Feuerwehren! (Heiterkeit links.) Wekerle: Nicht nach den Feuerwehren, sondern nach den Munizipien in der Reihenfolge, wie stets bisher. Im vorigen Jahre bemerkte ein Abgeordneter, daß die Empfangsfolge beim König auf einem veralteten Schema basirt. Ich ging der Sache nach und überzeugte nrich, daß Verhandlungen angeregt wurden, auf welche Weise das bisherige Schema, den heutigen Verhältnissen und Anforderungen entsprechend, geändert werden könnte. (Eine Stimme auf der äußersten Linken: Unfruchtbares Versprechen!) Ich habe hier kein Versprechen gemacht und gebe auch kein Versprechen, daß ich etwa jenes Schema feststellen oder darauf Einfluß nehmen werde. (Zustimmung rechts.) Ich verspreche nichts, sondern da ich weiß, daß Verhandlungen im Zuge sind wegen Abänderung jener Reihenfolge, würde ich kein Argument finden, um eine fünfundzwanzigjährige oder ältere Praxis jetzt im Vorhinein abzuändern oder darauf Einfluß zu nehmen, nachdem dies bei der allgemeinen Abänderung ohnehin entsprechend gelöst werden wird. Der zweite Eimvnnd richtete sich gegen die königliche Antwort selbst. (Hört!) Auf die königliche Antwort habe ich nur die Bemerkung, daß dieselbe sozusagen eine Paraphrase jener Rede war, welche an seine Majestät gerichtet wurde. Wer jedoch hieraus die Schlußfolgerung ziehen will, als ob diese Regierung weiß Gott wie über die Judenschaft denken würde, der würde sich mit falschen Ideen tragen. Wir beabsichtigen nicht, jene Ansprüche, welche wir befriedigen wollen, jene Rechtsgleichheit, welche wir zur Geltung kommen lassen wollen, durch die Reihenfolge der königlichen Empfänge durchzuführen (Zustimmung rechts), sondern, wie wir dies bewiesen haben, durch unseren gemäß den Anforderungen der Zeit und des Liberalismus eingereichten Gesetzentwurf." (Stürmischer Beifall und Zustimmung rechts.) s. Bukovar, 12. Oktober. Am 1. d. M. weilte das kirchliche Oberhaupt der iu den Königreichen Ungarn, Kroatien und Slavonien wohnenden Serben, der Patriarch Georg v. Brankovics, in unserer Komitatsstadt Bukovar, um die restaurirte serbische Kirche einzuweihen. Nach der kirchlichen Feierlichkeit, zu welcher auch die Gemeinde und das Oberrabbinat schriftliche Einladungen erhielten, empfing der Patriarch die Deputationen und Vertreter der Konfessionen, Behörden, Aemter, Korporationen und Innungen. Nach der katholischen Geistlichkeit kam sofort die Reihe an die israelitische Kultusgemeinde, deren Führer der Oberrabbiner Dr. Julius Diamant war, welcher im Namen der Gemeinde eine schwungvolle Ansprache an den hohen Gast hielt. Sichtlich gerührt, stattete der hohe Kirchenfürst dem Redner wie dem Borstande seinen tiefsten Dank ab und ertheilte dem Oberrabbiner wie der Deputation als Zeichen seiner besonderen Hochachtung seinen Segen. Nach dem Empfange der Deputationen beehrte der hohe Gast mit seinem ganzen Gefolge unsere prachtvolle Synagoge mit seinem Besuche. Nachmittag gab die serbische Kirchengemeinde dem .Kirchenfürste zu Ehren ein Festdiner, zu welchem der Oberrabbiner und der Gemeindepräses offizielle Einladungen erhielten. Rußland. E-t. Moskau, 13. Oktober. Unsere Gemeinde wird von Tag zu Tag kleiner. Es sind jetzt kaum einige hundert Familien Israeliten in der zweiten Hauptstadt des russischen Reiches, und diese sind ausschließlich nur solche, die eine höhere Bildung genossen haben, oder Kaufleute der ersten Gilde. Unlängst wurde Herr Dr. Mose bei uns zum Rabbiner ernannt; zur selben Zeit wurden die Herren: Dr. Temkin in Jekaterinoslaw und Pucher in Riga zu Rabbinen gewählt. — In Bjalistok kaufte ein Jude von einem ihm bekannten Bauern einen Wagen Heu. Bei der Zahlung, als der Jude ihm 80 Pfennige, die der Bauer ihm schon lange schuldete, abziehen wollte, gerieth der Bauer iu Wuth und zerschmetterte mit einem Beil, welches er bei sich führte, den Schädel des Juden, der gleich eine Leiche war. — In Panimen, Gouvernement Kowno, überfielen zwei Bauern eine jüdische Familie Gelmann und tödteten den Vater. Auch der Sohn wurde mit Messern so zugerichtet, daß für sein Auskommen sehr wenig Hoffnung vorhanden ist. — In Anapolie, Gouvernement Wohlin, wurden 200 jüdische Häuser eingeüscherl. Türkei. if. Jaffa, 28. September. Die durch die Zionisten Hierselbst ins Leben gerufenen Knaben- und Mädchenschulen machen täglich immermehr Fortschritte. Die Lehrsprache ist, wie wir s. Z. schon berichteten, die hebräische, und es gewährt wahrlich einen belebenden Eindruck, die Knaben und Mädchen auf ihrem heimathlichen Boden sich in der Sprache ihrer Ahnen unterhalten zu hören — Außer den in den hiesigen Schulen üblichen Sprachen wird in dieser vortrefflichen vierklassigen Schule die hebräische Litteratur, Geschichte der Juden und die Elementarwissenschaften des Talmud und Schulchan-Aruch gelehrt. Der Plan,