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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-10-20 · Heft 42 (20.10.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 42 (20.10.1893)
Date
1893-10-20
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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In der letzten am 15. er. stattgehabten Repräsentanten - Versammlung verlas zu Beginn der Sitzung der Vorsitzende Herr Hermann Landsberger ein von der Israelitischen Gemeinde zu Wien eingegangenes Schreiben, in welchem der dortige Vorstand auf Grund einer von hier aus an ihn gerichteten Anfrage mittheilt, daß zum Hinablassen der Särge in die Gruft eine Maschine benutzt worden ist, die sich gut bewährt hat. Infolge eines zwischen den betreffenden Patentinhabern ausgebrochenen Streikes habe die Gemeinde jedoch seit einiger Zeit eine andere Maschine in Funktion gesetzt, über welche sie noch kein abschließendes Urtheil sich habe bilden können. Es wird sodann in die Tagesordnung eingetreten und die Versammlung bewilligt auf Antrag des Referenten Herrn Jsaae eine Summe von 750 dJl., um behufs Nurnmerirung der Erbbegräbnisse tausend Nununertafeln anzuschaffen. Durch die Nurnmerirung soll die Auffindung der Erbbegräbnisse erleichtert werden. Laut Bericht des Herrn Mannheimer werden 300 Mark bewilligt für die Ertheilung des Religionsunterrichts im Erziehungshause am Urban, woselbst augenblicklich fünf Knaben und ein Mädchen jüdischer Konfession sich befinden. Die 300 Mark sind bisher von der Waisenkommission bezahlt worden. Nach Mittheilung des Herrn Justizrath Meyer hat die Regierung die dahin Icuttenbe Abänderung der Paragraphen des Gemeindestatuts genehmigt, daß das Geschäftsjahr, das sich früher mit dem bürgerlichen Jahr gedeckt, nunmehr von Ostern bis Ostern läuft. Dementsprechend ersucht der Vorstand die Repräsentanten, sich damit einverstanden erklären zu wollen, daß der nächste Rechnungsabschluß sich bis zum 31. März 1894 erstreckt. Die Versammlung stimmt dem Ersuchen des Vorstandes bei. Der Antrag des Vorstandes auf Abänderung der allgemeinen Bedingungen bei Ueberlassung von Erbbegräbnissen, ein Antrag, der bereits die letzte Repräsentanten - Versammlung beschäftigte, ruft eine Inständige Debatte hervor, die schließlich mit der Annahme eines Vertagungsantrages endet, da bei der Fülle der verschiedenartigsten Meinungen und Anträge eine Einigung nicht zu erzielen war. Es handelt sich, wie an dieser Stelle z. Z. erwähnt, bei der Vorlage um die Genehmigung zur Aufstellung der Verkaufsbedingung, daß derjenige, der aus der hiesigen jüdischen Gemeinde ausscheidet, sein Anrecht, sowohl auf den Platz als das dafür gezahlte Kaufgeld verloren hat. — Eine geheime Sitzung folgte dieser überaus lebhaften Debatte. F. J. Berlin, 10. Oktober. Heute Vormittag 10 Uhr fand die Eröffnung des Wintersemesters der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin" Lindenstraße 48 50 (Lindensynagoge) statt. In beredten Worten gedachte der derzeitige Dekan Rabbiner Dr. Maybaum des int vorigen Semester verschiedenen Dr. Cassel und bedauerte, noch keine neue Lehrkraft zum Ersatz gefunden zu haben. Alsdann kündigte Dr. Joel Müller seinen Lehrplan an. In begeisterter halbstündiger Rede empfahl dann Professor Dr. Lazarus den versammelter! Hörern gründliches Studium der hebräischen Wissenschaften. „Ehe lückenhaft," sagte er, „ist besser, gar nicht zu studiren." — Rabbiner Dr. Maybaum wird in diesem Semester „Midraschlektüre, das hohe Lied", „Homiletische Uebungen" und „Alte hebräische Kommentare zun: Pentateuch" lesen. Professor Dr. Steinthal liest „Ethik". Dr. Joel Müller dozirt: „Talmud statarisch", „Talmud kursorisch", „Mischnah Naschim", Jore Deah", „Orach Chaim", „Geschichte der Liturgie", „Geschichte der Responsen des Mittelalters" und „Hebräische Stylübungen". — In der Beitel Heine Ep hraim'schen Lehranstalt, Oranienburger-Straße Nr. 87 I. Tr., lesen vom 19. Oktober d. I. angefangen (gratis): Herr Dr. Steinschneider: Einleitung in die jüdische Litteratur des Mittelalters. 1 Std. wöchentlich. Neuhebräische Schriftsteller. 2 Std. — Herr Professor. Barth: Ausgewählte Kapitel der vergleichenden Grammatik des Hebräischen. 1 Std. Arabische Historiker. 2 Std. 22 Berlin, 10. Oktober. Zur Feier des fünfzigjährigen Stiftungs- : festes des t. O. Benai Briss fand am 14. d. M. in den Räumen der Philharmonie ein von den vier hiesigen Logen veranstalteter Festakt statt, der auf die überaus zahlreiche Zuhörerschaft — etwa 2500 Personen — einen Liefen Eindruck hervorgebracht hat. Das Fest wurde mit einem j Orgelprüludium von F. Grunicke eröffnet. Dann folgten der Prolog von F. Wagner und der 23. Psalm, wie alle folgenden Gesangsstücke von dem Chor der Reformgemeinde unter der vortrefflichen Leitung seines Dirigenten, des Herrn Prof. Breslauer, vorzüglich ausgeführt. Hierauf die eigentliche Festrede, gehalten von Herrn Tr. Gustav Karpeles. Nach einem Zwischenspiel für die Orgel sprach Herr Rechtsanwalt! Timendorfer über die bisherigen Leistungen des Ordens auf allen Gebieten seiner Mission. Wir hoffen, aus diesem interessanten Expose demnächst das Wichtigste bringen zu können. Hieran reihten sich ein Solo ' (Psalm 41), gesungen von Herrn Franz Rosenthal, und zwei Ansprachen! der Herren L. E. Sachs und Dr. H. Hildesheimer. Mit einem die Aufgaben des Ordens resumirenden Schlußwort des Präsideuten der Groß- ■ löge, des Herrn Dr. Maretzki, und deni Halleluja von Lewandowski 1 schloß der ernste Theil der Feier, dem sich daun noch ein fröhlicher Fest-! ball anreihte. Die hiesigen Logen haben durch diese wahrhaft würdige | Feier ein Zeugniß ihrer Bedeutung abgelegt, das sicher seine Friichte : tragen wird. Möge der Orden noch lange blühen und zum Heil des Judenthums wirken! * Berlin, 17. Oktober. Am Sonnabend starb einer der bekanntesten Aerzte Berlins, Sanitätsrath Dr. Badt. Er gehörte zu den Aerzten alten Schlages; nicht in dem Sinne, daß er seine Würde durch barsches Wesen zu betonen suchte, sondern durch volle Hingabe an seinen Beruf, in welchem er Gelegenheit zur Bethätigung seiner Menschenfreundlichkeit suchte und reichlich fand. Badt hat es ans 77 Jahre gebracht.! Bereits 1890 beging er sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. Er hatte | seiner Zeit in Berlin mit einer Abhandlung über die Symptomatologie! der Nierenerkrankungen den Doktortitel erworben. Die ärztliche Praxis übte er seit 1841 aus.! * Berlin, 17. Oktober. Dr. jnr. Karl Bernstein, o.ußerordentl licher Professor für römisches Recht an der Berliner Universität, hat sein; Lehramt niedergelegt, eine Nachricht, die Alle, welche das geistige und! humanitäre Wirken dieses vortrefflichen Gelehrten kennen gelernt haben,! mit großem Bedauern vernehmen werden. . l<v Berlin, 15. Oktober. Bezüglich der in vorletzter Nummer der! „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" gebrachten Notiz über die! Schließung der Synagoge der Gemeinde „Sehochare tob“! werden wir von dein Prediger der Gemeinde Herrn Dr. Marens Petuj chowski ersucht, unsere werthen Leser auch von der am 2^1. September er.! erfolgten Wiederfreigabe derselben zu unterrichten. Am 24. September —! am Vorabende des Laubhüttenfestes — war oer zweite Ausgang sertiggestellt j worden und wurde daher die Synagoge, nachdem die Abnahme durch j die Baukommission erfolgte, dem Publikum wieder frelgegebeu. j L2 Berlin, 10. Oktober. Wir werden darauf aufmerksam ge-! macht, daß ein gewisser Samuel Kohn oder Kahn, angeblich „Lehrer",! die öffentliche und private Wohlthätigkeit auf Grund eines Zeugnisses des Herrn Oberrabbiners von Colmar, Isidore Weil, brandschatzt, welches Zeugniß aber, wie der genannte Herr miltheilt, gefälscht ist. H. B. Schneidemühl, 15. Oktober. Auch in unserer Gemeinde wird nächstens ein „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" begründet werden, Vorbereitungen dazu sind tut Werke. Der in dem eben jetzt fertig gestellten Gemeindehause betegeue Saal bietet noch mehr Gelegenheit zur öfteren Vereinigung der Gemeindemitglieder und ist ein passendes Lokal für alle Vereine. Sehr häusig sind auch Lokalschwierigkeiten der Gründung von Vereinen im Wege; diesem Uebelstande ist hier durch den Neubau des Gemeindehauses abgeholfen.

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