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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-10-20 · Heft 42 (20.10.1893) · p. Seite 501

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 42 (20.10.1893)
Date
1893-10-20
Page
Seite 501 (sequence 11)
Language
German
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501 iett haben!" ine-Rabbeh" n mich ge- und gesund, l, ich bin in s wollte ihn wußte keine llutter, „ich legen gehn." >es Sohnes. Zatec zurück en muß er aufwecken, schon am as soll ich auf. Der I es ist ja hätt' lieber l) da mehr? ,n ja, man ir höchstens verschlafen? jung" (ein i ja jeden war jedoch Aber in als sie ihm n sonst so : gläsernes igslos lag >s sich ihr schien unn mit Dir iel Fassung h zu ihm tier, warf ige sie an Zähren, so rsache des leben, was ung folgt.) Wie mein Urgroßvater meine Urgroßmutter bekam. Nach den Berichten seiner Mutter erzählt von Gustav Eichengrün. (Schluß.) »Ja so, ganz so blickt mich auch der Markus an, so hat er mich angesehen, als er gesagt: Du bist meine Rebekka. Sie nahm die Hand der Mutter in die ihre und streichelte sie sanft. „Nun müßt' Ihr auch nicht mehr klagen, lieb Mütterchen! Seht, der Markus war Euer, ehe er ins Gefängniß kam. Dort wurde er erst mein. Daß er leiden muß, schmerzt mich so gut wie Euch. Doch ich weiß es, daß die Strafe ihm nur zur Strafe wird, wenn er weiß, daß Ihr Euch grämt. Wie kann auch sonst das Gefängniß für ihn Strafe sein? Hat er doch nichts verbrochen? Nicht, Mütterlein, drum wollen wir sein Schicksal mit Geduld ertragen! Wißt Ihr, was mein Vater immer sagt: Die mit Thränen säen, werden in Freuden ernten. Seht, wir Alle, Ihr und der Markus und ich — wir Alle haben mit Thränen gesäet . . ." „Du gesegnet Kind! Wenn ich Dich so sprechen höre, dann mein ich, der liebe Gott hat mir ein Engelein gesandt, das inir Trost bringen sollt. . . . Wie sie Dich wohl zu Haus entbehren, mein Kind! Haben Dich denn Vater und Mutter gern ziehen lassen?" „Warum denn nicht? Was hat denn jene Ruth gethan, als ihre Schwiegermutter ins Elend gekommen ist? Sie hat Heim und Vaterland gelassen und ist in die Fremde gegangen und hat für die alte Naami gearbeitet, sie gehegt und gepflegt! So Hab ich zu den Eltern gesprochen. Da haben mich Vater und Mutter geküßt und ich sah eine Thräne in ihren Augen schiminern." „Du bist auch eine Ruth, ja, so wie Du muß sie gewesen sei», so fromm, so gut." „Für Euren Markus bin ich noch lauge nicht gut genug; er ist besser noch als Boas." — Die Mutter lächelte über den Einfall Rebekkas. „Doch nun, gute Mutter, Ihr strengt Euch mit dem Sprechen zu viel an, sucht zu schlafen, das macht Euch gesund!" Bald schlief die alte Riwke. Schlaf ruhig, Mutter, ein Engel hält an deiner Seite Wacht, daß dein Fuß an keinen Stein stoße. Rolf war einige Zeit verreist. Er hatte Schafe im Bergischen kallfen wollen, hieß es. Des Abends nach seiner Rückkehr kam er zu Tüns. Dieser ging mit ihm wieder den steilen Garten hinauf zuin Waldessaum. Furchtsam spähten sie nach allen Seiten. Sie bogen das Buschwerk auseinander. Niemand war zu sehen. „Nun?" fragte Tüns leise. „Ausgezeichnet ging's," gab Rolf in kaum vernehmbarem Tone zurück, „wenn Du fünf Jahre Schweine schlachtest, hast Du nicht so viel verdient, als an dem Abend. Ich habe die Gefäße in einen großen Klumpen zusammenschmelzen lassen und sie in Hamm verkauft, der silberne Reliquienkasten steht gut verwahrt in einer Kiste im Keller." Er holte eine schwere Geldbörse aus der Tasche. „Das ist Dein Theil," sagte er. „Muß mehr sein," behauptete Tüns. „Schrei nicht so," mahnte Rolf. „Ich sag Dir, es muß niehr sein, Du betrügst mich!" „Bei Gott, ich habe redlich getheilt." „Ob Du schwörst oder nicht, ich glaub's nicht, gieb mir noch was, auf hundert Thaler mindestens besteh ich noch." ' „Hier hast's," rief Rolf zähneknirschend, „es gebührt Dir nicht, > aber Du hast damals zuerst den Einfall gehabt, drum sollst Du hundert Thaler mehr bekommen." j Rolf warf ihm noch hundert Thaler hin. Grinsend hob sie Tüns auf und steckte sie zu sich. Sie wollten zurückgehen. „Noch eins, Rolf," sprach Tüns plötzlich, „Du bist ein leichtsinniger Mensch, thu nicht prahlerisch mit dem Geld, leb so weiter,! wie Du bisher gethan. Bist Du in Deinen vier Wänden, so kannst wohl einen mehr trinken, aber im Wirthshaus nimm Dich in Acht, man kann nicht wissen." „Du Narr," sprach Rolf, „ich brauch Deinen Rath nicht, weiß , selbst, was ich zu thun habe." Das schien Tüns z» befriedigen. Rolf fuhr fort: „Ich merk aber, Du bist ein Hasenfuß geworden. : Wer denkt an uns? Keiner. Und gingst Du hin und trügst das; Kreuz offen über die Straße, sie sagten doch: „Der Jude ist der Dieb." „Hier kannst Du Recht haben," sagte Tüns, und zufrieden gingen; Beide auseinander.; 9 i Tüns war seit einiger Zeit noch unwirscher zuhause gewesen, als er vorher war. Früher hatte er noch wohl eine gute Stunde, mit Bekannten scherzte er zuweilen, aber seit einiger Zeit schien eine Veränderung mit ihm vorgegangen zu sein. Nur mit seinein Töchterchen unterhielt er sich noch oft. An einem Sonnabend, als er Feierabend gemacht hatte, nahm er das Kind auf seinen Schooß und plauderte mit ihm. „Vater." sagte das Kind, „Kamps Dörtche» hat gestern gesagt, wenn die Menschen gestorben wären und schon in der Grube lägen und schon ganz, ganz todt wären, dann kämen sie oft noch wieder und spukten. Die guten Menschen spukten nicht, nein, aber die bösen, die gelogen und gestohlen und betrogen hätten, die hätten keine Ruhe im Grabe. Sie müßten so lange Oual leiden, bis die Sünde wieder gut gemacht sei. Ist das wahr, Vater?" „Nein, Kind, nein, es ist nicht wahr, nein, nein," fuhr er das Kind an, seine Knie schlotterten, schnell setzte er es zur Erde, „geh zu Bett, Anna, geh, geh." Das Kind wußte nicht, wie ihm geschehen, hatte es etwas Unrechtes gesagt? Tüns ging schnell im Garten ständig um ein Beet herum, stier richtete er seine Augen auf einen Punkt, es war ihm heiß, es war! ihm, er wußte nicht wie. Plötzlich stand er still, schlug sich mit der; Faust ans die Stirn und sprach laut: „Dummes Zeug, todt, todt, wer todt ist, ist todt!" Er reckte sich hoch auf. Ein Glühwürmchen tanzte vor ihm her. „Was ist das? Bist Du vielleicht ein Geist der im Grabe nicht Ruhe findet? Was hast Du gethan? Hast Du auch die Kirch' best-?-Ha, ha, ha," lachte er auf, „Rolf hat Recht, ich bin ein Hasenfuß." Er wollte das Glühwürmchen fangen, es gelang ihn, nicht; schnell umkreiste es ihn. „Bist wohl der Teufel selbst?" knirschte er. Rasch verließ er den Garten, suchte; das Schlafgemach auf und legte sich zu Bett. Seine Frau war schon eingeschlafen. Er weckte sie. „Marie," rief er sie an, „hast auch zu Nacht gebetet?" „Ja," sagte sie und sah ihn erstaunt und erschreckt an. Sie wollte wieder einschlafen. „Schlaf nicht, mir ist so heiß, so kalt, ich weiß nicht wie, brr!" Er zog sich die Decke über den Kopf.! „Ich will Dir Hollunderthee kochen, dann wird es Dir besser." „Nein, nein, bleib liegen, bleib hier, es wird schon anders werden." Er ergriff ihre Hand und legte sie auf seine nasse Stirn.

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