Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 42 (20.10.1893)
- Date
- 1893-10-20
- Page
- Seite 499 (sequence 9)
- Language
- German
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499 ten, warum, die sich mit wenig von Tylor und nt bewiesen, en, die Verte menschenener rohein en dümmste» e der Ruhm iationen des tleußerungen Grund aus er in einer >, aus dem c den Füße» m es rund daß, wenn, Gelegenheit arn zu deren biblischen doch manche e in litteraen alle Zeit lebten, auf- , sich angedie Ueberihrer Uinssprache von litterarische Verkehr im Uebersetzerdie Volkslische Ueberimerksamkeit ist ein sehr wm zweiten >ge hinwies, »d in jede anne ist es beherrschen, wir Alle er- <erfe§ seines Sie Alle -druck gebt, möge, das sehen. Ich steles, was md „Volksdarf, daß kleinigkeiten Auge entder Volksingeschränkt ischen dem, nini) und Sammlung Volksmärchen, nachdem sie durch mehrere Hände gegangen, in die! Hände von Juden gelangt und von ihnen übersetzt wird, aber nicht j wieder aus dem Hebräischen oder Jüdischdeutschen hervortancht, so j nenne ich solche Fälle Endstationen. Es sei mir gestattet, auf zwei j oder drei Fälle von dem, was ich eigentlich sagen will, hinzuweisen, j obgleich es leicht wäre, eine ganze Vorlesung mit Beispielen zu füllen. Eine der interessantesten Heiligenlegenden des Mittelalters war die von dem weisen Barlaam und dem Fürsten Josaphat. Dieser! Josaphat, beweist Liebrecht, war kein Geringerer als der große i indische Religionsneuerer Buddha oder Bodisat, und dieser Legende i zufolge ist Buddha also, wie gezeigt wird, kanonisch erklärt und zu einem Heiligen der katholischen Kirche gemacht worden. Nun ist weiterhin von Steinschneider gezeigt worden, daß Abraham ibn Chisdais „Prinz und Derwisch" (Tüm “jbön p) nichts Anderes ist als eine poetische Uebersetzung der Josaphatsage, die aber, bis vor j einigen Jahren, wo Dr. Meisel sie ins Deutsche übersetzte, in keine i andere Sprache überging, so daß ihr keinerlei Einfluß auf die Verbreitung der Legende von Indien nach Island zuzuschreiben ist; sie blieb, so wie sie hineingekommeu, eine hebräische Erzählung, und dies erklärt meine Bezeichnung Endstation. Nehmen wir aber ein näherliegendes Beispiel für einen solchen TerininriS, d. h. Endstation. Eine j der bekanntesten englischen Romanzen ist die von „Sir Bovis von Southampton"; sie ging ins Französische, von da unter dem Namen „Bovo von Ancona" ins Italienische über und wurde schließlich als Phantasiefutter für manche jüdische Jungfrau in Deutschland als „Bovobuch" ins Jüdisch - Deutsche überseht, von wo sie nicht weiter kam; sie hatte hier ihre Endstation erreicht. Weder dieser, noch manche andere Fälle können somit als Beispiele für die Verbrcitrmg der Volksmärchen durch die Juden angeführt werden, und darum müssen wir uns endlich nach diesen laugen, und wie ich fürchte, ermiidenden Präliuriuarien zu den Beispieleir dessen wenden, was ich j als „Anschlüsse" (junctions) bezeichne; wenn nämlich der Zug der! Ueberlieferuug durch die jüdische Station hindurchgeht und vielleicht j einige Extrapassagiere mitführt, in Wahrheit aber derselbe Zug ist, i der von der Ursprungsstation ausgegangen. Inwiefern ich dies i behaupten darf, bestehen diese jüdischen Anschlußstationen aus fünf j Büchern: 1. der Diseiplina Clericalis des Petrus Alfonsus; 2. der Uebersetzung der Alexandreide von Siinon Seth, wenn diese meine Entdeckung sich wird erweisen lassen; 3. den verschiedenen jüdischen Fabeln Bidpais, unter dem Namen „Kalila wa Dimna“ bekannt; 4. den Sprüchen Sendabar (Mischle Sendabar) des R. Joel und 5. Johannes Paulis „Schimpf rmd Ernst". Zweifelhaft ist dieser Anschlußcharakter nur von zweien dieser Bücher; das erste ist nicht groß, das letzte etwas spät. Aber die Fabeln Bidpais sind unzweifelhaft solche jüdische „Anschlüsse", und i zwar gar wichtige, da eine Schule von „Folkloristen" deir ganzen j Stamm der europäischen Märchen auf dieselben zurücksührt. Ich bin! jüngst damit beschäftigt gewesen, eine Ausgabe von Sir Thomas j Norths Uebersetzung der Fabeln Bidpais, die bald erscheinen wird,! zu veranstalten, und dies mag mich entschuldigen, wenn ich den größeren Theil meiner Aufmerksamkeit auf diese Sammlung richte; ihre Wichtigkeit verdient es, ganz abgesehen von meinem persönlichen Interesse an dcnr Gegenstände. Doch will ich die fünf Bücher nach der Reihe behandeln, wie ich sie genannt habe. (Fortsetzung folgt.) d FEUILLETON Ner Schatten. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) Es war eine ungewöhnlich milde Spätherbst-Nacht. Der nach rechts gebogene Halbmond goß von dem klaren, heitern Himmel ein rieselndes Licht herab, und die Schattengebilde auf der Erde verrannen leicht in einander. Als aber einige Streifen am östlichen Himmel als Vorboten des grauenden Tages erschienen, da wurde es empfindlich kalt, und die Dors-Randare, welche von den umliegenden Dörfern eben jetzt nach dem Städtchen fuhren, hatten wohl daran gethan, ihre Pelze nicht zu vergessen; es ward ihnen winterlich zu Muthe und sie hüllten sich desto besser in die wärmende Kleidung ein. Bieljährige Erfahrung hatte sie die Vorsicht gelehrt, der Freundlichkeit eines Spätherbst-Tages oder einer Spätherbstnacht nicht leichtgläubig zu vertrauen. Was mag aber in dem Städtchen heute Morgens Vorgehen, daß sie von den umliegenden Dörfern sich so beeilen, zur rechten Stunde einzutreffen! Ist es etwa ein Randaren-Konvent? und so zeitig, lange vor Sonnenaufgang? Es ist allerdings ein Konvent, aber nicht ein Randaren-Konvent, es ist vielmehr eine Art von Tagsatznng, eine große Gerichtsverhandlung, und zwar die Schlußverhandlung, bei der die Urtheile unwiderruflich gefüllt werden — es ist der schon oben genannte Festtag „Hoschanohrabboli.“ Der sündige Mensch lebt das Jahr hindurch leichtsinnig in den Tag hinein und fröhnt den Begierden seines Herzens, ohne den Blick zum Himmel zu erheben. Aber oben über jenem blauen Gewölbe schwebt ein allsichtbares Auge, ein allwissender Gott. Er verzeichnet in ein großes Buch die Handlungen und Gesinnungen der Mensche», denn ihm, der Herz und Nieren prüft, ist auch das Verborgenste offenbar. Vier Wochen vor dem Neujahrsfeste, am ersten Tage des Monates Ellul, beginnt mau in der Synagoge den „Schofar" zu blasen. Die christlichen Landbewohner, die es hören, meinen, die Juden blasen den Winter herbei; sie irren, der Schofarklang ist die erste Mahnung zur Vorbereitung für den nahenden Gerichtstag. Bier Wochen sind verstrichen, und der furchtbare Tag ist da. Nun hüllen sie sich in ihre Sterbegewänder und versammeln sich im Hause des Herrn in Buße und Zerknirschung, um sei» Erbarmen anzurufen. Der Allmächtige sitzt als Richter auf seinem erhabenen Throne, vor ihm liegt aufgeschlagen das große Buch der Schulden. Der Name eines Jeden ist darin verzeichnet, Keiner ist vergessen, groß und klein, arm rmd reich; vor ihm gilt teilt Ansehen der Person, nach seinen Thaten, nach seinen Gesinnuirgen wird der Schuldige gerichtet. Neben ihm stehen zwei dienende Geister, der „Kateger" und der „Saneger". Jener ist der Ankläger, der Staatsanwalt des Himmels, der die schwere Schuld jedes Einzelnen irr ihrer ganzen Häßlichkeit darstellt; dieser aber hat das schönere Amt der Vertheidigung, der Fürsprache, und er ruft die Gnade Gottes an, wo die Gerechtigkeit nicht mehr schonen könnte. Nun werden die verschiedenen Bücher hergetragen, und in diese werden die göttlichen Urtheilssprüche eingeschrieben. Hierin wird verzeichnet über Leben lind Tod, wer durch's Schwert wer durch Pest, wer durch Hungersuoth umkommen, wer in Gefangenschaft und wer in Armuth leben soll; Jedem wird heute, am großen und furchtbaren Tage des Gerichts, sein Urtheil gesprochen. Noch ist aber dieses Urtheil, wie hart und strenge es auch lauten mag, nicht unabänderlich, denn der Gott des Gerichtes ist auch ein barmherziger Gott. Es beginnen mit diesem Tage die zehn Tage der Buße, und in dieser Zeit zeigt es sich, ob der Mensch von seinen