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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-10-20 · Heft 42 (20.10.1893) · p. Seite 495

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 42 (20.10.1893)
Date
1893-10-20
Page
Seite 495 (sequence 5)
Language
German
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hren, welche •bet Ihr für zegen lieberes Leids und as Erlernen uckes zu be- Jhr werdet rben: Wozu e Kenntniß ^rgleichlichen .uempfinden, neinden das aiß in Euch n Länder — ngen. der Schüler Allein wir - und Vorcht, daß sie ren geistigen sen erreichen Religions- >en Anlialen diese Schule währen und walte Gott! tiefen Einbestieg der Zeiße, das hrten Herrn Gemeindeden innigen e Propheten Liebe üben;end höhere r Zeit, wo ist, wo die rgt werden, werden, im soll. Wer ster Jugend fen allezeit, n zu halten;ale, wollen >u pflanzen int Glücke oerer Zei! mg, die ena ben lernen,?r Allvater nd Mensch, m und von die Jugend m in Liebe, m zwischen ch sei; die Zerstörenden, ilingssonne, nen um der am besten, cmen lernte unabhängig und ernster; außer uns, 405 sondern nur in uns zu suchen und zu finden ist, sie wird auch dann das hohe Ideal der Vaterlandsliebe voll, warm und begeistert zu empfinden vermögen, jener Vaterlandsliebe, die der Glaube Israels selbst in den härtesten Zeiten seinen Bekennern als eine heilige, göttliche Vorschrift anbefohlen hat. Das ist der Geist, in dem ich unsere Religionsschule zu leiten bestrebt sein will, und ich freue mich, in dieser Thätigkeit eine herrliche Ergänzung meines Amtes als Rabbiner dieser Gemeirtde zu finden, denn was könnte es wohl Schöneres geben, als in das Herz der Jugend, der yeranblühenden Zukunft, den Keim des Hohen und Göttlichen zu legen! Ich glaube, in diesem Bemühen der Unterstützung meines werthen und bewährten Lehrerkollegiums sicher zu sein; der Ernst, die Pflichttreue und die Durchdrungenheit vom Glauben der Lehrer möge erwähnend übergehen und eindringen in das Herz der Jugend und ihr Denken und Handeln bestimmen; die Lehrer sollen Freunde, Berather und auch Vorbilder ihrer Schüler sein. Und noch ein Moment ist wichtig für das erfolgreiche Gedeihen unserer Schule: Die Mitwirkung des Elternhauses. Die Eltern haben ihre Bereitwilligkeit, ihr Vertrauen unserer Anstalt entgegen gebracht, mögen ne uns wacker ntithelfen' bei der religiösen Erziehung ihrer Kinder, indem ne denselben Liebe und Anhänglichkeit für den Glauben, Fleiß und Eifer 'ür den Religionsunterricht im Hause anerziehen. Das Elternhaus möge Herz, Gemüth und religiöse Empfindung den Kindern einpflanzen, und oie Religiottsschule wird durch Kenntniß und Wissen Befestigung und Vertiefung zu schaffen sich bemühen. Dann wird eine Jugend erwachsen, ne erfüllt sein wird ebenso von Geisteswie von Herzensbildung, die Eltern und Lehrern zur Freude, dem deutschen Vaterlande und dem Zudenthnm zum Heil und Stolze gereichen wird. Und schließen will ich mit innigem Danke zuerst für unsere Gemeindebehörden. Dieselben haben durch ihren hochgeehrten Herrn Vorsitzenden in erhebenden Worten unserer Anstalt den Weg eröffnet. Möge der Allvater unserer Gemeinde, ihren Führern und Allen, die -hr in Treue sich widmen, in ihrem edlen Streben seinen gnadenreichen Veistand leihen. Inniger Dank sei dargebracht der Verwaltung unserer Ztadt, die in edler Bereitwilligkeit unserer Schule ein gastliches Heim n ihrem Hause gewährt hat; möge der Allgütige Stadt und Staat in seine schirmende Obhut nehmen. Und vor Allem steige demüthiger Dank mpor zu Dir, unserem Vater und Allerbarmer, daß Du uns geholfen :mft bis hierher. Weile auch ferner bei uns! Du hast nach dem Worte Deines Psalmisten aus dem Munde der Kinder und Säuglinge Dirne Macht gegründet, o laß alle die jungen Herzen, die hierher kommen, um Dich zu suchen, inne werden der beseligenden Macht Deines Glaubens; behüte und bewahre sie, daß der hoffnungsfrohe, ewige Erühling ihres Glaubetts nicht zerstört werde vom Froste des Unglaubens, >es Zweifels und der Verzweiflung; richte sie empor zu Dir, daß sie des echten Weges nicht verfehlen. O, laß sie, laß uns Alle finden ben nnigen, festen, nie wankenden Glauben an Dich, der Du uns Alle, Alle eitest mit Deiner milden Vaterhand, deren wir so sehr bedürfen. Stehe ms bei in dieser Stunde, in allen Stunden unseres Lebens. Amen. Mit einem feierlichen Choral schloß die Feier in erhebender Weise ab. Mögen alle Hoffnungen, die sich an die neue Lehrstätte indischen Wissens knüpfen, in Erfüllung gehett! * Mie Woche. Berlin, 17. Oktober. Die Vorbereitungen zu den preußischen Landtagswahlen gewähren gegenwärtig manche interessante Beobachtung. Die Kon- 'evbatioen und Antisemiten, die sich vor Kurzem noch so grimmig befehdet, liegetr sich jetzt wieder brüderlich in den Armen. Die Rationalliberalen, die in ihrem Wahlaufruf den Antisemitismus 'eierlich perhorreszirt, verbrüdern sich, wo es ihnen zweckmäßig scheint, lrotzdem mit den Vertretern desselben. Den erhebenden Worten des Wahlaufrufes folgte alsbald in der partei-offiziösen „Nationalliberalen Korrespondenz" ein Communiqlw, welches mit wenigen Aenderungen in jedem Antisemitenblatte hätte stehen können. | „Es würde thöricht sein," sagte das nationalliberale Organ, „wollte! man die antisemitische Bewegung als eine ausschließlich künstliche Mache | bezeichnen. Derartige Erscheinungen sind nicht möglich, wenn nicht j irgend ein thatsächlicher Untergrund vorhanden ist, der dann, ganz wie! bei der Sozialdemokratie, von einer ebenso geschickten wie frivolen! Agitation ausgebeutet wird. In der natlottalliberalen Partei ist man j immer darauf bedacht gewesen, nicht nur diese den sozialen Frieden : störende Agitation entschieden zu bekämpfen, sondern auch jenen Unter- ' grund zu erkennen und aus dieser Erkenntniß die richtigen Folgerungen zu ziehen. Demgemäß hat die nationalliberale Partei an den gesetz- > geberischen Maßnahmen zur Abstellung gewisser wirthschaftlicher Schäden, j die unbestreitbar durch eine vorwiegend von jüdischen Geschäftsleuten i gehandhabte Praxis entstanden sind, rückhaltlos mitgewirkt, Auch! verkannt man nicht, daß es nicht lediglich wirthschaftliche Verhältnisse j sind, aus denen die antisemitische Bewegung ihre Nahrung zieht, i Die Schwierigkeiten, welche das Vorhandensein eines über das ganze! Reichsgebiet ausgebreiteten, nach Herkunft und Gebräuchen fremden! Bestandtheils in unserem Volkskörper bereitet, müffen gehoben werden. Das wird aber nicht anders möglich sein, als durch eine allmälige Verschmelzung dieses Bestandtheils mit der Gesammtheit unseres nationalen Organismus." Es ist wohl überflüssig, diese Aeußerungen eingehend zu wider-; legen. Haben es doch schon ehrliche nationalliberale Politiker selbst i gethan, die itlsbesondere in überzetlgender Weise klarstellten, daß die wirthschastlichen Schäden nicht ans das Verschulden von Individuen dieser oder jener Abstammung znrückgeführt werdet!, wenn man nicht ungerecht sein will. Was für Schwierigkeiten eigentlich der „nach Herkunft und Gebräuchen fremde Bestandtheil in unseren! Voltstörper" bereitete, verschweigt das Communique. Die Thaten der Nationalj Liberalen entsprechen nicht ihrer Erklärung, sie wären immer darauf! bedacht gewesen, die den sozialen Frieden störende Agitation zu bekälnpfen. Bleibt nur die Fortschrittspartei, oder vielmehr die Volkspartei und die freisinnige Vereinigung, die beide hoffentlich mit aller Ent-! schiedenheit gegetl diese „Pest unseres Jahrhunderts" Front machen! werden. Gleichwohl werden sicher mindestens vier bis fünf Anti-! semiten in den Landtag einziehenvon jüdischen Kandidaturen haben wir dagegen bis jetzt, ausgenommen Berlin selbst, gar nichts gehört. d Bei den Wahlen für den hessischen Landtag wurden drei ' Antisemiten gewählt. In Gießen Land kam es zur Stichwahl, da! beim ersten Wahlgang der Sozialdemokrat Orbig 14 Stimmen, der j Antisemit Köhler 12 Stimmen, der freisinnige Volksparteiler Gutfleisch! 4Stinlmen. der gemäßigt nationalliberale Leux 2 Stimmen erhielten.! In der Stichwahl erhielt dann Orbig 14 Stimmen, der Antisemit j Köhler 18 Stimmen und wurde somit durch die Stimmen der 1 nationalliberalen und fteisinnigen volksparteilichen Wahlmänner! gewählt!!! ' * Der Gesetzentwurf über die Rezeption der Israeliten in j Ungarn ist nun auch nach mehrtägiger Debatte vom Unterrichts-! ansschuß des Parlaments genehmigt worden und wird nunntehr wohl bald wirkliches Gesetz. Damit beginnt für unsere ungarischen Glaubensbrüder eine neue Aera. Mögen sie sich derselben würdig zeigen, indem sie Einigkeit auch im Innern bewahren und vor Allem für die Kenntniß und Erhaltung des Judenthums Sorge tragen. In dieser Beziehung scheint dort nicht Alles zum Besten bestellt zu sein. Es ist sicher ein trauriges Zeichen der Zeit, wenn wir im „Pester Lloyd" folgende Mittheilung lesen: „Die Pester israelitische Gemeinde hatte, so wie im Vorjahre,! auch Heuer beschlosien, für die Hörer der Hochschulen am; Neujahrs- und Versöhnungsfeste einen besonderen Gottesdienst zu i veranstalten, damit der Kultustempel in der Tabakgasse nicht durch

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