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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-10-13 · Heft 41 (13.10.1893) · p. Seite 490

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 41 (13.10.1893)
Date
1893-10-13
Page
Seite 490 (sequence 12)
Language
German
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490 durch die selbstgeschaffene Qual des geliebten Kindes getrübt. Gott stellte er sich zwar, wie man ihn gelehrt hatte, als einen gütigen Vater vor, der die ganze Welt erschaffen, und der für das Wohl seiner Geschöpfe wache; nur Eines konnte er nicht begreifen und das machte ihm oft das Gehirn so Heist, dast es zu zerspringen drohte. Er konnte es nicht fassen, wie Gott, der allmächtig und allgütig ist, es geschehen laffen konnte, daß der Mensch von den bösen Geistern so gequält und beunruhigt werden mag. Entweder, meinte er in seinem kindlichen Gemüthe, hat Gott keine Macht über die bösen Geister, dann ist er nicht allmächtig, oder er hat die Macht und will sie zu Gunsten der Menschen nicht gebrauchen, dann ist er nicht allgütig. So hatte der Aberglaube und die daraus entspringende Furcht, vor: der sein Gemüth beherrscht war, den Knaben sonderbarerweise frühzeitig zu einem kleinen Philosophen gemacht. Er konnte sich die beiden Eigenschaften der Allmacht und Allgüte nicht zusammenreimen, wie sehr mau sich auch Mühe geben mochte, ihm jede derselben insbesondere haarscharf! zu beweisen. Raphael wuchs heran und gedieh trotz dieser seine physische und geistige Entwicklung hindernden Umstände, dennoch körperlich und geistig; er ward ein schöner, etwas zarter aber doch kräftiger Junge, und sein Lehrer, der ihn in der Bibel und anderen Gegenständen unterrichtete, war mit seinen Fortschritten zufrieden. Als er dreizehn Jahre alt wurde, hatte er so viel Kenntnisse inne, als du jüdischer Knabe, der sich nach der „Barmizwah" (Konfirmation) denl Geschäftsleben widmet, zu wissen nöthig hat. Raphael, als einziger Sohn eines reichen Hauses, konnte nicht länger vom Geschäfte des Vaters j fern gehalten werden, denn der Vater hatte die Absicht, den Sohn! zu dein zu machen, was er selber war. Die praktische Thütigkeit,! in welche der Jüngling jel3t eintrat, und welche durch die volle Kraft,! die eingesetzt werden must, wenn günstige Resultate erreicht werden! sollen!, ein heilsames Mittel ist gegen unnütze Kontemplationen und! fruchtloses Gedankenbrüten, ebenso die größere Reife, die der Jung-! ling nach und nach errang, brachten es freilich dahin, daß die auf-! regenden Phantastereien, die ihn früher ausgefüllt hatten, mehr und! mehr in den Hintergrund traten. Nach und nach schwand die kindj liehe Furcht vor dem eingebildeten „Bubak" und drin wesenlosen j „Poipelebok"; den wirklichen Menschen und Dingen, mit denen sich j zu beschäftigen er jetzt genöthigt war, mußten die Weseir der Einbildung allmählich weichen, und Niemand freute sich hierüber mehr als die gute Mutter und der nüchtern-verständige Vater, welchen der frühere Zustand des Knaben oft genug großen Kummer verursacht hatte. Aber ein Zug von frommer Schwärmerei blieb ihm, und dieser war, wie schon gesagt, in seinem gutmnthig blauen Auge zu lesen. Man kann nicht sagen, daß der Jüngling durch diesen schwärmerischen Zug etwas eingebüßt, im Gegentheil, er verlieh seinem ganzen Wesen eine Milde und Wärrne, die Jeden! wohlthat, der ihm > ins Auge blickte, und die gute Ehanna behauptete sogar steif und fest — ob sie Recht hat, ist ungewiß — daß die liebe Golde, seine Braut, die jetzt eben zum Freudenfeste sehnsuchtsvoll erwartet wurde, sich gerade in dieses fromme blaue Auge zu tief verguckt, und daß er diesem die geliebte Braut zu verdanken habe. Kann sein, ist diese Behauptung nichts mehr als ein Ammennlärchen, indessen klingt sie just so uneben nicht, daß man sie mit Stillschweigen übergehen sollte; denn das sieht doch wohl Jederinann ein, ein schönes, freuudlich-N!ildes, schwärmerisch-frommes, entzückend blaues Menschenauge ist doch etwas ganz Anderes, als ein „Bubak" oder ein „Poipelebok". Sei dein übrigens wie ihm wolle, genug, Ehanna behauptete es, und Raphael, der eben mit dem Flechten und Binden der „Scheines" fertig geworden war, sah sie dafür mit einem so dankbaren Blick an, daß sie in diesen! Blicke nur eine neue und kräftige Bestätigung ihrer Ansicht erkennen mußte. Mau brachte hierauf das Nachtmahl uud war fröhlich und guter Dinge. Eine Amme, die es erlebt, den Säugling, den sie großgezogen, als Bräutigam zu sehen, hat ein wenig Recht zur Schwatzhaftigkeit, und man muß der guten Ehanna nicht das Unrecht zufügen, zu glauben, daß sie von diesen! ihr zustehenden Rechte nicht im ausgedehntesten Maße Gebrauch zu macheu verstaudeu Hütte. Wie gar uicht zu verwundern, erinnerte sie den glücklichen Bräutigam an viele bereits vergessene Momente aus der frühesten Jugendzeit. Es gehört eben auch zum Wesen einer Annne, ein treues Gedüchtniß zu haben. Sie erinnerte die Eltern daran, was er als Kind oft für „Jailes" gethan (Geschrei gemacht) habe, und wie nur sie im Stande war, ihn zu „begütschen" (begütigen), wie er laufen gelernt, wie er den ersten Zahn bekommen habe, wie er das erste Wort gesprochen, und was derlei Erinnerungen mehr sind. Sogar jener Umstände vergaß sie uicht. welche die angestrengteste Thätigkeit der Waschfrau in Anspruch nehmen und die in der Kinderstube eine wichtige Rollo spielen, endlich — wie schon Eines das Andere bringt — kam sie auch auf seine Furcht vor dem Bubak und dem Poipelebock, und — sollte man es glauben — aber so sind die Weiber — sie selbst, die ihn! diese Furcht durch ihre Erzählungen eingetränkt, fühlte sich jetzt berechtigt, ihn damit zu necken. „Gott über die Welt," sagte sie in ihrem Eifer, „das hätt' mir Einer vor zwanzig Jahr, wie unser Fohl-Leben vier Jahr alt gewesen ist, sagen sollen, daß einmal eine Zeit kommen wird, wo er sich nicht mehr fürchten wird! Nu ja, das war' aber auch eine schöne Geschichte, wenn Einer ein Bräutiganl ist, uud macht' sich vor dem Bubak fürchten. Was möcht da die Braut dazu sagen? So einen Bräutigam nahm' sie nicht geschenkt, und Recht hält' sie!" Raphael ließ sich die Neckereien seiner alten Annne. für die er eine kindliche Anhänglichkeit immer bewahrt hatte, ruhig gefallen und lächelte selbst über seine ehemalige kindliche Furcht. So schwand unter heitern Gesprächen, Scherzen, Neckereien, ausgesprochenen Hoffnungen und dergleichen die Zeit. Man hatte längst das Nachtmahl eingenommen, saß aber immernoch fröhlich beisammen; da dünkte es der vorsichtigen Mutter gut, ans Schlafengehen zu mahnen. „Fohl-Leben," sagte sie, „Du bleibst heut' zu lang auf! morgen ist „Scheinerabbe", mußt Du zeitlich aufstehn, in Schul gehn, dann wird Dein' Golde- Leben kommen, werden wir doch morgen Abend gewiß lang bei Tisch sitzen bleiben; auf einmal wirst Du schläfrig sein." „Was ist Dir gelegen, er wird wahrhaftig uicht schläfrig sein, wenn seine Braut da neben ihm sitzen wird; warum? bin ich vielleicht einmal schläfrig gewesen, wenn ich als Bräutigam bei Dir war und Du bei mir?" sagte der Vater. „Aber nachher, wie wir haben Hochzeit gehabt?" sagte die Mutter scherzweise in vorwurfsvollem Tone. „Nachher," erwiederte der Vater, „geht eine andere „Sedreh", (ist eine andere Zeit)! „Im Ernst, Fohl-Leben!" wendete sich die Mutter wieder au den Sohn, „Du mußt uiorgen heiter und gut ausgeschlafen sein; geh Dich legen! „Poter" (Punktum!) Nacht wird gemacht!" fügte sie noch gegen ihren Mann gewendet hinzu und erhob sich von ihrem Sitze, hiermit das Zeichen zum allgemeinen Ausbruch gebend. Man wünschte gegenseitig einander gute Nacht, und Jeder verfügte sich in seine Schlafkainmer. (Fortsetzung folgt.) U Nach -roher n mi ooit 9 »eine aber i ersten Tage, Ereig Mari Nichts! ( durch ich ih ..Dies was droht wiesei Zwei Zelle begin seine schickj Ged« diese? er ui seine gezo, Mei seine ich > wird Gotl Schi daue ciebe Sin her, Lips

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