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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-10-13 · Heft 41 (13.10.1893) · p. Seite 489

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 41 (13.10.1893)
Date
1893-10-13
Page
Seite 489 (sequence 11)
Language
German
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489 auf einer tigen Trank , ihr Vater, n dem Gift begriffe, die bereitete ein :, und sagte: Die Kinder, Die Andern die Arznei. Neuem weg i. Als diese aas Arzneidas in sich eine Kinder llnwissenheit t darin ein- V.) zur alten B man hier wie in dein und prodenjenigen l Predigten Testaments . Die erste autet: Die md sprachen antwortete ) Menschen, i Bäumen? auch nicht den Wein- Alle zum Könige über r Schatten; die Cedern >. 2: Mein md er hat edle Reben und grub chte. Aber alein, unb :rge. Was > ich nicht ebracht, da mch zeigen, zgenommen >en werden, aß er nicht ren darauf luf regnen. ', und die iehe, so ist Man wird fühlen, in wie hohem Grade Jesu verschiedene Weinbergsparabeln hier vorbereitet sind, wie überhaupt seine Gleichniffe über Pflanzen, die schlechte Frucht tragen und berechtigte Hoffnungen nicht erfüllen. Die Wahl der Bilder und der ganze Stil ist der gleiche. Ist Jesu Parabelstil durch Jesaja beeinflußt, so ist als Gegensatz höchst bezeichnend, daß durchaus nichts an den Priesterpropheten Ezechiel erinnert, dessen Geist Christus nicht ansprechen konnte und deffen Stil ihm fremd sein mußte. Man findet bei Ezechiel im 17. und 24. Kapitel verschiedene Parabeln; sie sind zumeist allegorisch und durch die Anhäufung von Bildern nicht recht verständlich. Die erste Parabel beginnt: König Adler mit großen Flügeln und langen Fittigen, und voll Federn, die bunt waren, kam auf Libanon und nahm dem Wipfel von der Ceder. Er brach das oberste Reis ab, und führte es in das Krämerland, und setzte es in die Kaufmannsstadt n. s. w. Der Adler ist Nebukadnezar, Libanon Jerusalem, die Cederkrone König Jekoniah, die Kaufmaimsstadt Babylon. (Die Propheten verabscheuten jeden Handel, weil er das Volk mit fremden Volksstämmen in Verbindung brachte.) Alle weiteren Gleichnisse sind im Ganzen genommen unnatürlich: Ein Adler, der einen Weinberg pflanzt, ein Weinberg, der von einem Adler gewässert werden will, u. s. w. Gerade so ist die Allegorie über Jerusalem, als Feuerkessel, worin die Einwohner gekocht werden. Dieser Stil hat auf die Darstellungsweise der Offenbarung Johannis eingewirkt (verfaßt zwischen den Jahren 68 und 70), aber nie auf die Form der Parabeln Jesu. Diese sind einfach und durchsichtig klar. Einen sehr entschiedene» Einfluß auf Jesu Parabelstil hat dagegen augenscheinlich die bekannte Parabel des Propheten Nathan (2. Sam. 12) ausgeübt: Es waren zwei Männer in einer Stadt, einer reich, der andere arm. Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; aber der Arme hatte nichts, denn ein einziges kleines Schäflein, das mit seinen Kindern ausgewachsen war. Es aß von seinem Bissen und trank von seinem Becher, und schlief in seinem Schooß, und er hielt es wie eine Tochter. Da aber dem reichen Manne ein Gast kam, schonete er zu nehmen von seinen Schafen und Kindern, daß er deni Gast etwas zurichtete, der zu ihm gekommen war, und nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Manne zu. Nicht nur der Stil, sondern auch der Geist dieser Parabel ist ein Vorbote des Stiles und Geistes solcher Jesuparabeln, welche die Nächstenliebe einschärfen. (Der barmherzige Samariter z. B.) Andere Parabeln von Jesu sind unangenehm schroff in ihrem leidenschaftlichen Haß gegen den Reichen blos als Reicher, und der Verherrlichung des Armen blos als Armer, so die von Lazarus und dem reichen Manne; sie sind direkt aus dem ebionitischen Geiste hervorgegangen, der in Galiläa vor Jesu Zeit verbreitet war und der ihn und seine Jünger inspirirte. Andere sind wiederum rührend naiv in ihren kindlichen Vorstellungen von Königen, Königreichen und Königsmacht, so die vom König, der das Gastmnhl für seinen Sohn bereitete. Aber die vollendetsten und, soweit man beurtheilen kann, unzweifelhaft echten unter den Parabeln, wie der verlorene Sohn, der die korrekte Moral, und der barmherzige Samariter, der die offiziell Religiösen beschämt, sind in ihrer Umkehrung der anerkannten Rangordnung der Gesellschaft in einem großen und einfachen Stil und mit einem künstlerischen Nachdruck ausgeführt, der »ns offenbart, daß das oratorisch-dichterische Genie des Autors auf gleicher Höhe mit seiner sittlichen Größe stand. d FEUILLETON Ver Schatten. Erzählung von Eduard Kulke. (Fortsetzung.) So entwickelte sich in dem Knaben eine beispiellose Aengstlichkeit; er wagte keinen Schritt allein zu gehen, überall sah er sich von einer Schaar gewaltiger Feinde, die ihm nach dem Leben trachten, von unsichtbaren Geistern, die sich seiner zu beniächtigen strebten, umringt. Fragte man ihn, vor wem er sich fürchte, so wußte er es nicht anzugeben. Die wirklichen Feinde des Lebens, von denen der Mensch auf dem mühseligen Gange durch die Welt umringt ist, und gegen welche es gilt, sich muthig und wacker zu vertheidigen, diese lernte er nicht kennen; eine Furcht von leeren Schatten war ihm in die kindliche Seele gepflanzt. Eines Abends, es war am 6. Januar, die Zeit der langen Winterabende — Raphael mochte damals ungefähr sechs Jahre alt sein — kamen drei wunderlich gekleidete Gestalten in die Stube und begannen ein Lied zu singen. Sie hatten aus bunten Lappen und Tüchern sich Mäntel gemacht, die sie über ihre Kleidung genommen hatten, und ihre Mützen waren aus mit Goldschaum beklebtem Papier gefertigt. Drei harmlose Bauernbursche waren es. welche am Dreikönigabend als Kaspar, Melchior und Balthasar verkleidet, im Orte von Haus zu Haus gingen, um durch ihren Dreiköiügsgesang ein paar Kreuzer zu verdienen. Kaum waren sie aber zur Thür hereingetreten und hatten ihr frommes Lied begonnen, erhob Raphael ein so jämmerliches Geschrei, daß man die größte Mühe hatte, ihn zu besänftigen, was denn auch nicht eher gelang, als bis man den Burschen die Gabe gereicht, und sie sich entfernten, denn er glaubte, in ihnen die leibhaftigen Teufel und Gespenster vor Augen zu sehen. Nicht besser ging es einige Monate später bei Gelegenheit des Pnrimfestes. Gawriel Stuffer war nämlich in der Wahl seines Maskenkostümes äußerst originell und konnte gewiß sein, zu Purim in jedem Hause großes Lob zu ernten. Raphael saß mit den Eltern eben bei Tische, da Gawriel Stuffer in der Gestalt eines Riesen ins Zimmer trat. Die Eltern mußten über den wunderlichen Aufzug lachen, der Knabe hingegen sing wieder so entsetzlich zu schreien an, daß der Spaßmacher von der Gasse seine Larve abnehmen und die Metamorphose, die ihn zum Riesen umgebildet, ablegen mußte; es brauchte viel Ueberredungskunst von Seiten der Eltern, Raphael zu überzeugen, daß dies kein „Bubak" und kein „Poipelebok", sondern Niemand anderer als Gawriel Stuffer sei, denn er traute kaum mehr seinen Augen, derart war er von beängstigenden Vorstellungen beherrscht. Ein anderes Mal hatte ihn wieder ein palästinensischer Jude durch das hierzulande ungewohnte Kostüm in ungeheuren Schrecken versetzt, denn auch diesen konnte er sich schwer entschließen, für einen wirklichen Menschen zu halten. Der Knabe hatte ein liebreiches, hingebendes, gefühlvolles Herz, und die religiösen Gefühle, die ihm die gute Mutter einzuimpfen suchte, fanden in demselben einen günstigen, fruchtbaren Boden. Leider war sie nicht im Stande, den reinen Glauben in seine Seele zu hauchen, ehe das häßliche Zerrbild des Glaubens, der Aberglaube, darin mächtig Wurzel gefaßt hatte. So ward Raphael ein gläubiges, aber auch ungläubiges Geniüth, ein frommes, aber auch furchtsames Kind, das bei dem hingebendsten Gottvertrauen von der peinlichsten Gespensterfurcht hin- und Hergetrieben wurde. Raphael betete mit Inbrunst sein Morgen- und Abendgebet, dennoch schreckten ihn wilde Träume oft des Nachts vom Lager auf, und das schöne, stille Glück dieser kleinen und ruhigen Familie wurde öfters

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