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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-10-06 · Heft 40 (6.10.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 40 (6.10.1893)
Date
1893-10-06
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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; ganz korreki n erwähnten ücklicherweist für die Ber- (H. Dr. Br.) die Korrekt- ^eferent sich erts und die rg zu unter.;efd)lid)en zu Lebens ist r öfter Verl einstweilen rr gut thun, solches selbst dann immer fahren, von vers (Mitte zum Jahre Kornick und ehung um- )t zu unterliche Werke. nt, Berlin. e Castro in >en Friedhof gernein angenossen in worden sei. lburg seine lesuchte vor d dort, wie Zsraöl; „er hanah den Len Jsraäl »lländischen Stimmenvurde, wie rchert, und riedenskuß Erfindung, r Samuels beruht, lt ist, auf Zen Israel 211. Budapest. er ältesten r Moses Rabbiners oer Artikel ngland zu Meiidelsder Geist Männer n anderer 1?. Jahrgang. Nr. 40. Lerlin. 6. Oktober 1393 Weitage zur' „Allgemeinen Zeitung des IuöenlHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 30. September. Die Speisung Nothleidender in der sraelitischen Volksküche, Klosterstraße 99, in der allen Bedürftigen rnd Darbenden ohne konfessionellen Unterschied eine saubere, nahrhafte lost bereitet und in echt humanitärer Gesinnung verabreicht wird, ist chon vor Beginn des Winters von einer ganz ungewöhnlichen Anzahl wn Bittstellern in Anspruch genommen. Es bedarf bei der allgemeinen Sympathie, welche die Anstalt in allen Schichten der Gesellschaft besitzt, vohl nur des kurzen Hinweises, daß am 9. Oktober d. I., Abends, im Zaaleder Philharmonie ein großes Künstler-Konzert stattfinden wird, >em die erlesensten Kräfte ihre Mitwirkung zur Verfügung gestellt haben, ind dessen Ertrag dem ferneren Wirken und Gedeihen der Volksküche zu ^ute kommen soll. Vormeldungen zu Plätzen sind von heute an bei Zerrn Herrmann Abraham, Alte Jakobstraße 57/59, und an die Inspektion -er Volksküche selbst abzugeben. — In dem Konzert wird Herr Ricolaus Rothmühl sich wieder vor dem hiesigen Publikum hören affen. Auch Frl. Leisinger, Frau Führing haben sich der Konzert-Veranstaltung zur Verfügung gestellt; ben Zugkräften vom Theater schließt ich Herr Sally Liebling an, der auf dem Konzertpodium heimisch ist, md der junge Violin-Virtuose Arthur Argiewicz, der eine Zierde des ronzertpodiums zu werden verspricht. LLL Berlin, 4. Oktober. Der erste Preis für die beste Biographie Goethes wurde unserem verehrten Mitarbeiter, dem Privatdozenten der nesigen Universität, Herrn Dr. Richard M Meyer znerkannt. Dr. Meyer, ein Schüler von Wilhelm Scherer, ist Privatdozent für rutsche Sprache und Litteratur an der Berliner Universität. Man verdankt ihm werthvolle litterarhistorische Untersuchungen. In einer der mchsteu Nummern werden wir einen interessanten Beitrag aus der Zeder dieses vortrefflichen Forschers, „Helden der Bibel in der deutschen Litteratur", bringen können. 8 Berlin, 4. Oktober. In einer der letzten Nummern dieses Vlattes war gesagt, daß Herr Kapellmeister Kellermann nur interinistisch den Chor in der Oranienburgerstraße-Synagoge leite. Das ist?in Jrrthum, da Herr Kellermann definitiv als Dirigent augestellt ist mb — wie wir aus diesem Anlasse noch hinzufügen wollen — an den Feiertagen bewiesen hat, daß er es vorzüglich verstanden, den Synagogenchor einzuschulen und zu leiten. Fg. Berlin, 26. September. Am Vorabend des Versöhnungsfestes wurde das erst kürzlich eingeweihte Synagogenlokal der Gemeinde „Schochare towtt wegen zu schmalen Ausgangs und Mangels an Nothausgängen geschlossen. — In der Gemeinde „Aliwat scliolaum“ (Rosen-;[)alerffr.) ereignete sich am Versöhnungsfest der bedauerliche Vorfall, daß aer Borbeter bei der Verrichtung des Minchahgebetes ohnmächtig zusammenbrach. X Berlin, 1. Oktober. Es war mir vergönnt, einen Vormittag aes Hüttenfestes in der jüdischen Ackerbauschule Ahlem, welche in nchn Minuten von Hannover aus mit der elektrischen Bahn zu erreichen 't, zu verleben. Das von Konsul Simon geschenkte Erziehungshaus mf dem von ihm für die Zwecke des Instituts bestimmten Terrain von '8 Morgen ist jetzt durchweg zweckentsprechend eingerichtet, bereits sind :a. 30 Morgen zu gärtnerischen Zwecken in Angriff genommen. In 'ein Untergeschoß des zweistöckigen mit Blumen und echtem Wein nmankten Erziehungshauses befinden sich die Waschküche und die Lagerräume utr Kohlen und Früchte. Im Parterre rechts liegt die Küche, der linke Flügel beherbergt die Schule mit 2 Klassen und das Bibliothekszimmer. Die technische Leitung des Instituts liegt in den Händen des Direktors Vacharach, den Unterricht ertheilt Herr Lehrer Höxter. Die Erziehung oer 21 Zöglinge ist eine streng religiöse. Am Sabbath ruht die Arbeit auf den Feldern. Bereits sind in der Ackerbau- und Gartenschule 30,000 Bäume in der Baumschule kultivirt, darunter 600 hochstämmige Obstbäume, Aepfel- und Zwetschenbäume vorzüglich, 9000 Rosen, hoch und niedrig gezogen haben, in diesem Sommer das Auge erfreut und versprechen lohnenden Ertrag. Von dem umfangreichen Terrain, das guten Weizen-, Roggen-, Kartoffelboden und Waldungen umfaßt, sind auf einem halben Morgen Erdbeeren angepflanzt, auf 2 Morgen Maiblumen und 2 Morgen liefern den stets für den Absatz nutzbringenden Spargel. — Während der Vormittag dem Unterricht der Zöglinge, die eine gute Elementarbildung erhalten, gewidmet ist, gehört der Nachmittag bis zum Untergang der Sonne der fleißigen Arbeit in Feld und Garten, wo die Zöglinge in sauberen blauen Drillichanzügen mit Gartenschürzen angezogen, mit regem Eifer Hacke und Spaten handhaben lernen, unter Leitung des Direktors und unter Aufsicht des Gärtners Sch. Herr Konsul Simon, der von Hannover aus fast täglich hinauskommt, legt großes Gewicht auf die von ihm eingerichteten guten Stallungen für Kühe und Pferde. Die Oekonomie wird durchaus nach modernen rationellen Grundsätzen betrieben. Zwei Gewächshäuser und ein Weinhaus mit echten Reben stehen unter Oberleitung eines tüchtigen Fachmanns. Der ganze Ertrag des bebauten Bodens fließt in die Kasse des Instituts, das einstweilen naturgemäß noch bedeutende Zuschüsse erfordert. Man kann nicht verlangen, daß der begüterte Mann, der dieses für die wirthschaftliche Entwickelung namentlich unserer ärmeren Glaubensgenossen hochwichtige Institut in hochherzigster Weise begründet hat, auch die Kosten der weiteren Entwickelung der in großem Maßstabe geplanten Ackerbauschule aus seiner Tasche allein trage; diese Pflanzstätte, welche die alte, seit den Tagen unserer Vorväter int Judenthum traditionelle Liebe zum Ackerbau unter uns wieder beleben soll, gehört der Gesammtheit, und es ist durchaus nothwendig, daß einflußreiche Männer den Anstalten ihre thatkräftige Theilnahme an allen Centren jüdischen Lebens widmen. Allmälig kommt diese Theilnahme bereits in Fluß, viele intelligente und für das Gesammtwohl der Judenheit interessirte Männer haben das eigenartige Unternehmen bereits in Augenschein genommen. Aus Berlin besichtigte erst vor Kurzem der Direktor des Reichenheim'schen Waisenhauses, Dr. Jutrosinski, die Anstalten. Es ist indeß dringend nothwendig, daß die Hauptgemeinden Deutschlands es nicht blos bei platonischer Theilnahme bewenden lassen. Der Nutzen des Instituts besteht nicht! nur in der Heranbildung von jüdischen Gärtnern und Ackerbauern, welche j sonst sehr schwer eine landwirthschaftliche Ausbildung erhalten können,! sondern es ist durchaus nothwendig, daß auch für die argentinischen und j palästinensischen Kolonien Lehrer des Ackerbaues herangezogen werden, wie j es denn ein einfaches, auch dem antisemitischen Mißwollen gegenüber erst recht hochzuhaltendes Erforderniß ist, daß die ärmeren jüdischen Klaffen, welche das Mittelalter dem Ackerbau entfremdet hat, wieder für denselben gewonnen werden. In diesen Blättern sind bereits einmal die Aufnahmebedingungen für die Zöglinge erörtert worden, und es ist bekannt, daß es sich hier in keiner Weise um einen philanthropischen Versuch handelt, die Grundlage das Unternehmens ist gesichert, und wie Herr Konsul Simon dem Schreiber dieses mittheilt, ist er nicht abgeneigt, noch mehr Terrain, das ausschließlich zu Agrikulturzwecken dienen! soll, auzukaufen, auch beabsichtigt er noch ein Haus für Mädchen einznrichten, welche sich in einzelnen Zweigen des Gartenbaues und der Oekonomie ausbilden und vervollkommnen wollen. In Hannover, Leipzig, Berlin und anderen Gemeinden mit regem jüdischen Leben und auf der Höhe der Zeit stehendem Bewußtsein bringt man dem Unternehmen rege Sympathie entgegen, und es sind nicht zum wenigsten die glaubenstreuen Kreise, die mit Spannung die Entwickelung der jungen Anstalt beobachten. In der That, mir wird das Hüttenfest, das ich unter diesen jungen jüdischen Ackerbauern, kräftigen Gestalten mit intelligenten Zügen, verlebte, unvergeßlich bleiben. An der Seite des Vorderhauses hatten die Zöglinge die Sukkott errichtet, sie mit den selbst gebauten Pflanzen ausgeschnmckt und ihr mit ausgehöhlten Kürbissen, die zu Lampions umgestaltet wurden, ein besonders festliches Ansehen verliehen. Alls eigenem Grund, auf dem mit ihren Händen bebauten Boden feierten sie das „Fest unserer Freude".

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