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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-10-06 · Heft 40 (6.10.1893) · p. Seite 479

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 40 (6.10.1893)
Date
1893-10-06
Page
Seite 479 (sequence 13)
Language
German
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479 unterbrach Bemühen, te ich Euch, n zu beobbeii» Feste egersohn?" iJatm, de» c aber in Büste und Die Ihr," zu hoffen ers unterbrahai» zu re Tochter rdcr» lcistt rir denken rme Frau ich komine aftsbruder Augenblick, onrit kann itzlich sein d ernähre Hoffnung >che Braut l mir, um Mann?" >hn." se sagte er Die Feierlichkeit begann. Der Baldachin war in dem mit Marmor gepflasterten Hofe erhoben; unter Musik, umgeben von Fackelträgern >vurde der Bräutigam unter denselben geführt. Zwei vornehme Damen und ei» grostes Gefolge von Brautjungfern begleiteten die weißgekleidete verschleierte Braut. Der Ehekontrakt und das Gelöbniß der Morgengabe wurde laut vorgelesen, der Bräutigam setzte seinen Ring an den Finger der Braut j und zertrat ein Glas, worauf die sie umgebenden Gäste in laute! Glückwünsche ausbrachen. \ Jetzt näherte sich Don Abraham der Braut und hob den Schleier! von ihrem Gesichte empor. „Allmächtiger Gott! Mirjam!" rief der Bräutigam, indem er fast bewußtlos zusammensank. Die Hochzeitsgäste standen wie versteinert da; denn die Braut war nicht Don Abrahams Tochter, sondern die Tochter der armen Frau. | „Ich muß Euch jetzt dies Räthsel lösen," sagte Don Abraham, zu seinen Gästen gewandt. „Dieses Mädchen war früher die Ver- , lobte dieses Mannes. Liebe vereinigte sie, doch ich wußte nichts davon. Aus Dankbarkeit, weil ich ihn lieb hatte, und in der Hoffnung, die Verhältnisse seiner Mutter und seiner Geschwister verbessern zu j können, gab er meinen Wünschen nach nnd wollte meine Tochter Heimchen. Erst gestern erfuhr ich den Zusammenhang. Durch mich soll keine Jungfrau beschämt und unglücklich werden. So nimm sie denn statt meiner Tochter und seid glücklich!" Alle Anwesende» waren tief ergriffen und sahen einander sprachlos an. „Und was die Mitgift betrifft," fuhr Don Abraham fort, „so! wollen wir natürlich nicht brechen, was in diesenr Dokument zu-! gesichert worden ist." i Jetzt aber vermochte Raschi nicht länger an sich zu halten. Er rief mit Thränen in den klugen: „Ja, Du bist würdig, mit mir den Garten Eden zu theilen!! Ich freue mich dazu, einst dort Dein Gesellschaftsgenosse zu sein!" Die Anwesenden verstanden natürlich diesen Ausruf nicht, und der Rabbi war viel zu leidenschaftlich bewegt, um daran zu denken, sich verständlich zu machen. ' I Später erzählte er jedoch dem Don Abraham feinen Traum, j nnd dieser antwortete wehmüthig: j „Es freut mich herzlich; denn es ist jedenfalls sehr angenehm, einen gnteir Nachbar zu haben." Es sind seitdem fast achthundert Jahre verflossen. Um kurze Zeit kann sich ein jeder unserer Leser davon überzeugen, ob Raschi nnd Don Abraham wirklich zusauunc» im Paradiese sitzen. l * Dii gesagt, lesheim." bi. „Ihr müssen." u bei der Ihr das Bas Märchen aus uralten Zelten. Von Julius Bauer. as alte Märchen lebt wieder auf. Gerüstet zu neuem Siege; Die Heldin ist eine böse Fee: Verleumdung, geborene Lüge. klugen zu l nächsten : Pa laste, lg. Eine lbbi hatte asten der gen kam. Das rothe Märchen wuchert fort. Es ist nicht auszumisten. Seitdem es die Heiden im römischen Reich Geschmiedet gegen die Christen. Und als die Menschheit weiter schritt Um viele hundert Jährchen, Da beuteten gegen die Juden aus Die Christen das schaurige Märchen. Und als die Welt ward aufgeklärt Von Norden bis zum Süden, Da zückte dieselbe alberne Mär' Ein Jude gegen die Juden. Und hinter dem Juden ein Pfarrer stund Und zupfte die alte Leier, Ein glaubenseifriger Streiter des Herrn, Er glaubte an — Paulus Meyer! Der Paulus Meyer ist Konvertit, Verrohlingt und verstöckert, Denn als er den Glauben gewechselt hat. Bekam er heraus den — Deckert! Das ist der „Freund des Blutrituals", Der nur der Wissenschaft huldigt — Und so ein erhabener Forscher wird Der Mitwissenschaft beschuldigt! Er ruft: „Die Wissenschaft macht frei!" Das ist seine Losung auf Erden; Die Wissenschaft macht wirklich frei, Doch kann man auch eingesperrt werden. Im Forschungsdrange berichtet rnan Die Wahrheit von gestern und heute; Den Paulus Meyer lob' ich mir. Der bildet seine Leute. Er ist ein struppiger, wirrer Gesell, Verlogen seit seiner Kindheits- Sein rechtes Auge hat Gott der Herr- Frühzeitig geschlagen mit Blindheit. Nnd doch will ein Augenzeuge sein Der blinde Talmudverdreher, Ein Augenzeuge! So sehen sie aus, Die heutigen blinden Seher! Wer Blut von lebenden Wesen genießt, Und sei es die kleinste Dosis, Soll ausgerottet für ewig sein — So steht's in den Büchern Mosis. Was aber kümmert ein Bibelwort Den Meyer und andre Schlemihle, Sie dichten zum alten Testament Die blödesten Kodicile. Sie steigen in die Gräber hinab Und stören die ewige Ruhe; Der Jude kann noch so barfuß sein. Sie schieben ihm Mord in die Schuhe! Und was ein Paulus Meyer ersinnt. Der tolle Entweiher der Grüfte, Das glaubt ein Priester Gottes sofort, Dem schnftigsten Schuft der Schüfte! Er hält ihn für einen gelehrten Mann, Und wüßte er noch so wenig. Denn unter den blinden Zeloten ist Einauge Talmudkönig. Er gab ihm im Pfarrhaus Unterstand Und reichliche Geldentlohnnng; Er gab ihm Unterstand nnd sprach: „Ich gab ihm keine Wohnung!" So spricht ein Pfarrer, in dessen Brust Statt Nächstenliebe der Spott wohnt; Wo Meyer logirte, weiß er nicht. Und lehrt seine Heerde, wo Gott wohnt!

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