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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-10-06 · Heft 40 (6.10.1893) · p. Seite 477

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 40 (6.10.1893)
Date
1893-10-06
Page
Seite 477 (sequence 11)
Language
German
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477 es gestattet seine Güte )-" : Vater zu auch nicht, >ß zu dieser ) doch auch ageu. Vor chen sagen. Zch erzähl' bekka hatte ihrte einige er. . Markus ücher lesen mir Bibel is?" uren Dank , langsam Hand und nit Euch!" >ie Straße lind ging n „Wall". ) Thränen e herunter, 's nie ge- - Ehren- > Morgendu liebes kaum die öglein da Freudenselig zum da droben ck Himmel ine Bibel terredung in großer an seine c Juden, imstande, »welk geaer Sache n zu sein. Des Morgens darauf nahm er die Bibel zur Hand, er wollte Jesaias lesen. Wie war ihm denn? Er konnte dem erhabenen Redner in seine» Anschauungen gar nicht mehr folgen. War er doch sonst von allen Propheten sein Liebling gewesen. O, wie merkwürdig! Die eckigen Buchstaben tanzten ihm vor den Augen herum, wurden lebendig und sprachen mit tausend Stimmen zu ihm: „Ich wollte auch Autheil au dem Verdienst haben!" und dann sahen sie ihn an, jo, so - „Wohl zufällig ein schlechter Druck, die Propheten," meinte er und nahm den anderen Theil der Bibel. „Ei," sagte er sich, «kein Wunder; ich saß mir selbst im Lichte." Er drehte seinen Holzschemcl zu dem kleinen, vergitterten Fenster hin. Er blätterte und blätterte. Das Hohe Lied; diestr merkwürdigen Schrift hatte er sonst nie das rechte Verständniß entgegenbringen können, nie den Sinn so recht erfaßt. „Ich will's noch einmal versuchen," sagte er laut vor sich hin, las und las: eine herrliche Musik. Wie vom Himmel kam ihm die Erleuchtung: Der König will ein schönes Hirtenmädchen freien, doch sie bleibt trotz Königshoheit und lockender Reichthümer dem Winzerbuben treu. Und diese Schulammith hat er schon einmal gesehen. Den Mund so lieblich, die Lippen wie Purpurschnüre, die Augen wie Tauben-! Da horch! seine Thür knarrte. Ein Knabe brachte ihm das Mittagsessen aus der Küche Levy Herzfelds. Er wußte nicht, ivie es kam, gestern hatte es ihm besser gemundet. Eigenthümliche Empfindungen gingen ihm durch Kopf und Herz. Er machte sich Vorwürfe. War er doch sonst immer in dieser seinen traurigen Lage mit seinen Gedanken und Gefühlen bei seinen Eltern gewesen, wie sie jetzt so verlassen seien, sich um ihn härmten, und wie es der kranken Mutter, dem greisen Vater gehe. Heute aber? Er schlug das Buch der Psalmen auf und betete, betete lange und inbrünstig. $ Sie waren Alle freundlich mit ihm, die ihm das Mittagsmahl brachten. Der Dienst, de» die Geber hier verrichteten, erschien ihnen nicht einmal als Pflicht, nein, sie reichten ihm Speis' und Trank aus innerstem Antriebe, so gern wie die Mutter dem einzigen, lieben Kinde den Bissen darreicht. Das merkte mau ans jedem ihrer Worte, sah man aus ihrer Zurückhaltung, mit ihm über sei» Schicksal zu reden, das empfand er aus jedem Blick, aus jeder Gcberde. So waren sie Alle. Aber Keiner als sie hatte gesagt: „Ich will auch Autheil an dem Verdienst haben!" Keine hätte es so wie sie sagen, Keine hätte so wie sie, ihn dabei ansehen können. Wann mag sie nur kommen? Und sie kam. Markus hatte ihr so viel sagen wollen, aber er war wie gebannt. Auch sie hatte sich vorgenoinmeu, mit ihm über dieses und jenes zu sprechen, aber — wunderbar! — sie stand vor ihm und — schwieg. Endlich fiel Markus doch eins wieder ein, nach dem er sich erkundigen wollte. „Ihr fragtet," sagte er leise, mich nach meinem Namen; Ihr erweist mir so viel Gutes, darf ich darum nicht den Namen meiner Wohlthäterin wissen?" „Ich heiße Rebekka." „Rebekka!" wiederholte er langsam, dann setzte er iu wehmüthigem Tone hinzu: „So heißt auch meine Mutter." „So Habt Ihr noch eine Mutter?" „Ja, Gott sei Dank, »och habe ich Vater und Mutter," antwortete er traurig, „noch Hab ich sie. Aber sie sind alt und schwach. Meine geliebte Mutter wurde krank, als die Lenke auf uns losstürmten und mich beschuldigten, die Kirche bestohlen zu haben. Wie oft im Tage bete ich zum gütigen Gott, daß er meinen theuren greisen Eltern Kraft geben möge, diesen Schicksalsschlag zu ertragen. Ich bin das einzige Kind meiner Eltern, und all ihre Liebe, ihre große, reine Liebe gebe» sie mir, und ich liebe sie wieder niit kindlicher Innigkeit. Und mm denken zu müssen, sie sind allein, allein, die hilflosen Greise-o, Rebekka, nicht schmerzt es mich meinetwegen, daß ich unschuldig leiden muß, nein, ihr Schmerz über mein Schicksal macht mich elend, drückt mich nieder, ihr Schmerz nagt an meinem Marke." Er hatte diese letzten Worte mit tiefer Innigkeit gesprochen. In Rebekkas Augen standen Thränen. „Mir," sprach sie leise mit zitternder Stimme, „mir braucht Ihr nicht zu sagen, daß Ihr unschuldig seid, Markus. Das sah ich Eurem offenen, ehrlichen Auge an, das hörte ich aus jedem Eurer Worte. Drum weil Ihr unschuldig seid, kann man Euch nicht verurtheilen, Gott wird Euren braven alten Eltern dies Leid nicht zufügen." „Wohl, Rebekka, Gott ist die Wahrheit, aber wie, wenn von ruchlosen Menschen sein heiliger Name nun zum Falschen angerufen wird?" Rebekka schwieg. Er fuhr fort: „Stand ich allein da in der Welt, das Gefühl der Unschuld würde mich über den Verlust der Freiheit trösten. In Gott und mir selbst fände ich die Kraft, das Schwerste mit Geduld und Fassung zu ertragen. — Aber so, der Eltern Leid preßt mir das Herz zusammen, ich mag nicht leben mehr." „Vertrant ans Galt, Markus, verzaget nicht! Gewiß, Ihr habt Recht, es kann sich Alles noch zum Guten wenden. Und wenn ich aus Eurem Munde so liebe Trostesworte höre, so meine ich wirklich, es müßte die Unschuld aus Tageslicht kommen." Ihr Blick begegnete dem seinen, es lag ein selig Nehmen und Geben in diesem Anschanen, es war die Sprache, die das Ohr nicht hört, das Herz vernimmt sie nur. Rebekka reichte ihm die Hand, die er zärtlich drückte, sie ecwiederte den Händedruck. Dann entfernte sie sich. Knarrend schloß sich das eiserne Thor. (Forts, folgt.) d Uabtn Naschr. Von M. A. Goldschmidt. Rabbi Salomo b. Jsak, genannt Raschi, lebte im elften und zwölften Jahrhundert (1040—1105) und war in Trotzes in Frankreich geboren. Sein Name wird heute noch neben dem des berühmten jüdischen Gelehrten Maimonides mit großer Ehrfurcht genannt. Er schrieb einen Kommentar zur Thora und zu mehreren Propheten, sowie eine Erklärung zum Talmud, ein wahres Riesenwerk, ohne welches man jenes dunkle Buch rabbinischer Weisheit nicht würde verstehen können. Außerdem war Raschi auch sonst ein großer Gelehrter und ein außerordentlich srounncr Mann. Als Raschi alt geworden war, wünschte er zu wissen, wen er zu seinem Gesellschafter im Paradiese haben sollte; denn es fiel ihm natürlich gar nicht ein, auch nur einen Augenblick daran zu zweifeln, daß ein so gelehrter und rechtschaffener Mann, der niemals die Ceremonicn vernachlässigt hatte, in Edens Garten auf einem goldenen Stuhle mit einer Perlenkrone auf dem Haupte sitzen und sich an der Herrlichkeit Gottes sättigen werde. Aber er wollte doch gern wissen, mit wem er zusammen an demselben Tische sitzen sollte (denn die Frommen sollen paarweise sitzen). Nachdem er gefastet und lange gebetet hatte, offenbarte sich auch Gott vor ihm in einem Traume und theilte ihm mit, daß sein zuklinftiger Kamerad Abraham den Gerson, mit deni Beinamen Zadik, in Barcelona sein werde. Als Raschi dies in Erfahrung gebracht hatte, verspürte er große Neigung, die Bekanntschaft seines zukünftigen Nachbars schon

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