Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 40 (6.10.1893)
- Date
- 1893-10-06
- Page
- Seite 471 (sequence 5)
- Language
- German
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471 Hi»da Lea 2 Kindern, Beite Behra Schmutzt Tochter, iathansohn, ter, Nossel >adka nebst berg nebst ch Sander senden annur, wie ele hängen der schwete einfach Konserkel zur Berm-Partei ilJ linker ehrgeiziger wrthodoze gelehrter" er Führer tische Volk ie deutsche die Rechte nun heißt t den ein- : „Gegen chaftlichen lelstungsch. Was udspartei. tig retten, chsschadeu upten, ist olkspolitik w Gesetze, eff" weggebildete», ibrutschen )ote", der :rn Bocket n lassen," zn heben l obgleich zu Gott »ipfinden! bringen >nd ganz der Geedürfniß,! Wer es mit dem Judenthnme wohl meint, wer die Anhänglichkeit! an dasselbe befördern, jedes Erkalten des Interesses uird der Theilnahme an religiösen Institutionen verhüten will, der muß vor allell Dingen den Besuch des Gotteshauses zu jeder Zeit, zumal aber an hohen Festtagen Jedermann, ob Arm oder Reich, ermöglichen. Das, wofür diese Zeilen eine Lanze brechen solteir, läßt sich in die Forderung zusammenfassen: „Freies Gotteshaus!" Wie in jeder Kirche mrd g jeder Moschee der Zutritt frei steht, wie es Niemanden einfästt, an g den Thüren ein Entree, eine Eintrittskarte zu verlangen, so sollte I dies auch in jeder Synagoge der Fall sein. Die Pforten des Domes und der Kirche stehen für Jeden, welcher das innere Bedürfnis; empfindet, dort einzutreteu und zu beten, offen. Kein Thürsteher wehrt ihm den Eintritt ohne Bezahlung. Kein Aufseher hindert ihn, einen freien Platz einzunehmen. Es würde in einer christlichen Kirche als unangemessen erscheinen, ja Vielen als unerhört, wenn Jemand die Forderung anfstelten wollte, das Gotteshaus solle nur dem Bemittelten, der ein Eintrittsgeld zahlen kann, geöffnet sein. Wer mit seinem Gott rede», mit seinen Glanbensgenoffen beten will, dem muß dies auch ohne jede Schwierigkeit ohne Weiteres gestattet sein. Die Erhebung eines Eintrittsgeldes für den Tempel Gottes, die Lösung eines Einlaßbillets fiir diese den höchsten Idealen geweihten Räume hat aber nicht nur etwas Unwürdiges, sie ist auch vom Standpunkte der Religion unstatthaft, von dem der Seelsorge unklug.? Gerade der letzte Punkt verdient Beachtung. Die Geistlichkeit! und die Leiter der jüdischen Gemeinden müßten Alles thnn, um den; Besuch des Gotteshauses, die Theilnahme am gemeinsamen Gottesdienst Jedem zu ermöglichen. Hier lernt sich selbst der lau und gleichgiltig Gewordene wieder als Jude fühlen; hier erwachen die j Jngenderinnerungen aus seinem Elteruhanse; hier empfindet er die Zusammengehörigkeit mit seinen Glaubensbrüdern besonders lebhaft,; und diese Räume verläßt er nicht selten still beglückt oder stolz | bewußt, voll von den Eindrüeken manches ernsten, schönen Wortes, i das längst verstummte Saiten in seiner Seele wieder ertönen ließ. : Und wie steht es jetzt? — Mancher muß wieder ninkehren und dem; Gotteshause fern bleiben, iveil er sich keine Eintrittskarte lösen kann, j und damit ist der erste Schritt seiner Entfremdung vom Judenthum! geschehen. Andere Konfessionen thun Alles, um den Kirchenbesuch j zu fördern. Die Geistlichen anderer Religionsgenossenschaften wünschen nichts sehnlicher; sie sind glücklich, wenn Angehörige aller Stände I dein Gotteshanse zuströmen und es erfüllen. Bon Jahr zu Jahr! wird die Zahl der Kirchen vermehrt, um Jedem Gelegenheit zn! geben, in seiner Nähe eine solche zu besuchen. Man baut viele, wenn! auch kleinere, prunklose Gotteshäuser. Man verschmäht es, Säle anch! nur aushilfsweise zu religiösen Zwecken zu benutzen, welche sonst den! profansten Zwecken, wie Konzerten, Bällen und dergl. dienen, Räume,! denen von vornherein jede Weihe fehlt. Es gehört schon eine große Elastizität der Seele dazu, denselben Saal, in welchem mau sich ab! und zu vielleicht amüsirt hat, mit einem Male als eine Stätte der ' Andacht anzusehen. Sind es doch dieselben Wände und Mauern, | die oft ganz andere Dinge zu hören bekommen, als Gebete. Wie sollte in ihnen die Stimmung kommen, die zum Gebete erforderlich ist? 1 Und doch werden bei uns, zumal in Großstädten, solch profane; Räume au den hohen Feiertagen, an denen die sonst auf niederen! j Niveau dahinziehende Kurve des Synagogeubesuches eine plötzliche j enorme Steigung zeigt, herangezogen. Es liegt ja in dieser Fluktuation ■ ein charakteristischer Unterschied gegenüber dem mehr stetigen Kirchenj besuch unserer christlichen Mitbürger. Die Rothwendigkeit, für die Massen, welche nur an wenigen Tage» im Jahre der Synagoge zuströmen, Gotteshäuser zu schaffe», sei durchaus nicht verkannt. Aber die hierin liegende Schwierigkeit ist keine unüberwindliche und sie entschuldigt noch durchaus nicht den jetzigen Mißstand, der mit regelmäßig iniprovisirten Synagogen rechnet. Reichen die vorhandenen Synagogen nicht aus, ist der Andrang der Glaubensdurstigen ein so großer, so erfreulicher — nun um so besser. Dann müssen in verschiedenen Stadttheilen neue, wenn auch kleine, einfache Tempel gebaut werden. Sind doch selbst die jetzigen „Interims-Synagogen", diese „Filialen" von Gotteshäusern, wie sie in unschöner Weise mit kaufmännischem Worte bezeichnet werben, nicht „Entree-srei". - Auch hier heißt es: „Eintrittsgeld zahlen!" „Bittet lösen!" — Der Kontrast fällt um so mehr in die Augen, wenn man, selbst an höchsten Feiertagen, beispielsweise auf Reisen, eine Kathedrale, einen Dom besuchen will, um sich au klassischer Kirchennnlsik zu erheben. Kein Mensch denkt daran, das Betreten des Raums von einer Karte abhängig zu machen; höchstens sehen Küster und Kastellane auf Ruhe und Ordnung. Fast alle Sitzplätze stehen den Andacht- und Erhebung-Suchenden zur Verfügung; nur ein Theil ist reservirt. Schon aus ethischen Gründen müßte zur Beseitigung des gerügten Mißstandes i» alle» jüdischen Gemeinden Deutschlands etwas geschehe». Es müßte prinzipiell als untvürdig erkannt, als unstatthaft bezeichnet werden, „Einlaßkarten" für den Tempel Gottes z>t „Verkaufen". Der Einlaß muß, auch an Festtagen, frei sein! Jeder, der kommen will, muß ivillkonrmen sein! Er mutz anch, soiveit die Plätze reichen, einen Sitz einuehmeu können. Mag es reservirte „Ehrenplätze" geben, mag immerhin den reichen und besitzenden Klassen das Anrecht an einen bestimmten Platz gewahrt bleiben — Aehnliches flieht es auch in Kirchen —, die Mehrzahl der Plätze, mindestens die Hälfte, urriß Jedermann zur Berfiigung stehen. Vor Gott giebt es keine Standesunterschiede und nichts ist abgeschmackter, als ein Protzeuthum an heiliger Stätte. Hier ist der Acrmste so viel >vie der Reichste, ei» Kind Gottes. Hier beten alle zu eine in Vater, ebenso wie sie draußen auf dem Friedhofe neben einander ruhen, der Bettler neben dem Krösus. Und wenn es bevorzugtereil Ständen und Personen »nbenonrmen sein soll, sich einen Platz zu sichern, so darf dies doch nur in einem Umfang geschehen, der es auch dein schlichtesten Manne nicht unmöglich iiiacht, dem Gottesdienst sitzend beizuivohuen. Was hier von Männern gesagt wird, gilt iu gleichem Maße von Frauen und schulpflichtigeil Kindern. Es ist vorausznseheli, daß diese Anregungen von zwei Seiten wenig wohlivollende Aufnahme finden iverden. Einmal von Denen, welche, weil sie reich sind, sich auch für vorzugsberechtigter halten als ihre unbemittelten Glaubensgenossen. Diesen sei nur gesagt, daß sie dadurch mit den erstell ethischen Grundsätzen in Widerspruch komuien. Svdaiiu aber lverden Diejenigen Bedenken erheben, ivelche die Einnahmequelle der Gemeinden aus dem Verkaufe aller verfügbaren Sitzplätze, ja der Eintcittskarteii lücht missen wollen. Diesen ist zu erwiederu, daß der Ausfall durch Steuer» gedeckt werden kann und muß, wie auch in den christliche» Glaubeilsgenossenschaften die Ausgaben für die Kirche durch Kirchensteuern bestritten iverden. Es giebt genug Finaiizkundige unter uuseren Glaubensgenosseli, welche ein Gleiches für die Synagoge ermöglichen und zur Deckung der Kosten für Gehalte, Bau-Verzinsung, Heizung, Beleuchtung u. s. w. bestimmte Vorschläge machen könnten. Das ist eine rein geschäftlichorganisatorische Frage. Die sittlich-religiöse Frage aber steht in erster Linie; sie ist eine Art interner Ehrensache. Es sollte nicht gezögert lverden, eine allgemeine Versiüiidigung darüber anzubelhnen. Ein günstiges Ergebniß