Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1893)
- Date
- 1893-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Anderes. — >-11 Uhr : der Juden Anwendung e beklagensudenthums, der Juden önlichkeiten, das Judenllreten sind, lden, denen und damit vorsen sind lthums den :d die Geda sowohl e Mußezeit lufgabe für ößeren Ge- -render Art rediglform, ch und nach igung keine recht Biele, neun ihnen oten wird, lchlich vorethätigung 1). ntung des „vor dem lemark die Ander als tig. Sie r Religion vollständig der: kann, oxer Jude n'tnäckigen r christlich )as junge jüdischen Rabbiner h erzogen, ltern geht selbst aus, h bis jetzt in ist, bell och mit igern, die e thun es n Knaben -wärtigen beiträgt, )ll J. H. n Blattes Gemeinde ux. ist B. St. 57. Jahrgang. Mr. 39. ♦ Berlin, 29. September 1893 Weilcrge gur „Alkgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Z8 Berlin, 24. September. Soeben geht uns die Uebersicht des Haushalts der jüdischen Gemeinde zu Berlin für das Jahr 1892 zu. Wir entnehrnen derselben die folgenden interessanten Sachen. Die Einnahmen der Gemeinde betrugen in diesem Jahr 2,735,803 Mark. Die Ausgaben ca. 2,248,476 Mark. Der Bericht enthält auch eine dankenswerte Zusammenstellung wichtiger Gemeindebeschlüsse aus dem Jahre 1892 und eine Kundgebung des Vorstandes, die dritte Religionsschule in der Derfflingerstraße 18a betreffend. Wie wir hören, laufen die Anmeldungen für diese Religionsschule recht zahlreich ent. Seit Jahren wird darüber Klage geführt, daß es an einer Religionsschule im Westen fehle. Nun ist diesem Mangel abgeholfen. Mögen alle gebildeten und vornehmen jüdischen Kreise im Westen unserer Stadt mit gutem Beispiel vorangehen und ihren Kindern nunmehr einen gediegenen, auf der Grundlage moderner Pädagogik beruhenden Religionsunterricht angedeihen lassen. Wir schließen uns dem Wunsche an, „daß der religiöse Sinn und die Liebe zur Lehre, welche von der Väter Zeit her ein Erbtheil unserer Gemeinde sind, auch an dieser neuen Lehrstätte sich in alter Weise bewähren werden. Mögen die Eltern ihr Vertrauen der Schule entgegenbringen, und sie wird es mit Gottes Hilfe ihnen an den Kindern reichlich lohnen!" DE Berlin, 24. September Der Verein „Freunde der Taubstummen, Jedide llmim", zu Berlin hat auf Grund des neuen Statuts die Rechte einer juristischen Person erhalten mit der Maßgabe, daß die Anstellung des Leiters und der Lehrer der dem Verein gehörigen Taubstummen - Anstalt der Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörde unterliegt. Berlin, 24. September. Der königliche Hofjuwelier Theodor Friedlaender, Inhaber der hiesigen Firma Gebrüder Friedlaender, ist am 22. d. M. im 51. Lebensjahre verstorben. Dem Heimgegangenen, welcher das von ihm betriebene Geschäft durch Umsicht und Tüchtigkeit zu großer Blüthe gebracht hat, wird von Allen, die mit ihm in Berührung zu kommen Gelegenheit hatten, ein dauerndes Andenken sicher sein. Seinen Mitarbeitern war er ein treuer Freund, seinen Kunden ein guter Berather, seinen Untergebenen ein wohlwollender Vorgesetzter. Die jüdische Gemeinde und zahlreiche Wohlthätigkeitsvereine verlieren in ihm ein treues und thatkräftiges Mitglied. Am Sonntag fand im Trauerhause, Bellevuestr. 9, unter großer Betheiligung eine Gedächtnißfeier statt. Die Goldschmiedeinnung, das Geschäftspersonal, die Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues unter ben Juden int preußischen Staate und andere Vereine und Gesellschaften, denen der Verstorbene angehörte, waren erschienen. Die Rede hielt Dr. Maybaum. Die Beerdigung erfolgte auf dem Begräbnißplatz in der Schönhauser Allee. * Berlin, 27. September. Von den im städtischen Obdach befindlichen russisch-jüdischen Auswanderern sind am Freitag 43 Personen durch das russisch-jüdische Komitee nach Amerika befördert worden. Ein zweiter Trupp soll durch dasselbe Komitee demnächst gleichfalls nach Amerika befördert werden. * Berlin, 22. September. Am Neujahrs- und Versöhnungsfeste waren an den Schaufenstern des sogen. „Deutschen Wirthshauses" in der Friedrichstraße P l a k a t e m i t a n t i s e m i t i s ch e n K a r i k a t u r e n angeheftet worden. Auf die Beschwerde eines Passanten wurde diesem, hiesigen Blättern zufolge, von dem dort stationirten Schutzmann erwiedert, daß dem Polizeipräsidium von diesem Unfuge dienstlich bereits Kenntniß gegeben worden sei. Wie wir erfahren, wird gegen den Inhaber des genannten Lokals, Bodek, wegen groben Unfugs und Verursachung eines Straßenauflaufes vorgegangen werden. L. Jarotschin (Prov. Posen), 21. September. Die hiesige jüdische Gemeinde beging am 27. August d. I. das Fest des 25 jährigen Amtsjubiläums ihres verehrten Herrn Rabbiners Bloch. Am Vormittage überbrachten der Vorstand und die Repräsentanten, sowie Deputationen aller Vereine der hiesigen Gemeinde, der Magistrat und die jüdische Schule dem Jubilar in seiner Wohnung ihre Glückwünsche. Auch Se. Durchlaucht Fürst von Radolin (Kaiserlich deutscher Botschafter in Konstantinopel, Oberst-Truchseß Sr. Majestät des Kaisers), der gegenwärtig auf seiner Besitzung Schloß Jarotschin weilt, übersandte dem Jubilar sein Bild mit eigenhändiger Widmung. Nach dent Nachmittags 4 Uhr in der Synagoge stattgehabten Festgottesdienste vereinigten sich hiesige und auswärtige Freunde und Bekannte des Jubilars in großer Zahl im Oschinskyscheu Saale zu einem recht gemächlichen und geselligen Beisammensein. Dem Jubilar wurde u a. seitens der hiesigen und der Bezirksgemeinden eine Ehrengabe, von der Schule zwei prächtige Säulen mit schönen Kandelabern überreicht. Möge es detn and) in weiten Kreisen beliebten Jubilar vergönnt sein, segensreich weiter zu wirken zum Heile des Judenthums. B. J. Schrilnm, 21. September. Einem geborenen Schrimmer, Herrn Hermann Neufeld, der seit einer Reihe von Jahren als einziger Jude in der sächsischen Stadt Grintma ein kaufmännisches Geschäft betreibt, ist für sein muthvolles Eingreifen bei der Rettung eines Mitmenschen vom Tode des Ertrinkens eine öffentliche Belobigung zu Theil geworden. Es erscheint dies für uns Juden um so wichtiger, als gerade in Sachsen, dem Lande des Antisemitismus, ein solches von einem Juden ausgeführtes Rettungswerk öffentlich anerkannt wird. Detn Schreiber dieser Zeilen liegt das Original des Anerkennungsschreibens vor, und gebe ich es hierin wörtlicher Abschrift wieder: „Herrn Hermann Neufeld in Grimma. Auf Anordnmtg der Königlichen Kreishaupttnannschaft Leipzig wird Ihnen andurch zur Kenntniß gebracht, daß die von Ihnen am 5. Juli d.J. bei der Rettung des hiesigen Bäckermeisters Oskar Hermantt vom Tode des Ertrinkens an den Tag gelegte opferwillige Enlschloffettheit und Unerschrockenheit anerkannt ttnd im Einverständniß mit dem Königlichen Ministerium des Innern beschlossen hat. Ihnen eine öffentliche Belobigung zu ertheilen, welche im Sächsischen Wochenblatte und tut Amtsblatt des Stadtraths inzwischen veröffentlicht worden ist. — Auch wir fühlen uns gedrungen. Ihnen für Ihr muthiges und aufopferndes Verhalten bei der Rettung des p. Hermann unseren Dank tmd unsere Anerkennung hierdurch auszudrücken. Grimma, 26. August 1893. Der Stadtrath gez. Lob eck." Zum Schluß will ich noch bemerken, daß Herr Neufeld sich der vollen Hochachtung unter feinen Mitbürgern in Grimma zu erfreuen hat, wofür als Beweis gelten mag, daß er, trotzdem er der einzige Jude üt der Stadt ist, doch der Vorsitzende des „Königlich Sächsischen Kriegervereins zu Grimma" ist. V. Breslau, 23. September. Der hiesigen Synagogen - Gemeinde ist die landesherrliche Gene h nt igung zur Annahtne der Zttwendung ertheilt worden, welche ihr der verstorbene Rentier Herr Julius Bruck im Wege der Erbeinsetzung mit seinem 36—38,000 Mark betragenden reinen Nachlasse behufs Errichtung eines Asyls für unbemittelte erwerbsunfähig gewordene jüdische Lehrerinnen gemacht hat. — Nach dem soeben veröffentlichtett Jahresberichte der von Herrn Rabbiner Dr. P. Neustadt geleiteten Unterrichtsanstalt für 1892/93 ist Folgendes zu entnehmen: Die Anstalt war während des ganzen Schuljahres von 110 Kindern, 78 Knaben und 32 Mädchen, besucht, von denen 6 von auswärts waren. Ganze Freischule haben 42 Kinder erhalten; außerdem wurden Stipendien in erheblichem Umfange vertheilt. Die hiesige Synagogen - Gemeinde gewährte den etatsmäßigen Zuschuß weiter, ihr schloffen sich 14 auswärtige Gemeinden und Korporationen an, sowie 739 (402 hiesige und 337 auswärtige) Mitglieder aus 185 Gemeinden mit zum Theil recht ansehnlichen Beiträgen. Die Gesattnntsttmme der auswärtigen Beiträge betrug 3638,20 M., die der hiesigen 2315,82 M. Unter dem 13. August des verflossenen Schuljahres hat die hiesige Schuldeputation im Einvernehmen mit dem Kgl. Provinzialschulkollegium ver-