Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 39 (29.9.1893)
- Date
- 1893-09-29
- Page
- Seite 467 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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467 zu erfinden, bei Schulder Straße mich, daß - Verbrecher Akt wurde u der Verwurde, lim einem ihm lauern mit m Ansehen leibsel aus t übrigens Die Schulnpublikums olche stattg für sein ßte sie. mir es strengen , auch fiel Exekutionen schuldigung ) in einer i, daß ich fügte. Es de sich in Weise auf für meine le und im etwas zu „Mephistooruckt sah. r Melodie besang den im Könige k mit dem habe ich beurtheilt. Wer hätte! gehalten h an der chaut von Manuskript ,d in aller vor mir nit einem der ersten ruckt sah, wkwürdige , der die lßte, nicht nies nicht ind seiner ine ersten Nummer :rz, wenn mich doch cuck finde, zreiblichen ,sauber aus, der sich zum Glück für den Produzirenden zwar bald l erliert und sich niemals wiederholt, der aber unvergeßlich ist und len kaum irgend ein Anderes auf uns auszuüben vermag. Ich blieb ein sehr fleißiger Mitarbeiter des „Mephistopheles" üs zu dessen letzter Nummer, die Ende Juni 1852 erschien. Als oonorar erhielt ich wöchentlich einige Freiexemplare. Das war uiclit iieljr als billig. Mein lieber Vater hat, außer meinem erwähnten Festblatt zu 'einer silbernen Hochzeit, niemals eine gedruckte Zeile von mir gelesen. ix war ein vortrefflicher, liebevoller und rastlos fleißiger Mann, der anfangs dieses Jahrhunderts aus seiner Vaterstadt Witzenhausen bei Cassel als Geiger nach Hamburg gekommen war. Meine geliebte Mutter war eine Hamburgeri». Als die Familie größer wurde, vurde es meinem Vater schwerer, sie mit dem Geigcnspiel zu ernähren, md er gründete eine Kunsthandlung, die noch vor mehreren Jahren cks eines der ältesten deutschen Geschäfte dieser Art in Hamburg existirte. i Zald blühte sie, zu einem Verlagsgeschäft ausgedehnt, empor und vard eine weitbekannte und accreditirte. Mein Vater durfte nicht merken, daß ich einen anderen Beruf als den seinen liebte. An solchen Gedanken hätte er sich wohl nie gewöhnen können, am allerwenigsten i» den, daß ich mich mit demokratischer Zeitungsschreiberei beschäftigen vürde. Nicht nur, weil diese in Hamburg in keinem erfreulichen Ansehen stand. Die große Hitze des Jahres 1848 hatte allerlei chlimme Blätter hervorgetrieben, welche die Preßfreiheit brutal ansnutzten. Neben den großen handelspolitischen Zeitungen, die, alt und oornehm, sich nur platonisch der stürmischen Bewegung anschlossen, { rauchten Preßerzeugnisse auf, welche von saftigem Klatsch lebten und! oie große Errungenschaft des freien Worts dadurch in Mißkredit vrachten, daß sie nicht, wie es damals hieß, Sklavenketten, sondern oen Frieden des Hauses brachten, und sich mehr mit dem Privatleben oer Bürger, als mit dem Verfassungsleben des Staats beschäftigen, i Man verstand überhaupt nicht, mit der Preßfreiheit umzngehen, sie , war so plötzlich gekommen, und man lernte sie erst langsam kennen.; Vorläufig wurde sie gemißbraucht. In der Gegenwart der Censur hatte die Presse kaum etwas reden dürfen, nun war die böse Gouvernante nicht mehr da, und die Presse machte sich Luft wie ein unartiges Kind, das, wenn die Gestrenge den Rücken gekehrt hat, noch unartiger sich geberdet und sein Spielzeug oder sonst was ruinirt. So war denn die Presse rasch in Mißkredit gekommen. Aber nicht allein durch ihr Hineinmischen in Privatangelegenheiten. Auch die politisch-demokratische Presse war nicht sonderlich angesehen. Die Bewohner der freien Hansestadt waren kaum dem Namen nach Republikaner, die Verfassung war nur nominell eine republikanische. Die Hamburger waren konservative Leute und seit dem Beginn des „Völkerfrühlings" sehr böse auf diesen, weil er den Handel schädigte, überall die Achtung vor dem Kapital lockerte und den Respekt vor der Heiligkeit des Verfalltags der Wechsel herabminderte. Der Hamburger Kaufmann der damaligen Zeit begriff absolut nicht, j weshalb Schleswig-Holstein sich von Dänemark losreißen tvvllte. Was i hatte der König von Dänemark den Schleswigern und Holsteinern j gethan? Wozu hatten die Schleswig-Holsteiner eine kostspielige Armee; aufgestellt, wozu waren eines schönen Tags die preußischen Soldaten durch Hamburg nach Holstein marschirt und hatten bald darauf die j friedlichen Dänen angegriffen und besiegt? Nun war der Krieg da. j Daran hatte die demokratische Presse Schuld, welche den Schleswig- Holsteinern eingeredet hatte, sie seien sehr unglücklich und müßten sich von dem guten König von Dänemark losreißen. Das konnte kein gutes Ende nehmen, und das nahm ja auch kein gutes Ende, l Ich hielt mich »in so mehr für verpflichtet, mich an dem im i demokratischen „Mephistopheles" so sehr beliebten Zerbrechen der i Ketten durch wöchentliche Beitrüge zu betheiligen. Als ich die preußischen Soldaten über die Lombardsbrücke marschiren sah, gab ich mir das Wort, sie zwar in dem Kampf gegen die Unterdrücker Schleswig-Holstein? durch Prosa und Poesie zu uuterstützen, sie aber zugleich mit denselben Waffen als die Schergen der Gewalt (damals ein beliebter Titel) zu vernichten. Wenn mir der Redakteur des „Mephistopheles" nur nicht zu viele dieser Waffen in den Papierkorb geworfen hätte! Das hielt ich nicht etwa für eine gerechte Kritik, sondern für einen höchst traurigen Mangel an redaktionellem Muth, und ich bedauerte dann, daß die Befreiung des deutschen Volkes sich wieder um etliche Tage verzögerte. Und um so eifriger schrieb ich. Wenn nur mein Vater nichts davon erfuhr, so war mir keine Danaidenarbeit zu miihevoll und nutzlos. Manchmal war ich höchst erstaunt, daß trotz meiner vielen Artikel die Sonne der Freiheit noch immer nicht aufgehen wollte. Ich konnte mir gar nicht erklären, weshalb es noch immer nicht hell wurde, aber ich tröstete mich gleichzeitig, es könne nicht lange mehr dauern, wenn ich nur weder Tinte, noch Papier sparte! Dabei erfüllte cs mich mit besonderer Freude, daß alle Tyrannen sortwährend vor mir zitterten, ohne mich persönlich zu kennen. So ging es gar Vielen, die am Ende der vierziger Jahre in der demokratischen Presse thätig waren. Es war das denkbar naivste Dichten und Trachten. Man schrieb mit einer fabelhaften Ungenirlheit. Wenn ich heute lese, was ich damals veröffentlichte, und dazu einen Bück in das heutige Preßgesetz werfe, so rechne ich eine Gefängnißhaft von etwa hundert Jahren heraus, und doch beklagte ich mich konsequent über die herrschende Unterdrückung, während ich vergnügt und unbelästigt innherstrolchte. So wurde darauslos produzirt und selbstverständlich ohne Gedanken a» Honorar. Das hielt ich für sträflich eigennützig. Das Honorar bestand eben im Abdruck. Ich fand, was ich brauchte, im Elternhaus und dachte nicht daran, meine Arbeiten zu verwerthe». Es hätte mir, beiläufig bemerkt, auch nichts genützt. Ich glaube auch nicht, daß es irgend einer Redaktion eingefallen wäre, die Freischärler der Feder für ihre Arbeiten zu bezahlen, es verstand sich ganz von selbst, daß, wer als Mitarbeiter eiutrat, die Hoffnung ans Honorar draußen ließ: es herrschte zwischen den Redakteuren und Mitarbeitern ein von keiner Zahlung getrübter idealer Verkehr. Wenn ich mir nach dem Erscheinen des „Mephistopheles" aus der Buchhandlung von Hoffmanu und Campe mein -Freiexemplar holte und bei dieser Gelegenheit einen Händedruck deS ehrwürdig weißhaarigen Campe bekam, so hielt ich mich für reich bezahlt, und stolz verließ ich den glänzenden Laden wieder in dem erquickenden Bewußtsein, allmälig ein Kollege der Unsterblichen zu werden, deren Werke dort gebunden und broschirt die unendlichen Wände und sauberen Tische bedeckten. Allerdings ging cs mit der Unsterblichkeit sehr langsam, und allmälig fing ich an, mich davon zu überzeugen, daß ich mir dieselbe doch etwas leichter vorgestellt hatte, als sie es in Wirklichkeit war. Hiervon erhielt ich eines Tages einen Beweis, der au Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Ich war auch Mitarbeiter der „Reform" geworden, welche von I. F. Richter gegründet worden war und auch heute noch existirt. Mein Name mußte natürlich ein Geheünniß bleiben, ich arbeitete hier unter dem Pseudonym „Faust". Damals fiel es mir nicht ein, daß dies sehr anmaßend sei, weshalb ich heute nachträglich um Verzeihung bitte, wenn auch ganz unnöthigerweise, denn Alles, was ich veröffentlichte und mit dem heiligen Namen zierte, ist längst verschwunden und vergessen. Eines Tages ermunterte mich der Besitzer der „Reform", einen komischen Kalender herauszugeben, der denn auch unter den Namen „Herr Meier" erschien. Ich besitze längst