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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-09-29 · Heft 39 (29.9.1893) · p. Seite 464

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 39 (29.9.1893)
Date
1893-09-29
Page
Seite 464 (sequence 10)
Language
German
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464 Dn Plötzlich stellt sich Marie vor Jakob uub fährt Tuns an: „Wags nicht, Hand an meinen Herrn zu legen; ich furcht mich nicht vor Dir!" „Was, Tu Dirne?" ruft Tuns, „hat Dich der Jud bestochen! Hast wohl Schweiggeld bekommen?! Geh mir aus dem Wege, oder Drr stirbst mit dem Juden." Mit fester Hand ergreift er Marie, wirft sie zur Seite, faßt grimmig den alten Jakob: „Das Kreuz, wo hast's?" „Ich habe nichts," ächzt der Alte. „Hier hast' was, Jud," schreit Tü»s und schlügt auf Jakob, daß er zn Boden taumelt. „Gott, der Beschützer der Unschuld, wird dies rächen," bringt der Greis hervor. „Kommt, laßt uns suchen, er hat's versteckt, im Boden oder auf dem Speicher," befiehlt Tüns. Die Menge will schon dem Führer gehorchen, als der Schulze mit den Worten erscheint: „Ich fordere Euch jetzt auf, dies Hans zu verlassen, oder ich las; Euch All' verhaften!" Nur Tüns und Rolf machen einige spöttische Bemerkungen. Dann zieht die Menge fluchend und schimpfend ab. Mit wildem Geheul geht's über die Straße. Bor jedem Hause eines Juden machen sie Halt. Spöttische Rufe ertönen, Fenster werden eiugeschmissen. Bangend und betend saßen die Inden in den geheimsten Winkeln ihrer Häuser versteckt; ein furchtbarer Tag. Gegen 10 Uhr Abends war's still im Dörfchen geworden. Nur im Nacke'schen Wirthshause war's noch belebt. Schon gegen sechs Uhr war die Gaststube dicht gefüllt. Leute, die sonst nie ins Wirthshaus kamen, erschienen heute. Rolf und Tuns hatten sich vor den Tisch gesetzt, große Gläser mit Branntwein standen vor ihnen. Auch der Schulze befand sich unter den Gästen. Er setzte sich zu dem Eckersmeyer. „Kaspar," redete er ihn an, „sollte man»glauben? Hättest Du so etwas in dem Markus gesucht?" Ter Angeredete erhob sich, sah dem Schulzen steif ins Gesicht und erwiederte ruhig: „Konrad, ich sag Dir, es steckt ein Schelmenstück dahinter, 'neu Eid leist ich, der Marklis ist's nicht gelvesen, bei Gott nicht!" Die ganze Gesellschaft hatte dies kleine Zwiegespräch mit angehört. „Du, Rolf," wandte sich Tuns zu seinem Nachbar, „weißt Du, was ein Judenknecht ist?" Lautes Lachen tönte durch die Gaststube. Kaspar Eckersmeyer störte sich nicht an diese spöttische Bemerkung. „Höre, Konrad," sagte er lebhaft zum Schlitzen, „ich bin nun fünfzehn Jahre Eckersmeyer, mein sel'ger Bater hat all sein Tag Geschäfte mit dem alten Jakob Cohn genlacht. Kaspar, hat inein Vater immer zu mir gesagt, halt Dich an den Jakob, der ist ehrlich, 'neu bessern Menschen giebt's nicht auf Gottes Erdboden. Ich hab's Versprechen meinem Vater gehalten, und ich bereu»nicht. . ." „Ei ja," fiel Tüns dem Sprecher ins Wort, „der Pfiffige Jud wird sich von einem Eckersmeyer in die Karten gucken lasten!" Wieder lachte die Menge Beifall. „Aber einem Tüns hat der Eckersmcyer in die Karten geguckt," antwortete dieser erregt. „Oder hast's vergessen, wie Du mich beiin Schweinekauf betrügen wolltest? -da verkauf ich dem da meine fetteste Sau auf Schlachtgewicht — ich verkauf mein Vieh nie anders. — Zlveihundertfünfzig Pfund hat'» gewogen, sagt er ilnd will zahle». Da sag ich: Tüns, Du irrst, sie hatte mindestens ihrer vierhundert. Geht mit, sagt er, überzeugt Euch!-und kurz und gut, wißt Ihr, was der elende Kerl da gcthan hat? Meine Sau hat er in die Kammer gebracht und ein leichtes Thier an ihre Stelle gehängt. Wär's nicht der Marie wegen gewesen, die mir fünf Jahre treu gedient hat, ich hätt Dich ins Zuchthaus gebracht." Kaspar hielt inne, eine Pause entstand. Tüns knirschte mit den Zähnen. „So," fuhr Kaspar fort, „nun hast Du Dein frech Maul gestopft! Wie aber hat's der Markus gemacht? Ich schick' ihm gestern durch meine Lisbeth Geld für Maaren — ich kauf bei ihm auf Rechnung —; da kommt der Markus kurz daralif zu mir. Kaspar, sagt er, Du hast mir zioei Dukaten zuviel geschickt, nimm Dich beim Geldzählen mehr in Acht, giebt mir's Geld zurück und geht. Nun frag ich Euch, soll so'n Mann wohl die Kirch' bestehlen?" Die Thür ging auf, der Torfmeyer trat ein. „Der da weiß es," schrie Tüns erlöst aus. „Erzählt» noch einmal, was Ihr gesehen und gehört habt," bestürmte ihn Rolf, „der Eckersmeyer will's nicht glauben, der hält dem Jud die Stange!" Tüns holte einen Stuhl, der Torfmeyer setzte sich. Dann sagte er: „Es ist so, wie ich Euch erzählt habe. Es war gegen ein Uhr heut Nacht, ich will den Pferden frisches Futter geben, da hör ich was auf der Straße sprechen. Ich mach's Stallfeuster auf, da seh ich, wie zwei Juden über die Straße gehen, und ängstlich ruft der eine dem andern zu: „Ich sag Euch, Markus, sie sind hinter uns!" „Ihr seid meschugge, Reb Chajim," sagt der Andere. Ich guck zum Fenster raus und ruf: „Was ist da los?" da laufen sie noch schneller. Ich dachte, die beiden Juden haben Streit gehabt mit Andern, verwunder mich und leg mich schlafen." „Nun," fragt Tüns die Gesellschaft, „tvas sagt Ihr jetzt von dem feinen, ehrlichen Hofjuden?" „Er hat's gethan," sagten Einige. „Der Torfmeyer lügt nicht!" behaupteten Andere. „Im Talmud steht, der Jud' darf den Christen betrügen und bestehlen," ergänzte Tüns. „Habt Ihr auch recht gehört, Torfmeyer?" fragt Kaspar ruhig. „Ja, ja! Mein Nachbar, der Brüggen Anton, der vier Jahre bei Dir Großknecht war, hat's auch gehört. Der will heut Morgen früh zur Stadt fahren, wacht mal auf und guckt nach der Uhr und hört dieselben Worte — und sieht sie auch genau, den Markus und den Andern, wie sie geraden Wegs von der Kirch herlaufen." „Sagt, Schulze," triumphirte Rolf, „habt Ihr dem Eckersmeyer den Eid über die Judenunschuld schon abgenommen?" Jubelnder Beifall lohnte den Witzling. Kasper erhob sich, zahlte feine kleine Zeche, sagte gut Nacht und ging zum Hause Jakob Cohns. Viele Fluch- und Schimpfworte auf die Juden vernahm man von allen Seiten. Plötzlich erhob sich der Schulze, klopfte mit dem Glase auf den Tisch und sagte: „Liebe Leute, mag's sein, wie es will, die Gerichte werden den Schuldigen schon bestrafen. Aber thut mir einen Gefallen, geht jetzt heim und verhaltet Euch vor Allem ruhig gegen die Juden. Es könnt sonst schlecht für Euch auslaufen." Langsam erhoben sich die Gäste nach einander und kehrten zu ihren Häusern zurück. $ „Was bist du so betrübt, meine Seele, und was seufzest du in mir? Harre auf Gott! Denn noch werde ich ihn preisen, meines Antlitzes Heil und meinen Gott!" So betete mit zitternder Stimme der Greis am Bette seiner kranken Riwke. Thränen fielen auf die vergilbten Blätter des Psalters nieder. Gedankenvoll stützte er sein graues Haupt auf seine Hand. „Was bist du so gebeugt, meine Seele?" sprach er und blickte in das bleiche Antlitz seiner Riwke, blickte in ihr Auge, in ihre Seele. Da »var's hatte; Leben so kla NÜt «L Zwei Unbil ruhte, auf. an. : die 3 tief, wohn Riwk halte: Du > Dein nicht; thut'! beim schwi und Mar Vate wird sein, Was verlc steigi und Eleu An des drä; Sch dies gele Pfei vor tönl aus der die Oh ko;u Ho seiu mic ma Zei an kou am er:

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