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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-09-22 · Heft 38 (22.9.1893) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Berlin, 22. September 1893. 57. Lahrgang. Ar. 38. lUCUtÖCl)Ötf 4 'Ueikage zur „Allgemeinen Zeitung des IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. B. Berlin, 18. September. Sonntag den 17. cr. fand die erste Sitzung der Nepr äsen tauten -Versammlung nach den Ferien statt. Auf der Tagesordnung stand zunächst die Einsetzung einer Kommission, die mit der Vorberathung der Vorstands-Ergänzungswahl sich zu beschäftigen haben wird. Auf Vorschlag des Herrn Liebermann wird der Wahlakt durch Stimmzettel vollzogen, und als Mitglieder der Fünfer- Kommission gehen aus der Urne hervor die Herren: Louis Sachs, M. Mannheimer, M. Heilmann, Landgerichtsrath Marcus, Sanitätsrath Blumenthal. Sodann macht der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, Mittheilung von einer Zuwendung des Herrn Jacobsohn in Höhe von 6000 Mark zu Gunsten der jüdischen Armen und von einer Zuwendung der Herren Gebr. Lewinsohn, die das Gedächtniß ihrer verstorbenen Mutter zu ehren, ein Kapital von 5000 Mark der Gemeinde überwiesen haben mit der Maßgabe, an weibliche Personen Unterstützungen von je 50 Mark am Todestage der Mutter, d. i. der 17. Juni, zu zahlen. Beide Legate werden angenommen. Herr Mannheimer legt zwei Abrechnungen vor. Die eine betrifft die Herstellungskosten einer Durchfahrt auf dem Grundstück Oranienburgerstraße 31 und ergiebt, daß 914 Mark bei diesem Bau erübrigt sind; die andere Rechnung bezieht sich auf die Wäschekellereien im Krankenhause, deren Anlagen eine Nachbewilligung von 1120 Mark erfordern. Mit beiden Abschlüssen erklärt sich die Versammlung einverstanden, ebenso mit dem Bericht des Herrn Leonhard Sachs über die in der Chausseestr. 103, den Germania-Sälen, zum ersten Male eingerichtete Synagoge, in welcher der Gottesdienst als ein in jeder Beziehung würdiger sich erwiesen habe Der Miethspreis von 1100 M. wird dementsprechend bewilligt. Herr Heilmann referirt sodann über das z Testamellt des im Julli verstorbenen Buchhalters Eduard Tausk. Der Testator hatte sein circa 60,000 M. betragendes Vermögen in der Weise vermacht, daß 5000 M. als Unterstützung zu Miethszwecken an Personen ohne Unterschied der Konfession gezahlt werden sollten, während die Zinsen des Restes an die Berliner Institute und das jüdische Krankenhaus in Lissa zu zahlen waren. Der Justizminister hat nun aber erklärt, daß er die landesherrliche Genehmigung für das Testament nicht uachsuchen könne, vielmehr seien 30,000 M. an drei Verwandte, die sich gemeldet, zu zahlerl. Da ein Einspruch hiergegen keinen Erfolg verspricht, auch die von der veränderten Sachlage in Kenntniß gesetzte Gemeinde in Lissa sich mit Allem einverstanden erklärt hat, so erklärt die Versammlung sich ebenfalls bereit, auch unter den obwaltenden Umständen die Erbschaft anzutreten. Auf Antrag des Herrn Maurermeisters Fränkel werden 300 M. der Kommission zur Fürsorge entlassener Strafgefangener überwiesen; 500 M. waren derselben bereits vor den Ferien angewiesen worden. Von der Tagesordnung abgesetzt wird behufs sorgfältigster Berathung und Prüfung ein vom Vorstand eingegangener Antrag, der sich mit einer bedelltsamen Abänderung der Verkaufsbedingungen bei Erbbegräbnissen beschäftigt. Damit schloß die öffentliche Sitzung. XE Berlin, 18. September. Die Lesehalle des „Vereins für jüd. Geschichte und Litteratur" befindet sich gegenwärtig im Hotel Centrum, Alexanderstraße 51/52, I. und ist Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend von 4—9 Uhr geöffnet. Es liegen dort fast sämmtliche jüdische Zeitungen aus. ** Berlin, 19. September. Wie wir hören, ist für die durch den Tod David Cassel's erledigte Dozentenstelle au der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums Herr Dr. Martin Schreiner aus Budapest, ein Zögling der dortigen Rabbinerschule und gegenwärtig Lehrer des Hebräischen an der Lehrer-Präparandie daselbst, in Aussicht genommen. Dr. Schreiner hat sich bereits durch werthvolle Studien über arabischjüdische Litteratur und durch tüchtige pädagogische Arbeiten vortheilhaft bekannt gemacht. L2 Berlin, 17. September. In diesen! Jahre hat zum ersten Mal infolge seiner Pensionirung Herr Professor Lewandowsky, der Organisator des modernen Synagogengesanges in Deutschland, den Chor in der neuen Synagoge nicht mehr persönlich geleitet. Der interimistische jetzige Leiter des Chors folgte den Intentionen Lewandowskys. Es wird die vielen Freunde und Schüler des Professor Lewandowsky interessiren, daß die Gesundheit desselben sich während des Sommeraufenthalts in Pankow in erfreulicher Weise gekräftigt hat Herr Lewandowsky hat dort auch „Frau Musika" nicht vernachlässigt und u. A. eine Komposition von Heines „Du bist wie eine Blume" verfaßt, welche allerdings nur für die Mappe des unermüdlichen Komponisten bestimmt ist, indeß von seinem unermüdeten Schaffensdrange ein interessantes Zengniß giebt. GD Buk (Prov. Posen), 8. September. Am gestrigen Tage fand hier die feierliche Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Nachmittags 2 Uhr versammelten sich die Gemeindemitglieder in der Wohnung des Korporationsvorstehers Herr Glückmann, von wo aus sich der Festzug nach dem Eintreffen des königlichen Landraths Herrn Daum aus Grätz nach der Synagoge in Bewegung setzte. Voran gingen junge Damen in Weiß, diesen folgten die die Thorarollen tragenden Herren, alsdann Ehrengäste; den Schluß bildeten die Gemeindemitglieder. Vor der Synagoge angekommen, sprach Fräulein I. Brasch, welche auf einem seidenen Kissen den Schlüssel trug, einen Prolog, worauf Herr Vorsteher Glückmann dem Ortsrabbiner Herr Gutwirth den Schlüssel mit dem Ersuchen überreichte, nunmehr das Gotteshaus zu öffnen. Die hellerleuchtete und reichgeschmückte Synagoge machte auf alle Eintretenden einen imposanten Eindruck. Nachdem Alle Platz genommen hatten, wurden die Thorarollen hereingebracht, wobei der von Herrn Lehrer Spieldoch geleitete Chor unter Musikbegleitung einen Choral anstimmte. Hiermit hatte der feierliche Akt begonnen. Nun j betrat Herr Rabbiner Gutwirth die Kanzel, zündete die „ewige" Lampe > an und hielt im Anschluß an diese Handlung eine Ansprache. Unter Absingung der üblichen Gesänge wurden hierauf die Thorarollen in die heilige Lade gestellt. Alsdann hielt Herr Oberrabbiner Dr. Feilchen feld aus Posen die Weihepredigt und sprach im Anschluß an dieselbe ein Gebet für den deutschen Kaiser und das Vaterland. Nach Absingung des 92. Psalms wurde das Minchagebet verrichtet, worauf mit einem Schlußgesange die erhebende Feier in der Synagoge ihren Abschluß fand. — Abends 7 Uhr fand ein Festessen statt. Hier brachte Herr Spieldoch zunächst ein Hoch auf den Kaiser aus, worauf von den Festtheilnehmern die Nationalhymne angestimmt wurde. Ansprachen hielten die Herren Rabbiner Gutwirth und Lehrer Spieldoch. Bis Nachts 2 Uhr blieb die Gesellschaft in heiterer Stimmung zusammen. — Den Bau des Gotteshauses führte Baumeister Hecke von hier aus, die Malerarbeiten Herr Simon aus Posen. X Aus Ostpreußen, 17. September. Die Hilfskasse für Beamte der Synagogen - Gemeinden in Ostpreußen, Westpreußen und Pommern zählt gegenwärtig 47 Mitglieder, die 1045 Mark jährliche Beiträge aufbringen. — Am 14. d. Mts. verstarb in Berlin der Stadtrath Joseph Sklower aus Tilsit, ein naher Verwandter des früheren Vorstandsmitgliedes der Berliner Hauptgemeiude S. Sklower, Mitbegründer des Verbandes der Synagogengemeinde Ostpreußens. Der Verstorbene, einer alten jüdischen Patrizierfamilie Breslau's angehörend, die Gelehrte, wie Jesaia Pick und den Herausgeber hebräischer Drucke, May in Dyrenfurth, zu den Ihrigen zählte, hatte das von seinem Vater ererbte Holzgeschäft mit Dampfschneidemühle durch umfangreiche Verbindungen in Rußland zu einem der größten Ostpreußens ausgestaltet. Er war seit zwei Dezennien Vorsteher der jüdischen Gemeinde und Stadtverordneter, vor einigen Jahren ehrten ihn seine Mitbürger durch die Ernennung zum unbesoldeten Stadtrath. Der Dahingeschiedene war mit ganzer Seele Jude. Nach anderen als bürgerlichen Ehren hat er nie gestrebt, welche Eigenschaft besonders zu Tage trat, als er bei der Anlegung eines Winterhafens au der Memel auf seiner Besitzung dem Staate Hilfe leistete. Das deutsche Judenthum an der Ostgrenze verliert in I. Sklower

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