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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-09-22 · Heft 38 (22.9.1893) · p. Seite 453

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 38 (22.9.1893)
Date
1893-09-22
Page
Seite 453 (sequence 11)
Language
German
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453 >er§ Ludezugsweise eschick mir d Rom," Die Ergefeiertm rde durch lich seiner inar über in Berlin entendstes jtung bei n. idervollen wahrlich, jüdischen :r Dichter lester Zeit für seine Dankesgcbildeten rus wohl Vorträge ie Hälfte, ind Frei" fftorbenen >ewürdiqt tisch, der >er Sohn ) lverden noch das blättere, und ge- Gibbor", jüdischen >r Inden, Wirkung i verstorsich bei chen einst ieschichten den erlen. «den von ngsknnst, jüdische aterlande gedrängt geächtet, t", »Der wr ganz enswarni igemälde Febnar Lazarus n einer ergreifenden Rede der Trauer des deutschen Volkes, des Zudenthums insbesondere um einen seiner besten Söhne Ausdruck, ind als er, wie er es gewünscht, in seinem bescheidenen Heimathswrfchen, unter deutscher Erde und unter jenen schlichten Menschen, sie durch seine „Schwarzwälder Dorfgeschichten" weit über die Grenzen ics Landes hinaus bekannt geworden sind, begraben wurde, widmete hm der damalige Rabbiner von Mühringen, Dr. Silberstein, jetzt ii Wiesbaden, ebenfalls einen warmen Nachruf. Die Cottasche Buchhandlung will jetzt durch eine Volksausgabe die bedeutendste» Schriften öerthold Auerbachs dem Publikum näher bringen. In goldenen Jugendtagen haben Euch, Ihr Frauen und Mütter Israels, Berthold Auerbachs Erzählungen und Romane entzückt, haben Euch erhebende und schöne Stunden reiusteii Genuffes geschaffen, gebet nun dieselben Euren Töchter» in die Hand! Hat auch Fanny Lewald den Glauben ihrer Väter verlaßen, mit ihrem Herzen ist sie wie Rahel Levin, wie Henriette Herz doch ganz eine Tochter des Stammes geblieben, dem sie entsprossen, und wir zählen sie auch noch gern zu den „Unfern". Von Beginn ihrer schriftstellerischen Laufbahn bis zu ihrem letzte» vorzüglichen Romane „Die Familie Darmer", welcher noch die Lektüre des edeln Dulders Kaiser Friedrich in seine» Leidenstagen bildete, sind alle ihre Werke geeignete Lektüre für unsere Töchter. Ganz besonders warm, last dut not least, als eine Quelle unerschöpflicher Belehrung und Anregung seien der israelitischen Frauenwelt die beiden Werke: „Die jüdischen Frauen in Litteratur, Geschichte und Kunst" von Dr. M. Kayserling und „Das jüdische Weib" von Nahida Remy empfohlen; auch die Schriften von Elise Orszeszko und C. Berg verdienen allgemeine Beachtung. Eine verständige Frau und Mutter wird mit leichter Mühe, mit Liebe und Sorgfalt in dem Wundergarten der jüdischen und deutschen Liitcratur die schönsten Früchte herausfinden, die veredelnd auf das Gemüth, bereichernd auf den Verstand ihrer jungen Tochter wirken, die sie erfreuen in frohen, erheben und erbauen in trüben Tagen! d FEUILLETON Mie mein Urgroßvater meine Urgroßmutter bekam. Nach den Berichten seiner Mutter erzählt von Gustav Eichengrün. (Fortsetzung.) Am Donnerstag war's. Jakob war zur Synagoge gewesen und kiim jetzt zurück. Er nahm seine Tefillin, hing sie an ihren Platz neben das Misrach und setzte sich still gedankenvoll auf seinen Seffel. Riwke wunderte sich über sein Benehmen; war er doch sonst heiter und vergnügt! Wer konnte ihm auf dem Wege zum Gotteshause begegnet sein? „Was ist Dir, lieber Jakob?" fragte sie vertrauensvoll. Seine Mienen heiterten sich auf: „Laß mich aus! Ich habe heute Nacht geträumt, und daran denk ich immer: Unseren Markus sah ich in einem dunklen, engen Zimmer. Verzweiflungsvoll rannte er hin und wieder. Dann legte er sich nieder matt und bleich, seine Lippen bebten, seine hohlen Augen starrten wehmuthsvoll ins tiefe Dunkel. Da plötzlich verschwindet die Finsterniß, ein Sonnenstrahl dringt ins Gemach. Verschwunden Nacht und Grauen, Tod und Verderben." Jakob hielt inne. „Träume sind Schäume," sagte Riwke. „Sind Schäume," iviederholte Jakob, stand auf, ging in seinen Garten und auf und nieder wandelte der Greis, dachte nicht mehr an die Finsterniß, nicht mehr an Tod und Verderben. Riwke wollte zum Gebetbuch greifen, da kam Marie, das Dienstmädchen, ein blauäugiges, blondhaariges Kind, herein und sprach: „Darf ich heute zur Kirche? Meiner Mutter Sterbetag ist heute, und mein Bruder Konrad läßt für ihr Seelenheil eine heilige Messe lesen. Darf ich, Frau?" „Gewiß", antwortete Riwke. Marie war in der geöffneten Stubenthür stehen geblieben, als sie ihr Anliegen vorbrachte. Wußte sie doch im Voraus, daß es ihr erfüllt wurde! Sie wandte sich jetzt, um die Thür hinter sich zu schließen. „Marie!" rief Riwke. Marie trat wieder zwischen Thür und Pfoste. „Komm näher, ich möchte Dir vor Deinem Kirchgänge etwas zur Beherzigung sagen." Marie trat vor den Tisch, spielte mit der Schürze und blickte vor sich hin. „Du weißt," begann Riwke, „daß ich stets Dein Bestes will. Da wird mir nun berichtet, Du hättest am vorigen Sonntag viel mit dem Rolf Meinhage getanzt, und er hätte mit Dir gescherzt und getändelt .... Laß das, Marie! Er ist kein Guter! Glaub seinen süßen Worten nicht." .... Marie schwieg einigeAugenblicke. Dann sagte sie: „Ich will ihn nicht mehr beachten!" „So ist's recht!" fiel freudig Riwke ein, „nun kannst Du für Deine gute Mutter beten. Sie hätte auch so zu Dir gesprochen. Geh, Kind, geh zur Kirche, es läutet schon zum dritten Male!" Zwei fromme Wesen richteten in demselben Augenblicke Herz und Hand gen Himmel in verschiedener Sprache und mit verschiedenem Glauben. Beider Gebete stammten aber aus einem Buche: dem guten Herzen. d Riwke hielt plötzlich im Gebete inne: rasche Tritte hörte sie auf dem Flur. Schnell öffnete sie die Thür, Marie stürzte athemlos herein, „Euer Markus soll's gethan haben," brachte sie hervor. „Was gethan haben?" fragte Riwke verwundert. „So wißt Jhr's nicht? Nein, nein, der Markus hat's nicht gethan, kann's nicht gethan haben!" „Was, was?" mahnte Riwke ungeduldig. „Nein, nein, der Markus war's nicht, der ist zu gut," sprach Marie verwirrt wie zu sich selbst. „Was ist geschehen? Du marterst mich!" rief Riwke. Marie strich sich über die Stirn, als besänne sie sich auf etwas. Doch noch immer erregt, fuhr sie fort: „Ich komme zur Kirche, es hat schon abgeläutet. Doch noch immer erscheint der Pfarrer nicht, die Messe zu lesen. Ist er krank? Nein, da ist er, tritt auf die Kanzel, am Wcrkeltag auf die Kanzel. Liebe Christen, spricht er, die Kirche ist bestohlen, das Weihranchfaß, das goldene Kreuz, der silberne Reliquienkasten — Alles fehlt. Thränen stürzten aus seinen Augen . .. Wir eilen hinaus. So, so, nun wißt Ihr Alles!" „Gott, was für schlechte Menschen gicbt's doch!" sprach Riwke. In den Ton ihrer Worte hatte sie den ganzen Abscheu gegen die verruchte Handlung gelegt. „Und was hat Markus damit zu thun?" forschte sie weiter. „Ach ja, tvir eilen hinaus, unterreden uns laut über das Schreckliche, die Kircheuunttvohner kommen herbei. Das hat kein Christenmensch gethan, geht'S durcheinander. Es giebt auch schlechte Christen, rufen Einzelne. Da plötzlich kommt der Torfmeier — der altc —: Der Ind, der Markus hat's gethan, und der Andere, der seit acht Tagen mit ihm gegangen und gestanden, hat geholfen. Ich weiß es, ich bezeug's, ich kann's beschwören ..." „Gott sei uns gnädig!" bringt Riwke halb ohnmächtig hervor.

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