Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1893)
- Date
- 1893-09-22
- Page
- Seite 449 (sequence 7)
- Language
- German
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449 Zeugen, aß Sie die >as ist nur ls Zeugen, dent damit Bickell als ruck. en Antrag, rag gestelll Wohnung daß Sie in n sind? — rbeiten das im Schafs- : blos das rer Deckert >er bekannt icht, weder lpfehlungen D sehr ver- Reihe von oung stand. Schafspelz", über den lgend, ihm die Juden ingen über itzchen, wo icht augen- Jch fragte ede. Nach niversitätsen Freund den, damit aufrichtig, äerth war. riten, ProkU. Desh habe in onach sich lit Stellen , sondern 'trag liegt Lickell hat l Meyer- Wohnung te, und da , während er in seine a noch bei n Wochenan, wahrmnte nicht cher Akten as sich an n anreihe, fs Tiefste, ich kann bin selbst er erzählte er, als es sagt, nicht ■ ich hatte rlich nicht. Ich fragte den Meyer, ob man das veröffentlichen dürfe. Er sagte zu und ich besitze noch das betreffende Stenogramm. Am Schluffe sagte er mir, es wäre besser, wenn er es selber schriebe und mir den Brief zur Veröffentlichung übergäbe. Ich war einverstanden. Nach einigen Tagen kam Meyer mit seiner Braut zu mir und überreichte mir den Brief. Ich sah sofort, daß ihn seine Braut geschrieben, daß aber die Unterschrift von ihm selbst war, da ich diese Unterschrift aus verschiedenen seiner Schriften kannte. Man hat mir vorgeworfen, daß Meyer auf mein Ansuchen den Vrief geschrieben hat. Dem ist nicht so. Meyer hat mir den Thatbestand zuerst erzählt und weil er für mich von Interesse war, habe ich ihn allerdings gebeten, denselben niederzuschreiben. Auch daß Meyer für den Brief von mir bezahlt wurde, wird mir von meinen Gegnern zum Vorwurf gemacht. Das ist eine böse Unterschiebung; wenn Meyer, bevor w mir den Brief übergab, eine Entlohnung verlangt hätte, hätte ich ihn uit Verachtung abgewiesen (Pfarrer Deckert macht bei diesen Worten eine ablehnende Handbewegung); so hat er erst nach der Veröffentlichung die Entlohnung entgegen genommen, und das mußte mich im Vertrauen zu hm stärken, umsomehr als Meyer die ihm von Dr. Bickell angebotenen j i 000 fl., sowie einen monatlichen Gehalt von 120 fl. und eine lebensj än gliche Versorgung, wenn er die Geschichte fallen lasse, zurückwies. Das war mir ein Zeichen, daß Meyer von der Wahrheit der Sache iberzeugt war. Ich selbst war durch den Brief in meiner ans historischen Studien gewonnenen Ueberzeugung, daß es in vergangenen Zeiten Ritualnorde gegeben hat, bestärkt. Ich hatte auf die Herausforderung des Dr. Bloch nur andeutungsweise von den Enthüllungen eines Konvertiten gesprochen, erst als mir der Vorwurf gemacht wurde, ich flunkere, entschloß ch mich zur Veröffentlichung des Briefes. Präs.: Bedenklich erscheint nur das Eine, daß nach der heutigen Verantwortung Meyer's der Verdacht vorliegt, daß dieser Mann mit einer Ausdrucksweise gar nicht die Befähigung hat, das Deutsch dieses Briefes zu schreiben. Wie erklären Sie uns das, Herr Doktor? Dr. Deckert: Ich glaube, seine Braut hat den Brief nach seinen Angaben verfaßt. Seine Braut ist eine hochgebildete, junge Dame, das veiß ich aus Gesprächen, die ich, allerdings nur selten, mit ihr hatte. Dr. Kopp: Herr Pfarrer, Meyer hat bei Ihnen gewohnt? Dr. Deckert: Gewohnt eigentlich nicht. Ich hatte ihm, bevor er nach Kien kam, eine Wohnung gemiethet, da er aber keine Möbel hatte, um äeselbe zu beziehen, so ließ ich ihn einige Zeit bei mir schlafen. Dr. Kopp: Nun, das soll ja kein Vorwurf für Sie sein. Was > >aben Sie Meyer an Geld gegeben? Dr. Deckert: Ich habe ihm für zu leistende schriftstellerische Arbeiten uonatlich hundert Gulden versprochen und zum Theil auch ausgefolgt. Vertheidiger Dr. Griez fragt Dr. Deckert, ob er in einem Wiener > Ratte eine Berichtigung veröffentlicht habe, dahingehend, daß Meyer! ei ihm niemals gewohnt habe. — Dr. Deckert: Ich nenne das eben z icht wohnen. i Dr. Griez: Sie haben in der „Österreichischen Wochenschrift" erklärt:! Es ist nicht richtig, daß ich Meyer in meine Wohnung ausgenommen abe." — Dr. Deckert: Ja. — Dr. Griez: Sie wußten, wo Meyer, als r von Ihnen fortzog, wohnte? — Dr. Deckert: Ja, später habe ich's ewußt. Dr. Griez: Aber dem Wachorgan, das Meyer bei Ihnen verhaften sollte, haben Sie erklärt, es nicht zu wissen. — Dr. Deckert (nach inigem Besinnen): Polizeispitzeln gegenüber bin ich immer zurückhaltend. Dr. Griez: Haben Sie die Frage des sogenannten Blutrituals zu! chrem Studium gemacht? — Doktor Deckert: Es kann wohl keinem Nenschen verwehrt werden, auf dem Wege des Studiums sich eine Uebermgung zu verschaffen, in der einen wie in der anderen Frage. Die Wissenschaft ist frei! Dr. Pattai (zu Dr Deckert): Haben Sie die Leute, die den Ritualwrd begangen haben sollen, beleidigen wollen? — Dr. Deckert: Das ar ja gar nicht möglich. Ich kannte die Leute nicht und wußte nicht nmal, wo Ostrowo lag. — Meyer (einfallend): Wohl hat er es gemußt. Ich habe es ihm gesagt und ihm auch die Namen der Leute genannt. Präs.: Das ist interessant. Bisher haben Sie ja behauptet, von er ganzen Affaire nichts zu wissen. — Meyer: Ich drückte mich leider .hlecht aus. Es folgt das Verhör des Redakteurs Doll. Derselbe bezeichnet >ch als nichtschuldig. Er habe nur, sagte er, einem katholischen Priester Gelegenheit geben wollen, sich gegen die Angriffe des Dr. Bloch zu wehren, habe dem Artikel die Ueberschrift „Eine Kontroverse" gegeben und auch alle Erwiederungen des Doktor Bloch ausgenommen. Der Angeklagte bemerkt schließlich, das ganze Zeitungswesen beruhe heutzutage auf dem System der Berichterstattung und man könne in der Vorsicht nicht weiter gehen, als von einem Referenten zu verlangen, daß er sein Referat unterfertige. Hierauf werden die Zeugenvernehmungen eröffnet. Herr Kaspar Jnthal, Herausgeber des „Vaterland", giebt an, Paulus Meyer sei nach Veröffentlichung des inkriminirten Briefes in der Redaktion des Vaterland" erschienen und habe der Voraussetzung, daß er der Verfasser des Briefes sei, nicht widersprochen. Ja er erklärte sogar mir erhobener Hand, daß Alles, was er geschrieben habe, wahr sei. Der Präsident giebt bekannt, daß der als Zeuge beantragte Dr. Bickell derzeit nicht in Wien sich aufhalte, und verlieft ein Gutachten der Gerichtsärzte, demzufolge Paulus Meyer an hochgradiger Neurasthenie, Nervenschwäche und Blutarmuth leidet. Dr. Porzer beantragt dann die Vernehmung des Ernst Vergani, welcher sich freiwillig zum Zeugen dafür erboten habe, daß Paulus Meyer ihm gegenüber sich als Verfasser des Briefes bekannt und sich bereit erklärt hatte, noch weitere Artikel in diesem Sinne zu schreiben. Der Gerichtshof beschließt die Vernehmung Vergani's. Derselbe erzählt, Meyer sei bei ihm gewesen, um einige Artikel über den Ritualmord zu schreiben. Auch über den Talmud machte er sich erbötig, ausführliche Artikel zu liefern, wenn es sein müsse, auch mit seiner Unterschrift, die gewiß Aufsehen erregen würden, weil Nieumnd den Talmud so aufsassen könne, wie er. Darauf habe er Vergani gefragt: Ja, waren Sie wirklich bei diesem Morde? Meyer antwortete: Selbstverständlich! — Trotzdem habe er, Vergani, seine Artikel abgelehnt und auf Meyer's Frage, warum, geantwortet: Sie wissen ja sehr gut, daß ich auf dem Standpunkte des Raffen-Antisemitismus stehe und einem getauften Juden ebensowenig Glauben schenke wie einen: ungetansten. (Lebhafte Heiterkeit.) Darauf sagte Meyer: Das werden Sie noch bedauern, und ging. Präs, (zu Meyer): Was sagen'Sie darauf? Meyer: Das ist vollständig entstellt. Ich ersuchte Vergani blos, daß ich mich in seinem Blatte auf die heftigen Angriffe von israelitischer Seite vertheidigen darf. Vergani sagte, er wolle auch mit einem getauften Juden nichts zu thun haben; darauf ging ich. Dr. Griez de Ronse beantragt die Verlesung verschiedener Leumundsnoten des Paulus Meyer. Nicht uninteressant sind zwei von protestantischen Pastoren in Rußland über Paulus Meyer ausgestellte Zeugnisse, in deren einem es heißt: „Ihm (Paulus Meyer) wurde die Gnadengabe des Herrn in ungewöhnlicher Weise zu Theil." Das Beweisverfahren wird geschlossen und bei der Fragestellung verliest Dr. v. Griez eine Eventualsrage, ob nicht Paulus Meyer dem Dr. Deckert das Manuskript übergeben habe, ohne die Veröffentlichung zu wünschen. Der Gerichtshof genehmigt diese Eventualfrage. Es beginnen nunmehr die Plaidoyers der Herren Dr. I. Kopp und Dr. Griez de Ronse, Dr. Pattai. Den endlosen Reigen der Reden schloß Paulus Meyer mit einem Speech, der sogar seinen Vertheidiger zur Verzweiflung zu bringen schien. Er legte dar, daß er der Veröffentlichung des Dr. Deckert nicht öffentlich habe entgegentreten können, weil ihn dieser sonst auf die Straße geworfen hätte. Wenn er übrigens verurtheilt werden sollte, so schloß der Angeklagte, so möge man ihn nicht des Vergehens, sondern der Uebertretung schuldig erkennen. Pfarrer Deckert und Redakteur Doll verzichteter: auf das Wort. Es folgte hierauf das musterhaft objektiv gehaltene Resumö des Präsidenten. In demselben rekapitulirte LGR. Haller die Ergebnisse der Verhandlung und verwies darauf, daß, wie auch der Oberste Gerichtshof entschieden habe, nicht nur Derjenige eine Ehrenbeleidigung begehe, der von vorherein die Absicht zu beleidigen habe, sondern auch Derjenige, welcher das Bewußtsein habe, daß durch die von ihm ausgesprochene Beschuldigung die Ehre eines Anderen verletzt werde. Hierauf ziehen sich die Geschwornen zur Berathung zurück. Nach mehr als einstündiger Berathung erschienen um 1/210 Uhr die Geschworenen. Ihr Verdikt haben wir schon angeführt. U