Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Hroßherzog mung versehr stark, dem Ortsr erwähnt en an den anberaumt sein. Ein elche unter der neulindau 23 rer großen ch Gesang des Vororderhaus, ragoge ge- . Horovitz »ielt dann, llt waren, r, der sich hell, der ünrichtung n Nr. 30 )r. Kroner, nmt gegen at hier am ersam mwßherzogtgesunden. r Tagesrn Nr. 30 lten gegen instimmig, on Ihnen ischen Gerr übrigen zu gegeben welche sich rerth, daß immt und nlung mit t, daß die durch den )r länger, rthätigkeit rr Wochen Lhätigkeit nlen läßt, -M ganzen l)enr Wege m Zwecke feste, anr ihung der Stiaßny l Bezirke tiem dreien er denrauensitze lles; die ayer, die »enzl, die betrugen l Spesen , Samm- I argen, sowie durch eine Lotterie aufgebracht, zu welch letzterer der Kaiser . i u Haupttreffer gespendet hatte. Die neue Synagoge war von An- : r ichtigen und den geladenen Festgästen dicht gefüllt und gewährte einen : oeraus freundlichen Anblick. Durch den kleinen Vorhoff in welchen : au von der Straße aus durch ein vergoldetes Gitter gelangt, tritt , an in die Vorhalle, die mit Paluren, exotischen Gewächsen und den Misten des Kaiserpaares geschmückt war. Daselbst sind zwei Gedenk- : lfeln mit den Namen des Baukomitees und der beim Bau beschäftigt wesenen Architekten und Gewerbetreibenden angebracht. lieber dem aupteingang in das Gotteshaus prangt in Goldlettern die Inschrift: Unter der Negierung des Kaisers Franz Josef I. erbaut im Jahre 1893." as Gotteshaus selbst ist im schonen, rein maurischen Bogenstyl ge-! rlten. Der ganze Bau gewährt ein überaus schönes harmonisches Bild nd ist durch das einfatlende Oberlicht von Lichtwellen dnrchflnthet. ur Eröffnungsfeier hatte sich ein sehr distinguirtes P ' ie Weihe des Gotteshauses faub in hergebrachter Weise statt. Jntersant war die Rede des Wiener Bürgermeisters Dr. Grübl, der u. A. - uzte: „Die Vollendung des Baues in so kurzer Zeit ist nur der Opfer- Billigkeit Ihrer Glaubensgenossen und der Thätigkeit und Rührigkeit?s Komitees und seines Präsidenten zu danken. Nun ist das Werk Kündet und wird einer Gruppe von gläubigen Bürgern zur Stätte : enen, wo sie sich zum Gottesdienste versammeln. Es bedeutet so einen; esentlieheu Fortschritt auf dem Gebiete der Kultur. Ich wünsche, daß eser Bau den Unglücklichen und Schwachen jederzeit eine Starte des rostes, der Erurrrnterung rrnd Aufrichtung, den Starken und Klugen : ne Stätte der Sammlung, Erkenntniß und Selbstbeherrschung, Allen icr eine Stätte der Erbauung und des Friedens sei." — 'Auf ein tonitum des ungarischen Kultusministers wegen Befreiung der j üdischen oldateu vom Waffendienste an den hohen Feiertagen, nänllicham 12. und 20. September, hat das gemeinsame Kriegsministerium eriedert, daß die Truppen im Bereiche des IV., VI. und XU. Korps am; i., 12. und 20. Septeinber Waffenruhe haben, daher eine Verfügung - dieser Hinsicht gegenstandslos ist. Die Truppen des V. und i l. Korps nehmen dagegen an den bezeichneten Tagen au den , rößereu Manövern Theil, und es kann aus diesem Grunde eine üfreiung der jüdischen Soldaten von den Manövern nicht eintreteu. — ie Auflösung des „Germanenbundes" haben Sie wohl schon teleraphisch erfahren. Eine Anzahl exzentrischer Bursche hatten sich unter chönerer's Patronanz zusanunengethan und einen Germanenbund geründet. dtachdem dieser Verein schon einmal aufgelöst worden war, erlegte er seinen Sitz nach Salzburg, wo er näher dem Kyffhäuser ine germanischen Tendenzen pflegen konnte. Das Blatt, welches als üreinsorgan galt, heißt auch „Kyffhäuser". Soeben wurde der Germanen- und abermals vom Ministerium des Innern aufgelöst, und die Jüngnge, welche gewiß langbärtig wären, wenn sie überhaupt Bärte hätten, lüsseu jetzt anderswohin gehen mit ihrem Germanenbund. — Von allen -eiten wird bestätigt, daß der Abgeordnete der Wieden, Wilhelm •aitcf, sein Mandat niederzulegen entschlossen ist und daß für Herrn schönerer eine intensive Agitation im vierten Wiener Bezirke entfaltet ürd. Die Kandidatur Schönerer's auf der Wieden in Wien zeigt ' nederunl, daß mit dem Ablauf der strafrechtlichen Folgen für den ührer das sogenannte Germanenthum kühn sein Haupt erhebt. — reiherr v. Königswarter befindet sich auf dem Wege entschiedener Besserung. Er dürste schon in den nächsten Tagen das Bett verlassen innen. Voraussichtlich wird er sich zur vollständigen Erholung kommende suche nach Baden bei Wien zu mehrwöchentlichem Aufenthalte begeben. Frauirreich. '"Paris, 8. September. Ein päpstlicher Zuaven - Offizier, Graf e S alv ert, schreibt an den Pariser „Matin", um gegen das Gebahren rum out's zu protestiren und jede Jdeengemeinschaft mit dem Führer er Antisemiten abzulehnen. „Als Edelmann", liest man, „verabscheue h die Schmähung der Frauen, als Soldat und ehemaliger Adjutant 's Generals de Miribel war ich entrüstet, zu sehen, wie so viele wackere wische Offiziere angegriffen und beleidigt werden. Als Ehrist endlich, ls ehemaliger päpstlicher Zuave ertrage ich es nicht, daß die Religion er Liebe und Brüderlichkeit so verzerrt und entstellt wird. Ter Mann, welcher sich so wüthenden Tollheiten hingiebt, weiß nicht, was Religion, oas Vaterlandsliebe, ja ich möchte sagen, was Ehre ist. Nicht in unserer j Mitte — schließt Graf de Salvert — wird Herr Drumont Verfall oder Mitschuldige finden. Er hat sich selbst verbannt aus allen Parteien, aus allen Religionen, aus der Gesellschaft aller anständigen Menschen." Der ehemalige Unterpräsident von Avesnes Jsaae hat Drumont wegen einer neuen Beleidigung seine Zeugen geschickt, denen der Direktor der „Libre Parole," seinen Revolver schwingend, mit einem Schmähworte ablehnenden Bescheid ertheilte. Darauf antwortete Jsaae mit einem Briefe, in dem er Drumont einen Preßbanditen nerrnt, „der mit der Ehre Anderer — von feiner eigenen könne nicht die Rede sein — berufsmäßig Schacher treibt". Wrolzbritnttnien. X London, im September. Das Exploitiren der russischjüdischen Arbeiter in London gehört ohne Zweifel zu einem der größten Hebel unserer Zeit. Es herrscht in der That hier in London unter den emigrirten russischen Juden East-Londons große Noth und jammervolles Elend. Wie viele nuferer unglücklichen Brüder (und das find die sogenannten begünstigten) arbeiten da bei geringem Lohn 10—18 Stunden täglich ununterbrochen, um ihr eigenes dürftiges Dasein zu fristen. Wenig, sehr wenig bleibt ihnen von dem erworbenen Gelde übrig, um ihre Angehörigen damit ernähren zu können. Da ist es wohl kein Wunder, wenn die Frauen und Kinder schwach und krank sind und von Hunger geplagt wie die Schatten in den Straßen Gast-Londons verschmachtend einhergehen. 'Aus folgenden Zeilen, entnommen aus den ,,1)ai1x News“ von Montag, den 14. September d. I., können die geehrten Leser dieses Blattes Näheres erfahren. Gestern Morgen empfing in seinem Office, Finsbury square, der Ehief Rabbi lDr. Hermann 'Adler», eine Deputation der internationalen Bäcker-Union. Herr E. Guilaroff, der Sprecher, sagte, daß die Union lediglich ans jüdischem Bäckern bestehe. Der Mann arbeite im Durchschnitt 18—20 Stunden täglich, und dabei wird ihm keine gehörige Eßzeit gestattet. Der Chief Rabbi frug darauf erstaunt, ob der Sprecher auch wirklich 18 Stunden Arbeitszeit täglich meines Herr G. antwortete, daß sie an manchen Tagen 10 Stunden arbeiten, und au andern 21 Stunden. Sie begeben sich zur Arbeit um 5 und 6 Uhr Abends und arbeiten ohne Unterbrechung bis 12 und bis 1 Uhr bis am nächsten Nachmittag. Im Durchschnitt verdienen sie nur 10 Shilling pro Woche. Der Werkführer bekommt 24 Shilling, sein Gehilfe 12 Shilling und der dritte Gehilfe nur 10 Shilling, zuweilen aber auch nur 0 Shilling. Das Backhaus ist sehr oft in fürchterlich ungesundem Zustande. So besuchte unlängst ein Parlamentsmitglied ein Backhaus in East-London, in dem er nach 2 bis 3 Minuten Aufenthalt darin fast ohnmächtig hinfiel. Als Juden beklagen sich die Männer, daß sie unter den jetzigen Bedingungen auch ihren religiösen Pflichten nicht Nachkommen können. Sie verlassen die 'Arbeit am Freitag Abend, aber uni 2 Uhr Sonnabend Nachmittag müssen sie wieder mit der Arbeit beginnen. Der Chief Rabbi frug erstaunt: „Was, in jüdischen Geschäften?" Worauf Herr G. antwortete: „Ja, dies geschieht in jüdischen Geschäften." Der Chief Rabbi: „Sind diese Geschäfte am Sonnabend geöffnet?" Herr G. antwortete, daß die Geschäfte zwar geschlossen, aber es werde hinter geschlossenen Läden gearbeitet. Der Chief Rabbi sagte in seiner Antwort, daß er bei nächster Gelegenheit die Backhäuser besuchen werde, um sich zu orientiren. Auch würde er sich mit Herrn Samuel Montagu, Parlamentsmitglied, berathschlagen. Die Deputation dankte und verließ den Chief Rabbi. Wer die Führer und Leiter dieser internationalen Bäcker-Union sind, weiß ich nicht und überlasse es kompetenteren Männern, darüber zu schreiben und zu berichten. Es wäre wohl wünschenswerth, daß die gesammten europäischen jüdischen Blätter, an ihrer Spitze die jüdische englische Presse, ihre bewährte Theilnahme in der Sache nicht versagen und diesen Fall nicht übersehen. M. 1)... 1. Rußland. * Petersburg, 10. September. Wie immer, so kommen auch diese Woche zwei direkt sich widersprechende Mittheilungen ans dem heiligen Rußland. Nach der ersten hat die Negierung beschlossen, den Termin für die Ausweisung der Juden nach der ihnen zur Niederlassung zugewiesenen Zone bis zum 1. Juni 1894 zu verschieben. Ten Provinz- Gouverneuren wird es jedoch gestattet sein, bei dem Ministerium des Innern um eine weitere Verlängerung dieses Termins bis zum 1. Juni 1895 für nicht strafgerichllich verurtheilte Juden anzusnchen, falls dies für die Regelung der zwischen diesen und Christen schwebenden geschäftlichen M