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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1893-09-15 · Heft 37 (15.9.1893) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
57 (1893)
Issue
Heft 37 (15.9.1893)
Date
1893-09-15
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 21>. August fallt in dem unserer Provinz benachbarten polnischen Orte S o s n o w i ce ein junger llAann, der 8vhn des Kaufmann M argolies, durch einen Schuft vorzeitig zu Tode. Ter junge, erst 20 Jahre zählende Mann, welcher in einem Geschäfte in Paris an gestellt war, kam von dort nach der Heimatlr um seinen Pater, der schwer erkrankt im Bade weilte, zu vertreten. Tie .Kugel eines Revolvers, mit dem der junge Mann gespielt haben soll, drang durch die 'Nase in den Kopf und führte den augenblicklichen Tod herbei. Man erinnert sich angesichts dieses Unglücksfalled, der die Familie betroffen, daran, das; vor längerer Zeit ein älterer Bruder des Verunglückten sich das Leben nahm. - Plötzlich verschieden ist am Montag in Pilsen, wo er zum Besuche von Verwandten iveilte, der zweite Vorsteher der Filiale der Breslauer Tiskontobank, Herr Ernst duftig ans Gleiwitz. Ter Kriegerverein verliert in dem Tahingeschiedenen seinen verdienten Schriftführer, der auch Schatzmeister des Kaiser Friedrich-Tenkmal-Komitees war. 'Am 1. d. M. Nachmittags i\.2 Nhr fand in Gleiivitz die Beerdigung des Verstorbenen auf dem jüdischen Friedhofe statt. Girr zahlreiches Trauergefolge erwies dem so jäh dein Leben Gntrifferren, der irr Gleiwitz alkgenrein bekannt und geachtet war, die letzte Ehre. Leicht sei ihm die Erde! Der frühere Kantor der Srmagogeirgenniude Görlitz, Herr M. Ebel, der s. seine dortige Stellung als eirr Opfer der Ausweisungspolilik der Regierung aufgeben muftte, ist, rvie berichtet wird, vor eirrigerr Tagen irr Hultschin «in Oberschlesien) gestorben. Tri reg die Verhandlungen des ''Abgeordnetenhauses und seine an dieses gerichtete Beschwerde war sein Name in weiten Kreisen bekanirt geivorden. K. St. Hildes heim, 1". September. Eine selterre Feier, wie sie vorige Woche hier stattgeirrnden hat, durfte wohl das Irrteresse weiterer Kreise in Llusprucl, nehmen, weshalb ein kurzer Bericht über dieselbe in dieser geschätzten Zeitung Platz finden möge. 'Am in. Ellnl (31. August« rvarerr es 220 Jahre, das; irr der hiesigen altehrrvürdigerr Syuagogengemeinde eine E h ebra-Kadiseha , Beerdigungs-Verein) besteht, eine Bereirrignrrg, wie sie wohl rrrrr irrr Scboofte des Jrrderrthrrnrs erwachsen tarnt. 'Angesichts der überaus ro ichtigerr Bedeutung eines solchen Bereirrs wurde denn auch die 220 jährige Jubelfeier desselben irr der würdigsten Weise begangen. Vormittags nm o Uhr fand feierlicher Gottesdienst statt, dessen Mittelpunkt eine gehaltvolle Predigt bildete, die von unserem Handradbirrer, Herrn Tr. Lewinsky, gehalterr rvrrrde. 'Arrkrrüpserrd an die Worte des Prediger Salomos: „Ein Geschllcht gelrl, ein Geschlecht kommt", wies der Redner zrnrachst auf das hohe 'Alter unserer Ehebra-Kadischa hin, die zweifellos aber noch älter sei, als es das noch erhaltene Ehebra-Bnch angebe, denn bereits vor mehr als 54n Iah rer r sei laut vorhandener Erkundern hiesiger Genreirrde als Wahrzeichen jüdischer Pietät eirr Friedhof errichtet worderr. Des Weitererr belerrchtete der Redner, anlchrrend an die Worte: „Tu hast Liebe geübt au all' den Kirrdcrn Israel" <k. Saniuel 10. 0«, die LiebeSrverke, rvie sie vorr derr Biitglicderrr einer solchen „heiligerr Brüderschaft" geübt werden. Schließlich gedachte der Redner aller Derer, die ihre strafte voll und ganz irr derr Dienst des Bereirrs gestellt, rrud ermahnte zrrgleich die gegenwärtigen Mitglieder desselben, ihren 'Altvordern nachzuahrrren und gleich ihnen den Geist wahrer, nrieigeunütziger Liebe zrr pflegen durch geroissenhafte Erfüllung aller Pflichten, die ein solcher Verein ihrrerr auserlege. — Llaehdenr mehrere geeignete Psalmen vorr Vorbeter rmd Gemeinde irr recrtativer Werse vorgetragen warerr, schloß diese erhebende Feier unter Absirrgrrrrg eirres Ghorals, womit sie auch begorrrrerr hatte. - Bei dieser Gelegenheit geschehe einer edlen Stiftung Erwähnung, die der erste Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Banqriier Augrrst Düse, derselben zugewendet hat. 'Anläßlich der Barmizwah-Zeier seines eirrzigeri Sohnes hat er der Gemeinde ein Kapital von 1500 Wart zngewiesen, dessen Zinsen zu Gunsterr vorr Barmi;watp.K naben oder Korrfirrnandirrnerr verwarrdt werden sollen. Es ist dies bereits die dritte Stiftung, weche das August Tuse'sche Ehepaar irr hiesiger Gemeinde begründet hat, wodurch es sowohl seirre edle, hochherzige Denkurrgsart wie auch seinen echt jüdischen Sirm auf's Deutlichste bekundet * Worfelden, 7. September. Gestern wurde hier die neu erbaute Synagoge feierlichst eirrgerveiht. Es m anzuerkennen, daß die nur arrs sieben Familien bestehende hiesige israelitische Genreirrde durch grofterr Opserrrruth die Errichtung eines würdigen Gotteshauses herbersührte. Ter Barr ist, derr Verhältnissen entsprechend, nicht groß, aber sehr schmuck und würdig ausgestattet. Die Feier der Einweihung wurde durch Herrn Rabbiner Dr. Selver aus Tarmstadt vollzogen, welcher durch das Weihe-! gebet, sowie darauf folgende Predigt mit Gebet für Kaiser, Großherzog! und Vaterlarrd die versammelte Gemeinde in feierlichste Stimmung verl setzte. Art der Feier betheiligte sich die christliche Bevölkerung sehr stark,! wobei insbesondere die Anwesenheit des Bürgermeisters mit dem Ortsvorstand, des Baumeisters und der beiden evangelischen Lehrer erwähnt werden soll. Der evangelische Pfarrer gab in einem Schreiben an den Vorstand seinem Bedauern Ausdruck, durch die auf gestern anberaumt gewesene Dekanats-Konferenz an der Theilnahme verhindert zu sein. Ein erfreuliches Bild lieferte die Einweihung von der Eintracht, welche unter den Bekennern der verschiedenen Konfessionen herrscht. * Frankfurt a. M., 8. September. Die Einweihung der neuerbauten Synagoge der israelitischen Religionsschule, Unterlindau 23 („Westendsn na goge"), wurde am 3. d. M. in Gegenwart einer großen ''Anzahl eingeladener Gäste vollzogen. Nachdem die Feier durch Gesang des Ehors der neuen Synagoge «Börneplatz) und Rezitation des Vorbeters eröffnet worden ivar, ivurden die Thorarollen aus dem Vorderhaus, das dem Unterrichtszwecke der Religionsschule dient, zur Synagoge getragen und dort mit Gesang empfangen. Herr Rabbiner Dr. Horovitz sprach das Weihegebet, das Gebet für den Landesherrn und hielt dann, als unter Gesang die Thorarollen in der heiligen Lade ausgestellt waren, die Festpredigt. Mit abermaligem Chorgesang endete die Feier, der sich das übliche Abendgebet anschloß. Der Bau ist freundlich und hell, der Schmuck zwar einfach, aber geschmackvoll, die 'Anordnung und Einrichtung praktisch. h. Karlsruhe, 10. September. ''Angeregt durch den in Nr. 30 Ihrer geehrten Zeitung erschienenen Artikel des Herrn Rabbiner Dr. Kroner, worin derselbe die Gemeinden Deutschlands auffordert, insgesannnt gegen die Verfasser und Verbreiter des „Talmud-Auszug" vorzugehen, hat hier am 3. d M. auf Einladung des hiesigen Synagogenralhs eine Versammlung der Bezirksältesten und Synagogenrälhe des Großherzogthums Baden zur Berathung einiger internen Angelegenheiten stattgesunden. Ans Antrag des Synagogenraths .Karlsruhe erschien auf der Tagesordnung auch die Besprechung des oben erwähnten Artikels in Nr. 30 Ihres Blattes, sowie im Allgemeinen die Berathung von Schritten gegen den Antisemitismus. Die anwesenden Delegirten erklärten einstimmig, daß die durch sie vertretenen Gemeinden bereit seien, sich dem von Ihnen vorgeschlagenen Verfahren unter Führung des deutsch-israelitischen Gemeindebnndes anzuschließen. Da meiner 'Ansicht nach auch im übrigen Deutschen Reiche, wenn nur in richtiger Weise die'Anregung dazu gegeben wird, eine große 'Anzahl von Gemeinden sich finden wird, welche sich ebenfalls zum 'Anschluß bereit erklären, so wäre es wünschenswerth, daß der deutsch-israelitische Gemeindebund die Sache in die Hand nimmt und mit Energie durchführt. Im klebrigen wurde in der Versammlung mit Recht von vielen Seiten betont, es sei endlich einmal an der Zeit, daß die Juden selbst sich zum Schutze ihrer persönlichen Ehre und ihrer durch den 'Antisemitismus gefährdeten Rechte zusammenthun und nicht mehr länger, wie dies bisher leider nur zu lange schon geschehen ist, in Unthätigkeit verharren. — Ed wurde beschlossen, sich einem bereits seit mehreren Wochen hier bestehenden Komitee, welches nach dieser Richtung hin seine Thätigkeit entfalten will, anzuschließen. Soweit es sich bis jetzt benrtheilen läßt, , wird dieses Komitee unter Zuzug von Vertrauensmännern aus dem ganzen Lande sich zunächst darüber schlüssig zu machen haben, ans welchem Wege sich am besten der Zusammenschluß der badischen Juden zu dem Zwecke der Bekämpfung des 'Antisemitismus erreichen läßt. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, io. September. Noch kurz vor dem Neujahrsfeste, am Freitag den 8. d. Mts., fand die Schlußsteinlegung und Einweihung der nach den Plänen und unter der Leitung des Baurathes Wilhelm Stiaßny neuerbauten polnischen Synagoge in der Leopoldsgasse im II. Bezirke statt. Das im maurischen Style erbaute Haus besteht aus einem dreischiffigen Raume, in dem sich 450 Männersitze befinden, und einer denselben auf drei Seiten umschließenden Galerie, welche 250 Frauensitze enthält. An der Spitze des Bau-Komitees stand Ignaz Zolles; die Baumeisterarbeiten wurden von dem Stadtbaumeister Karl Mayer, die : Malerarbeiten uou Josef Hott, die Bildhauerarbeiten von Wenzl, die 'Anstreicherarbeiten von Makler ausgeführt. Die Baukosten betrugen 65,000 fl. und zuzüglich des Baugrundes und der sonstigen Spesen 90,000 ft. Das erforderliche Baukapital wurde durch Spenden, Samm-

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