Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 57 (1893)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1893)
- Date
- 1893-09-15
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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57. Jahrgang. Ar. 37. Berlin, 15. September 1893. cht werden, ls und zucht ignorimch wenn un solches n „In der wn mußte, zuerkennen, enthum die tte gar geie eisernen th ruft sie rr Engelsder Rachekann auf- Wer kann Gedankens gesungenes je her des 1er darauf e auch die ^all. Die wenigsten hylock hat der Weise , so sollte ) schweren lnd helfen zeigen den , hilfreich r Menschen, uß, dann n doch ja u sie dem tß ich auf ' „Eine m Wissen rralistische!it. Man oon bavtre Widerloralisches der wohlt, wie sie rdenposse" gar liebn fünf ndividuen liedrigsten n Lebens ae schau- Der Jude;r ist kein und von n Dalles, chkeit für in dieser nur die L. ß. Der Gemeindebote. vertage zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthums". KorrespondenM und Nachrichten. Deutschland. 8 Berlin, 13. September. Der Präsident des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" in Wien Baron A. Gundaecar von Suttner erhielt von Geheimrath Professor Dr. Foerster, dem Vorsitzenden der Gesellschaft für ethische Kultur, folgendes Schreiben: Seebad Bolten Hagen (Mecklenburg), den 27. August. Hochgeehrter Herr! Als Vorsitzendem der Eisenacher Zusammenkunft liegt es mir noch ob, im Namen der ganzen Versammlung unfern innigsten Dank auszusprechen für die Stärkung und Belebung, welche unseren Berathnngen durch die begeisternde Zuschrift vom 11. August zu Theil geworden ist. Wir wagen mit Ihnen und Ihrem hochgesinnten Verein zu hoffen, daß allen kleinen und großen Gegenwirkungen zum Trotz unfern gemeinsamen Bestrebungen die Zukunft gehört, wenn es uns gelingt, in der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit zu bleiben, selbst auf Kosten unmittelbarer Verzögerung des Erfolges, denn das allein ist die siegreiche Fahne des neuen Denkens über den Menschen und die menschliche Gemeinschaft, daß die ethischen Forderungen absolute sind und daß keine Kompromisse mehr gemacht werden dürfen. In größter Hochachtung Ihr ganz ergebener W. Foerster. £2 Berlin, 13. September. Wie man uns mittheilt, hat Dr. jur. Otto Opet sich in Bern habilitirt. Dr. Opet, 1866 in Berlin geboren, gehört einer hiesigen sehr achtbaren Familie an, aus welcher namhafte Talmudisten hervorgegangen sind. Durch seine Werke auf dem Gebiete der deutschen Rechtsgeschichte ist Opet in Fachkreisen bereits wohlbekannt; besonders haben seine Schriften über das fränkische Weiberrecht, das „Erbrecht der Weiber" und seine „Geschichte der Prozeßeinleitungsformen" Beifall und Zustimmung seitens hervorragender Juristen, wie Dargun, j Ficker, Sohm, Sickel u. A., gefunden. Gegenwärtig bearbeitet Opet das! „Jüdische Recht" im Aufträge der zu Straßburg erscheinenden „Älonumenta. Oermaniae". * Berlin, 10. September. Am 15. d. M. hält Rudolf Falb im; Architektenhause einen Vortrag über „das kabbalistische Geheimniß - der Bibel"; das Programm lautet: „Erste Veranlassung zu diesen j Studien in Südamerika. Der Begriff der Kabbala im Allgemeinen. Die! Zahlenkabbala insbesondere. Nachweis einer Zahlenkabbala im Alten! unb Neuen Testamente. Die Zahl 22 als Offenbarungszahl. Die Be- > deutung derselben im hebräischen Alphabete und ihr Zusannnenhang mit! der Astronomie des Orients. Astronomisches in der Apokalypse. Die! Zahl 666, das kabbalistische Geheimniß der Bibel. Ihre astronomische z Bedeutung durch die Kabbala verrathen. Das Alpha und Omega. Die Symbolik der Schlüsselgewalt. Das Heilssymbol der Propheten. Das Kreuz in China und Amerika. Der Mithras-Cult. Der Mond als Mana, Schaubrod und Wegzehrung. Der hell leuchtende Morgenstern Hermes-Merkurius. Die Darunfeier der alten Perser und der Somatrank oer Inder als Vorbilder des Abendmahls." — Wir wollen abwarten, in welcher Weise Herr Falb diese, zum Mindesten etwas sehr seltsamen Vorlagen behandeln wird. V. Breslau, 8. September. Am 23. d. M. begeht Rabbiner Dr. P. Neustadt dahier seinen 70. Geburtstag und seine 50jährige Lehrthätigkeit. Wenn auch der bescheidene und anspruchslose Mann keinen Werth legt auf öffentliche Kundgebungen, so erachten wir es doch als! Pflicht, die zahlreichen Freunde und Verehrer des Jubilars auf diesen! Tag aufmerksam zu machen. — Gegen die jüdischen Herbergswirthschäften im Innern der Stadt richtet sich in erster Linie die vom hiesigen Polizeipräsidenten Dr. Bienko angeordnete sanitätspolizeiliche j Kontrole derjenigen Herbergen, in welchen russische oder polnische Einj wanderer Unterkunft finden. In diesen Herbergen finden oft solche j jüdische Einwanderer aus Rußland Aufnahme, welchen der Uebertritt > ruf das preußische Staatsgebiet verboten ist, und die natürlich von ihren! Wirthen, denen bisweilen die Konzession zum Betriebe solcher Wirthschaften fehlt, oft gar nicht polizeilich angemeldet werden. Der Polizeipräsident hat nun die ihm unterstellten Sicherheitsorgane angewiesen, diejenigen der in Rede stehenden Lokalitäten, die den sanitären Anforderungen nicht in vollstem Maße genügen, rücksichtslos ohne Weiteres (?) zu schließen und solche Personen, welche ohne Konzession Herbergen unterhalten, wegen Vergehens gegen die Gewerbeordnung und Gewerbesteuer- Hinterziehung zur Anzeige zu bringen. — In der jüngsten Versammlung des hiesigen deutsch-sozialen Vereins theilte der Vorsitzende mit, daß im September Dr. Vöckel hier einen Vortrag halten wird. Dann sprach ein Dr. Klaus über „die Entwickelung, die Ziele und die Zukunft der antisemitischen Bewegung" und bezeichnete als die nächsten Ziele derselben: Verbot der Einwanderung der Juden (?), Uebersetzung ihrer geheimen (?) Religionsschriften, Verbot des Schachtens (Aha!), wie in Sachsen, und Schaffung sozialpolitischer Gesetze. — Der Todestag Ferdinand Lassalle's wurde am Donnerstag, den 31. August, von den hiesigen sozialdemokratischen Gewerkschaften und Vereinen in der üblichen Weise begangen Auf dem Grabe Lassalles auf dem jüdischen Friedhofe erschienen Deputationen und legten Kränze nieder. — Gestern traf die langersehnte Bestätigung des Regierungspräsidenten für den bekannten ersten Kantor des hiesigen neuen Tempels, Herrn S. Steifmann (bekannt unter dem Künstlernamen Cerini) ein, nachdem es demselben gelungen war, das deutsche Staatsbürgerrecht zu erlangen. — Im hiesigen „Schlesischen Museum der Künste" (erster Saal rechts vom Eingang) ist zur Zeit ein plastisches Kunstwerk von dem Breslauer Künstler Ernst Seeg er ausgestellt, das geeignet ist, die Aufmerksamkeit der Kunstfreunde zu erregen. Dasselbe ist ein höchst eigenartiges, dem hiesigen, als Wohlthäter wohlbekannten Geheimen Kommerzienrath Heinrich Heimann zu dessen bevorstehendem 70. Geburtstage von seinen vier Prokuristen zugedachtes Ehrengeschenk. Auf einem reichgeschnitzten, in Weiß und Gold dekorirten Tische erhebt sich ein mehrfach abgestufter, architektonischer Aufbau aus weißgenädertem rothen Marmor, darüber eine Säule aus milchweißem Marmor. Auf den Voluten, rechts und links von der Säule, ruhen, in theitweise platinirter Bronze ausgeführt, die personisizirten Tugenden des Fleißes und der Gewissenhaftigkeit, die erstere (rechts) dargestellt durch einen ernsten, langbärtigen Greis, der über ein Buch geneigt ist, die letztere (links) durch eine jugendliche, reizende Frauengestalt, die eine Schlange abwehrend von sich gestreckt hält. Um den Fuß der Säule gruppireu sich vier Putten, die in humorvoller Auffassung das geschäftige Treiben in einem Bankhause symbolisiren. Als Bekrönung der Säule dient eine mit einem Schleier bekleidete weibliche Figur auf geflügeltem Roß mit den Attributen der Gerechtigkeit, Waage und Spiegel; sie hält einen Lorbeerkranz mit der Zahl „70" empor. Die Front des Unterbaues nimmt ein bronzener Schild ein, der durch einen Mechanismus geöffnet werden kann. Auf der Innenseite ist die Widmung eingravirt, die Außenseite soll später mit dem Medaitlonporträt des Jubilars geschmückt werden. Das Ganze macht einen prächtigen Eindruck und macht Künstler, Spendern und Jubilar Ehre. 0a. Bus Schlesien, 3. September. Aus Oels, woher ich Ihnen schon des Oefteren berichten konnte, daß dort der Antisemitismus mit seinem Appell an die Oeffentlichkeit Absage erhielt, wird berichtet, daß dort der Rittergutsbesitzer Seidler in Allerheiligen, Verfasser der antisemitischen Flugblätter während der letzten Wahlperiode, Hauptstörer liberaler Versammlungen w., in der am 24. v. M. stattgehabten Sitzung des konservativen Vereins, an Stelle des königlich sächsischen Kammerkalkulators Müller, zum Vorsitzenden gewählt wurde. Wir gratuliren! — Mit Messern zerstochen wurde in Hohenlohehütte (bei Kattowitz) der Schanker Aschner und seine ihm zu Hilfe eilende Ehefrau von einigen jungen Grubenschleppern. Bei dem Gastwirth war eine Prügelei entstanden, und als Aschner seinem Prinzipal bei der Hinausbeförderung resp. Beruhigung der Störenfriede beispringen wollte, sielen die Raufbolde über ihn her und zerstachen ihn auf bestialische Weise. — Am